Das siebenmeilengestiefelte Katzenbaby – Lisbeths Tagebuch (2)

Gerade 48 Std. ist Lisbeth hier und ich habe das Gefühl kaum mit ihr mithalten zu können. Gestern waren meine Animationen zum Spielen mit einer Angelmaus, die auch noch piepst, ja schon interessant und sie machte ein wenig mit, allerdings nur ganz ganz zaghaft und tief im Schatten ihrer Höhle. Am frühen Abend dann verließ sie vorsichtig ihr Höhlchen um sich umzusehen und ein wenig mit den Bällen zu spielen. Zurückhaltend aber interessiert schaute sie sich alles an, was so an ihrer Bude vorbeilief, schlich, rannte oder einfach nur ging. Nachdem alles soweit erkundet schien, kletterte sich auf ihr Kratzbäumchen, wo sie sich in der Kuhle einrollte, ausgiebig putzte und dann den restlichen Abend mit schlafen und beobachten zubrachte. Sie empfindet Ginihund augenscheinlich nicht als Feind, sie reagiert neugierig. Ausgerechnet das Verhältnis zu Gretchenkatze startet allerdings holprig: Gretel faucht aus der Ferne und weiß mit dem kleinen Ding im großen Zelt nicht so recht was anzufangen.

Die Gretchenkatze. Ginihund kennt ihr ja schon, jetzt habt ihr von beiden Helfern ein Bild vor dem inneren Auge. Bitte beachten: Gretel gähnt hier nur ungeniert, ist also nicht am fauchen. Das Gähnen sieht übrigens auch gefährlicher aus ...

Lisbeth reagiert ihrerseits auf beide sehr gelassen, neugierig und aufgeschlossen, auch wenn die Katze faucht, oder der Hund wild wedelt und aufgeregt herumrennt. Die größte Scheu zeigt sie vor Menschen, erst recht, wenn man direkt auf sie zugeht.

In der Nacht Altbekanntes: Futternapf plündern, spielen, Klo benutzen. Außerdem hatte sie sich das Deckchen, welches sie am Vorabend aus ihrer Höhle geworfen hat und ich daraufhin oben auf dem Kratzbaum ausgelegt habe, wieder heruntergeangelt und mit in die Höhle reingenommen. Das fand ich extrem niedlich.

Heute war ich den Tag über unterwegs und als ich dann am frühen Abend nach Hause kam, habe ich wieder mit dem Animationsprogramm begonnen. Lischen erkannte die Maus vom Vortag sofort wieder und traute sich beim Spiel sogar aus ihrer Höhe heraus um danach zu angeln.

Ich habe eine zweite, unbekannte Angel dazu genommen, was zur Folge hatte, dass sie sich zurückzog. Nach dem Motto: Ich spiel mit nix, was ich nicht kenne. Doch keine zwei Minuten später, hatte sie verstanden, dass das bunte Ding etwas Ähnliches wie die piepsende Maus sein musste.

Sag doch gleich, dass das auch zum Spielen ist

Lisbeth ist zwar scheu, kriegt aber auch schnell mit, jedenfalls bei Gegenständen, wovon eine Bedrohung ausgeht und was harmlos ist.

Nachdem wir einige Zeit gespielt haben, dachte ich mir, dass es Zeit für was Leckeres ist. Auch hier hat sich gezeigt, dass Lisbeth unheimlich schnell auf Neues reagiert. Zuerst habe ich den Thunfisch in eine kleine Plastikschüssel gegeben. Das erste und zweite Mal ist sie nur schnell hingehuscht und hat sich sofort zurückgezogen um die erbeuteten Brocken zu verspeisen. Um zu sehen wie sie auf Mensch mit lecker Futter drauf reagiert, habe ich einen einladenden Brocken Thunfisch auf die Hand genommen und vorsichtig vor dem Höhlenausgang „ausgelegt“. Lisbeht mag aber Mensch auch nicht mit Futter drauf, sie hat gefaucht und versucht sich das Futter von meinen Fingern runterzuschießen, ich war aber schnell genug und habe den Fisch im Napf plaziert. Sie hat danach nahtlos direkt am Napf gefressen.

Lisbeth frisst vor meiner Nase aus dem Napf

Als dann der Napf mal wieder leer war ist sie einfach zum Futternapf gestiefelt  und hat ihre dritte Abendmahlzeit direkt vor meiner Nase eingenommen, statt bis in die Nacht zu warten. Tja und dann fand sie es schön zwischen den Hapsen echtem Abendessen ein bisschen Thunfisch zu naschen.

Hand mit Thunfisch drauf = schlecht, aber Hand, die Löffel mit Thunfisch drauf hinhält = gut!

Irgendwie war danach das Eis wieder ein ganzes Stück weit eingerissen, denn sie hat sich danach einige Stunden nicht mehr in ihre Höhle zurückgezogen, sondern weiter die Box erkundet, zu ende gefressen, getrunken, Klo benutzt, sich mit ihren ganzen Spielsachen beschäftigt, Hund beschnüffelt und vor allem:  hat uns beobachtet und mehrfach gemauzt. Ein ganz kleines piepsiges Stimmchen, ein richtiges Miau muss das erst noch werden, aber es war eindeutig zwei Mal an die Außenwelt adressiert.

Und jetzt ist es ganz ruhig da drin, sie schläft tief und fest, wie es Katzenkinder tun, wenn sie einen aufregenden Tag mit vielen neuen Eindrücken hatten.

Bei mir haben sich auf jeden Fall die logistischen Fragen verlagert; so überlege ich weniger was ich tun könnte, um das Eis zu brechen, vielmehr befürchte ich, dass Lisbeth es recht eilig hat aus der Box rauszukommen und einen weiteren Teil der Welt zu erkunden. Sie ist unheimlich neugierig und aufgeweckt und fängt an gezielt Kontakt aufzunehmen.

Ich bin schon gespannt, wie weit wir morgen Abend sind!

 

 

 

Wochenbericht der Minitiger

Hier nun der Anfang eines regelmäßigen Wochenberichtes der Minitiger, denn der Begriff Tagebuch war echt zu hoch gegriffen. Es gibt viel zu viele Häufchen aufzusammeln und viel tut sich innerhalb eines Tages in punkto Tiger  nicht. Nicht  in einem Käfig, den weder ich noch die Minitiger mögen.

Aber Fortschritte können wir verzeichnen, vor allem was die eindeutigen Charaktereigenschaften von Emmy und Maxi anbelangen. Achso, genau, Namensgebung war ebenfalls ein Schritt in die Zukunft, wobei ich die eben genannten Eigenschaften zu Rate zog.

Maxi hat sich schon nach einer Woche maximal entwickelt. Sie lässt sich streicheln und klammert sich an meine Hand, sobald es Futter gibt und sich Langeweile breit macht. Sie mit der Hand hochheben geht auch schon. Sie ist vorwitzig, interessiert an jedem Geräusch, jeder Bewegung, aufmerksam, animiert ihre Schwester zum Spielen und freut sich des Lebens. Mit anderen Worten: „Das Leben ist toll und ich nehme es, wie es ist.“

Emmy ist das Gegenteil. Beide leiden immer wieder unter Durchfall, aber Emmy besonders. Bei ihr wurde letzte Woche ein stärkerer Wurmbefall festgestellt, der sie logischerweise etwas schlapp macht. Sie ist die ruhigere, in menschliche Gefühlswelten verlagert würde man sagen: „Die nachdenkliche, die das Leben schwer nimmt.“

Rechts Emmy, links Maxi.

Sie scheint ihre Mutter zu vermissen, denn Emmy war es, die in der Dachkammer bei „Gefahr“ sofort zu ihrer Mama auf die Fensterbank sprang und den Kopf unter Mamas Bauch versteckte.

Ich verstehe das, wir arbeiten dran, denn Emmy liegt mir besonders am Herzen. Wenn sie Hunger hat (und den haben zum Glück beide  ständig), dann guckt sie mich an und faucht. Nach und nach wechselt das Fauchen (seit heute) zu einem leisen Minitigermiauen, dabei guckt sie mich an und scheint zu überlegen: Freund oder Feind?

Links Emmy und rechts Maxi. Emmy trägt  langhaarigen Look und fällt durch ihren traurigen Blick auf, der verschwindet sobald es Fresschen gibt. Manchmal mag sie nicht mehr, aber Reste kann Maxi nicht sehen. Somit die perfekte Ergänzung.

Ich akzeptiere ihr Misstrauen und lasse sie in Ruhe. Emmy muss den Anfang wagen, genau wie Maxi. Sie sieht unverständlich aber interessiert zu, wenn sich ihre Schwester Maxi dem Menschen „hingibt“, aber das ist in Ordnung, denn wir haben Zeit.

Den Hasenstall stellte ich vergangenen Dienstag um, bastelte ein Regal auseinander, damit der Käfig am und in Höhe des Fensters steht. In einer Ecke mögen sich Hamster wohl fühlen, aber keine Katzen.

Ab dem Zeitpunkt konnten Emmy und Maxi aus dem Fenster schauen, wenn sie sich auf die Transportbox legten, was sie auch taten. Montag war übrigens auch der Knackpunkttag, wo sie sich umsahen und sich nicht nur in ihrer Höhle versteckten. Eine Zeit von Samstag bis Montag = Zwei Tage bis zur Akklimatisierung.

Nun ist eine Woche vergangen und es wurde langweilig in dem Hasenstall. Bot er anfangs eine sichere Unterkunft, so hatten zwei Minitiger die vorhandenen Zentimeter schnell ergründet. Sie akzeptierten das kleine Reich, denn nur in der ersten Nacht gab es Ausbruchversuche. Ab Montag wurde nach dem Abendessen miteinander gespielt, der Wassernapf umgeworfen und nachts  Häufchen verteilt. Das dargebotene Spielzeug ist immer noch interessant, aber da muss es doch verdammt noch mal mehr im Leben geben!

Somit räumte ich heute das Badezimmer um und einen Kratzbaum hinein. Ein Garten fehlt mir, aber zumindest ist das Bad groß, für unreine Katzen tauglich und besitzt ein großes Dachfenster.

Den kompletten Hasenstall stellten wir hinein, installierten eine Kamera, machten alle Törchen des Stalles auf und verschlossen die Tür.

Es dauerte keine Minute.

Klar, Maxi machte den Anfang, ging aus dem geöffneten Törchen. Emmy machte es Maxi nach und nachdem das Bad inspiziert worden war, hörte man Gepolter. Also, die Minitiger tobten sich aus.

Ein Versuch der Annäherung misslang, selbst Maxi war im Freifieber, denn eine Tatsache, was „Wildkatzen“ anbelangt, lautet: Bist du an einem anderen Platz, dann bist du ein Feind.

Der Spruch ist von mir, niemand braucht zu googeln, aber er stimmt. Von daher ist eine Annäherung, was fremde, gut meinende Menschen anbelangt, sehr schwierig. Irgendwie muss man immer wieder von vorne anfangen, denn gleicher Mensch am falschen Platz löst Misstrauen aus. Was ist mit falschem Mensch an falschem Platz? Derjenige wird nie eine verwilderte Katze sehen.

Selbst meine Katzen und Kater von diversen Futterstellen handeln genauso. Kater Micky, den ich auf den Arm nehmen kann, humpelte stark. Ich wollte ihm helfen, ihn zum Tierarzt fahren. Aber da er durch sein Schlupfloch nicht durch kam, musste ich mit dem Auto um Zaun und Gelände fahren. Dort angekommen humpelte er fort, hinein in das sichere Dornengestrüpp: „Dich kenne ich nicht!“

Ich kroch ihm vorsichtig lockend nach, aber irgendwann war Ende für mich und Micky unerreichbar. Ich sagte, dass wir es morgen erneut versuchen werden, aber ab dem Tag war Micky zwei Wochen lang verschwunden. Jeden Millimeter untersuchte ich, wie ein bunter Hund rannte ich auf dem Speditionsgelände herum – kein Micky.

Bereits traurig fast abgeschrieben, stand er nach zwei Wochen vor mir. Immer noch humpelnd und zum Hungerhaken abgemagert. Ich weiß nicht, ob man solche Fälle mit „Heiland gesehen“ vergleichen kann, aber ich dachte wirklich an so etwas.

Micky bekam sein Futter, ließ sich knuddeln und dann – ab in die Transportbox und in Eiltempo zum Tierarzt.

Wir kamen zur Notfallzeit an, aber die Tierärztin drückte ein Auge zu und berechnete diese Zeit nicht. Das war ihr Beitrag zum Tierschutz. Micky wurde behandelt wie ein wilder Kater, mit Handschuhen und Vorsicht, aber all das war kaum nötig. Der alternde Micky genoss das regelrecht und als wir zurück fuhren, mit Antibiotika und Schmerzspritze intus, da fand er das recht interessant, stieg anschließend aus der Box, strich mir um die Beine und hatte Hunger. Verständlich, nach zwei Wochen Abstinenz.

Was eine Transportbox anbelangt, so kann ich für diese Fälle nur die „auch von oben zu öffnenden“ empfehlen. Eine misstrauische Katze mit Front in eine Höhle stecken klappt äußerst selten.

Bestandsaufnahme der letzten zwei Wochen: Ich wurde vor ein paar Tagen von einem Mitarbeiter einer Aluminium Recycling Firma (auch am Hafen) angesprochen, dass Babykatzen auf dem Hof gesichtet worden seien. Dort konnte die Mutterkatze von Frau N. nachts eingefangen werden, was aber nicht wirklich gut war, denn der behandelnde Arzt bat, dieses Tier sofort wieder heraus zu lassen, da es noch Kleine säugt.

Gesagt getan, kurz nach dem Aufwachen aus der Narkose,  und man stelle sich eine frisch operierte Katze vor, die in derzeitiger Kälte ihre Jungen versorgt. In einem gesichteten Erdloch, in Dreck und menschlicher Hektik, was diese Firma anbelangt…

Ansonsten sind es (nach „Aufräumung“ im April) erneute acht Katzen und drei Kater gewesen, die, bisher unbekannt, in den letzten zwei bis drei Wochen gefangen und kastriert werden konnten. Wenn man die beiden getigerten Zwerge, also Emmy und Maxi dazu rechnet, kommt eine Vermehrungszahl, bei jeweils nur zwei überlebenden Katzenkindern, von 32 Katzen in einem Jahr hinzu.

Futterstellen habe ich in diesem Hafengebiet nun sechs an der Zahl. Klar, diese Katzen haben bisher auch ohne Versorgung überlebt, aber wenn man diese mageren Knochen sieht und der Winter steht vor der Tür, dann kann und muss man etwas ändern.

So, ich bin ins Schwafeln geraten, hoffe es war nicht langweilig, aber das ist so, wenn man den Platz dazu hat und das Herz überquillt. Maxi und Emmy nehmen das Bad auseinander, anschließend verkrümeln sie sich in ihrer gewohnten Box. Gleich ist Raubtierfütterung angesagt.

Der schwarze Schatten – Lisbeths Tagebuch (1)

Lisbeth ist gestern Mittag heil in Mettmann angekommen und hat zuerst einmal die Kreisverwaltung besucht, wo sie im Liegenschaftsamt darauf gewartet hat, dass ich sie mit dem Auto abhole. Da Donnerstagabend erst wirklich klar wurde, dass Lisbeth als Pflegling zu mir zieht und schon Freitagmittag der Umzug stattfand, mussten wir dann gestern Nachmittag erst einmal zum Fressnapf und haben Kätzchen-Necessaires besorgt. Kurz entschlossen bin ich dann noch bei meiner Haustierärztin vorbei gefahren, die Lisbeth erst einmal in Augenschein genommen hat.

Ratet mal, wie Lisbeth reagiert hat? Jawoll, sie ist ausgebrochen und hat in der Praxis einige Runden gedreht und lustige Verstecke entdeckt, die laut Tierärztin noch kein anderer Pelzling gefunden hat. Die TÄtin ist so ruhig und vorbildlich geblieben, dass sie bald wieder eingefangen war und dann haben wir beschlossen direkt zu Impfen, Schutz ist eben Schutz. Lisbeth hat einigermaßen sparsam geguckt, weil sie zum Impfen in den gefährlich klingenden „Zwangskäfig“ kam. Der wurde schmal geschraubt und während sie sich quasi noch wunderte wo der Platz hin ist gabs dann auch schon die Spritze in den Popo.  Ansonsten wurde sie bewundert, für niedlich und augenscheinlich gesund befunden und auf Mai / Juni 2010 geschätzt.

Ich habe für Lisbeth ein neues Trockenfutter mitgenommen, Royal Canin Calm, das für Tiere in Stresssituationen konzipiert ist, alles auf natürlicher Basis. Das mische ich ihr nach und nach unter ihr Feuchtfutter. Lt. TÄtin besteht aber keine Gefahr, dass sie dadurch für „normales“, also günstigeres Futter „verdorben“ wird, das ist denke ich wichtig für Lisbeths Suche nach einem endgültigen Zuhause.

Zuhause angekommen kam Lischen in ihre Hundetransportbox, samt Box in der sie gerade untergebracht war, da ich sie daraus nicht hervorschütteln wollte. Außerdem hat sie in der großen Hundehütte einen kleinen Kratzbaum mit Liegefläche oben und Schlafhöhle unten, ihr Toilettchen, ihre Näpfe und als „Bewegungsmelder“ habe ich noch zwei kleine Spielbälle ausgelegt.

Lisbeths vorübergehendes Zuhause mit Dackel als Größenmaß

Den ganzen Abend lang hat Lisbeth in ihrer Transportbox verbracht. Ich habe zwei Mal mit der Taschenlampe vorsichtig hineingeleuchtet, um zu überprüfen, ob es ihr nach dem Stress des Tages einigermaßen gut geht. Beim zweiten Mal habe ich die Impfstelle sehen können, die offensichtlich geschleckt aussah. Brennt ja auch meistens, diese Impferei.

Kurz bevor wir schlafen gingen huschte sie dann unbemerkt in die Schlafhöhle hinüber und ich habe ihre Transportbox entfernt. Die Nacht war anstrengend, weil meine Hündin Gini (Dackel-Cocker) immer das Gegenteil von satt ist und neben der Neugierde, wer da jetzt in ihrem Häuschen wohnt auch noch den starken Drang verspürte, Serenaden auf das Katzenfutter im Häuschen von sich zu geben. Sprich, sie hat die ganze Nacht gemault.

Am Morgen dann (ein bisschen wie Weihnachten) Bestandsaufnahme, wie beim CSI rekonstruieren, was in der Nacht geschehen ist: Lisbeth hat den Katzenfutternapf geleert, geradezu gesäubert, ihr Katzenklo benutzt und: Ihre Spielbällchen muss sie auch durch die Gegend geschossen haben, denn sie lagen an ganz anderer Stelle, wo sie nicht nur durch vorsichtiges Rollen hingekommen sein können.

Dann als wir heute beim Frühstück saßen, huschte Lisbeth aus ihrem Häuschen und setzte sich einen kurzen Moment hinter ihren Kratzbaum. Gini rannte sofort hin und schnüffelte aufgeregt, aber Lisbeth hat sich nicht sofort, sondern nach einer Weile erst wieder in die Höhle zurückgezogen, wo sie dann einige Minuten damit beschäftigt war, sich die darin befindlichen Handtücher und Decken zurechtzuscharren.

Lisbeth nachdem sie es sich gemütlich gemacht hat

Lisbeth im neuen Heim die 2.

Jetzt ist erstmal kleine Katzenruhe, aber  schon der erste Tag hat gezeigt, dass Lisbeth ein wunderschönes und normales kleines Katzenmädchen ist, mit allem im Kopf, was kleine Katzenmädchen eben gerne machen. Und wie alle Mädchen kann sie auch Naschereien nicht widerstehen, wie das folgende Bild beweist.

Schleckermäulchen auf der Suche nach einem Minzdrop

Während  ich das schreibe schaut sie sich übrigens wieder vorsichtig in ihrem Heim um. Dabei möchte ich sie aber nicht fotografieren, um sie nicht zu verschrecken.

Das war der erste Teil von Lisbeths Tagebuch.

Ich möchte an dieser Stelle übrigens noch einmal Sabine ganz herzlich danken, für all die Mühe und das Herz und für die Erfahrungen, die ich mit Lisbeths Pflege machen darf.

 

 

 

Alte wilde Katzen und ihre eventuellen Wünsche

Stellvertretend für unzählige alte wilde Katzen, stelle ich heute zwei Beispiele vor.

Tiere, die sich weder anfassen lassen noch den Zugang zu Menschen suchen. Die jedoch regelmäßig an Futterstellen auftauchen und anschließend unbekannt wieder untertauchen. Flüchtige Schatten, die ihr  Leben auf die Reihe bekommen und auch intelligent genug sind, die Gefahren des Alltages einschätzen zu können. Die kaum jemand zu Gesicht bekommt, was dem Vorurteil „Katzen kommen alleine in freier Wildbahn gut zurecht“ zwar nicht widerspricht, was  aber zeigt, wie es den alten Gesellen gehen kann.

Manch eine ist ein überzeugter Nachtgänger, der bei Tage im Nirgendwo liegt, hockt oder beobachtet und sich erfolgreich verkriecht.

Andere sind ebenfalls scheue Gesellen, die eine pünktlich versorgte Futterstelle kennen und sie nutzen. Sie essen in Rekordschnelle, bevor nichts mehr vom Futter übrig ist, manchmal zur Reserve für eine ganze Woche.

Jeder wird alt, wenn er die Möglichkeit dazu hat und wir alle wissen, dass mit zunehmendem Alter auch die Wehwehchen wahrnehmbarer werden.

Bei diesen Beispielen handelt es sich um Kater „Mister X“ und um Katze „Flocke“.

Mister  X wurde im Zuge einer Kastrationsaktion an einer Futterstelle, die in den kommenden Wochen wegen Insolvenz der Firma beseitigt werden würde, gefangen und war ein purer Zufall. Er  ist weit über zehn Jahre alt und obwohl alle anderen Katzen, die gefangen und kastriert werden konnten, irgendwann zumindest einmal gesehen worden waren, so glich Mister X einem Phantom.

Niemand kannte ihn.

Mister X saß in der Falle und man merkte ihm an, dass er meinte den größten Fehler seines Lebens begangen zu haben. Doch das hatte er nicht, denn sein Kopf war aufgedunsen und die Augen verklebt, von Schmerzen geplagt, zeigte er ein verkniffenes Gesicht. Bei Abgabe beim Tierarzt dachte ich an das schlimmste, aber es handelte sich nicht um eine Lebensgefährdende Krankheit. Irgendwie noch schlimmer, denn Mister X musste, wer weiß wie lange bereits, mit sechs vereiterten Zähnen leben.  Gleichzeitig zur Kastration wurden ihm seine Peiníger gezogen.

Das alles im gut gemeinten Schnelldurchlauf, aber jedes Tier, ob Kater oder Katze, benötigt einen Aufenthalt, um die jeweilige Wunde verheilen lassen zu können. Das konnte  für Mister X, in einem, auf die Schnelle zur Verfügung gestelltem Gartenhaus bei Heike,  gefunden werden. Anschließend machte man sich noch mehr Gedanken, denn einen Kater in dem Zustand… einen wilden Kater in diesem Zustand wieder frei zu lassen, ohne Futterstelle, ohne Fürsorge – kaum vertretbar.

Somit nicht einfach und Mister X musste sich gedulden.

Letztendlich erklärte sich eine Freundin bereit, die in der Nähe von Cuxhaven einen Resthof gemietet hat, mit Hektar Land und Bauernhöfen drum herum, Mister X bei sich aufzunehmen. Er könne in der Diele, dem riesengroßen Areal leben, wo früher die Kühe gehalten wurden. Er hätte einige Kumpel, wenn er sich denn mit denen verstehen würde, und könne tun und lassen, wie er wolle.

Gesagt, getan. Mister X reiste in Richtung Norden und wurde erst einmal in dieser großen Diele heraus gelassen. Ab diesem Zeitpunkt sah ihn niemand. Wie gehabt, blieb er seinem Phantommuster treu. Heraus konnte er nicht, da die Tür geschlossen war. Mister X musste mal, deshalb war klar, dass er noch anwesend war. Jedenfalls nutzte er nicht eines der bereit gestellten Katzenklos, sondern eine Ecke im Heu…

Seine Hinterlassenschaften drangen bald durch die Decke ins darunter liegende Schlafzimmer und meine Freundin musste den Raum wechseln. Dann kamen der Frühling, der Sommer und Katzen und Co. wurden Türe und Tore geöffnet.

Mister X wurde eh nie gesehen und nun, da er in Freiheit auf dem Land leben darf, erst recht nicht. Ich denke ihm geht es gut, jedenfalls kennt er seine Anlaufstelle und wenn die nächste Kälte vor der Tür steht, wird er wissen, wo er warmes Heu findet.

Manch einer wird nun sagen: “Völlig falsche Handhabung!“

Darauf kann ich nur antworten: „Bitte her mit besseren Alternativen!“

Katze Flocke lebte, wer weiß wie lange, in einer Papierfabrik. Es ist nicht bekannt, ob dort gefüttert wurde. Vor Monaten brannte es in dieser Fabrik und zum Glück kam kein Mensch zu Schaden…

Es war Zufall, dass gleichzeitig bekannt wurde, dass auch Katzen in und um diese Fabrik leben.

Eine Katze ging schnell in die Falle, als wenn sie darauf gewartet hätte. Sie wurde sterilisiert; in einer großen Übergangs Hundebox konnte die Wunde verheilen und dann durfte sie wieder an selbiger Stelle heraus.

Aber Flocke wollte nicht.

Ein Erlebnis, das man nicht oft hat. Flocke weigerte sich aus der Box herauszugehen und in ihre alte Heimat zurück zu kehren!

Nun lebt sie bei Frau N. mitsamt allen anderen Zufallskatzen und  geniest ihr auserwähltes Leben. Sie lässt sich nicht anfassen, verzieht sich bei Anwesenheit der Menschen hinter das Sofa. Sie mag in der Sonne liegen, mitten auf dem Teppich, zettelt keinen Streit an, geht jedem Artgenossen aus dem Weg, sie arrangiert sich.

Da nun bekannt ist, dass sich Katzen an dieser Stelle aufhalten, muss weiter geplant werden. Futterstelle ist eingerichtet und die nächste Fangaktion steht an.

Flocke steht somit als Beispiel für unzählige müde Katzen. Die  selbst mit zivilisierten Dingen zurecht kommen und keinen Gedanken daran verschwenden, eine Gardine vom Fenster zu reißen oder einen Tisch zu zerkratzen.

Wäre schön,  sehr wünschenswert, wenn sich viele Tierfreunde darüber Gedanken machen würden. Ein Zimmer, Verständnis, ein bisschen Zeit und Ruhe.

Katzen – Futterstellen

Hier möchte ich als erstes eine  Vorzeige-Futterstelle vorstellen, die, durch den Einsatz des dortigen Tierschutzvereines und mit den neuen Eigentümern des ehemaligen Bauernhofes, zu dieser Oase entwickelt wurde.

Es leben dort aktuell 11 Katzen, die bei einem Bauern zur Welt kamen, zuwanderten  und sich typisch vermehren konnten. Niemand dachte  an Sterilisation, warum auch?

Nachdem der Bauer alt und krank geworden war, in ein Altenheim umzog, wurde der Tierschutzverein aufmerksam gemacht und einige Arbeit erwartete ihn.  Kastrationen, Vermittlungen, bis hin zur regelmäßigen Versorgung standen an.  Jahrelang wurde der ehemalige Bauernhof sich selbst überlassen und niemand störte sich an Katzen oder Versorger. Bis eines Tages das Grundstück samt verfallener Gebäude versteigert wurden.

Es muss Glück gewesen sein, da die neuen Besitzer nichts dagegen haben, wenn ihnen bekannte Tierschützer ihr Gelände betreten. Der ehemalige Besitzer hatte ein Areal für Kleingärtner geschaffen und nun, nach Übernahme, ist noch ein Gartenhaus übrig geblieben. Dieses Terrain durfte der TSV nutzen.

Meiner Meinung nach nachahmungswürdig, aber wie schon geschrieben: Das klappt nur mit viel Glück.

Sieben Mitglieder wechseln sich täglich ab, so Gott will, denn  nicht alles ist nur perfekt. Eine außenstehende Person, der es lediglich um die Tiere geht und nicht um Profilierung, wurde hier unabkömmlich, da sie auf Sauberkeit und auch auf eventuelle Krankheiten oder Verletzungen  achtet. Sie wäscht Decken, schrubbt Unterlagen, nimmt sich Zeit für die Tiere  und jede Katze liebt sie. Es gibt keine, die sich von ihr nicht streicheln lassen möchte. So wird auch wieder klar, dass füttern alleine nicht ausreicht!

Im Winter wird die Tür des Gartenhauses geschlossen und ein passendes Loch in der Tür lässt Katzen ein und aus.

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