Katze Hermine

Hermine

In der vergangenen Woche gab es nichts zu berichten, weil es viel zu viel war, um all die Geschehnisse mit möglichst wenig Worten zu beschreiben. Dafür schaffe ich es aber auch heute nicht, in Kurzform zu berichten. Aber es ist Ostern, viele Menschen genießen, trotz des Anlasses, die freien Tage.

Somit eine wahre Geschichte zu Ostern:

Seitdem ich die wilden, scheuen und mittlerweile auch zahmen Katzen im Hafengebiet kenne, seitdem gilt mein festes Versprechen an sie: Ich lasse euch niemals im Stich!

Mein Motto steht fest, dass ich immer einen Platz hier zu Hause frei halten werde, um der einen oder anderen Katze eine vorübergehende Unterkunft zu gewähren oder ihr einen Altersruhesitz bieten zu können, falls sie draußen nicht mehr zurecht kommt.

Katze Hermine kenne ich seit fast einem Jahr. Sie löste Tiffany an der Futterstelle ab, die im Mai vergangenen Jahres überfahren wurde und ebenso kam Katze Bella an dieser Stelle ums Leben. Ich traute seinerzeit meinen Augen kaum, als Hermine genau an der Stelle auf Futter vertraute, wie die ebenfalls getigerte Tiffany es immer gehandhabt hatte. Sie saß auf den mit Styroporabfällen befüllten Säcken weit hinter dem Gitter und wartete. Wartete, dass die Schalen mit Futter befüllt wurden, um sich nach meinem Entfernen satt essen zu können. Seitdem kam sie fast regelmäßig. Einige Zeit sah ich sie nicht, dann wieder doch und immer wieder dachte ich darüber nach, ob sie die seinerzeit eingefangene und kastrierte Getigerte von dieser Stelle sei. Wie schon oft erwähnt, hege ich mittlerweile einen Hass auf Kennzeichnung in Form von Tätowierung. Aus einigen Metern Entfernung ist eine eventuell verblasste Tätowierung selbst für einen Adler mit Luchsaugen nicht erkennbar, geschweige denn für einen Menschen mit Lesebrille.

Andererseits komme ich ins Zweifeln, denn wenn ich mir das Foto ansehe,

möchte ich fast meinen, dass es nie Tiffy war, die ich hier knipste, sondern seinerzeit schon Hermine. Die getigerten und schwarzen Katzen, die können einen echt zur Verzweiflung bringen.

Hermine jedenfalls sah nicht gut aus, was ihre gesundheitliche Verfassung anging ud seitdem ich sie bewusst sehen durfte. Verkrustete Augenlider, die Nickhaut zu einem Viertel über die Augäpfel gelegt. Was tun? Da sie Appetit zeigte, waren ein Einfangen und eine Behandlung kaum möglich und nötig, da sich der Zustand ihrer Augen immer mal wieder verbesserte. Meine Tierärztin befragte ich nach diesen Symptomen und sie meinte, dass dieses Tier eventuell nur „verrotzt“ sei, da bei Katzenschnupfen kein Lebensfunke erkennbar sei. Sie gab mir ein Antibiotikum, das täglich aufgenommen werden muss. Das ging leider in die Hose, da es in solchen Fällen beinahe unmöglich ist, eine tägliche Tablettengabe zu sichern. Ich hätte Hermine einfangen müssen, da ich auch wegen der Kastration nicht sicher war, aber das ist immer wieder ein immenser Aufwand  für die Tiere und für mich alleine nur schwer zu schaffen. Ich wartete somit ab und hoffte ehrlich gesagt nur, dass sie nicht trächtig war oder wurde, die Tätowierung verblasst  oder sie eventuell ein Kater ist. Ja, ich gebe mir hinsichtlich der Situation eine gewisse Schuld.

Die Zeit verging und diese schlimmen kalten Tage des Winters kamen. In diesen Tagen sah ich Hermine überhaupt nicht, entdeckte lediglich, dass der bereit gestellte Unterschlupf in Form der üblichen Styroporkisten benutzt wurde. Von ihr oder von einer anderen Katze, die nur nachts zu sehen war? Ich weiß es bis heute nicht.

Am Montag den 26. März kam ich pünktlich zur Futterstelle und auch Hermine war gewissenhaft. Ich war sehr erleichtert, da sie in den vergangenen Tagen wieder einmal nicht erschienen war. Aber sie sah schlimm aus, ihre Augenlider nun völlig verkrustet. Die Futterschale war mit gewärmten Futter gefüllt, der Sichtschutz festgezurrt, ich entfernte mich, aber blieb in der Nähe um sie zu beobachten. Nachdem ich zur Seite gegangen war, wollte Hermine  wie gewohnt von den Säcken auf den Boden springen, jedoch sah ich, dass sie mit den Vorderbeinen einknickte und mit ihrem Kinn auf dem Boden landete. Trotzdem gab sie nicht auf und ging zur Schale. Anschließend schaffte sie es auch wieder hinauf auf die Säcke und putzte sich, aber irgendetwas stimmte nicht. Hermine wankte und schaukelte, als wenn sie aus einer Narkose erwachen würde. Jetzt  musste ich handeln, aber hatte nichts dabei. Weder einen Transportkorb, noch eine Falle. Es war Montag und die Arbeit hatte Platz im Fahrzeug gebraucht, eine Falle fährt man nicht aus Spaß durch die Gegend. Was tun? Ich war ziemlich verzweifelt, weil ich nicht handeln konnte, denn mit den Händen ließ sich Hermine nicht fangen. Plötzlich hörte ich ein lautes und irgendwie klägliches Miauen auf der anderen Straßenseite. Es kam aus einem umzäunten Gelände. Ich ging rüber und schaute durch diese verfluchten Streben. Was war hier auf einmal los? Eine zusätzliche verletzte oder kranke Katze? Die LKW rauschten derweil an all dem Geschen vorbei. Ich konnte über diesen Möchtegernzaun klettern und nachsehen, aber am helllichten Tag? Ich ließ Hermine sich erst einmal putzen und fuhr zum zuständigen Hafenamt gleich um die Ecke. Dort fragte ein Herr: „Bitteschön?“

„Auf Gelände X hörte ich eine Katze schreien, kann sie jedoch nicht sehen. Vielleicht ist sie verletzt oder in einer dieser Baracken eingesperrt. Ich muss auf dieses Gelände, egal wie!“

„Worum geht es? Um eine Katze?“

„Ja genau, um eine KATZE!“

„Dann rufe ich mal einen Kollegen an, der die Nummer dieser Firma hat.“

Es dauerte und dauerte, der Kollege erreichte aber niemanden in dieser Firma und man müsse warten. Derweil erzählte der Herr, wie gut er das finde sich um Katzen zu kümmern und seine Tante habe einen Hof gehabt. Er zählte euphorisch die verschiedenen Tierarten auf…

Meine Zeit drängte und ich fragte den Herrn nach seiner Erlaubnis, am helllichten Tag über diesen Zaun klettern zu dürfen.

Er überlegte erneut, gab mir letztendlich seine Visitenkarte und meinte: „Machen sie mal.“

Somit fuhr ich samt Visitenkarte zum Ort des Geschehens zurück, kletterte offiziell über den Zaun und sah nach. Ein unübersichtliches Terrain, mit Versteck – und / oder Rückzugsmöglichkeiten ohne Ende. Ein Miauen hörte ich nicht mehr. Eine Baracke mit Schloss versehen, die aber zum Dach hin eine Öffnung hat und einer eingeschlossenen Katze Flucht gewährt. Im Grunde optimale Möglichkeiten für Tiere, die bei Regen Unterschlupf suchen müssen – und gut zu wissen.

Ich schaute hin und her und  als ich nach links sah, sah ich Hermine, die ich noch nie über diese Straße hatte gehen sehen, relativ schnell in den Brombeerhecken verschwinden. Sie war in ihrem Zustand über die Straße gelaufen und ich stand da, völlig hilflos.

Eine Möglichkeit fiel mir ein und ich rief Babette an…

Fortsetzung folgt.

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