Die Sache mit dem Traumprinzen

Heißt es nicht immer: „Kind, geh raus, geh aus! Der Traumprinz steht nicht auf einmal vor Deiner Tür und hält um Deine Hand an!“

Das scheint für Katzen nicht zu gelten, jedenfalls nicht für unsere Lisbeth. Deren Traumprinz schneite scheinbar direkt in’s Haus und auf sie drauf!

Das Bild ist für Sabine, die hat Lissi und Oskar sozusagen verkuppelt.

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Die besten Plätze

… sind neuerdings immer schon belegt.

Von Links: Rominas Tochter Lotte, Lissi, Pflegekatze Hanni

Auf der Fensterbank kann man dem Herbst aber auch schön beim ankommen zusehen!

Lotte

Fallende Blätter werden gerne begrüßt.

Neulich bei Hutzens …

Hutzens, so nenne ich meine Tierfamilie, eine Mischung aus Hund und Katze, Hutzens eben. Die Bilder stammen aus der Zeit, als sie noch zu dritt waren. Eigentlich versuche ich ja den Hutzens nichts in den Mund zu legen, aber das war hier zu verlockend …

Hanni und Nanni

Sabines Artikel der kleinen Erfolge ist ja noch nicht so lange her, als dass man sich nicht mehr an ihn erinnern könnte.

Zunächst bei einer anderen Pflegestelle untergekommen sind die kleinen Mädels nun hier gelandet und wurden spontan Hanni und Nanni getauft.

Links Hanni, rechts Nanni

Zunächst einmal, ja, da ist alles noch schön und gut, wenn man am Telefon sagt, „Sabine, kein Problem, ich versuche zu helfen wo ich kann und ein paar Wochen die Winzlinge hier beherbergen, pah, ich wiederhole: kein Problem, bring sie her!“

Und dann kommt Sabine mit den Zöglingen, Ginis Transportbox ist aufgebaut und eingerichtet. Sabine ist ja noch da, da will man einen fachmännisch-versierten Eindruck hinterlassen. Nimmt die Kleinen aus der Box, dreht und wendet sie ein wenig und nickt dann, gibt seine Meinung kund und entlässt die Kleinen in ihre Zufluchtsstätte.

Doch dann kommt der Punkt, da fährt auch eine Sabine endlich endlich in ihr Heim, wo sie sich sowieso scheints nur zu kurzen Schlafpausen aufhält und man steht da – und hat zwei Pflegekatzen. Da ist mir das Herz kurzfristig in die Hose gerutscht.

Auch das die beiden Zuckermäuschen fauchen und sich gut als medizinisch-technische Diabetiker-Hilfskatzen eignen würden (sie perforieren hervorragend Fingerkuppen! Ja!! Sie haxen und kratzen!!) lässt einem das Herz nicht wirklich wieder an den richtigen Fleck wandern. Durchatmen und zur Ruhe kommen. Und dann bin ich auf einmal dankbar dafür, dass wir hier von den hier ansässigen Katzen nicht so verwöhnt sind. Lissi wohnt immerhin schon zwei Jahre hier und bricht immer noch in Panik aus, wenn man sich ihr besonders offenherzig und liebesbedürftig nähert. Und Lotte die Motte kommt ganz nach ihrer Mutter Queen Romina und ist eben Prinzessin. Da sind Bedürfnisse und Wünsche der Menschen eben erst mal zweitrangig.

So, das waren rudimentär geschildert die ersten Eindrücke und so kommen wir jetzt auch zu der Frage, warum ich über zwei niedliche Katzenschwestern, die gut und natürlich auch möglichst schnell in ein schönes Zuhause vermittelt werden wollen schreibe, dass sie fauchen und kratzen und zunächst einmal nicht besonders erpicht auf körperliche menschliche Nähe (andere Katzen und Hund sind kein Stein des Anstoßes) sind?

Ganz einfach: Es ist erstens die Wahrheit und zweitens ein gutes Zeichen. In der letzten Zeit wurde mir immer wieder klar, dass mit einer Katze, die sich wahllos von Fremden Menschen anfassen lässt, im schlimmsten Fall einfach etwas nicht stimmt. Wir haben hier also zwei augenscheinlich gesunde Katzenmädchen, die Eine sehr selbstbewusst-offen und verspielt, sehr von sich eingenommen und wehrhaft (Hanni) und die Andere eher zarter und zurückhaltender, auf jeden Fall nicht so selbstbewusst und daher nicht so aggressiv-wehrhaft wie ihre Schwester, aber auf ihre Art genauso verspielt (Nanni).

Miamor im Näpfchen und Ähren im Blumenkasten. Der Ausflug hat sich für Hanni gelohnt. Lissi links im Bild. Na ja, halb im Bild.

Ja, Hanni (grau-getigert) hat anfänglich pausenlos gefaucht und jedes Mal nach der Hand geschlagen (ja, mit ausgefahrenen Krallen), die man ihr entgegen gehalten hat, aber nach nur einer Woche hat sich das Bild schon deutlich geändert. Sie faucht nicht mehr und rennt zwar der menschlichen Hand immer noch nicht entgegen, aber wir dürfen sie ab und zu sogar einmal streicheln und aus der Box rausheben. Genau genommen ist sie inzwischen so weit, dass sie, wenn sich sich nach Auslauf, spielen, fressen, schlafen wieder auf Auslauf begeben will, an der Öffnung der Box steht und schnurrt und miaut, damit wir sie rausheben.

Hanni, am ersten Abend aufgenommen. Bis sie zutraulicher wird bleiben wir ihr mit Nahaufnahmen erstmal von der Pelle.

Auch Nanni (schwarz-weiß) macht Fortschritte. Abwehrfauchen hört man auch von ihr nicht mehr. Geschlagen hatte sie von Anfang an nicht wie ihre Schwester, dafür blieb und bleibt sie deutlich im Hintergrund. Aber auch sie durften wir in der Zwischenzeit auch schon berühren und beim Katzenpudding naschen auch mal streicheln. Mit Nanni gehen wir vorsichtiger und zurückhaltender um, sie braucht noch mehr Zeit als ihre forsche Schwester, obwohl auch sie inzwischen ihre Streifzüge durch die Wohnung und das Spielen mit den anderen Katzen des Hauses genießt.

Ich bin der Meinung, dass beide zwei auch charakterlich sehr attraktive junge Katzenmädchen sind, die sich sicher schnell in ein erfahrenes und verständnisvolles neues Zuhause einfinden würden / werden. Nach jetziger Einschätzung der Lage handelt es sich nicht um zwei Schmusetiger, die die körperliche Nähe zum Menschen suchen. Wohl flüchten sie aber auch nicht vor Menschen sondern haben Freude im Umgang, was füttern und auch spielen angeht. Eine Federangel, zwei Katzen und ein Mensch, wahlweise auch noch andere Katzen – perfekt, damit kann man die Beiden stundenlang unterhalten. Auch das Spielzeug in der Box wird viel und gerne benutzt, mit Hanni und Nanni kann der Fernseher ausbleiben, die Beiden haben absoluten Unterhaltungsfaktor. In Anbetracht der großen Fortschritte in nur einer einzigen Woche empfinde ich die Beiden auch als zugänglich.

Wir halten Euch über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden.

Prosit!

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Sind Tiere härter im Nehmen als Menschen? Oder: Gini und die Dackellähme

Wenn ich mir diese Frage im Bezug auf meine Dackeldame Gini stelle, dann muss ich antworten: „Gini ist definitiv härter im nehmen als ich!“ Rafft mich bisweilen schon einmal ein grippaler Infekt auf desaströse Weise aus den alltäglichen Trott, so hat Gini 2008 zwei Bandscheibenvorfälle gehabt, die sie beide jeweils komplett gelähmt haben, von denen sie sich hat aber nicht weiter beeindrucken lassen. Über diese Zeit und meine Gedanken dazu möchte ich euch ein wenig erzählen. Zwischendurch zeige ich einige Bilder von einer von Ginis Physiotherapiestunden.

Ginevra Leonie K., geboren am 02.10.2001

Im März 2008 zeigte Gini deutliche Schmerzen im Rücken. Der damalige Haustierarzt piekte sie in die Seite und diagnostizierte einen verspannten Rücken. Nach einer Schmerzspritze ging es ihr die nächsten Stunden deutlich besser. Leider nutzte sie die Schmerzfreiheit auch für herumspringen und weitere Aktivitäten, die nicht unbedingt gut für ihren Rücken waren, bis sie dann am nächsten Tag auf einmal immer schlechter bis gar nicht mehr laufen konnte. Der bisherige Haus-TA sah uns am nächsten Tag zum letzten Mal, nachdem er uns über eine Stunde im Wartezimmer ausharren ließ, um einen kurzen Blick auf Gini zu werfen und zu sagen, dass sie in diesem Zustand in die Tierklinik müsse. Soviel zum Thema verspannter Rücken. Es war also in Wahrheit ein Bandscheibenvorfall. Als wir in der Tierklinik Erkrath-Trills ankamen, konnte Gini bereits nicht mehr laufen. Dort reagierte man sofort, es folgten diverse Untersuchungen, immer Rücksprache mit uns, den heulenden Menschen im Wartezimmer, die sich die schlimmsten Vorwürfe machten, nicht früher reagiert zu haben.

Die Physiotherapie wird bei uns "Füßchentherapie" genannt und beginnt mit einer Massage.

Gini wurde geröngt, bekam eine CT und nachdem alle Untersuchungen abgeschlossen waren, wurden die Behandlungsmöglichkeiten auf den Tisch gelegt. Alternative Behandlung mit Medikation, Physiotherapie und viel Glück, oder eine erfolgsversprechendere Operation mit anschließender Physiotherapie. Was ich an der Tierklinik bis heute sehr schätze ist, dass man niemals das Gefühl hat, etwas vorgemacht zu bekommen. Es wurde nie unmögliches versprochen, bei jeder Behandlungsmethode auf die Vor- und Nachteile hingewiesen, auf die Kosten und Folgekosten aufmerksam gemacht. Ich fühlte einfach, dass egal, was geschehen würde, Gini in guten und professionellen Händen war.

Neben Magnetfeld und Lasertherapie wird auch die "heiße Rolle" zum Einsatz gebracht. Hierzu wird ein Handtuch auch bestimmte Art aufgerollt und innen mit heißem Wasser aufgegossen. Hiermit kann der Patient einige Zeit massiert werden. Animiert meist zum Einschlafen.

Ich entschied mich für die Operation. Ich konnte mich dafür entscheiden. Zwar hatte ich das Geld nicht „auf der hohen Kante“, aber ich hatte die Möglichkeit es zu beschaffen, zudem bot die Klinik eine teilweise flexible Zahlung an. Als ich Gini 2002 von einer Welpenfarm in Wuppertal bekam, hielt ich sie einige Zeit heulend in den Armen, weil mich das Bewusstsein um die Verantwortung, die ich mit ihrer Aufnahme übernommen hatte, einfach umwarf. Ich dachte sogar darüber nach, sie wieder abzugeben. Aber ich entschied mich letztendlich ganz klar dafür, sie zu behalten. Damit war für mich ebenso klar, dass ich ihr jede Pflege, Hege und sonstige Behandlung würde zukommen lassen, die im Rahmen meiner Möglichkeiten lag, egal wie viele Einbußen das an anderer Stelle bedeuten könnte. Wenn Menschen das nicht können oder wollen, ihnen das aber erst klar wird, wenn das Haustier schon auf dem Behandlungstisch liegt, ist das für die Einen hart, für die Anderen höchstens umständlich. Ich hoffe, dass die, die ihr Tier nicht behandeln lassen können oder wollen, dann wenigstens die Weitsicht aufbringen, sich kein neues Tier mehr anzuschaffen. Leider zeigt die Erfahrung, dass viele Menschen dazu neigen, eingesparte Behandlungskosten direkt wieder in Neuanschaffungen zu investieren.

Nach der Massage geht es auf's Wasserlaufband. Größere Hunde können die Rampe an der Seite nutzen. Zwerge wie Gini werden einfach auf das Band gehoben. Hier noch im Trockenen.

Die Operation verlief gut. Gini musste natürlich zur Beobachtung in der Klinik bleiben. Sie war damals zwar schon sechs Jahre bei mir, aber wir hatten noch keine Nacht voneinander getrennt verbracht. Mein Verantwortungsgelübte sag es nun einmal vor, dass ich sie in jeden Urlaub mitnahm, auch wenn es bedeutet, dass ich für ihr Flugticket aus Prinzip mehr bezahle als für meines, weil ich sie immer im Passagierraum mitnehme und nicht im Gepäckraum fliegen lasse. Ich konnte natürlich nicht schlafen. Mein Geburtstag stand an und ich wünschte mir meinen Hund halbwegs gesund zurück. Den Rest würden wir gemeinsam hinkriegen. Gini konnte wohl auch nicht schlafen, traute sich laut Aussage der Tierpfleger aber nicht sich zu beschweren. Beinahe hätte sich mein Geburtstagswunsch nicht erfüllt, denn Gini weigerte sich selbstständig zu urinieren. Man wollte sie weiter beobachten, da man sich nicht sicher war, ob sie durch den Vorfall und die Op nicht dauerhafte Schäden bzw. Lähmungen an Blase und Darm davongetragen hätte.

Hier wird das Band in's Wasser gelassen. Ein Moment, der Gini der unangenehmste ist. Meistens hebt sie nur ein Pfötchen hoch um es in's Trockene zu bringen, hier hat sie gleich beide Vorderpfoten retten wollen.

Als ich das hörte, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich wusste, dass Gini mit den Pflegern niemals Pippi machen würde. Das hat sie seit ihrer Welpenzeit niemals abgelegt: in fremder Umgebung mit fremden Menschen kann sie sich ihre Notdurft tagelang verkneifen und tut das auch! Das versuchte ich in der Klinik zu erklären. Zunächst ließ man mich zappeln, dann flehte ich sie an, mir Gini mit nach Hause zu geben und wenn sie nicht machen würde, würde ich sie am Abend wieder zurückbringen, weil ihr ja dann die Blase ausgestrichen werden müsste. Also durfte ich sie nach Hause holen. Müde sah sie aus und verschreckt, verstrubbelt und ein wenig schmutzig. Und sie konnte nicht laufen, trotzdem war ich einfach glücklich, sie war noch da und freute sich, uns zu sehen. An dem Tag hat es furchtbar geregnet. Gini konnte nach wie vor die Hinterläufe nicht bewegen, also zog ich ein Handtuch unter ihrem Bauch hindurch und so bewegte sie sich mit den Vorderpfötchen vorwärts, während die Hinterbeine von uns in der Luft gehalten wurden. So gingen wir in den strömenden Regen und Gini zog Dampfwalzenartig mittels Vorderantrieb ab in den Garten, zu ihrem Lieblingsrosenbusch, wo sie sich bemerkbar machte. Wir ließen den Hintern runter und da plätscherte es nur so aus ihr heraus. Die Schilderung des Ganzen sorgte in der Klinik für Erheiterung und die Entlassung der Patientin nach Hause!

Hier wird Mitleid geheischt und auf (gute!) Leckerchen spekuliert. Das Band ist jetzt in der richtigen Position und wird zum Laufen gebracht.

Es folgten ein paar Tage, in denen ich ernsthaft besorgt um sie war. Ich habe gezweifelt, ob ich das Richtige gemacht hatte. Man las ja schließlich im Internet von Tierfreunden, die ihrem Liebling „all das Leid ersparen wollten“ und einschläferten. Gini schien kraftlos und müde. Aber das war ich auch, befand ich. Das erste Mal so lange von Zuhause weg, die sicherste und mutigste aller Hündinnen war sie nun nicht gerade. Also krempelten wir Ärmel und Fell hoch und liefen loss. Übten mit dem Handtuch um den Bauch Schrittchen um Schrittchen, fuhren zur Füßchentherapie und wir hatten Erfolg, Schrittchen für Schrittchen zwar, aber er kam! Gini bekam Gefühl in den Pfoten, wieder einen Stellreflex, fing an in der Luft zu paddeln, konnte bald wieder stehen, bald wieder ein wenig laufen und und und, so ging das weiter. Aber selbst wenn sie das Laufen nicht wieder gelernt hätte, weiß ich, dass wir selbst in diesem Fall klar gekommen wären. Denn bisweilen musste man sie richtig dazu animieren auch wieder Pfötchen 3 und 4 zu benutzen, weil sie gelernt hatte, ausschließlich mit 1 und 2 auszukommen und nutzte das schonungslos aus. In der Zeit hat sie gelernt, sich auf den Hintern fallen zu lassen, wenn sie an irgendwas intensiver schnuppern will und Mensch keine Anstalten macht stehen zu bleiben. Das macht sie sogar heute noch manchmal so.

Ist vielleicht Fleischwurst vorhanden? Immerhin bewegt sich hier das Band und ich laufe dagegen an!

Trotz aller Vorsicht (Gini wurde jede noch so kleine Stufe getragen, durfte nicht mehr auf Bett oder Couch) und aller Therapie merkte ich einige Monate später, dass etwas mit ihr wieder nicht stimmte. Ihr Gang war mühsamer, und wenn ich sie hochnahm, spürte ich ein Zittern durch ihren Körper gehen, begleitet von einem leisen Stöhnen. Es ging sofort zur Tierklinik und ja, es war ein zweiter Bandscheibenvorfall. Wieder wurden viele Tränen vergossen und über allem stand die Frage im Raum: Was haben wir falsch gemacht, wo hätten wir besser aufpassen müssen. Der behandelnde Arzt Herr Dr. Engelhardt, hat mit wenigen Worten all das von mir genommen. Man müsse auch loslassen können und einsehen, dass man einen Hund einen Hund bleiben lassen muss. Mehr als Vorsicht walten lassen könne man nicht, das Tier einsperren und einengen hätte aber nichts mit Schutz oder Tierliebe zu tun. Es war nicht unsere Schuld. So etwas passiert. Ich ließ los und Gini wurde ein zweites Mal operiert. Diesmal blieb sie nach der Op nicht still in ihrer Box in der Klinik. Sie beschwerte sich, wollte nicht essen und verkniff sich erneut das Pippi machen. Obwohl der Vorfall schwerer als der erste war, schien sie ihn gar nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Unterwasserbetrachtungen

Sie zog sich mit ihren Vorderpfoten voran, als hätte sie nie Hinterpfoten gehabt, strullerte demonstrativ auf ihre Rose, wurde entlassen, war nicht müde und kraftlos und viel schneller als nach dem ersten Vorfall warf sie bald in ihrem Bauchhandtuch ihre Hinterpfötchen wieder in die Luft wie ein Funkenmariechen. Heißen die so? Diese lustigen Mädchen beim Karneval, so stolzierte sie in ihrem Handtuch spazieren. Heute ist sie fast zehn Jahre alt, hat vor kurzem vier lockere Vorderzähne gezogen bekommen, eine Backenzahnentzündung hinter sich gebracht und könnte glücklicher nicht sein, weil sie in der Heilungsphase ihr Trockenfutter aufgeweicht bekam. Das hat sie so entzückt, dass ich es nicht übers Herz bringe, das wieder zu ändern. So ist neuerdings jedes Abendessen ein fest aus bestem Trockenfutter mit Möhrenpellets aufgeweicht, mit Nachtkerzenöl und Gelenktabletten angereichert. Da wird man schonmal angemault, wenn das nicht schnell genug auf dem Boden steht.

Darf ich jetzt wieder raus?

Sie plagt sich manchmal aufgesetzt mit Kätzchen Lisbeth herum, deren stürmische Zuneigung sie nicht immer so ganz erwidern kann (dennnoch lässt sie sie in ihrem Körbchen schlafen), aber spielt doch gerne und häufig mit und jagt dabei mit großer Freude beide Katzen durch die Wohnung. Nachts plündert sie vorzugsweise Müll (da immer in völliger Einigkeit mit Lissie) oder räumt ein bestimmtes Schlafkissen im Wohnzimmer herum.

Benimmt sich so eine ältere Dackeldame mit zwei schweren Bandscheibenvorfällen? Ja! Meine Gott sei Dank schon!

Endlich geht es wieder aufwärts. Ab in's Handtuch und nach Hause! Bis zum nächsten Mal.

Ich ende an dieser Stelle und freue mich, wenn mein Bericht einigermaßen interessant oder aufschlussreich ist. Vielleicht sogar den Weg zu Betroffenen findet und Mut macht. Das wäre wirklich schön. Ich verabschiede mich mit einem Bild von Gini und ihrer Meute, neulich an einem Sonntagnachmittag geschossen.

Was an jenem Sonntag wirklich geschah, erfahrt ihr in einem der nächsten Beiträge :o)

Leben mit wilden Katzen – Über Tierarztbesuche und Vertrauen

Schon seit einiger Zeit reden Sabine und ich darüber, dass wir gerne in der Katzenheimat eine eigene Info-Seite über das Leben mit wilden Katzen einrichten würden. Das darin auch das Thema „Tierarztbesuche“ vorkommen würde, war mir klar, wie extrem sich diese gestalten können hingegen nicht. Meine Erfahrung mit Lisbeth, die ich am Dienstag machen „durfte“ zeigt, wie tief die Angst im Einzelfall mit diesen Tieren verwurzelt sein kann.

Lisbeth ist schon seit einiger Zeit rollig. Tageweise krauchelt sie mit erhobenem Hinterteil in der Wohnung umher und schreit, dass einem jedes Mal das Herz stehen bleiben möchte. Da die Rolligkeit ihres Sinnes entbehrt, wenn kein Kater zur Hand ist und ich Lisbeth auch nicht die chemische Keule verpassen wollte, habe ich mich natürlich dafür entschieden, Lisbeth kastrieren zu lassen. Da die Kastration nicht während der extremen Tage erfolgen sollte, war es schwierig einen „normalen“ Tag abzupassen, an dem dann aufgrund der Wetterverhältnisse die Praxis auch angefahren werden konnte. Aufgrund des Tauwetters sollte das am Dienstag geschehen und so habe ich sie nach einem absolut problemlosen Einfangen (die einzige Schwierigkeit daran war, Gretchen aus der Box fernzuhalten, um Lisbeth reintun zu können) zur Praxis gefahren. Sobald alles über die Bühne gegangen sei, sollte ich einen Anruf bekommen und Lisbeth wieder abholen können. Der Anruf kam, ich sollte Lisbeth abholen, aber kastriert sei sie nicht.

Was war passiert? Es ist nicht gelungen Lisbeth in Narkose zu legen. Als zweiter Fall in der gesamten Karriere der Tierärztin hat Lisbeth „paradox“ auf das Narkosemittel reagiert. Die Dosis wurde gesteigert, bis es nicht weiter zu vertreten gewesen wäre, aber meine kleine wilde Katze, die Zuhause (wenn sie Lust hat) schon auf ein „Hopp Lisbeth“ hin neben mir auf die Couch springt, hat es geschafft mit einer mehrfachen Dosis des Narkosemittels in der Praxis noch den Tanz der Teufel zu veranstalten, hat geknurrt, gefaucht, das Mäulchen aufgerissen und gedroht. Nichts zu machen. Katze musste ohne die erforderlichen Modifikationen wieder mitgenommen werden.

Woran es tatsächlich lag, wer kann das schon so genau sagen. Es kann aber einfach sein, dass sie aus purer Angst einen dermaßenen Adrenalinspiegel produziert hat, der sie schlicht wach gehalten hat. Ich war beide Male dabei, als meine Hündin Gini für ihre Bandscheiben OPs in Narkose gelegt wurde. Zugang gelegt, Spritze gegeben, Arzt sagt „Nicht erschrecken, gleich ist sie weg“ und sie war immer schon weg, bevor Arzt ausreden konnte.

Aber als ich in die Praxis komme, sitzt Lisbeth in ihrem Körbchen und ist alles andere, nur nicht weg. Das einzig ungewöhnliche ist, dass ihre Zunge ein wenig hervorschaut. Die Tierärztin entlässt uns, denn Lisbeth kann nun inzwischen nicht mehr in Narkose fallen, wir dürfen also fahren. Im Bezug auf die Narkose sind wir uns aber gar nicht mehr so sicher, denn kaum ist hinter ihr die Autotür zugeschlagen und wir losgefahren, lässt Lisbeth sich nieder und schläft augenblicklich ein. Wenige Kilometer schläft sie so tief, dass wir anhalten und in der Praxis anrufen. Aber es ist alles ok. Sie ist müde und schläft. Und schläft. Und schläft. Manchmal so tief und fest, dass ich Angst habe, dass sie tot ist. Die Tierärztin hat gesagt, dunkel und warm halten. Ich mache ihr also ein Bettchen zurecht neben mir auf der Couch und knacke alle Stunde einen neuen Taschenwärmer und schiebe ihn ihr unter, so lange, bis der kleine Körper endlich wieder von alleine hochheizt und sie das erste Mal von der Couch springt und durch die Wohnung taumelt bis sie Gini gefunden hat und sich an ihr reiben kann. Dann setzt sie sich wieder hin und ich decke sie wieder zu und sie schläft weiter. Endlich nach einer weiteren Stunde ist sie zwar immer noch sehr sehr wacklig auf den Beinen, aber sie möchte gerne Futter haben und außerdem auf  ihren Kratzbaum rauf. Ich kann sie davon nicht abhalten, also stapele ich einfach Kissen drumherum, damit sie weich fällt, wenn die Schwerkraft ruft. Die ruft zwar, aber Lisbeth fällt nicht und kringelt sich ungelenk aber entspannt in ihrer Liegemulde zusammen.

Irgendwann nächste Woche bekommt unsere Tierärztin ein Gasnarkosegerät, das soll auch die stärksten Schlafverweigerer in den Schlaf zwingen. Da versuchen wir es noch einmal.

Ich habe diesen Bericht nicht geschrieben, um abzuschrecken, noch gehe ich davon aus, dass sich Operationsversuche bei einer Mehrzahl von wilden Katzen so abspielen. Vielleicht war Lisbeth besonders empfindlich, weil sie frisch aus dem Dachboden weggefangen in diese Praxis gebracht und geimpft wurde, was auch ein unaussprechliches Drama war. Vielleicht ist sie aber nur einfach ein Exemplar Katze, das von der körperlichen Beschaffenheit auf das Mittel paradox reagiert hat. Lisbeths Beispiel ist ein Extrem und worauf ich Euer Augenmerk letztendlich lenken möchte ist:

Diese kleine Wilde hat sich nach all dem Stress und der Angst bei uns geborgen gefühlt und es sich erlaubt einzuschlafen, entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit neben mir zu liegen, sich streicheln zu lassen und Nähe so lange zuzulassen, bis sie am nächsten Tag wieder voll auf den Beinen war und rechtschaffen empört schauen konnte, wenn man Anstalten machte, sich ihr außerhalb der genehmigten Wohnungsbereiche zum Streicheln zu nähern. Sie ist sogar zu mir gekommen, damit ich sie zu ihrem Futter hebe. Was ihr sonst im Traum nicht einfallen würde und sie am nächsten Tag natürlich nicht mehr wahrhaben wollte.

Wie ihr seht; eigentlich macht dieser Bericht also Mut und gibt Zuversicht. Mit den kleinen Wilden dauert vielleicht einiges länger, aber am Ende steht das Ergebnis für sich.

Ich verabschiede mich mit einem Foto von Lischen und Gretchen beim „Weihnachtsfrühstück“. Sentimental wie ich bin hatte ich für alle Vierbeiner Schälchen mit purem weißen Thunfisch und Wachtelei besorgt. Sie waren so entgegenkommend das Ganze mit Genuss zu verspeisen. In solchen Situationen sind dann auch die Kätzinnen ein Herzchen und eine Seele.