Auszug/Umzug/Einzug

Heute sind Hanni und Nanni aus – um – und eingezogen. Eigentlich wäre gestern der Tag X gewesen, aber irgendwie ahnten die beiden Zuckerschnecken unser Vorhaben und zogen es vor, einen großen Bogen um die bereitgestellte Box zu machen, schließlich sind Boxen böse und schiffen einen eventuell zum Tierarzt.

Hanni 1

Kleine Hanni

Nachdem ich erkannte, dass es keinen Sinn haben würde, rief ich Birgit an und sie meinte das sei kein Problem, denn auch Emmy und Maxi würden etwas ahnen und seien spurlos verschwunden. Der Plan war, Emmy und Maxi in ihrem eigenen Katzenhaus festzusetzen, ohne Möglichkeit durch die Katzenklappe nach Draußen zu spazieren. Denn nur so wird eine Integrierung von Hanni und Nanni funktionieren. Die Beiden  müssen auf alle Fälle durch diese Einsperrphase, da sie sich an ihr neue Umgebung gewöhnen müssen und Emmy und Maxi müssen im Anbau bleiben, sonst könnten auch Hanni und Nanni entfleuchen. Eben alles nicht so einfach und mitsamt telepathierenden, misstrauischen Katzen zusammen, fast schon ein Unding.

Nanni 1

Nannischatz

Aber der gestrige Misserfolg hatte auch sein Gutes, denn Plan B befahl mir, sämtliche Katzen, die freiwillig die Lock – Leckereien aus der Box klauten, ins Schlafzimmer zu sperren. Auch Hündin Bella wurde separiert. Somit waren nur noch sie Sanften anwesend, in Form von Kater Mikesch, Hermine und  Perlchen. Ich hockte mich vor die große Hundeflugbox und warf Trockenfutter in die Box. Hanni war recht schnell drin, aber Nanni, die unnahbare und sowas von wissende kleine Katze, sie gab sich mit Schnuppern zufrieden. Hanni kam wieder heraus und das Spiel begann von vorne. Selbstverständlich hätte ich sie auf die „brutale“ Art irgendwie eingefangen bekommen, aber das kam vor ihrem weiteren, neuen  Lebensabschnitt keinesfalls in Frage. Somit half eine Scheibe Schinken, von der Perlchen, Mikesch und Hermine einen Teil abbekamen, der Rest wurde in die Box geworfen, wo Hanni wieder die Erste war und sich die Stückchen Schinken einverleibte. Nanni ging nur bis zum Hals hinein, dann zog sie sich erneut zurück. Mannomann, ein echt harter Knochen, dieses sanfte Wesen mit Namen Nanni.

Nanni 2Gestern hatten wir Katzenhühnersuppe gekocht, was gleichzeitig auch eine Art Abschiedsessen sein sollte. Einige Hühnchenstücke waren übrig geblieben und sie bedeuteten meine letzte Chance. „Hühnchen, Nanni, Hühnchen, komm`nimm“, und ich warf die Stücke in die hinterste Ecke der Box. Hanni war wieder einmal sofort drin und jetzt musste es auch klappen, sonst waren sie satt. Nanni ließ sich endlich, endlich überreden und ich musste nur noch ihren Popo hinterlistig hineinschieben, Gitter zu und durchatmen. Ich rief Birgit an und sie sprach ebenfalls von hinterlistigem Erfolg, von übelst gelaunten Emmys und Maxis  … aber es soll sich schießlich nur zum Besten aller Samtpfoten entwickeln.

HanniSomit fuhren wir den selben Weg wie seinerzeit, als wir Emmy und Maxi nach Katzenhausen brachten. Damals mitten im tiefsten Schnee, diemal mitten im späten Frühling. Und auch dieses Mal  beneidete ich unsere Fracht, die an einer vielbefahrenen Straße überlebte und mit all ihrem Wissen in ein regelrechtes Erholungsgebiet umsiedeln darf.

Fahrt

Fahrt 1

Ankunft 1

Ankunft 2

Ankunft 3Das altbekannte Katzenhaus empfing uns und  übelst gelaunte Emmy und Maxi. Sie waren in ihrem Tagesablauf empfindlichst gestört worden, aber ok, das Wetter spielt mit und hin und wieder diese  Regenschauer, naja, irgendwie passt das schon. Emmy hatte sich hinter einem Holzbrett versteckt, mein damaliges Emmiken, die harte Nuss. Ich bestellte viele Grüße von ihrer Mutter, die ich am Freitag noch am Hafen traf.

Emmy

Emmy

Maxi 1

Maxi

Maxi war nicht minder sauer, denn auch sie mag weder Besuch noch Zwang. Wir öffneten die Box und Hanni war genauso schnell darußen, wie vor über einer Stunde drinnen. Aus ihr wird eine zweite Maxi werden, die bald händelbar und dem Menschen zugewandt leben wird, wenn sie erkennt, dass sie ihr Leben leben darf. Nanni verbrachte noch eine Zeit in der Box, obwohl sie zuerst nicht hineinzubekommen war. Wir gingen ins Menschenhaus, setzten uns anschließend  in den wunderbaren, von allem abgeschotteten Innenhof, wo die beiden Hunde herumtollen und sich das Meerschweinchengehege für Schweinchen aus schlechter Haltung befindet. All das ist in Katzenhausen möglich. Wir tranken einen leckeren Kaffee, füllten den Schutzvertrag aus und besprachen den Inhalt der Tüte, die das gewohnte Futter von Hanni und Nanni beinhaltete.

Vielen Dank hiermit an Brigitte R. und Karin A.I., die mit einer Menge  Grenatapet Trockenfutter und einer Geldspende für diese Tüte verantwortlich sind! 😉

Nach einer Weile gingen wir nachschauen. Derweil hatte auch Nanni die Box verlassen und Emmys Platz eingenommen.

Nanni 4Sie sind sich wirklich sehr ähnlich, Emmy und Nanni – zwei harte Nüsse. Hanni fanden wir zuerst nicht, aber dann entdeckte Birgit ihr vorwitziges Näschen zwischen Heizung und Fensterbank. Einen kleineren Spalt gibt es in diesem Haus nicht.

Hanni 2Die Karten werden gemischt, das erste Fauchen war bereits hörbar, aber Platz genug ist vorhanden und ich wünsche Hanni und Nanni mitsamt Emmy und Maxi das allerbeste Leben. Nach all den Strapazen und Irrwegen, die dennoch nur das Eine wollten: Ein freies, eigenständiges und dennoch sicheres, langes Leben.

Viel Glück und gutes Gelingen, und Danke an Birgit, die diesen weiteren zwei  Miezen das Paradies auf Erden ermöglicht!

Ankunft 4

Katzengerechter Garten

Ankunft 6

Katzenhaus mit Heizung und Kratzbäumen, zur Überwinterung und für immer wieder, je nach Laune.

Danke Birgit! Und viel Glück Hanni und Nanni – wir vermissen Euch, Eure Späße, Eure Klugheit! Hanni, die jede Türe  – und Nanni, die jede Tüte  öffnet! Mir tut all das wieder verdammt weh, aber es muss weitergehen, auch für Euch. Lieben Dank für Eure weitere, gezeigte Lehrstufe, die wir mit Euch durchleben durften! Wilde Katzen sind selten zu zähmen und all Euer Gespür, Euer Wissen und Instinkt, davor muss Mensch sich tief verneigen.

Neuigkeiten, alles gut, toi, toi, toi

Damit mal wieder ein paar positive Meldungen auf der Katzenheimat stehen, lasse ich Bilder sprechen und fasse mich möglichst kurz.

Hanni und Nanni konnten ihre Katzenschnupfen Symptome  überwinden, beide Miezen sind mittlerweile besser drauf, als jeder neu entwickelte Turnschuh. Hanni ist die mutigere von Beiden, sie lässt mich nicht aus den Augen, aber dennoch mag sie sich nicht anfassen lassen. Klingt zweideutig, aber ich tue ihr nix. 😉

Nanni ist und bleibt der zurückhaltende Einzelgänger mit inzwischen klaren Augen, aber wer die Wilden akzeptiert, mag auch die Zeit, die es dauern wird.  Und wenn nicht, dann nicht, denn nicht jede Katze muss am Rockzipfel hängen. Jede Katze ist ein Individuum und jede Katze birgt Überraschungen, jede ist ihr eigener Herr und lässt sich nur schwer beeinflussen. Hanni und Nanni werden ihr Zuhause bei Emmy und Maxi in „Katzenhausen“ jedenfalls zu 99% bekommen und dort dürfen sie, nach allen weiteren Verpflichtungen, wie Kastration und Registrierung mithilfe eines Chips, ihr weiteres Leben erleben können. Ich denke, dass es ab Januar der Fall sein wird, da ich definitiv gegen eine Frühkastration bin, auch wenn mach ein Tierarzt jetzt schon eine OP befürworten würde. Aber mittlerweile konnte oder musste ich so viel erleben, dass meine Meinung aus gelebten Erlebnissen resultiert. Und wir haben Glück, und das Glück bedeutet in diesem Falle Zeit, denn obwohl sich die Adoptanten auf ihren unzurechenbaren Zuwachs freuen, so haben sie ebenfalls wertvolle Geduld. Emmy und Maxi geht es jedenfalls richtig gut, und es war die korrekte Entscheidung nach der Trennung der ersten Adoptanten, diese Katzen in ihrer Heimat zu lassen:

Maxi auf Beobachtungsposten

Um die folgenden Fotos zu erklären, so bekam ich gestern ein Katzenhaus  vom Fressnapf geschenkt. Geschenke im Fressnapf werden rar verteilt, es kommt immer auf den mitfühlenden Kassierer an, weshalb ich nicht nur aufgrunddessen die Geschäfte ständig wechsele. Irgendwann war ein Papphaus als Geschenk beim Kauf von zehn Dosen „Real Nature“ angekündigt worden, aber selbst beim Kauf von zwanzig Dosen gab es keine Pappe zusätzlich. Nicht dass ich darauf erpicht gewesen wäre, aber irgendeine Kleinigkeit aufgrund der Preise kommt gut an. Gestern war dieses Gratisgabe längst nicht mehr aktuell, aber die Kassiererin war in Ordnung. Ein Stapel Pappe, den ich in der Mittagspause zusammenbastelte und der tatsächlich Stunden voller Spaß brachte. Bis … ja, bis eine etwas schwerere Katze in Form von ausgewachsenem Charlie meinte, dieses Haus abreißen zu müssen.

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Inzwischen gab es auch wieder Anrufe von Interessenten für Kuhkatzkater, die am vergangenen Sonntag, nach Terminabsprache und ohne Absage, einfach nicht kamen. Ich bedanke mich hiermit herzlich für diese eindeutige Info, somit spart man sich Mühe in Form von Vorkontrolle und intensiven Nachdenkens, denn Sorry, wir sind hier nun einmal kein belgischer Tiermarkt, wo man ein Tier sofort und ohne Überlegung möglichst billig „kaufen“ kann! Qualität hat nun mal seinen Preis, siehe Fressnapf!

Wenn ich doch noch etwas hinzufügen darf, obwohl ich mich kurz halten wollte, so traf ich gestern eine  unglückliche Frau. Sie muss wirklich sehr unglücklich gewesen sein, dabei hatte sie alle Sinne beisammen und konnte sich bewegen. Ich musste an einer Ampel bremsen, die ein gelbes Licht zeigte. Das passiert alle paar Minuten, den ganzen Tag über, wenn man ständig unterwegs ist. Der LKW Fahrer neben mir bretterte ignorierend weiter, ich hielt langsam bremsend an, da ansonsten die Postkisten durcheinander gewirbelt wären. Die inzwischen Rot anzeigende Ampel hatte ich im Blick, ich stand lediglich ein paar Zentimeter auf einem Fußgängerüberweg, den kaum jemand benutzt. Plötzlich klopfte es an der Seitenscheibe und eine wild gestikulierende junge Frau schrie ihr Unglück in die Welt. Ich verstand sie nicht wirklich und sie ging vorne um mein Auto, schlug mit ihrer  Hand auf die Motorhaube. Ich kurbelte das Fenster herunter und diese  Frau rief mir entgegen, dass ich wohl spinne und mitten auf einem Fußgängerweg stehen würde, dabei könnte ich (mitten im Berufsverkehr, also mitten im Krieg) zurücksetzen, denn SIE sei durch mich behindert und müsse wegen mir einen Bogen gehen. Tja, leider, leider fielen mir in diesem Moment nicht die passenden Entgegnungen ein, erst im Nachhinein hätte ich fragen mögen, ob sie in ihrem bisherigen Leben noch nichts Schlimmeres erlebte.

Romina würde auf all das  antworten mit: „Prruhhh“. Und genauso sehe ich das auch.

Emmy und Maxi

Na, wer erinnert sich? An die zwei wilden Hummeln, die so unzufrieden in ihrem Gefängnis waren.

Jedenfalls geht es ihnen gut und besser könnte es ihnen nicht gehen, dort in Katzenhausen, wo auch Hanni und Nanni bald landen dürfen. Zwei Jahre sind das nun her, seit Emmy und Maxi in ihr neues Reich ziehen durften, doch trotz einiger problematischer Umstände brach der Kontakt nie ab und Emmy und Maxis Wohlergehen stand immer an oberster Stelle. Somit herzlichen Dank an Ilka  und Danke an Birgit, die die Meute übernommen hat und zwei weitere Wilde aufnehmen wird. Emmy und Maxi spürten den Wechsel kaum, da ihnen ihr Lebensraum wichtiger ist, als die Zweibeiner um sie herum.

Die ehemalige harte Nuss

Patsch, patsch, hey Schwesterchen, und hier nochmal: Patsch, patsch!

Zwei erwachsene Damen sind das geworden und selbst „meine“ ehemals harte Nuss Emmy bleibt inzwischen gelassen, sobald sich Birgit samt Besuch zu ihr gesellt. Maxi – Schatzi klettert ihr inzwischen auf die Schultern, aber sie war immer schon mehr ein Sonnenschein(chen). Vor kurzem war sie drei Wochen lang verschwunden, weshalb sich sämtliche Beteiligten große Sorgen machten. Sie muss irgendwo eingesperrt gewesen sein, denn sie kam ausgehungert und abgemagert zurück. Auch dieses Erlebnis muss eine Katze durchmachen, da sich selbst wild geborene Tiere in unbekannte Gefahren bringen können.

Zwei Jahre, und erst jetzt lässt sich Emmy einigermaßen händeln. Das beste Beispiel, wie lange es dauern kann, wenn man ein scheues Tier aufnimmt.

Emmy und Maxis Mutter

Vor einigen Tagen gelangen mir zwei interne Sensationsfotos. Intern deswegen, weil es lediglich für mich von großer Bedeutung ist, Emmy und Maxis Mutter in Freiheit so nah vor die Linse bekommen zu haben und hiermit die Ähnlichkeit zwischen Mutter und Töchter  zeigen zu können.

Keinen Schritt näher, oder ich bin weg!

Man bedenke wie unnahbar sich Emmy Monate lang gab, egal wo sie war. Die darauf zu pochen schien, das Erlernte von ihrer Mutter umsetzen zu wollen. Erst nachdem sie kastriert worden war, legte sie zur  menschlichen Überraschung den Hebel um und war seitdem wie ausgewechselt.

Bisher gab es nur das eine Foto aus der Dachkammer von Emmy und Maxis Mutter, auf dem sie zeigt wie widerwärtig sie Gefangenschaft empfindet: Diese kleine Zicke erinnert mich immer an ein Alpenmurmeltier, die ich am Rheinsprung  wild und ohne Begrenzungen erleben durfte. Sie stehen aufrecht und wittern Gefahr, ihre Gefahrenmeldung, ein hoher Pfeifton, ist weit zu hören. Sie warten lange, „pfeifen“ und stehen regungslos, bis ihnen das gefährliche Objekt zu nahe kommt. So schnell kann ein Mensch nicht registrieren, wie Alpenmurmeltiere sich aus dem Staub machen.

Jedenfalls handhabt es Emmiken, wie ich diese Hübsche (in Anlehung an ebenbürtige Tochter)  inzwischen nenne, ähnlich. Die mittlerweile zahme Minki scheint ihre beste Freundin und ihr Vorbild zu sein.

Nur aus diesem Grund hält sich Emmiken in meiner Nähe auf. Emmiken sieht, wie Minki mit hocherhobenem Schwanz auf mich zuläuft, sich streicheln lässt und keine Angst hat. Somit kommt auch Emmiken immer näher, aber nur wenn ich nicht zu ihr hinsehe. Sie unterwirft sich Minki, die doppelt so groß ist und  den Eindruck erweckt ein Kater zu sein. Emmiken wälzt sich auf dem Boden, hüpft von einer Seite zur anderen, miaut  und wartet auf Minkis Beachtung. Ich habe keine Ahnung, wo sich Emmy und Maxis Mutter während ihrer,  manchmal wochenlangen, Abwesenheit aufhält, aber eines weiß ich: Sie ist ein Trockenfuttergourmet. Feuchtfutter ignoriert sie, weshalb schon etliche Schalen und Dosen von mir geöffnet wurden, im Versuch Emmiken etwas Gutes zu tun. Dass sie während der Nacht anwesend war, merke ich am verspeisten Trockenfutter. Die Marken „Felix“ und „Whiskas“ werden ignoriert, aber nicht nur von Emmiken, doch dazu später in einem anderen Bericht. Madame wartet auf edles „Royal Canin“, welches ich aufgrund eines gespendeten Gutscheines ausprobierte und nun nicht mehr davon los komme.

Hier ist das falsche Trockenfutter drin. Wo bleibt das richtige?

Ich bin immer froh und erleichtert, wenn ich  die wilden Katzen oder Kater zu Gesicht bekomme, da es lediglich eine einzige Verbindung zwischen uns gibt, nämlich die pünktliche Versorgung der Futterstellen. Vielleicht wird Emmiken eines Tages auch den Hebel umlegen und zahm werden. Wer weiß?  Wobei ich grundsätzlich dagegen bin, da scheue Tiere durch ihre vermeintliche Unsichtbarkeit besser geschützt sind.

Viele Grüße von Emmy und Maxi

Am vergangenen Donnerstag besuchte ich meine beiden Racker, die ehemaligen kleinen „Kacker“.

Ich hatte noch eine Falle bei Familie R. stehen, die sie seinerzeit brauchte  um Katze Stella wieder einzufangen. Wir hatten sie die ganze Zeit dort stehen lassen, denn es hätte ja sein können, dass irgendwann vielleicht Emmy nicht wieder nach Hause will. Aber weit gefehlt, denn Emmy denkt nicht im Traum daran und weiß, wo ihre Heimat ist. Nun brauchte ich die Falle wegen der eventuellen Welpen von Tiffy und war froh, dass wir kurzfristig einen Abholtermin schafften.

Frau R. hatte den beiden kein Frühstück gegeben, damit sie im Anbau blieben und nicht gerade unterwegs sind, wenn ich komme. Das war eine gute Idee, denn so konnte ich die beiden in Ruhe wieder sehen und erkennen, dass sie mich vergessen haben. Eben typisch Katzen, die sich jeweils auf eine Vertrauensperson konzentrieren  und noch dazu ehemalige wilde Katzen, die durch die Muttermilch Misstrauen eingeflösst bekamen.

Der Anbau, in dem sich Werkstatt  und Büro der Familie befindet, ist gleichzeitig das Haus von Stella, Emmy und Maxi. Seitdem die beiden kastriert wurden, befindet sich eine Katzenklappe in der Tür, wodurch alle drei  direkt in den großen Garten und auf die angrenzenden Felder kommen. Stella ist meist unterwegs, sie kommt nur nachts zum essen. Auch sie ist eine wilde, die sich zwar innerhalb der Zeit nun auch streicheln lässt, aber lediglich wenn sie will und jetzt, bei dem Wetter… da gibt es so viele andere und wichtigere Dinge in einem erwachsenen Katzenleben.

Frau R. fragte, ob ich Zeit für einen Kaffe habe und wo wir ihn trinken sollen. Drinnen in der Küche? Sie sah mein Zögern, denn Emmy war mit frühstücken fertig und saß nun draußen in der Sonne.

„Okay, bleib hier, ich  hole alles raus.“

Ich setzte mich in Emmys Nähe und freute mich, wie entspannt und selbstsicher sie geworden ist. Sie schaute mich an und schien zu überlegen, ob und woher sie mich kennt. Hatte sie damals eher einen niedergeschlagenen Blick,  einen stets abwartenden Ernst in all ihren Bewegungen, der mir sagte, dass sie so nicht leben kann, in einer Wohnung ohne Risiko und Abenteuer, so hat sie jetzt einen ausgeglichenen Blick. Ich mochte mich reinfallen lassen, denn ihr jetziger Blick zeugt regelrecht von Weisheit und auch Frau R. bestätigte das, da sie Emmy beobachtet hatte und irgendwann dachte: Woher weiß Emmy das?

Das hier ist nun ihr Reich, Emmys Leben in Freiheit, das Leben wozu sie geboren ist und in dem all das passiert, was ihre Mutter ihr beibrachte, nur ohne Gefahren, ohne  Frieren zu müssen und ohne ums Überleben kämpfen zu müssen.

Maxi ließ sich Zeit und trank die komplette Milch, die eigentlich für beide gedacht war. Anschließend war sie pappsatt und hatte keine Lust sich zu bewegen. Erst als Mama mit dem Kaffee kam, ließ sie sich dazu überreden auch in den Garten zu kommen. Eben typisch Maxi – Schatzi, die das Leben nimmt, wie es kommt und die sich auch in einer Wohnung Wohlfühlen würde.

Ich hatte leider keine Kamera dabei, somit nehme ich Fotos, die Frau R. mir vor einigen Wochen schickte.

Tja, und dann saßen wir zwei Frauen auf dem Terrassenboden und schauten Kino. Ich hätte ewig dort sitzen bleiben, einfach die Zeit vergessen und zwei glücklichen Katzenmädels beim Spielen zusehen können. Es tat gut wie Urlaub, denn ich dachte im Schnelldurchlauf darüber nach, wie es mit den zwei Zwergen begann, als sie erst am Hafen lebten, anschließend auf dem Dachboden untergebracht waren und dann hier im Hasenstall den ersten Kontakt zu mir, einem Feind aufnahmen und wie es Schrittchen für Schrittchen weiter ging. Dass letztendlich das Paradies für beide zusammen gefunden werden konnte, ist kaum zu fassen.

Wir sprachen auch über den Boykott in Form von Häufchen. Emmy hatte, hier bei uns, ihre Häufchen auf alles gelegt, was auf dem Boden lag. Hier lebt ein Techniker und es waren meist Festplatten und Tastaturen, die darunter zu leiden hatten. Ich staunte nicht schlecht, da es bei Familie R. Werkzeuge waren, die der Herr des Hauses benutzt und wo exakt auf diesen Werkzeugen die Häufchen gelegt wurden.

Gut, das ist Schnee von gestern, da es keinen Grund mehr für einen Boykott gibt! Seitdem Emmy ihr Leben leben darf, ging nie wieder etwas daneben.

War seinerzeit Maxi diejenige, die Emmy zum Spielen aufforderte, so hat sich das Blatt gewendet. Maxi ist die geborene Hauskatze, die gerne schmust und am liebsten auf dem Schoss liegt. Emmy mag Streicheleinheiten inzwischen zwar auch und holt sogar eine immense Menge nach, aber nur wenn sie mag.

Wir saßen jedenfalls da und sahen zu:

Emmy springt wie ein Flummi durchs Gras, lauert Maxi auf, macht einen Buckel und reagiert zehnmal schneller. Maxi spielt mit, rennt Emmy hinterher, die sich in rasantem Tempo auf den Kirschbaum rettet, wieder runter springt, im nächsten Moment nach links abdriftet, um über den Zaun aufs Nachbargrundstück zu hechten.

Plötzlich sind beide zusammen wieder da, machen unter dem Fliederbusch Halt und es wird gekämpft, wobei lautstarke Stimmchen von zwei, ja, ich wiederhole mich, glücklichen Katzenkindern zu hören sind.

Bisher ist auch der Teich kein Problem, denn  es gab von anderer Seite die Zweifel, dass zwei kleine Katzen in den Teich hineinfallen und ertrinken werden. Ja, das kann passieren. Aber wenn es nicht hier passiert, dann eventuell anderswo, da es in diesem Dorf auf jedem Grundstück einen Teich gibt. Ich hörte Frösche von links und rechts quaken, sah aber auch, wie pfotensicher und wissend Emmy und Maxi das Wasser meiden. Selbstverständlich kann es im Eifer des Gefechtes geschehen, aber mal ehrlich, entweder werden Tiere in Watte gepackt und fristen ihr Leben, oder sie leben mit einem bewussten Risiko, das überall und an jeder Ecke zu finden ist. In diesem Fall fehlt definitiv der Autoverkehr, dessen Lebensgefahr für Katzen schlechter einzuschätzen ist, als stehendes Wasser, das sie beurteilen können.

Besser hätten es Emmy und Maxi nicht treffen können und auch Stella hat ihr sicheres Zuhause in Freiheit gefunden. Wo sie herkommt, dort leben immer noch Katzen. Ein Gewerbebiet, das kaum Unterschlupf bietet. Morgens und abends, zu üblichen Stoßzeiten, rasen „zu spät kommende“ oder „schnell in den Feierabend wollende“ durch enge Straßen. Das ist nicht mein Bereich, es kümmern sich andere Tierschützer darum, aber ich denke jedes Mal, dass zumindest Stella, das Ex Bienchen, es besser getroffen hat.

Neuigkeiten aus Katzenhausen

Katzenhausen ist dort, wo Emmy und Maxi zusammen mit Katze Stella  seit dem 18.Dezember 2010 leben. Den Emmy und Maxi Fans brauche ich nichts zu erklären, sie haben die Entwicklung der Beiden vor Augen und wie sehr sich Emmy weigerte Vertrauen zu fassen.

Mein Emmiken, die harte Nuss. Irgendwie eine Bestätigung, was unsere Ahnungen anbelangt, die das optimale Leben dieses Charakterkopfes betrifft. Emmy boykottierte tatsächlich. Sie verpönte je nach Laune jedes Katzenklo, sie blieb scheu und unnahbar. Sie war das krasse Gegenteil ihrer Schwester Maxi, die bereits nach einer Woche Zivilisation dachte: Null Problem, ich passe mich an.

Maxi konnte von Anfang an den kleinsten Dingen einen Spaß abgewinnen, und ihr Spielzeug anzubieten war eine echte Freude. Emmy beäugte jedes Teil misstrauisch und erst wenn Maxi getestet hatte und Emmy aufforderte, erst dann vergaß sie ihr Umfeld und ging aus sich heraus. Wenn ich in ihre Augen blickte, sah ich Sehnsucht.

Sehnsucht nach Freiheit und Eigenständigkeit. Sehnsucht auch nach ihrer wilden Mutter, denn Anhänglichkeit und Zutrauen zur Mutterkatze waren eindeutig zu erkennen. Von ihr hatte Emmy viel gelernt und Emmy setzte das Erlernte um. Es tat weh, die beiden irgendwann trennen zu müssen und es war nicht von der Natur gewollt. Es war im Sinne des Tierschutzes, dass diese zwei Jungkatzen ein besseres Leben haben und sich nicht weiter vermehren sollten. Aber dieser Tierschutzgedanke konnte Emmy nicht überzeugen. Sie hätte viel lieber Mäuse gefangen oder gehungert, viel lieber unter löchrigen Verschlägen einen Regenguss abgewartet als auf einer trockenen Decke zu liegen. Viel lieber hätte sie ums Überleben gekämpft und  mochte kein Leben auf dem Präsentierteller in Gefangenschaft – und wenn die geschlossenen Wände noch so viel Platz boten.

Die Zeit verging und viel Geduld wurde von Emmy gefordert. Am 24.März 2011 kam es noch schlimmer, weil der Kastrationstermin angesagt war. Da Emmy zu allem anderen nur schwer in eine ihr suspekte und mit vielen bösen Erinnerungen verbundene Transportbox hinein zu bekommen war, regelte Frau R. das über Wochen geschickt und geduldig. Die neu bestellte und extra große Box wurde als Spielobjekt genutzt. Sie biss nicht, griff nicht an und drin schlafen funktionierte auch irgendwann.

Tja, und dann wurde Emmy wieder einmal von so einem Menschen gelinkt, dem sie nach Monaten versucht hatte zu vertrauen. Schöne Scheiße, da machte dieser Mensch das Gitter zu und Emmiken war gefangen! Anschließend wurde sie auch noch in Narkose gelegt, konnte sich weder verstecken noch fort laufen und überhaupt, sie hatte es die ganze Zeit über gewusst!

Und wieder begann Familie R. von vorne, was Emmy betrifft. Eine sich versteckende, unsichtbare und getigerte Katze. Maxi legte sich am ersten Abend bereits in die „böse“ Box und ließ sich kraulen. Aber nicht Emmy, sie hatte die Nase gestrichen voll und dachte alles hinter sich zu lassen, nie wieder enttäuscht werden zu wollen!

„Aber, Emmiken, manche Menschen denken nicht nur an sich, denn der Weg ist das Ziel, obwohl du einen wirklich steinigen Weg gegangen bist. Lange genug, wie ich zugebe, aber du hast es geschafft!“

Eine Katzenklappe wurde gleichzeitig zum Tierarzttermin eingebaut und nach Heilungsphase stand für Emmy, Maxi und Stella die Welt zur freien Verfügung. Kleine Schisser, die gar nicht mehr wussten, wie es draußen aussieht. Nicht eine von ihnen rannte panikartig von dannen. Oh nein, das ging Schrittchen für Schrittchen, Meter für Meter. Stella, die im tiefsten Winter „weggelaufen“ war und per Falle wieder eingefangen werden konnte,  sie war sogar die letzte, weil sie allem Anschein nach die Nase voll hatte und Kälte fürchtet.

Was nach dem zweiten  Ausflug geschah, lässt mich auf den Anfang dieses Berichtes zurückkommen. Genau das ist Emmy Lebensbereich, denn jetzt ist für sie die Welt in Ordnung. Sie vertraut Menschen, lässt sich gerne streicheln. Ein Geben und Nehmen, wie es die Regel der Natur ist. Manchmal taucht sie zwei Tage lang unter, kommt vielleicht nachts nach Hause. Stella hat lt. Frau R. einen größeren Radius, aber kommt immer wieder zum futtern nach Hause. Maxi… Maxi ist  die von Anfang an klebende und engagierte Hauskatze. Sie darf schließlich nichts verpassen. 😉

Und nun viel Spaß, bei einer Erkenntnis die man nicht studieren muss, wenn der Bauch es vorher weiß:

Viele Grüße von Emmy und Maxi

Diese beiden Zufallsfundkatzen wären eventuell  im Nimmerland verschwunden, wenn sie nicht Ende September 2010 in die offen stehende Falle gegangen wären. Vielleicht würden sie gar nicht mehr leben, denn im dortigen Hafengebiet verändert sich das Umfeld ständig. Katzen verschwinden scheinbar spurlos, neue tauchen auf und ich wundere mich nicht mehr, dass Katzenfutterstellen wie ein Magnet auf Gegner zu wirken scheinen. Entweder wird ein Futterplatz als Toilette benutzt oder ein Unterstand zum wiederholten Male zerstört. Ich wundere mich auch nicht mehr, dass genau an solch einer Stelle die Straße aufgerissen wird, neue Abwasserrohre gelegt werden müssen und mich ein Mensch beobachtet. Ein kluger Arbeiter, der anscheinend nichts wichtigeres zu tun hat, als nach meinem Abgang hinter den Zaun des Firmengeländes zu greifen, Futterschalen, die bereits mit Absicht hinter diesem Zaun versteckt werden, zu begutachten, auszukippen und in der Landschaft zu verteilen. Wilde Katzen leben in den  wenigen Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen und sei es ehemalige Silos, wo die produzierende Firma längst nicht mehr existiert und diese Silos nach  fast achtzig Jahren Bestand jetzt, und mit Ohrenbetäubendem Radau dem Erdboden gleich gemacht werden. Das war Emmy und Maxis Zuhause.

Wer die Geschichte nicht kennt, hier in Kürze: An einer meiner Futterstellen sah ich seit einigen Wochen und beinahe regelmäßig eine getigerte und sehr scheue Katze. Sie wartete, bis ich mich entfernte und erst danach schlich sie zum gefüllten Futternapf. Sie war neu und ich habe keine Ahnung, wo sie herstammt oder sich vorher aufhielt.

Für einen verantwortungsbewußten Tierschützer ist es Pflicht, sich nicht nur um die Versorgung der Tiere zu kümmern, sondern in erster Linie um Kastration und Gesunderhaltung. Wer sich nicht damit auskennt, kann bei der Polizei und örtlichen Tierheimen fragen. Es findet sich immer eine Lösung und viel Katzenelend wäre bereits verhindert worden, wenn nicht jeder als erstes „nur“ ans Füttern denken würde.

Nachdem ich  zwei Tage lang kein Futter an diese Stelle gab und eines Abends  eine Falle aufgestellt wurde, ging nicht die getigerte Katze  hinein, sondern nach und nach zwei drei Monate junge Minitiger, die ich bisher nie gesehen hatte, von deren Existenz ich nichts wusste. Sie hatten bei Helligkeit in der perfekten Deckung gelebt, nur ihre Mutter zeigte sich öffentlich. Erst im Anschluss tat es ihnen die Mutter gleich und ließ sich fangen. Nicht wirklich freiwillig, sondern weil sie ebenfalls hungrig war.

Viele Versorger haben genau davor Angst, dass eine Katze – und alle anderen Tiere des Rudels  –  erst hungern muss, bevor sie gefangen werden kann. Aber es funktioniert nicht anders und mit zwei Tage hungern wird zig Nachkommen ein eventuell unheilvolles Leben erspart!

Die beiden Minitiger wurden zuerst in einer Dachkammer untergebracht, eine Woche lang zusammen mit ihrer inzwischen kastrierten Mutter. Anschließend musste die Mutterkatze wieder an selbiger Stelle frei gelassen werden, denn nach einer Woche Beobachtung war ziemlich klar zu erkennen, dass sie nichts anderes wünschte, als in Freiheit zu leben.

Die beiden Minitiger kamen zu mir, wurden eine Woche lang in einem großen Hasenstall untergebracht, da sie bereits zwischen den Welten lebten, was Zutraulichkeit den Zweibeinern gegenüber anbelangt und ihrer von Grund auf  erlernten Wildheit – und wurden „berühmt“.  Emmy und Maxi nannte ich sie und hatte bisher kein unterschiedlicheres Katzen – Geschwisterpärchen kennen gelernt. Emmy die Misstrauische, und Maxi die Gelassene. Wie sich die beiden entwickelten kann hier nachgelesen werden. Dass die beiden auch noch zusammen ein Zuhause finden konnten, gehört zu ihrem außergewöhnlichen Werdegang dazu.

Nun also die neuesten Neuigkeiten aus „Katzenhausen“, wo man sieht, dass Emmy immer noch Hin und Her gerissen ist, was ihre zwei Welten anbelangt, aber wo man ebenso sieht, dass Emmiken Fortschritte gemacht hat, was ihr Vertrauen zu den Menschen betrifft. Selbstverständlich nur den Menschen gegenüber, denen sie ihr winzig vorhandenes Vertrauen  schenkt. Das Geschenk einer wilden Katze, die nie gezwungen wurde.