In Erinnerung an Tiffany und Kimba

Tiffany, genannt Tiffy, die pünktliche, getigerte Katze, die immer näher kam und mir geduldig beim Füllen der Futterschalen zusah. Tiffy, die ihrem schwarzen Kumpel stets den Vortritt ließ, die sich nie vordrängelte und einen weisen Blick hatte.

Tiffy wurde am 18. Mai 2011 gegen 8.00 Uhr morgens überfahren.

Ich überlegte in den vergangenen Tagen oft, wie ich diese Tatsache beschreiben soll. Einerseits soll es nicht brutal oder niederschmetternd wirken, andererseits muss und will ich diesen lapidar klingenden Wesensmerkmalen die entsprechende Würde geben. Hinzu kommt, dass ich erklären möchte, wie nahe mir Tiffys Tod geht, ohne sentimental oder hart zu wirken.

Ich einigte mich auf die Wahrheit.

Weil es die Katzenheimat nun einmal gibt und ich nichts verschönere oder mies mache, da es die Wahrheit ist und ich meine wahren Gefühle beschreibe. Es kommt immer darauf an, wie man es beim Lesen empfindet. Wer also meint, die Wahrheit nicht lesen zu wollen, der meint mein Handeln und meine Gefühle nicht zu verstehen oder die Tatsachen nicht ertragen zu können, der höre hier bitte auf.

Für alle anderen möchte ich folgendes schreiben:

Tiffy gehörte zu einer Fangstelle, an der es eine getigerte und zwei schwarze Katzen gibt. Die schwarzen unterscheiden sich lediglich durch ihre Geschlechter voneinander. Die getigerte, von der ich ausging, dass es Tiffy ist, wurde im Oktober von Frau N. gefangen und zum Tierarzt gebracht. Anschließend verbrachte diese getigerte Katze zusammen mit diesen zwei schwarzen Katze/Kater ein paar Tage auf einem Dachboden und wurde wieder frei gelassen. Ich richtete eine Futterstelle an der Fangstelle ein und Tiffy kam seit einigen Monaten regelmäßig. Da ich die getigerte vom Dachboden nur einmal gesehen hatte, knipste ich das Foto kurz vor ihrer „Freilassung“.

Ich verglich das damalige Foto und das von den Säcken mehrmals miteinander, weil ich versuchen wollte sicher zugehen, ob  es diese Tiffy ist oder nicht. Ich kam zu dem Ergebnis, dass es Tiffy ist, weil ich in der weiteren Zeit auch keine zweite getigerte dort sah.

Die Zeit verging und ich beobachtete, dass Tiffy ein wenig zugelegt hatte. Das war nichts ungewöhnliches, da sie ja auch regelmäßig zu futtern bekam. Trotzdem bekam ich den Zweifel nicht aus dem Kopf, und versuchte immer wieder von weitem eine Tätowierung in ihren Ohren zu erkennen. Erneut kam ich zu der Erkenntnis, dass Tätowierungen bei wilden Katzen nichts bewirken, sondern Kerben im Ohr wichtig sind. Manch ein Tierarzt weigert sich eine Kerbe ins Ohr zu knipsen, das ist lieb gemeint, aber hilft den wilden Katzen nicht!

Am Dienstag den 17. Mai, kam mir Tiffy aus dem verwilderten Verbindungsweg, der sich zwischen diesem Hafenbecken befindet und aufgrund dessen ich die Katzen seinerzeit überhaupt entdeckt hatte, entgegen. Sie ging diesen typisch pendelnden Gang, wo das Bauchfell ziemlich locker sitzt und das für kastrierte Katzen ein typisches Zeichen bedeutet. Ich zog mich zurück, sprach leise und Tiffy sprang relativ vertrauensvoll durch die Gitterstäbe, um auf den dahinter liegenden Säcken abzuwarten, bis ich mit unserem Ritual, sprich Futterstelle säubern und versorgen, fertig war.

Als ich wegfuhr, sagte ich wie immer: „Pass bitte auf dich auf.“ Am nächsten Morgen kam ich wie jeden Morgen um kurz nach 8.00Uhr an besagter Stelle vorbei, weil ein Kunde um diese Zeit seine Post verlangt und ich somit eins mit dem anderen verbinde. Ich halte an der Futterstelle, nehme die meist leere Schale vom Vorabend heraus um Fliegeneier zu vermeiden. Falls es regnet oder kälter ist,  stelle ich eine neue Schale mit frischem Futter hinein, was an diesem Tag aufgrund der Wärme aber kein Thema war. Trockenfutter und Wasser sind immer vorhanden, es muss niemand hungern. Ich hielt auf dem rechten Bürgersteig, schaute mich um, ob ich nicht gesehen werde, huschte zur Futterstelle, hievte die Barrikadierungen beiseite, sammelte die Schale ein, baute die Rückseite der Schrankwand wieder davor und ging zurück zum Auto.

Erst dann sah ich Tiffy auf der gegenüberliegenden Seite blutend im Rinnstein liegen. Ich lief zu ihr und konnte nur Tiffy, Tiffy, Tiffy sagen.

Der weitere Ablauf war wie in Watte gewickelt. Ich weiß nicht, ob ein Auto kam und wegen mir anhalten musste. Ich kann mich ebenso wenig an ein Geräusch erinnern. Ich sah nur schemenhaft etwas Helles mitten auf der Straße liegen, aber registrierte es als überfahrenes Kaninchen. Tiffy legte ich ins Auto, sie war noch weich und warm, ihr Kopf war demoliert und erst dann lief Flüssigkeit aus ihr heraus, die den endgültigen Tod anzeigt. Das alles war gerade erst passiert. Tiffy, Tiffy, Tiffy!!!

Immer wieder dasselbe! Die eigenen Innereien schmerzen unkontrollierbar, der Kopf droht zu zerplatzen. Warum tut er es nicht endlich????  Wie soll ich den Schmerz verkraften und wie viel davon noch?

Ich ging wie eine Marionette zu diesem hellen Fell, denn es hatte eine Bedeutung. Ich hockte mich davor und weiß immer noch nicht, ob ein Auto kam. Mit Tiffy nicht genug, denn das helle Fell war ein  Katzenfell. Rotes Katzenfell, dessen Innereien verstreut daneben lagen.

Mit immer noch Watte um meinen Kopf sammelte ich die Überreste auf. Mein verbliebener Verstand meldete: Tiffys Baby, ungefähr vier Wochen alt. Ich legte das Katzenbaby zu Tiffy und erledigte meine weitere Arbeit. Nachdem ich Pause machen konnte, wusste ich nicht, wie ich aus diesem Zustand herauskommen sollte und rief meine Freundin Gisela in Spanien an.

Sie wusste als einzige, wie es mir geht, denn es ging nicht um ein eigenes oder fremdes Tier, sondern um jedes Tier und speziell um die Situation. Ich konnte keine tröstenden Worte gebrauchen, sondern brauchte verstehende, die meinen Kopf klarer werden ließen.

Gisela fragte als erstes, ob Tiffy tot sei. Ich sagte Ja, und sie antwortete:  „Gott sei dank, denn, Sabine, den Tieren geht es jetzt gut! Mutter und Kind sind zusammen, es ging schnell, sie mussten sich nicht quälen. Nie wieder müssen sie frieren oder Angst haben, ihnen geht es jetzt gut! Unser Schmerz ist Selbstmitleid, vergiss das nicht!“

Ja, und sie hat Recht. Sie selber hatte eine angebundene, tote Hündin gefunden, an deren Zitzen noch die toten Babys lagen. Abgesehen davon, dass man dieses Bild niemals in seinem Leben vergessen kann, so  wären diese Welpen niemals von ihrer Mutter davon gelaufen, weil ich mir außerdem Gedanken machte und mache, ob Tiffy weitere Kinder hat. Ich weiß nicht, ob ich sie in meinem benebelten Kopf vielleicht übersehen/überhört  habe. Nun steht jeden Abend eine Falle an der Futterstelle, aber wenn es noch weitere Katzenwelpen gibt, so kennen sie diese Stelle vielleicht nicht und Tiffy wollte sie ihnen erst noch zeigen. Vielleicht in dem Moment, als sie mein Auto hörte… und ich bin Schuld. Ich und der rote Kater. Denn irgendetwas muss Tiffy aufgehalten oder abgelenkt haben, sonst wäre ihr das auf dieser übersichtlichen Straße niemals passiert. Ich weiß, dass es ein Kater war, da ich seine Innereien zusammen gesucht habe. Er heißt Kimba.

Danke an Christine und Manuela, die gestern bis in Dunkelheit ausgeharrt und beobachtet haben und mit deren Hilfe ich erneut jeden Zentimeter im Umfeld durchforsten konnte, ohne Katzenwelpen zu finden.

Tiffy und Kimba liegen jetzt hier im Wald. Sie haben ihren Frieden, sind zusammen, brauchen nie wieder frieren und nie wieder Angst zu haben.

Kleine Tiffy, pass endgültig auf  Dich und Deinen Kimba auf. Den Rest mache ich, wie versprochen. Danke, dass es Dich gibt!

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17 Kommentare zu “In Erinnerung an Tiffany und Kimba

  1. Es tut mir so leid um die beiden, das Leben ist so hart und grausam. Du hast alles getan, was möglich war und ihnen den verdienten Respekt erwiesen mit deinem Liebesdienst.
    Danke! Für deine klaren Worte.

    Christina

  2. Liebe Sabine
    Auch wir haben schon darüber gesprochen!
    Du bist nicht Schuld am Tod der beiden!
    Du hast alles für sie getan(und tust es auch weiter für andere Tiere) was du nur konntest, und das danken sie dir jetzt!
    Sie sind nun über die Brücke gegangen, und werden auf dich warten, um sich genau wie so viele andere Tiere denen du schon geholfen hat irgentwann bei dir zu bedanken!
    Ihnen geht es gut!!!
    Heike.

  3. Hallo liebe Tierfreunde von Sabines Block!
    Sabine hat mich gerade angerufen, sie hat noch 2 Katzenbabys von der überfahrenen Mutter gefunden!
    Da gab´s doch sicher einen Schutzengel, der die Babys auf Sabine zulaufen ließ!
    Super!!!!
    Gruß Heike.

  4. Pingback: Tiffys Babys « Katzen-Heimat-Blog

  5. Oh man Sabine … ich sitze hier im Büro und heule 😥
    Die Welt ist wirklich so ungerecht, und es tut schon weh, das alles zu lesen. Ich denke schon, dass ich nachvollziehen kann wie es dir geht, denn auch ich finde ja häufig Tiere auf der Strasse. Allerdings ist es bei dir noch eine Ecke schlimmer, denn du hattest eine Verbindung zu Tiffy aufgebaut.

    Macht´s gut Tiffy und Kimba, euch geht es gut, da wo ihr jetzt seid und den Rest erledigt Sabine, da bin ich mir ganz sicher!

    Traurige Grüße,
    Sylvia

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  8. Ich heule auch. Es ist immer so traurig, wenn die Katzen überfahren werden. Mir blutet immer das Herz, aber du bist auf keinen Fall Schuld daran. Wir haben auch etliche Straßenkatzen, die wir betreuen und wir hoffen auch jedes Mal, dass keine überfahren wird. Der Schmerz ist echt unerträglich, wenn man die Schützlinge da liegen sieht und dann noch ein Kitten. Ich heule schon wieder. Es tut mir so leid für Tiffy und Kimba.
    Wir freuen uns, dass die anderen Babys gefunden wurden. Hoffentlich bleibt ihnen dieses Schicksal erspart.
    Ich drücke dich
    Anja

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  11. Mensch, liebe Sabine… Ich bin so fassungslos! Wie konnte ich diesen Artikel nur überlesen? Ich bin geschockt und fassungslos und mir laufen die Tränen… 😦
    Die richtigen Worte in diesem Moment zu finden, fällt mir so unendlich schwer.
    Ich hoffe, Mama & Söhnchen mussten wirklich nicht lange leiden und es geht ihnen – da wo sie jetzt sind – gut.
    Mein Mitgefühl an Dich, liebe Sabine. Du bist was ganz Besonderes!
    LG Nadine

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