Fall Rumänien (2)

Damit Ihr an der Entwicklung eines der winzigen Schritte, der in diesem Fall Rumäniens Tierkatastrophe anbelangt, teilnehmen könnt, hier ein erster Bericht.  Er betrifft in diesem kleinen Fall  die Hündin Zara und logischerweise geht dieser Schritt nicht von Rumänien aus. Ute kaufte die Hunde frei und bewahrte sie somit vor einem verfrühten Tod. Über Sinn und Unsinn kann gerne jederzeit und unendlich gestritten werden und ja, man kann nicht die ganze Welt retten, aber für diese paar Hunde bedeutet es die ganze Welt.

Zara konnte inzwischen mit weiteren Hunden nach Bukarest gebracht werden, wo sie untersucht, behandelt und kastriert werden. Zumindest sind sie raus aus der Tötung und warten nun auf eine Möglichkeit der Ausreise.

Wann und wie, das steht immer noch in den Sternen, kommt es doch auf die finanziellen und hilfstechnischen Möglichkeiten an. Ob per Flugzeug oder per Transport, wo und wann eine Abholung erfolgen wird, all das muss nun organisiert werden. Heike hatte eine Pflegestelle für Zara gefunden, weshalb diese Hündin auch gleich frei gekauft wurde. Ohne Auftraggeber kein Freikauf. Leider stellte sich die Aussage des Aufnahmewilligens als Windei heraus, die Dame bekam wohl Angst vor der eigenen Courage. So etwas passiert oft und übrig bleiben die wenigen Menschen, die sich eh rund um die Uhr mit der Aufgabe Tierschutz beschäftigen, zusätzlich zu einer Arbeit. Wie auch Heike, die einmal A gesagt hatte und auch zu einem B steht, was bedeutet, dass Zara zu ihr kommen wird. Wohlgemerkt in eine Pflegestelle, in der es auch Surco und Musel schafften, zu einigermaßen Menschenbezogenen Hunden zu werden.

Auch Zara soll sehr ängstlich sein, was nicht verwundert, wenn man sich die Lage vor Ort ansieht. In der Tötung aufgewachsen, mit panischen Artgenossen eingepfercht, von gefühllosen Menschen missachtet und mit Füßen getreten. Sie wird eventuell nichts kennen, weder ein Hundeleben, noch Straßenverkehr oder eine Leine.

Heike nimmt diese Aufgabe gerne auf sich, aber anders kann man sich dieser weiteren Aufgabe auch gar nicht stellen. Caronte kam vor einiger Zeit genauso zu Heike und ihrem Mann  Sascha. Caronte wurde in einer spanischen Tötung von seinen Artgenossen beinahe zu Tode gebissen. Erst auf diese Weise wurde eine Tierschützerin vor seiner geplanten Hinrichtung auf ihn aufmerksam. Niemand kannte den Grund, doch „Jeder“ wollte diesem Riesen plötzlich helfen.

Heike war im Endeffekt die Einzige, nahm ihn zu sich und die Ursache der Beißattacke stellte sich nach einer Weile heraus. Caronte bekommt – ohne bisher diagnostisch klar erkennbaren  Grund – epileptische Anfälle. Meist während der Nacht. Nicht nur diese Momente sind für alle Beteiligten eine Belastung. Hinzu kommen Stunden der jeweiligen Nachwirkungen, die einen solchen Hund ruhe – und orientierungslos durch die Zimmer wanken lässt. Obacht ist wichtig, weil er vor Türen oder Schränke läuft, immer wieder und ohne Unterlass. Anschließend ist dieser Hund fix und fertig, aber auch Heike und Anhang sind anschließend fix und fertig, da sie alle mit Caronte leben und diesem tapferen Riesen während und nach seinen Krämpfen beistehen.

Caronte wird bleiben, denn wer mag sich diese „Arbeit“ zumuten?

Jetzt auch noch Zara, die ähnlich geschunden ankommen und genauso liebevoll aufgenommen werden wird. Ich wünsche viel Glück, werde  weiter berichten und Heike jederzeit unterstützen, soweit möglich.

 

 

Hundetagebuch (22)

Eigentlich gibt es nicht viel zu berichten, unsere Tage verlaufen gleichmäßig, ohne nennenswerte Ereignisse. Gut, wa? Heißt ja, dass ihm die Krankheit nicht zusetzt. Aber größer ist die Beule schon geworden.
Etwas hat anderes hat sich geändert, er kläfft nicht mehr gleich, wenn ich ihn vor einem Geschäft anbinde, er wartet nun vertrauensvoll auf meine Wiederkehr. (Ist ja zumeist sehr schnell – nur mal kurz Futterbüchsen bei Rossmann holen)

Ich hatte ein Problem gehabt, nachts habe ich ihn nicht gesehen und deshalb musste er immer an der Leine laufen, kann ihn ja auf Grund seiner Schwerhörigkeit nicht rufen. Doch was der Fachhandel dagegen abot, die beleuchteten Halsbänder – das war mir einfach zu teuer. Da fiel mir ein, dass diese Stirnlampen sehr billig zu bekommen sind und nun …

 

 

 

Hund Smile

Inzwischen ist klar, dass Smile aus der Ukraine stammt, beziehungsweise dort  in einem Zwinger hockt und weiterhin epileptische Anfälle, ohne dass ihm jemand hilft, bekommt.

Es hat sich jedoch einiges getan, was  Informationen rund um Smile anbelangt.

Frau Krack von der aw2 tierhilfe schrieb, dass Smile die Möglichkeit zur Ausreise bekommt, da inzwischen eine Pflegestelle  gefunden werden konnte!  Am 10.01. kann er einem Tierarzt vor Ort vorgestellt werden, um ihm zumindest eine Ausreisefähigkeit zu bescheinigen (Vorher geht nicht, da in der Ukraine aufgrund derzeitigem Weihnachtsfest alle Institutionen geschlossen sind) und danach wird die TH aw2 weitersehen. Auf jeden Fall ist ein Transport geplant, der Smile sowie weitere Hunde aus der Hölle befreit.

Nun ist es wie in allen Fällen: Das Geld fehlt.

Ich werde mich auf jeden Fall an den Transportkosten und Unkosten der Medikamente für Smile  beteiligen, denn daran darf es letztendlich auch nicht mehr scheitern.

Ich werde weiter berichten und falls Ihr ebenfalls Interesse habt Smile zu helfen, so wartet entweder, bis ich hier konkrete Abläufe und Kosten darstelle, oder vertraut gleich und wendet Euch jetzt schon an die Spendenseite der aw2 tierhilfe. Oder veröffentlicht mit dieser Bitte auf bekannten Seiten – mir gleich. Ich werde warten, bis ich die Planung „fassen“ kann, aber das wird nicht lange dauern, da Frau Krack ebenfalls ein Interesse daran hat, möglichst schnell Klarheit zu schaffen und einen konkreten Ablauf zu erstellen. Smile ist nur einer von tausenden Hunden und die restliche Welt scheint hilflos, ob dieser brutalen und gedankenlosen Vorgehensweise.  Ihr könnt ein Tropfen auf dem heißen Stein sein!

Die Ukraine ist mittlerweile bekannt geworden als Austragungsort der Fußball Europameisterschaft 2012. Bis dahin wurde dieses Land eher als „weit weg“ angesehen. Dieses „weit weg“ trägt somit Konsequenzen, da die dortigen Zustände nicht zu verstehen sind. Jedem das Seine; meinetwegen sollen gut verdienende Fußballstars Tore schießen, meinetwegen sollen Fans eine Menge Geld hinblättern, um ihre Helden live zu begleiten. Wie gesagt: Jedem seinen Spaß.

Die andere Seite von Spaß und Geldverdienen sieht so aus. Ach, Ihr habt starke Nerven, deshalb erspare ich mir die Warnung: Nichts für schwache Nerven, denn da müssen wir alle durch und speziell Kinder bedeuten die Zukunft. Genau sie müssen erkennen, wie dämlich ihre Vorbilder reagieren, damit sie es nicht nachahmen. Bereitet sie bitte vor, falls anwesend, auf Bilder, die die Dummheit unserer Spezies klar vor Augen führt, dass Geldscheffeln und eine falsche Scham wieder einmal die Hilflosen trifft:

 

P.S. Ich musste beim Einstellen der Aufnahmen zustimmen,  über 18 Jahre alt zu sein. Frage: Warum muss Jugendlichen unter diesem Maß die Wahrheit verschwiegen werden? Warum soll sie ihnen nicht zugemutet werden?

Dringend Hilfe gesucht!

In Form einer Pflegestelle oder Endstelle, wo dieser Hund mit seiner Krankheit bleiben kann.  Problem ist, dass Smile zumindest in der ersten Zeit nicht alleine sein sollte und auch nicht könnte. Gegen Epilepsie gibt es Medikamente, die, sobald korrekt eingestellt, regelmäßig verabreicht keine Anfälle mehr aufkommen lassen. Es ist schwierig, ich weiß, aber vielleicht liest hier ein Hundefreund mit Zeit und Erfahrung!

Hilferufe aus aller Welt

Smile – totgebissen zu werden, ist ein grausamer Tod… jede Minute kann es geschehen

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*ca. 2009 – ca. 42 cm – männl.

Smile wird auf jeden Fall sterben, wenn er nicht schnell Hilfe bekommt. Er hat Epilepsie und erhält in der Tötungsstation keine Medikamente. Regelmäßig bekommt er epileptische Anfälle. Es ist ein Wunder, dass die anderen Hunde Smile noch nicht totgebissen haben.


NOTFALL, Handicap: Smile ist ca. 2 Jahre alt und ca. 42 cm gross. Er ist sehr liebevoll, anhänglich, menschenbezogen und gehorsam.

Smile hat Epilepsie. Die Anfaelle passieren jede Woche.

Bitte sehen Sie sich das Video an. Smile ist völlig sich selbst überlassen, es ist ein Wunder, dass die anderen Hunde ihn noch nicht angefallen haben. Smile wird nicht mehr lange leben, wenn er hier nicht rausgeholt wird.


Dabei wäre seine Epilepsie unkompliziert zu behandeln und Smile könnte ein unbeschwertes Leben führen.

Smile ist einen NOTFALL, da er Medikamente braucht. Auf der Toetungsstation ist die Heilung nicht moeglich und der Hund leidet sehr stark. Er soll sehr schnell vermittelt werden, sonst steht er als Nr.1 in der Liste fuer die Einschlaeferung!!!


Ansprechpartnerin ist Angelika Kracker von der aw2-tierhilfe n.e.V.
angelika.kracker@t-online.de


www.aw2-tierhilfe.de

 

Pflegehündin Bella

Bella und ihre Entwicklung, die sich in den letzten  zwei Wochen hauptsächlich auf ihre Läufigkeit und dem Wunsch nach Fortpflanzung konzentrierten. Ich konnte lamentieren wie ich wollte, dass es bereits genug Hunde auf diesem viel zu kleinen Erdball gibt und dass niemand Zeit habe, sich um eine Welpenschar zu kümmern – all das wurde knochentrocken ignoriert.

Somit gab es auch keinen Vertrauensbeweis und Bella ging bei Fuß an kurzer Leine. Bin schließlich kein Sozialhelfer, der fortpflanzungswilligen Kreaturen zu weiterem Unglück verhilft.

Wir lernten in diesen zwei Wochen geschätzt sämtliche Rüden kennen, die in der Umgebung leben. Manch einen lernten wir an der Leine kennen, wo von weitem von meist Frauchen gefragt wurde, ob dieser schwarze Hund männlichen Geschlechts sei. „Nein, nein, das ist nur eine Hündin.“ Nach der Beschnupperungsphase kam jeweiliges Frauchen auf den Trichter und fragte zusätzlich: „Ist die etwa heiß?“ Nach meiner Bejahung wurde Rüde hektisch und kommentarlos beiseite gerissen und zwei  „Für – Einander – Bestimmte“ mussten trauern.

In einer Mittagspause spazierte ich mit Bella durch den angrenzenden Wald und wir machten einen Abstecher zum Futterladen, da sie in dieser Phase so gar nicht an Essen dachte. Irgendetwas musste es aber doch geben und ich suchte und suchte. Mit einer Tasche in der einen Hand und Bella an der anderen, traten wir den Rückweg an. Wie schön, kein wahnsinniger Rüde in … bevor ich den Gedanken ausdenken konnte, stand ein sabbernder Jagdhund hinter Bella. Ein reinrassiger Deutsch Kurzhaar, aber egal, jedenfalls irgendein fortpflanzungswilliger junger Hengst. Ich bin kein Neuling, aber die Größenkategorie ist durch Bella irgendwie gewachsen.

Es war kein Weiterkommen möglich, da sich die Leine mit diesem Jagdhund verhedderte und Bella begeistert schien. Plötzlich kam ein Man mit leuchtend rotem Rucksack und Hund um die Ecke. Sein Hund ist undefinierbarer Rasse, relativ groß gewachsen, ebenfalls männlicher Natur und gehorcht normalerweise auf den Namen Schröder. Nun hatten wir zwei Wildgewordene Rüden in der Leine verheddert. Als ich zu Atem kam, fragte ich den Rucksack, ob er diesen Jaghund kenne. „Ja, das ist der Max, ich weiß wo er wohnt und nehme ihn mit.“

Oh, wie schön und vor allem wie heldenhaft. Schröder war nicht begeistert und zeigte seine Beißerchen. Der Mann nahm Max nach einigem Hin – und Her an Schröders Leine und schien seine gute Tat bereits zu bereuen, denn von da an hatte der rote Rucksack ein Problem und er musste laut werden, so dass ältere Damen mit Einkaufswägelchen stehen blieben und an Tierquälerei dachten. Ich bedankte mich, schlich weiter, hörte bald darauf weiter weg ein gebrülltes: „SCHRÖÖÖÖÖÖDER, verdammt noch mal, was soll das??? MAAAX, hör auf!!!“ Blieb stehen und spähte durch Zwischenräume  kahler Bäume. Ich sah den leuchtend roten Rucksack, wie er sich hektisch hin und her drehte und hörte Geräusche von Beisserei und  Jaulen. Sollte ich zurückgehen und dem Mann helfen? Ich zögerte, denn das war ein Mann.

Plötzlich ein Rascheln, das nicht von einem Eichhörnchen stammte und Max stand in voller Pracht fröhlich hechelnd vor uns. Na super, ein wahrer Held, der leuchtend rote Rucksack. Der hatte wahrlich schnell aufgegeben, und jetzt? Mitten im Wald, kein Handy dabei, nur einen entlaufenden Rüden und eine läufige Hündin. Somit gingen wir Schrittchen für Schrittchen weiter, immer darauf bedacht, überhaupt einen Meter zu schaffen. Es war grausam, vor allem weil die Zeit aufgrund solcher Erlebnisse nicht stehen bleibt. Irgendwann würde meine Pause beendet sein, aber wie sollte ich diesen Wildgewordenen Kerl nach Hause schaffen, ohne dass er mitsamt seiner Kopflosigkeit vor ein Auto rennt? Wo wohnt er überhaupt? Nicht einmal das hatte mir dieser heldenhafte Rucksack mitgeteilt.  Es nieselte, also es war kein sonniger, freundlicher Wintertag. Nein, wir gingen durch Matsch und waren nass, aber Max setzte dem Ganzen die Krone auf. Wir kamen irgendwann an meinem Firmenwagen an, in dem mein Telefon lag, und in das ich Bella irgendwie hinein katapultierte, damit ich mich auf diesen sch… Max konzentrieren konnte. Er hatte glücklicherweise ein Halsband um, an dem eine Plakette mit Handynummer wedelte. Ich versuchte die Nummer zu lesen, aber das war kaum möglich, da ich nun seine Auserwählte war. Ihm war das gleich, ich roch nach Belladonnas und ihm war alles recht. Mit zitternden Fingern und Geduld fast am Ende, entzifferte ich nach und nach diese Kackhandynummer. Max sprang immer wieder an mir hoch, zerrte an meinem Schal, riss Fäden heraus, versaute mit seinen Matsch beschmierten Pfoten meine Jacke und letztendlich auch die allerletzten Nerven. Ich hielt ihn am Halsband, und immer wieder wollte er sich daraus befreien: „FREUNDCHEN, WENN DU JETZT NICHT ENDLICH …!“

Ich hatte es irgendwann geschafft die Nummer seines Besitzers einzutippen und betete, dass sich jemand melden würde. Eine Firma meldete sich, Gott sei Dank, und ich fragte, ob ein Hund Max zu ihnen gehöre. „Ja, wo ist er?“

Das klang gewohnt.

„In der Wahnenmühle, kommen sie ihn holen, denn lange kann ich ihn nicht mehr halten.“

„Ich mache mich sofort auf den Weg, bin ja gleich um die Ecke, kann allerdings fünfzehn Minuten dauern.“

Fünfzehn Minuten? Für um die Ecke? Ich hätte  zu allem Ja gesagt, Hauptsache Max würde mir von der Pelle genommen. Fünfzehn Minuten können ganz schön lang sein, aber mittlerweile beruhigte sich der Kerl und es ist ein ganz netter. Wäre mir nur viel zu triebhaft und keine Ahnung wie er bisher durchs Leben gekommen ist, wenn er regelmäßig auf Wanderschaft geht. Zwischendurch konnte ich es mir nicht verkneifen zwei Fotos (versuchen) von ihm zu knipsen:

Und dann kam endlich der wahre Erlöser. Ein humpelnder Mann zu Fuß, der nur resigniert den Kopf schüttelte und Max, Max sagte. Max war gut drauf und freute sich sein Herrchen zu sehen. Herrchen schimpfte nicht, jedenfalls nicht in meinem Beisein, nahm ihn an die Leine und Ende gut alles gut. Aber ich war echt fertig und wollte wissen, wie das passiert sei. Ja nun, seine Mutter hätte die Tür aufgelassen und Max sei – wie so oft – entschwunden. Seitdem Mann das weiß, trägt Max die Handynummer bei sich. Vorher hatte Max nicht einmal ein Halsband um…

Ergo: Schuld sind immer die Frauen.

Um noch einmal auf Bella(donna) zurückzukommen, so ist sie zwar ein umgänglicher Hund, allerdings nicht, wenn es ums Futter geht. Es gab Situationen in denen sie selbst vor Kater Charlie, dem kleinen Romina – Furz keinen Halt machte. Zum Glück war meine Hand dazwischen. Außerhalb jeglicher Futternäpfe ist sie eine treue Seele, die jedoch von meiner Seite aus immer noch mit Vorsicht beachtet wird. Als Einzelhund gibt sie sich ihrem Halter hin, sie will nicht weglaufen, keinen Stöcken oder Bällen nachlaufen. Sie geht gelernt bei Fuß, wobei ich das an Straßen nicht riskieren würde.

Danke für Eure Aufmerksamkeit und weiterhin geruhsame Weihnachtstage.

Und dann kam Bella

Nach Gipsys Tod am 31.10. hätte ich inzwischen dreißig Hunde aufnehmen können. Es gibt so viele Notfälle und Hilferufe und es ist einfach nur schlimm. Ich sah mir die ganzen Notrufe an und wollte helfen, weil ich helfen konnte, war aber gleichzeitig wie blockiert. Erstens von der bekannten Flut, die ich nun entscheiden konnte, wo ich mich hätte melden müssen – und andererseits der Wunsch nach einer Pause. Ehrlich gesagt nach einer Pause, die mich irgendwohin führt, wo keine Hunde erlaubt sind. Irgendwohin, wo es keine Schmerzen, keine Medikamente, keine Tierärzte  und keine rasend schnellen  Altersprozesse gibt. Eine Pause, die mich nach Alicante zu meinen Freunden Gisela und Ralf führen soll, um mich vor Ort für einen oder mehrere schlimme Fälle zu entscheiden. Aber aufgrunddessen, was ich hier schreibe, wird nicht nur mir klar, dass  all diese Gedanken und Überlegungen in den Müll gehören, dass alles dennoch offen ist. Es ist einfach so, dass es keine Pause gibt, weil man auserkoren ist. Und wenn man selber nicht in die Pötte kommt, dann erledigen andere das für dich.

Somit nahmen wir Bella, einen Labradormix als Pflegehündin auf, und im Gegenzug bekamen die drei Fauchis einen guten Platz. Eine Hand wäscht die andere.

Bella kam spontan, lediglich eine Mail und ein Telefongespräch lagen  zwischen unserem ersten Kennen lernen und bereits zehn Stunden später musste entschieden werden, wie sich Bella in den Tagesablauf integrieren würde. Eine alte Hundedame wurde angekündigt, die sich mit Katzen versteht,  aber nicht mit  anderen Hunde Omis. Wir waren überrascht, als Bella die Treppen zur Wohnung hochsprang, ich hatte älteres erwartet. Bellas Frauchen kam in ein Pflegeheim und verstarb kurz darauf. Danach wanderte Bella von einer Pflegestelle in die andere, wo sie die meiste Zeit schlief und angeblich in die Wohnung pieselte. Bella besitzt einen belgischen Pass, mit Chipnummer bis dato ohne Registrierung und ein Geburtsdatum von 1999.

Ok, es gab keine andere Variante, denn bevor wir uns das Haus zusammen bellen lassen würden, sollte Bella mit mir zur Arbeit fahren. Das ist spannend und lässt keinen Hund zur Ruhe kommen, denn wirklich fahren, immer wieder raus und Luft schnappen und Pipi machen, richtig auf dem Beifahrersitz sitzen und als Wachhund fungieren. Klappt es oder klappt es nicht?

Es klappte und funktioniert mittlerweile teilweise. Irgendwo scheint es immer wieder Gebiete zu geben,  die Bella zu kennen glaubt und dann geht es zur Sache. Sie springt mit den Vorderpfoten aufs Armaturenbrett, bellt wie verrückt und raubt jede Konzentration. Ansonsten ist sie zurzeit Läufig, wobei ich schon dumm fragte, ob jemand wisse, ob Bella eventuell kastriert sei. Nein, bisher nicht und alle paar Stunden möchte sie runter, in ihr neues Revier und Rüden suchen. Die gibt es hier zuhauf, wie ich aus Erfahrung weiß.

Allgemein konnte sich Bella gut ins Familienleben einfügen. Sie ist extrem aufmerksam und dennoch genügsam. Dosenfutter, auch das beste, mag sie nicht. Hähnchenbrust, Kartoffeln und Möhren mit kleinen Häppchen guten Tüteninhalts vermischt, das schmeckt ihr. Auf anschließende Rituale wartet sie, aber die kenne ich bisher leider nicht. Katzen mag sie in der Tat, jedenfalls akzeptiert sie dieses Muss. Am ersten Abend gab es Fresschen, eine Runde im Wald und bereits ab diesem Moment wusste sie, wo „ihre“ Haustüre ist. Sie schlief im Korb im Wohnzimmer, ohne Kommentar, denn sie war zu Hause.

Am zweiten Abend wollte sie doch mit ins Schlafzimmer, ging die unheimliche Treppe hoch und legte sich ins heilige Körbchen von Gipsy, das mittlerweile von Romina und Lotte und Charlie benutzt wird. Ich war müde und dachte nur: „Macht, was ihr wollt.“ Legte mich ins Bett, stand ein paar Stunden später wieder auf und fand Bella auf einer armseligen Decke in der Ecke wieder, wobei Romina, Lotte und Charlie im großen Hundekorb residierten.  Ich habe nicht die blasseste Ahnung, wie Romina das ohne Lärm hinbekommen hat, tippe aber auf diese für Zweibeiner unsichtbare Katzenmethode:

Nach Überlegungen und Recherchen scheint Bella nach dem Tod ihres Frauchens in einem belgischen Tierheim gelandet zu sein. Und wer es noch nicht wusste: In  belgischen Tierheimen wird getötet. Vielleicht nicht in allen, das möchte ich nicht behaupten, aber Bella kommt aus Verviers, wo sie gechipt wurde und einen Pass mit geschätztem Alter bekam. 1999 stimmt im Leben nicht, dafür ist sie viel zu munter und lebensfroh. Sie ist zwar realtiv unerzogen, kann aber ohne Leine laufen und hört auf ihren Menschen.

Wie soll ich Bella noch beschreiben? Eine dankbare ältere Hündin, die nach einiger Zeit der Resignation zu neuem Lebensmut fand. Ich denke, das passt.  Wer sie adoptieren möchte, darf gerne schon älter, muss aber noch sehr gut zu Fuß sein. Bella kann nämlich laufen und laufen und laufen.

Hier das Highlight der letzten Tage:

Drei Fauchis gehen und Bella kommt

Es war vor zwei Wochen, als ich fast verzweifeln wollte, weil sich immer deutlicher heraus kristallisierte, dass die drei Fauchis sozusagen hoffnungslose Fälle sind. Hoffnungslos, was ein Zähmen oder eine Vermittlung in ein entsprechendes Zuhause anbelangt. Es war ein jeweiliger Kampf, den drei unschuldig dreinblickenden Miezen eine Salbengabe in die Augen zu verabreichen, und ohne Lederjacke, Lederhandschuhe ging gar nichts. Da wurde gefaucht, gespuckt und um sich gebissen. Naja, Stress für alle Beteiligten und nicht das Gelbe vom Ei. Man kann es nicht verallgemeinern, da andere Fundtiere wieder völlig anders reagieren. Man muss es akzeptieren, denn der Mensch ist nun mal nicht das Maß.

Man hätte sie trennen können oder sogar trennen müssen, aber irgendwann sind Platzkapazitäten ausgeschöpft. Drei große Käfige und Zeit für drei wilde Katzen, nebenbei das zeitraubende Geldverdienen, Futterstellen und eigene Tiere … alles nicht so wirklich machbar. Durch Zufall telefonierte ich mit Babette und sie sagte: „Die Drei können zu Freunden auf einen Bauernhof. Die nehmen dort all unsere hoffnungslosen Fauchis. Dort gibt es eine Futterstelle, jede Menge Scheunen, Bauernhof an Bauernhof und keine Straßen in der Nähe.“

War das ein Traum? Ich nahm den Hörer vom Ohr und schüttelte ihn. Das hatte Babette nicht wirklich gesagt, oder? Ich legte den Hörer wieder ans linke Ohr und fragte: „Echt? Ich kenne keinen Bauernhof, wo Katzen aufgenommen werden. Mir sagt man stets, egal ob ich bis nach Hamburg frage, dass alle Höfe bis unter die Stalldecke mit Katzen überfüllt sind.“ „Freunde eben“, antwortete Babette knapp.

Ja, Vitamin B vom Feinsten, jedenfalls was die Katzennot anbelangt und kein Vitamin das einen Kredit betrifft, womit sich reichere Zeitgenossen ein Eigenheim finanzieren und ich war heilfroh, da nun endlich eine Zukunft für die drei Schwarzweißen in Aussicht war. Eine entsprechende Zukunft, wo sie leben können, wie sie es von ihrer Mutter gelernt und akzeptiert haben. In einer Zukunft, die mit Versorgung und Unterschlüpfen garantiert wird.Was will eine wilde Katze mehr?

Die drei Furien gaben bereits beim ersten Mal ein Zeichen, denn unsere Hausmiezen, sie scheinen nach Babypuder zu riechen. Die Fauchis rochen bereits wild, sie rochen nach Tiger, Geparden, Löwen. Somit komplett aussichtslos, so leid mir diese eigentliche Niederlage auch tut. Selbst wenn sie sich hier dem Menschen genähert hätten, es wäre ein enorm schwieriges Vorhaben, sie in einem Zuhause, wo  inzwischen selbst völlig problemlose Tiere kaum eine Stelle finden, unterzubringen.

Der einzige Haken war ihre jeweilige Kastration, die in dem Alter nicht jeder Tierarzt durchführt. Vier Monate junge Tiere, worüber ich mit  vier Tierärzten nebenbei immer mal sprach, die eine Frühkastration ablehnen, denn da sei noch nichts, was entfernt werden könne. Der nächste war der Meinung, dass sich Jungkastrierte Katzen nie völlig normal entwickeln würden und na ja, ich bin grundsätzlich auch dieser Meinung, rein vom logischen Standpunkt gesehen. Aber dann gibt noch die Seite der anderen  Sichtweite und ich sagte zu, dass die Drei kastriert werden sollten. Es gab schließlich nur diese beiden Varianten: Kastriert und in gesicherter Freiheit leben können – oder zwangsmäßig in Käfigen gehalten und irgendwann gegen ihren Willen gezähmt werden.

Das Problem war somit gelöst; ich brachte Babette die drei Fauchis, die am selben Tag noch kastriert wurden und ein Langzeitantibiotikum verabreicht bekamen, damit der Unsinn mit blöder Augensalbe aufhören konnte. Derzeit leben sie in Käfigen um sich noch erholen zu können. Sie mögen auch Babette nicht, aber es geht ihnen gut, die Augenprobleme sind völlig zurück gegangen.  Und dann sehen wir weiter – im Sinne der Katzen.

Aber es gab noch einen winzigen Haken anderer Natur, denn das war Hündin Bella. Bella, die Hunde Omi…