Katze Hermine (Teil 2)

Ich rief somit Babette an und fragte, welches Zubehör sie mir zum Einfang einer kranken Katze leihen würde. Meine beste Transportbox hatte ich vor Wochen mitsamt der drei Fauchis zum Bauernhof abgegeben und noch nicht wieder bekommen, ebenso der Umsetzkorb passend zur Falle, der bei einer der Hafenfirmen Herrn M. für Eventualitäten zur Verfügung steht-  all das fehlte mir. Ein Käscher war immer noch nicht angeschafft.

Babette sagte sofort zu und bot mir  sämtlich verfügbare Größen eines Käschers an. Ich wählte den großen, mit dem sie ihre Hängebauchferkel einfangen konnte. Mit dem sollte es klappen, falls nötig. Zusätzlich eine vorübergehende Transportbox von Oben und Vorne  zu öffnen und einen Umsetzkorb, falls ich Hermine in der Falle fangen würde.

Montagabend fuhr ich wie gewohnt erneut zur Futterstelle, aber weit und breit war keine Katze zu sehen. Ich füllte die Schalen lediglich mit Trockenfutter und frischem Wasser, und ging zur angrenzenden KFZ Werkstatt, um mit dem dortigen Chef zu sprechen. Glück gehört seitdem dazu, denn normalerweise ist dort die Hölle los und Chef hat keine Zeit. An diesem Abend jedoch erwischte ich ihn alleine, als er einen reparierten LKW abstellte. Er schaltete sofort den Motor dieses Fahrzeuges ab und hörte zu. Ganz wichtig, Ihr wisst: Nicht zuhörende Menschen müssen erst lesen, bevor sie begreifen – deshalb die Katzenheimat.

Ich befragte ihn erneut, welche Katzen er auf seinem Hof sehen würde und er bestätigte meine Beschreibung von einer grau getigerten Katze, die seit neuestem immer wieder auf dem Innengelände entlang lief. Ich sagte, dass dieses Tier krank sei und ich sie fangen müsse. Fragte, ob ich auf dem nachts geschlossenen Hof eine Falle aufstellen dürfe. Der gute Mann sagte zu.

Somit stellte ich die inzwischen mitgebrachte Falle hinter einen Anhänger. Mehr konnte ich in diesem Moment nicht tun.

Die Nacht verlief relativ schlaflos, da ich mir Sorgen machte und trotz Schlafmangels früh wach wurde. Somit konnte ich vor Arbeitsbeginn an der Falle vorbeifahren und erkennen, dass sie geschlossen war. Das Tor der Werkstatt war ebenfalls geschlossen und ich musste eh erst einmal meine Arbeit erledigen. Die ganze Zeit hoffte ich, dass Hermine in der Falle sitzen würde. Ich hoffte es so sehr.

Gegen 8.00 Uhr musste ich in die gegenüberliegende Firma, machte einen Zwischenstopp und schaute nach. Nein, das war nicht Hermine in der Falle. Es war ein schwarzer Kater. Er war eindeutig kastriert, ihn kannte ich von vor zwei Jahren und ließ ihn frei. Aber Hunger hatte er und lief nicht fort. Somit ging ich zu meinem Auto, holte Dose und Schale heraus und gab ihm Fresschen. Max knurrte und schnurrte die ganze Zeit, während er sein Futter verspeiste. Ihn hatte ich seit dem Einfang nicht mehr aus der Nähe gesehen, wunderte mich über seine Zutraulichkeit und sah an seinem linken Hinterbein  innen eine verheilt aussehende kahle Stelle. Auch er muss einen Unfall überlebt haben, der arme Kerl. Das erwähnte vor einiger Zeit der Chef dieser KFZ Werkstatt. Er hatte eine der schwarzen Katzen verletzt gesehen, aber die Geschichte sei verheilt…

Nun hat der freundliche Mann erneut meine Telefonnummer und wird sich hoffentlich auf einen Anruf besinnen, wenn er eine verletzte Katze sieht.

Die Falle stellte ich erneut auf, da ich immer noch Hoffnung hatte, aber erst einmal musste ich weiter. Nach getaner (wirklicher) Arbeit fuhr ich zu Babette, um die nötigen Dinge zu holen. Somit kam ich gut ausgerüstet mit einstündiger Verspätung zur gewohnten Zeit an der Futterstelle an. Man bedenke die Zeitumstellung, mit der Tiere nichts am Hut haben. Die Falle war noch geöffnet und ich klapperte mit gewohnten Geräuschen am Gitter, das sich von der Werkstatt aus einige Meter entfernt befindet.  Keine Katze zu sehen. Was tun? Was war mit Hermine?

Ich wartete eine Weile, musste die anderen Katzen an den anderen Stellen im Stich lassen, aber das würden sie locker überleben. Ich wartete und klapperte immer wieder. Plötzlich sah ich sie, Hermine, wie sie seit vielen Monaten auf den Säcken saß. Ich glaubte es kaum, da sie noch einmal über die Straße gegangen sein musste, um pünktlich zu erscheinen. Nur nicht die Nerven verlieren, denn es jetzt ging ums Ganze. Hermine musste ich warten lassen, da ich erst um die Ecke und die Falle holen musste, die noch geöffnet da stand. „Bitte warte“, hoffte ich. Aber das tat sie, eben wie gewohnt. Wieder am Gitter angekommen, mit schwerer Falle im Schlepptau, stellte ich das Teil auf meine Seite, anders ging es ja auch nicht. Ich bestückte die Falle  mit Thunfisch, hier ein Häppchen und dort ein Häppchen. Dann drehte ich mich um und bangte. Hermine nahm den Duft auf und stieg behäbig von ihrem Ausguck herunter. Sie war nie wirklich misstrauisch gewesen, eher gleichgültig und kam auch zu diesem Zeitpunkt hinter den Zaun. Sie schnupperte, inspizierte, denn diese Falle roch  eigentlich noch  nach Kater Max und nach Angst. Aber der Hunger war groß, denn gestern Abend hatte  es nichts gegeben oder Hermine den Weg nicht geschafft. Sie ging immer näher und ich hoffte weiter. Sie nahm das erste Häppchen ganz vorne, zog sich anschließend aber wieder zurück und kletterte mühevoll auf ihre Säcke.

Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt, denn wenn es jetzt nicht klappte, war alles vergebens und ich würde Hermine vielleicht nie wieder sehen. Sie würde sich in eine Ecke legen, an die ich niemals herankommen würde. Wohin verschwinden all die wilden Katzen? Oftmals wird es so sein, dass sie sich zum ewigen Schlaf zurückziehen – wie lange oder kurz dieser Zustand auch dauern mag.

Ich legte erneut einige Stücke Fisch in die Falle und flehte dieses Tier an: „Bitte!“

Hermine kletterte erneut von den Säcken herunter, ich konnte dieses Glück kaum fassen. Zu einem Drittel war sie bereits drin,  ich stand wie versteinert und hielt den Atem an. Es dauerte eine scheinbare Ewigkeit, in der ich nicht zu ihr blickte, auf keinen Fall zu ihr  blicken durfte – aber dann hörte ich dieses erlösende Geräusch der Klappe.

Die Falle war zugeschnappt und Hermine in Sicherheit.

Fortsetzung folgt.

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4 Kommentare zu “Katze Hermine (Teil 2)

  1. Vielen, vielen Dank, Katja, aber geht schon. Teil 3 und eventuell sogar Teil 4 folgen noch.
    Wollte nicht endlos werden, was den Text anbelangt. 😉

  2. Das ist spannender als jeder Krimi, Sabine – und leider bittere Realität.
    Arme Hermine – ein Glück, dass du sie fangen konntest!
    Hoffentlich hat sie noch ein paar glückliche Lebensjahre, bevor der ewige Schlaf sie holt…

  3. Pingback: Katze Hermine (Teil 7) | Katzen-Heimat-Blog

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