In Erinnerung an Bella

Bella war eine schwarze, wilde und zweijährige Katze. Sie wurde im vergangenen Oktober im Alter von ungefähr einem Jahr gefangen, kastriert, wieder frei gelassen und am 28.10.2011 musste sie sterben, weil ein Mensch ein Mensch ist.

Ich habe lange überlegt, ob ich ihr letztes Foto, was ich aus eigenen Gefühlen heraus machen musste, hier einstellen soll. Zuerst verkleinerte ich und speicherte einen Ausschnitt, aber das bringt nichts, denn es ist eine Tatsache und die Katzenheimat lebt mit Tatsachen, Freud und Leid. Dazu stand ich immer und werde es weiterhin tun. Ich will Niemanden mit diesem Foto schocken, lediglich darstellen, wie das Leben der frei lebenden Katzen aussieht oder aussehen kann. Selbstverständlich kann solch ein Schicksal auch jede Freigängerkatze treffen. Der feine Unterschied ist lediglich, dass Katzen mit einem Zuhause zumindest zwischendurch mit einem Dach über dem Kopf leben konnten/durften.

Über Bella kann ich nur wenig erzählen und dennoch so viel. Sie war eine derer, die ich durch Zufall entdeckte und die bei einer KFZ Werkstatt schon längst bekannt war. Bella lebte dort, huschte scheu hin und her und wurde mit ihrer Anwesenheit akzeptiert. Sie wurde gemeinsam mit ihrem ebenfalls scheuen Bruder oder Kumpel Max nicht gefüttert, denn Nein, weshalb auch? Es gibt schließlich genügend Ratten und Mäuse. Aber egal, Hauptsache sie konnte sich zumindest auf einem Stapel Pappe zusammenrollen und hatte einen Platz.

Seitdem ich wusste, dass sich an beschriebener Stelle zumindest drei Katzen, die inzwischen kastriert werden konnten, aufhalten, richtete ich dort eine Futterstelle ein, die seitdem täglich mit Wasser und Futter versorgt wird. Die Stelle sprach sich schnell herum und nicht nur diese drei Katzen futtern dort. Wie schon oft in der Katzenheimat erwähnt, so hoffe ich einen Überblick zu  behalten oder zumindest irgendwann zu bekommen, denn das ist mehr als schwierig, weil ständig neue Tiere auftauchen.

Es ist die gleiche Unfallstelle, an der auch Tiffy ums Leben kam. Tiffy und ihr Sohn Kimba.  Am Freitag rief mich Herr M. um kurz nach Sieben an und ich wusste sofort, dass es eine schlechte Nachricht sein würde. Herr M. fährt bereits um kurz nach Sechs durch das Hafengebiet, versorgt dort eine der Futterstellen und fährt anschließend zu seiner Firma. Auf dem Weg dorthin sah er Bella auf der Straße liegen, hielt als einziger Mensch in diesem boomenden Industriegebiet an und legte Bella an die Seite. Herr M. kannte Bella nicht, rief mich jedoch an und sagte Bescheid, da mir diese Katze eventuell bekannt sein könnte. Als ich um kurz nach Acht Uhr an der Stelle eintraf, fand ich Bella somit sofort. Sie wäre bis dahin zu einem Stückchen Fell reduziert worden, wenn Herr M. sie nicht beiseite gelegt hätte. Ich sah Spuren, wo LKW Fahrer scheinbar blind über die Katze drüber gefahren waren, nur um auf einen freien Halteplatz gelangen zu können. Die Frage ob Sinn oder Unsinn stelle ich längst nicht mehr. Es kostete nur wenig Überwindung Bella wieder zusammenzusetzen, damit ich zumindest in ihre Ohren sehen und eine inzwischen verblasste Tätowierung erkennen konnte. Und erneut kochte Wut in mir hoch, da weder eine Nummer noch ein Zeichen erkennbar waren. Nach einem Jahr lediglich ein Funken von Farbe, das war es! Mir persönlich reichte das als Erkennung und ihre verbliebenen Zitzen, die sie von Max unterscheiden, aber jede Tätowierung bringt nichts, rein gar nichts, wenn sie nach spätestens einem Jahr nicht mehr identifizierbar ist!

Und ja, ich weiß, es ist entweder Sentimentalität oder macht wirklich Sinn,  jedem auch noch so sehr absichtlich zerfahrenem Tier eine letzte Ruhestätte zu ermöglichen. In diesem Fall war es Sylvia, die mir gestattete in ihrem – seid gestern somit eingeweihten  – Garten einer der übersehenen und regelrecht verfluchten Katzen einen letzten Platz zu gewähren. Danke Sylvia!

Man muss nur daran glauben, auch wenn es schwer fällt. Aber Bella bekam meine tiefsten Wünsche mit auf den Weg: „Komm gut heim und treffe alle wieder, die bereits im Regenbogenland sind und nur auf dich gewartet haben. Mach es gut, liebe Bella, du wirst niemals vergessen sein.“

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14 Kommentare zu “In Erinnerung an Bella

  1. Komm gut rüber, kleine Bella… 😦

    Gestern warst Du noch voller Leben,
    heute muss ich Dich zu Grabe geben.
    Gestern ertönte Dein tiefes Schnurren
    und heute, ich seh nur die Reifenspuren.
    Hätten wir nie Teer und Straßen erfunden,
    wäre Dein Körper jetzt nicht so verschunden.
    Hätte es nie ein Auto gegeben,
    wärst Du, kleine Katze, jetzt noch am Leben.

      • Klar fährt ein Auto nicht von allein, sondern wird durch den Menschen gesteuert.
        Ich fand dieses Gedicht dennoch passend und wollte damit lediglich Anteil an Bella’s grauenvollem Tod nehmen.
        Tut mir aufrichtig leid, wenn es hier falsch ankam.

  2. Gute Reise, schwarze Bella.
    Sabine, fühle Dich fest gedrückt. Deine Stärke sichert ihren Frieden – auch wenn es ihr jetzt hier nichts mehr nützt.
    Sylvia, danke für das endgültige Plätzchen für Bella.

  3. Liebe Sabine
    Du wirst im Moment wieder so Leidgeprüft! Ich wünsche dir weiterhin viel viel Stärke, die du für all die vergessenen, und gequälten Tiere brauchst!

    Bella – Ruhe in Frieden da wo du jetzt bist! Ich hoffe du findest nun ein glückliches, behütetes Leben, ohne ständige Angst um selbiges haben zu müssen!

    Heike.

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  8. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die sich um herrenlose Tiere kümmern. Vielen Dank, dass es euch gibt!
    Herzlichst, Susan

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