Auszug/Umzug/Einzug

Heute sind Hanni und Nanni aus – um – und eingezogen. Eigentlich wäre gestern der Tag X gewesen, aber irgendwie ahnten die beiden Zuckerschnecken unser Vorhaben und zogen es vor, einen großen Bogen um die bereitgestellte Box zu machen, schließlich sind Boxen böse und schiffen einen eventuell zum Tierarzt.

Hanni 1

Kleine Hanni

Nachdem ich erkannte, dass es keinen Sinn haben würde, rief ich Birgit an und sie meinte das sei kein Problem, denn auch Emmy und Maxi würden etwas ahnen und seien spurlos verschwunden. Der Plan war, Emmy und Maxi in ihrem eigenen Katzenhaus festzusetzen, ohne Möglichkeit durch die Katzenklappe nach Draußen zu spazieren. Denn nur so wird eine Integrierung von Hanni und Nanni funktionieren. Die Beiden  müssen auf alle Fälle durch diese Einsperrphase, da sie sich an ihr neue Umgebung gewöhnen müssen und Emmy und Maxi müssen im Anbau bleiben, sonst könnten auch Hanni und Nanni entfleuchen. Eben alles nicht so einfach und mitsamt telepathierenden, misstrauischen Katzen zusammen, fast schon ein Unding.

Nanni 1

Nannischatz

Aber der gestrige Misserfolg hatte auch sein Gutes, denn Plan B befahl mir, sämtliche Katzen, die freiwillig die Lock – Leckereien aus der Box klauten, ins Schlafzimmer zu sperren. Auch Hündin Bella wurde separiert. Somit waren nur noch sie Sanften anwesend, in Form von Kater Mikesch, Hermine und  Perlchen. Ich hockte mich vor die große Hundeflugbox und warf Trockenfutter in die Box. Hanni war recht schnell drin, aber Nanni, die unnahbare und sowas von wissende kleine Katze, sie gab sich mit Schnuppern zufrieden. Hanni kam wieder heraus und das Spiel begann von vorne. Selbstverständlich hätte ich sie auf die „brutale“ Art irgendwie eingefangen bekommen, aber das kam vor ihrem weiteren, neuen  Lebensabschnitt keinesfalls in Frage. Somit half eine Scheibe Schinken, von der Perlchen, Mikesch und Hermine einen Teil abbekamen, der Rest wurde in die Box geworfen, wo Hanni wieder die Erste war und sich die Stückchen Schinken einverleibte. Nanni ging nur bis zum Hals hinein, dann zog sie sich erneut zurück. Mannomann, ein echt harter Knochen, dieses sanfte Wesen mit Namen Nanni.

Nanni 2Gestern hatten wir Katzenhühnersuppe gekocht, was gleichzeitig auch eine Art Abschiedsessen sein sollte. Einige Hühnchenstücke waren übrig geblieben und sie bedeuteten meine letzte Chance. „Hühnchen, Nanni, Hühnchen, komm`nimm“, und ich warf die Stücke in die hinterste Ecke der Box. Hanni war wieder einmal sofort drin und jetzt musste es auch klappen, sonst waren sie satt. Nanni ließ sich endlich, endlich überreden und ich musste nur noch ihren Popo hinterlistig hineinschieben, Gitter zu und durchatmen. Ich rief Birgit an und sie sprach ebenfalls von hinterlistigem Erfolg, von übelst gelaunten Emmys und Maxis  … aber es soll sich schießlich nur zum Besten aller Samtpfoten entwickeln.

HanniSomit fuhren wir den selben Weg wie seinerzeit, als wir Emmy und Maxi nach Katzenhausen brachten. Damals mitten im tiefsten Schnee, diemal mitten im späten Frühling. Und auch dieses Mal  beneidete ich unsere Fracht, die an einer vielbefahrenen Straße überlebte und mit all ihrem Wissen in ein regelrechtes Erholungsgebiet umsiedeln darf.

Fahrt

Fahrt 1

Ankunft 1

Ankunft 2

Ankunft 3Das altbekannte Katzenhaus empfing uns und  übelst gelaunte Emmy und Maxi. Sie waren in ihrem Tagesablauf empfindlichst gestört worden, aber ok, das Wetter spielt mit und hin und wieder diese  Regenschauer, naja, irgendwie passt das schon. Emmy hatte sich hinter einem Holzbrett versteckt, mein damaliges Emmiken, die harte Nuss. Ich bestellte viele Grüße von ihrer Mutter, die ich am Freitag noch am Hafen traf.

Emmy

Emmy

Maxi 1

Maxi

Maxi war nicht minder sauer, denn auch sie mag weder Besuch noch Zwang. Wir öffneten die Box und Hanni war genauso schnell darußen, wie vor über einer Stunde drinnen. Aus ihr wird eine zweite Maxi werden, die bald händelbar und dem Menschen zugewandt leben wird, wenn sie erkennt, dass sie ihr Leben leben darf. Nanni verbrachte noch eine Zeit in der Box, obwohl sie zuerst nicht hineinzubekommen war. Wir gingen ins Menschenhaus, setzten uns anschließend  in den wunderbaren, von allem abgeschotteten Innenhof, wo die beiden Hunde herumtollen und sich das Meerschweinchengehege für Schweinchen aus schlechter Haltung befindet. All das ist in Katzenhausen möglich. Wir tranken einen leckeren Kaffee, füllten den Schutzvertrag aus und besprachen den Inhalt der Tüte, die das gewohnte Futter von Hanni und Nanni beinhaltete.

Vielen Dank hiermit an Brigitte R. und Karin A.I., die mit einer Menge  Grenatapet Trockenfutter und einer Geldspende für diese Tüte verantwortlich sind! 😉

Nach einer Weile gingen wir nachschauen. Derweil hatte auch Nanni die Box verlassen und Emmys Platz eingenommen.

Nanni 4Sie sind sich wirklich sehr ähnlich, Emmy und Nanni – zwei harte Nüsse. Hanni fanden wir zuerst nicht, aber dann entdeckte Birgit ihr vorwitziges Näschen zwischen Heizung und Fensterbank. Einen kleineren Spalt gibt es in diesem Haus nicht.

Hanni 2Die Karten werden gemischt, das erste Fauchen war bereits hörbar, aber Platz genug ist vorhanden und ich wünsche Hanni und Nanni mitsamt Emmy und Maxi das allerbeste Leben. Nach all den Strapazen und Irrwegen, die dennoch nur das Eine wollten: Ein freies, eigenständiges und dennoch sicheres, langes Leben.

Viel Glück und gutes Gelingen, und Danke an Birgit, die diesen weiteren zwei  Miezen das Paradies auf Erden ermöglicht!

Ankunft 4

Katzengerechter Garten

Ankunft 6

Katzenhaus mit Heizung und Kratzbäumen, zur Überwinterung und für immer wieder, je nach Laune.

Danke Birgit! Und viel Glück Hanni und Nanni – wir vermissen Euch, Eure Späße, Eure Klugheit! Hanni, die jede Türe  – und Nanni, die jede Tüte  öffnet! Mir tut all das wieder verdammt weh, aber es muss weitergehen, auch für Euch. Lieben Dank für Eure weitere, gezeigte Lehrstufe, die wir mit Euch durchleben durften! Wilde Katzen sind selten zu zähmen und all Euer Gespür, Euer Wissen und Instinkt, davor muss Mensch sich tief verneigen.

Neuigkeiten, alles gut, toi, toi, toi

Damit mal wieder ein paar positive Meldungen auf der Katzenheimat stehen, lasse ich Bilder sprechen und fasse mich möglichst kurz.

Hanni und Nanni konnten ihre Katzenschnupfen Symptome  überwinden, beide Miezen sind mittlerweile besser drauf, als jeder neu entwickelte Turnschuh. Hanni ist die mutigere von Beiden, sie lässt mich nicht aus den Augen, aber dennoch mag sie sich nicht anfassen lassen. Klingt zweideutig, aber ich tue ihr nix. 😉

Nanni ist und bleibt der zurückhaltende Einzelgänger mit inzwischen klaren Augen, aber wer die Wilden akzeptiert, mag auch die Zeit, die es dauern wird.  Und wenn nicht, dann nicht, denn nicht jede Katze muss am Rockzipfel hängen. Jede Katze ist ein Individuum und jede Katze birgt Überraschungen, jede ist ihr eigener Herr und lässt sich nur schwer beeinflussen. Hanni und Nanni werden ihr Zuhause bei Emmy und Maxi in „Katzenhausen“ jedenfalls zu 99% bekommen und dort dürfen sie, nach allen weiteren Verpflichtungen, wie Kastration und Registrierung mithilfe eines Chips, ihr weiteres Leben erleben können. Ich denke, dass es ab Januar der Fall sein wird, da ich definitiv gegen eine Frühkastration bin, auch wenn mach ein Tierarzt jetzt schon eine OP befürworten würde. Aber mittlerweile konnte oder musste ich so viel erleben, dass meine Meinung aus gelebten Erlebnissen resultiert. Und wir haben Glück, und das Glück bedeutet in diesem Falle Zeit, denn obwohl sich die Adoptanten auf ihren unzurechenbaren Zuwachs freuen, so haben sie ebenfalls wertvolle Geduld. Emmy und Maxi geht es jedenfalls richtig gut, und es war die korrekte Entscheidung nach der Trennung der ersten Adoptanten, diese Katzen in ihrer Heimat zu lassen:

Maxi auf Beobachtungsposten

Um die folgenden Fotos zu erklären, so bekam ich gestern ein Katzenhaus  vom Fressnapf geschenkt. Geschenke im Fressnapf werden rar verteilt, es kommt immer auf den mitfühlenden Kassierer an, weshalb ich nicht nur aufgrunddessen die Geschäfte ständig wechsele. Irgendwann war ein Papphaus als Geschenk beim Kauf von zehn Dosen „Real Nature“ angekündigt worden, aber selbst beim Kauf von zwanzig Dosen gab es keine Pappe zusätzlich. Nicht dass ich darauf erpicht gewesen wäre, aber irgendeine Kleinigkeit aufgrund der Preise kommt gut an. Gestern war dieses Gratisgabe längst nicht mehr aktuell, aber die Kassiererin war in Ordnung. Ein Stapel Pappe, den ich in der Mittagspause zusammenbastelte und der tatsächlich Stunden voller Spaß brachte. Bis … ja, bis eine etwas schwerere Katze in Form von ausgewachsenem Charlie meinte, dieses Haus abreißen zu müssen.

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Inzwischen gab es auch wieder Anrufe von Interessenten für Kuhkatzkater, die am vergangenen Sonntag, nach Terminabsprache und ohne Absage, einfach nicht kamen. Ich bedanke mich hiermit herzlich für diese eindeutige Info, somit spart man sich Mühe in Form von Vorkontrolle und intensiven Nachdenkens, denn Sorry, wir sind hier nun einmal kein belgischer Tiermarkt, wo man ein Tier sofort und ohne Überlegung möglichst billig „kaufen“ kann! Qualität hat nun mal seinen Preis, siehe Fressnapf!

Wenn ich doch noch etwas hinzufügen darf, obwohl ich mich kurz halten wollte, so traf ich gestern eine  unglückliche Frau. Sie muss wirklich sehr unglücklich gewesen sein, dabei hatte sie alle Sinne beisammen und konnte sich bewegen. Ich musste an einer Ampel bremsen, die ein gelbes Licht zeigte. Das passiert alle paar Minuten, den ganzen Tag über, wenn man ständig unterwegs ist. Der LKW Fahrer neben mir bretterte ignorierend weiter, ich hielt langsam bremsend an, da ansonsten die Postkisten durcheinander gewirbelt wären. Die inzwischen Rot anzeigende Ampel hatte ich im Blick, ich stand lediglich ein paar Zentimeter auf einem Fußgängerüberweg, den kaum jemand benutzt. Plötzlich klopfte es an der Seitenscheibe und eine wild gestikulierende junge Frau schrie ihr Unglück in die Welt. Ich verstand sie nicht wirklich und sie ging vorne um mein Auto, schlug mit ihrer  Hand auf die Motorhaube. Ich kurbelte das Fenster herunter und diese  Frau rief mir entgegen, dass ich wohl spinne und mitten auf einem Fußgängerweg stehen würde, dabei könnte ich (mitten im Berufsverkehr, also mitten im Krieg) zurücksetzen, denn SIE sei durch mich behindert und müsse wegen mir einen Bogen gehen. Tja, leider, leider fielen mir in diesem Moment nicht die passenden Entgegnungen ein, erst im Nachhinein hätte ich fragen mögen, ob sie in ihrem bisherigen Leben noch nichts Schlimmeres erlebte.

Romina würde auf all das  antworten mit: „Prruhhh“. Und genauso sehe ich das auch.

Emmy und Maxi

Na, wer erinnert sich? An die zwei wilden Hummeln, die so unzufrieden in ihrem Gefängnis waren.

Jedenfalls geht es ihnen gut und besser könnte es ihnen nicht gehen, dort in Katzenhausen, wo auch Hanni und Nanni bald landen dürfen. Zwei Jahre sind das nun her, seit Emmy und Maxi in ihr neues Reich ziehen durften, doch trotz einiger problematischer Umstände brach der Kontakt nie ab und Emmy und Maxis Wohlergehen stand immer an oberster Stelle. Somit herzlichen Dank an Ilka  und Danke an Birgit, die die Meute übernommen hat und zwei weitere Wilde aufnehmen wird. Emmy und Maxi spürten den Wechsel kaum, da ihnen ihr Lebensraum wichtiger ist, als die Zweibeiner um sie herum.

Die ehemalige harte Nuss

Patsch, patsch, hey Schwesterchen, und hier nochmal: Patsch, patsch!

Zwei erwachsene Damen sind das geworden und selbst „meine“ ehemals harte Nuss Emmy bleibt inzwischen gelassen, sobald sich Birgit samt Besuch zu ihr gesellt. Maxi – Schatzi klettert ihr inzwischen auf die Schultern, aber sie war immer schon mehr ein Sonnenschein(chen). Vor kurzem war sie drei Wochen lang verschwunden, weshalb sich sämtliche Beteiligten große Sorgen machten. Sie muss irgendwo eingesperrt gewesen sein, denn sie kam ausgehungert und abgemagert zurück. Auch dieses Erlebnis muss eine Katze durchmachen, da sich selbst wild geborene Tiere in unbekannte Gefahren bringen können.

Zwei Jahre, und erst jetzt lässt sich Emmy einigermaßen händeln. Das beste Beispiel, wie lange es dauern kann, wenn man ein scheues Tier aufnimmt.

Emmy und Maxis Mutter

Vor einigen Tagen gelangen mir zwei interne Sensationsfotos. Intern deswegen, weil es lediglich für mich von großer Bedeutung ist, Emmy und Maxis Mutter in Freiheit so nah vor die Linse bekommen zu haben und hiermit die Ähnlichkeit zwischen Mutter und Töchter  zeigen zu können.

Keinen Schritt näher, oder ich bin weg!

Man bedenke wie unnahbar sich Emmy Monate lang gab, egal wo sie war. Die darauf zu pochen schien, das Erlernte von ihrer Mutter umsetzen zu wollen. Erst nachdem sie kastriert worden war, legte sie zur  menschlichen Überraschung den Hebel um und war seitdem wie ausgewechselt.

Bisher gab es nur das eine Foto aus der Dachkammer von Emmy und Maxis Mutter, auf dem sie zeigt wie widerwärtig sie Gefangenschaft empfindet: Diese kleine Zicke erinnert mich immer an ein Alpenmurmeltier, die ich am Rheinsprung  wild und ohne Begrenzungen erleben durfte. Sie stehen aufrecht und wittern Gefahr, ihre Gefahrenmeldung, ein hoher Pfeifton, ist weit zu hören. Sie warten lange, „pfeifen“ und stehen regungslos, bis ihnen das gefährliche Objekt zu nahe kommt. So schnell kann ein Mensch nicht registrieren, wie Alpenmurmeltiere sich aus dem Staub machen.

Jedenfalls handhabt es Emmiken, wie ich diese Hübsche (in Anlehung an ebenbürtige Tochter)  inzwischen nenne, ähnlich. Die mittlerweile zahme Minki scheint ihre beste Freundin und ihr Vorbild zu sein.

Nur aus diesem Grund hält sich Emmiken in meiner Nähe auf. Emmiken sieht, wie Minki mit hocherhobenem Schwanz auf mich zuläuft, sich streicheln lässt und keine Angst hat. Somit kommt auch Emmiken immer näher, aber nur wenn ich nicht zu ihr hinsehe. Sie unterwirft sich Minki, die doppelt so groß ist und  den Eindruck erweckt ein Kater zu sein. Emmiken wälzt sich auf dem Boden, hüpft von einer Seite zur anderen, miaut  und wartet auf Minkis Beachtung. Ich habe keine Ahnung, wo sich Emmy und Maxis Mutter während ihrer,  manchmal wochenlangen, Abwesenheit aufhält, aber eines weiß ich: Sie ist ein Trockenfuttergourmet. Feuchtfutter ignoriert sie, weshalb schon etliche Schalen und Dosen von mir geöffnet wurden, im Versuch Emmiken etwas Gutes zu tun. Dass sie während der Nacht anwesend war, merke ich am verspeisten Trockenfutter. Die Marken „Felix“ und „Whiskas“ werden ignoriert, aber nicht nur von Emmiken, doch dazu später in einem anderen Bericht. Madame wartet auf edles „Royal Canin“, welches ich aufgrund eines gespendeten Gutscheines ausprobierte und nun nicht mehr davon los komme.

Hier ist das falsche Trockenfutter drin. Wo bleibt das richtige?

Ich bin immer froh und erleichtert, wenn ich  die wilden Katzen oder Kater zu Gesicht bekomme, da es lediglich eine einzige Verbindung zwischen uns gibt, nämlich die pünktliche Versorgung der Futterstellen. Vielleicht wird Emmiken eines Tages auch den Hebel umlegen und zahm werden. Wer weiß?  Wobei ich grundsätzlich dagegen bin, da scheue Tiere durch ihre vermeintliche Unsichtbarkeit besser geschützt sind.

Viele Grüße von Emmy und Maxi

Am vergangenen Donnerstag besuchte ich meine beiden Racker, die ehemaligen kleinen „Kacker“.

Ich hatte noch eine Falle bei Familie R. stehen, die sie seinerzeit brauchte  um Katze Stella wieder einzufangen. Wir hatten sie die ganze Zeit dort stehen lassen, denn es hätte ja sein können, dass irgendwann vielleicht Emmy nicht wieder nach Hause will. Aber weit gefehlt, denn Emmy denkt nicht im Traum daran und weiß, wo ihre Heimat ist. Nun brauchte ich die Falle wegen der eventuellen Welpen von Tiffy und war froh, dass wir kurzfristig einen Abholtermin schafften.

Frau R. hatte den beiden kein Frühstück gegeben, damit sie im Anbau blieben und nicht gerade unterwegs sind, wenn ich komme. Das war eine gute Idee, denn so konnte ich die beiden in Ruhe wieder sehen und erkennen, dass sie mich vergessen haben. Eben typisch Katzen, die sich jeweils auf eine Vertrauensperson konzentrieren  und noch dazu ehemalige wilde Katzen, die durch die Muttermilch Misstrauen eingeflösst bekamen.

Der Anbau, in dem sich Werkstatt  und Büro der Familie befindet, ist gleichzeitig das Haus von Stella, Emmy und Maxi. Seitdem die beiden kastriert wurden, befindet sich eine Katzenklappe in der Tür, wodurch alle drei  direkt in den großen Garten und auf die angrenzenden Felder kommen. Stella ist meist unterwegs, sie kommt nur nachts zum essen. Auch sie ist eine wilde, die sich zwar innerhalb der Zeit nun auch streicheln lässt, aber lediglich wenn sie will und jetzt, bei dem Wetter… da gibt es so viele andere und wichtigere Dinge in einem erwachsenen Katzenleben.

Frau R. fragte, ob ich Zeit für einen Kaffe habe und wo wir ihn trinken sollen. Drinnen in der Küche? Sie sah mein Zögern, denn Emmy war mit frühstücken fertig und saß nun draußen in der Sonne.

„Okay, bleib hier, ich  hole alles raus.“

Ich setzte mich in Emmys Nähe und freute mich, wie entspannt und selbstsicher sie geworden ist. Sie schaute mich an und schien zu überlegen, ob und woher sie mich kennt. Hatte sie damals eher einen niedergeschlagenen Blick,  einen stets abwartenden Ernst in all ihren Bewegungen, der mir sagte, dass sie so nicht leben kann, in einer Wohnung ohne Risiko und Abenteuer, so hat sie jetzt einen ausgeglichenen Blick. Ich mochte mich reinfallen lassen, denn ihr jetziger Blick zeugt regelrecht von Weisheit und auch Frau R. bestätigte das, da sie Emmy beobachtet hatte und irgendwann dachte: Woher weiß Emmy das?

Das hier ist nun ihr Reich, Emmys Leben in Freiheit, das Leben wozu sie geboren ist und in dem all das passiert, was ihre Mutter ihr beibrachte, nur ohne Gefahren, ohne  Frieren zu müssen und ohne ums Überleben kämpfen zu müssen.

Maxi ließ sich Zeit und trank die komplette Milch, die eigentlich für beide gedacht war. Anschließend war sie pappsatt und hatte keine Lust sich zu bewegen. Erst als Mama mit dem Kaffee kam, ließ sie sich dazu überreden auch in den Garten zu kommen. Eben typisch Maxi – Schatzi, die das Leben nimmt, wie es kommt und die sich auch in einer Wohnung Wohlfühlen würde.

Ich hatte leider keine Kamera dabei, somit nehme ich Fotos, die Frau R. mir vor einigen Wochen schickte.

Tja, und dann saßen wir zwei Frauen auf dem Terrassenboden und schauten Kino. Ich hätte ewig dort sitzen bleiben, einfach die Zeit vergessen und zwei glücklichen Katzenmädels beim Spielen zusehen können. Es tat gut wie Urlaub, denn ich dachte im Schnelldurchlauf darüber nach, wie es mit den zwei Zwergen begann, als sie erst am Hafen lebten, anschließend auf dem Dachboden untergebracht waren und dann hier im Hasenstall den ersten Kontakt zu mir, einem Feind aufnahmen und wie es Schrittchen für Schrittchen weiter ging. Dass letztendlich das Paradies für beide zusammen gefunden werden konnte, ist kaum zu fassen.

Wir sprachen auch über den Boykott in Form von Häufchen. Emmy hatte, hier bei uns, ihre Häufchen auf alles gelegt, was auf dem Boden lag. Hier lebt ein Techniker und es waren meist Festplatten und Tastaturen, die darunter zu leiden hatten. Ich staunte nicht schlecht, da es bei Familie R. Werkzeuge waren, die der Herr des Hauses benutzt und wo exakt auf diesen Werkzeugen die Häufchen gelegt wurden.

Gut, das ist Schnee von gestern, da es keinen Grund mehr für einen Boykott gibt! Seitdem Emmy ihr Leben leben darf, ging nie wieder etwas daneben.

War seinerzeit Maxi diejenige, die Emmy zum Spielen aufforderte, so hat sich das Blatt gewendet. Maxi ist die geborene Hauskatze, die gerne schmust und am liebsten auf dem Schoss liegt. Emmy mag Streicheleinheiten inzwischen zwar auch und holt sogar eine immense Menge nach, aber nur wenn sie mag.

Wir saßen jedenfalls da und sahen zu:

Emmy springt wie ein Flummi durchs Gras, lauert Maxi auf, macht einen Buckel und reagiert zehnmal schneller. Maxi spielt mit, rennt Emmy hinterher, die sich in rasantem Tempo auf den Kirschbaum rettet, wieder runter springt, im nächsten Moment nach links abdriftet, um über den Zaun aufs Nachbargrundstück zu hechten.

Plötzlich sind beide zusammen wieder da, machen unter dem Fliederbusch Halt und es wird gekämpft, wobei lautstarke Stimmchen von zwei, ja, ich wiederhole mich, glücklichen Katzenkindern zu hören sind.

Bisher ist auch der Teich kein Problem, denn  es gab von anderer Seite die Zweifel, dass zwei kleine Katzen in den Teich hineinfallen und ertrinken werden. Ja, das kann passieren. Aber wenn es nicht hier passiert, dann eventuell anderswo, da es in diesem Dorf auf jedem Grundstück einen Teich gibt. Ich hörte Frösche von links und rechts quaken, sah aber auch, wie pfotensicher und wissend Emmy und Maxi das Wasser meiden. Selbstverständlich kann es im Eifer des Gefechtes geschehen, aber mal ehrlich, entweder werden Tiere in Watte gepackt und fristen ihr Leben, oder sie leben mit einem bewussten Risiko, das überall und an jeder Ecke zu finden ist. In diesem Fall fehlt definitiv der Autoverkehr, dessen Lebensgefahr für Katzen schlechter einzuschätzen ist, als stehendes Wasser, das sie beurteilen können.

Besser hätten es Emmy und Maxi nicht treffen können und auch Stella hat ihr sicheres Zuhause in Freiheit gefunden. Wo sie herkommt, dort leben immer noch Katzen. Ein Gewerbebiet, das kaum Unterschlupf bietet. Morgens und abends, zu üblichen Stoßzeiten, rasen „zu spät kommende“ oder „schnell in den Feierabend wollende“ durch enge Straßen. Das ist nicht mein Bereich, es kümmern sich andere Tierschützer darum, aber ich denke jedes Mal, dass zumindest Stella, das Ex Bienchen, es besser getroffen hat.