Brieftaube Fienchen

Es war in den vergangenen Wochen viel zu ruhig gewesen, deshalb musste ich Fienchen treffen.  Ich hielt aufgrund einer Lieferung vor einer Firmenschranke und da saß sie, neben Schranke und  Hauswand: Ein kleines Häufchen Elend in Form einer Taube.  Ich konnte mir ein flüchtiges Bild von der Firma machen und erkannte schnell, dass niemand dieses Tier zu sehen schien. Die Menschen gingen an ihr vorbei, als wenn sie unsichtbar wäre. Tauben gehören in diesem Gebiet zur Tagesordnung, weil aufgrund Mehlproduktion mit Getreide gehandhabt wird, aber mutieren die jeweiligen Mitarbeiter deshalb zu einer Maschine? Zu einem Roboter, der seinen monatlichen Verdienst mit Futtermittel verdient, sich über die Plage aufregt und das Ergebnis nicht sehen kann? Ist es zu umständlich, zu aufwändig, zu mühsam oder ist es einfach nur zu peinlich? Oder wird man abgebrüht, so dass man nichts mehr empfindet? Mal angenommen, es wäre eine „wertvolle“ Taube? Was würde dann passieren?

Fienchen jedenfalls saß in einer gefährlichen Zone und auch ich lese nicht jede Taube auf, die in einer Ecke sterben möchte. Aber wenn es Glasklar ist, dass der nächste Lkw dieses Tier überrollen werden wird, dann sollte man handeln. Oder kann einer der Roboter aus Erfahrung nachempfinden, welche Art des Todes angenehmer ist?

Ich ging auf  Fienchen zu, die sich ohne Abwehr in die Hand nehmen ließ. Sie kam aus Belgien, das war der einzige Hinweis, den einer der beiden Ringe gab. Ich füllte eine Schale mit Wasser, hielt ihren Schnabel hinein und sie trank und trank. Das war für den ersten Moment ein gutes Zeichen. Fienchen kam somit in die bewährten Postkisten und mit nach Hause in den Käfig. Sofort setzte sie sich in die Futterschale und hatte Interesse an den zahlreichen Körnern, aber sie schien bereits zu schwach.

Als erstes rief ich die Stadttiere e.V. an, konnte jedoch niemanden erreichen. Danach informierte mich beim Brieftaubenverband. Eine ordentliche Organisation, bei der man eine standortgemäße Postleitzahl eingeben muss und aufgelistet entscheiden kann, welchen Taubenschlagbesitzer in der Nähe man kontaktieren möchte. Ich entschied mich für Herrn K., der sogar erreichbar war. Nachdem ich ihm Fienchens Zustand beschrieben hatte, meinte er, dass man „so etwas“ besser da lässt. Als er  hörte, wie ich tief Luft holte, sagte er: „Ja, ja, ich weiß. Aber es wird nichts bringen und ein Belgier fährt wegen einer geschafften Taube keine zig Kilometer.“

„Mir egal“, antwortete ich, „ich tue hier irgendwie nur meine Pflicht, und an sie wende ich mich lediglich, weil es sich um eine Brieftaube handelt. Können sie der Taube helfen, ihren Besitzer ausfindig machen?“

„Nein, im Grunde nicht, das ist alles sehr kompliziert mit dem Ausland, aber ich  werde einen Kollegen fragen, der sie anrufen wird.“

Eine Stunde später meldete sich ein Herr B., der Fienchen aufnehmen wollte. Er kam sogar mit Transportkorb vorbei, aber als er das Häufchen sah, schüttelte er den Kopf.

„Zwar päppele ich zurzeit eine polnische Brieftaube auf und frage mich, wie die je nach Polen zurückkommen soll, aber sie pickt zumindest Körner. Die hier kann ja gar nichts mehr, die ist bereits bis auf die Knochen abgemagert.“

„Ja“, sagte ich, „schon klar, aber was machen sie mit dem Tier, wenn  sie es mitnehmen?“

„Es bekommt Taubenfutter und Wasser.“

„Keine Medikamente, in Form von Vitaminen oder ähnlichem?“

„Nein, ich bin kein Tierarzt.“

„Na, dann kann die Taube auch hier bleiben, ich werde es mit eingeweichten Haferflocken versuchen, Danke für ihre Mühe.“

Im Innersten hatte ich Bedenken, ihm Fienchen anzuvertrauen, da er von Verlusten sprach, die ein gutes „Rennpferd“ anrichten könne. Ich wollte nicht, dass ein Fremder Fienchen letztendlich den Hals umdrehte, sie sollte ihre eigene Entscheidung treffen können. Einen guten Hinweis konnte er jedoch geben, was die Botschaft des Ringes anbelangt. Belg 2011 bedeutet, dass die Taube in diesem Jahr geboren wurde und logisch, aus Belgien stammt. Mit der Nummer 2158938 konnte er ebenso nichts anfangen, sagte jedoch, dass die deutschen Brieftauben mittlerweile mit einer Telefonnummer versehen sein müssen. Das ist gut, zumal sich die gestrandeten Rennpferde des kleinen Mannes zu häufen scheinen. Bereits am nächsten Tag saß eine Brieftaube auf der Fahrbahn einer Brücke. Weder war ein Anhalten  möglich, noch rührte sich die Taube von der Stelle. Ich musste hinter der Brücke parken und zurücklaufen, bekam mit, dass bisher jeder Autofahrer auswich. Bei der Taube angekommen, konnte diese zumindest noch ihre Flügel ausbreiten und nach zwei Runden in der Luft auf einem Dach landen, aber wie ich sehen konnte mit herunterhängendem, linken Bein. Wahrscheinlich wird auch sie es nicht schaffen, genauso wenig wie Fienchen, die gegen ihre Schwäche nicht mehr ankam und am Vormittag des darauf folgenden Tages  starb.

Manuela fand ebenso vor einigen Wochen eine Brieftaube im Rinnstein. Sie nahm sie mit ins Büro, las die Telefonnummer des deutschen Besitzers, rief ihn an und er machte sich sofort aus Oberhausen auf den Weg. Leider auch zu spät, wobei er erklärte, dass seine Taubenschar am Tag zuvor in der Nähe von Frankfurt gestartet und in eine Gewitterfront geraten sei. Seine Taube war ungefähr 60 km vom Schlag entfernt gewesen, als sie von Manuela in Mettmann völlig erschöpft gefunden wurde. Zumindest zeigte dieser Mann wirkliche Trauer. Ob es eines seiner „wertvollen“ Tiere war, sagte er nicht.

Inzwischen meldete sich Anne von den Stadttieren e.V. und nannte mir  für den Notfall einige Mittel. Wie zum Beispiel Bioserin  und Nutribird a 21, ein Pulver das zur Aufzucht verwendet wird und mit einer Spritze und einem aufgesetzten Infusionsschlauch an der Luftröhre vorbei in die Speiseröhre eingeführt wird.

Ob ich so etwas schaffe, weiß ich noch nicht, aber für jeden interessant der Ähnliches erlebt, oder?

Zum Schluss ein Zitat von Johanna Wothke, der Vorsitzenden von Pro Animale. Meiner Meinung nach passt es zu diesen hiesigen Beispielen, da es auch zeigt, dass „wir“ in Deutschland noch nicht komplett verkommen sind. Johanna Wothtke fährt persönlich in jedes Land, in dem Pro Animale versucht den Tieren zu helfen und weiß, wovon sie spricht. Nach über 17 Jahren und weit über 150 Reisen dorthin im Sinne der Tiere, hier einer ihrer neuesten Eindrücke aus der Türkei:

Hier sind es Scharen dürrer schmutziger Kätzchen, die auf Müllcontainern balancieren… an den Straßenrändern die Silhouetten meist großer Hunde mit gesenktem Kopf – und viele Hündinnen mit langem Gesäuge! So viele von ihnen von achtlosen Autofahrern angefahren und liegen gelassen in stunden – und tagelangem Siechtum, bis sie endlich den Geist aufgeben und so lange zermahlen werden von darüberpreschenden Autorädern bis sie nur noch einem Fetzen Tuch gleichen…

Ich hoffe sehr, Euch Lesern nicht den Sonntag verdorben zu haben und bedanke mich fürs Lesen bis hierher. Dumme Fragen gibt es nicht, aber ich frage mich immer wieder: Warum muss das alles geschehen?

Entenfamilie auf der Autobahn …

… die lief am Dienstag den 17. Mai auf der A 46 auf dem Mittelstreifen.

Es gibt unendlich viele Warnmeldungen in Radiosendern, von wegen „Achtung, auf der A1 laufen Personen über die Fahrbahn! Achtung, auf der A45 gibt es eine ungesicherte Unfallstelle auf dem linken Fahrstreifen! Achtung, auf der A 43, dort  liegt ein totes Reh! Oder: Achtung, auf der B 326, dort läuft ein Hund auf der Fahrbahn.“

Dass sie nicht sagen, dass ein Reh so vor sich hin liegt, fehlt noch. Ich habe bereits beim WDR angefragt, warum die jeweiligen Moderatoren das immer so lustig und dementsprechend unwichtig darstellen müssen. Es gab eine Phase, in der zumindest gesagt wurde: „Gefahr durch und FÜR einen Hund“, aber diese Phase wurde abgeschafft. Klar, denn das Leben ist ein einziger Spaß, aber nicht für jeden und schon gar nicht für Tiere, die die Orientierung verlieren und sich plötzlich mitten im Chaos befinden. Nicht einmal jeder Autofahrer kommt noch kar, sonst würde nicht jede Sendung unterbrochen mit: „Achtung, auf der A2 zwischen X und Y kommt ihnen ein Falschfahrer entgegen! Fahren sie bitte äusserst rechts und überholen sie nicht, Wir melden, wenn die Gefahr  vorüber ist. “  Das wird dringend durchgegeben, denn es könnte Menschenleben kosten!

Jedenfalls ist das einer meiner allerbesten Alpträume. Ich fahre  auf einer Autobahn und  sehe ein lebendes Tier laufen. Nicht nur einmal wachte ich deswegen schweißgebadet auf. Aber endlich, am Dienstag war es soweit. Ich fuhr auf dem Mittelstreifen und dachte über diese vielen, vielen hektisch fahrenden Autos nach. Ich blickte nach links und sah eine Entenmutter samt ihrer Küken neben diesen neuen Mittelleitplanken laufen, die einerseits sicherer sein sollen  und andererseit eine Falle bedeuten. Es gibt keinen Ausweg, nur wieder zurück. Gut oder schlecht.

Wie diese Entenfamilie dort hingelangt ist, mag ich mir nicht vorstelllen. Entenküken sind zum Glück perfekt erzogen und es gibt kein Links oder Recht für sie, es sei denn, Mama erlaubt es. Ich schlug die Hand vor den Mund, denn da war er,  MEIN ALPTRAUM! Was tun? Anhalten geht nicht und sinnlos, telefonieren dauert vielleicht zu lange und überhaupt ist in solchen Momenten der Akku leer. Also raus aus der nächsten Ausfahrt und Polizeiwache gesucht. In dem Moment kam die Meldung im Radio : Achtung…

Es hörte sich an wie: „Welch ein Spaß, niedliche Entchen laufen herum.“ Ich hätte der Frau eine klatschen können, aber fand es beruhigend, dass diese Tatsache bekannt war.

Polizeiwache und netter, lächelnder Mann … er wusste, was ich wollte. „Entenfamilie?“

„Yes, Sir.“

Er lächelte weiter und ich wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen, denn er sagte: „Danke, es sind bereits zwei Einsatzwagen unterwegs!“

Ich schenkte mir die Umarmung und stürmte aus der Wache um mich zu überzeugen, denn auch ein lächelnder Mann kann lügen.

Ich fuhr auf die Auffahrt, musste über eine Brücke und sah kein einziges Auto. Da hatten die Leute tatsächlich eine Autobahn  gesperrt? Wegen einer Entenmutter samt Küken? Und es hatten unendlich viele Menschen bereits Bescheid gesagt? Ich war nicht der einzige Mensch, wie sonst immer?

War das ein gutes, beruhigendes Gefühl! Aber, warum nur bei Enten?

Taube Elisa

Da ich die Geschehnisse dieser vergangenen Woche auf Wunsch Splitten werde, beginne ich mit dem Freitag. 😉

Um 8.00 Uhr fuhr ich eine Straße entlang um zu einem Kunden zu gelangen. Ungefähr zehn Minuten später fuhr ich in Entgegengesetzte Richtung zurück und sah „Elisa“ im Rinnstein liegen.

Eine Ringeltaube, die mich ansah und sich nicht mehr bewegen konnte. Ich fluche schon gar nicht mehr, halte an, ignoriere Blicke, packe das Tier, setze es in eine große Postkiste, stelle eine kleine Postkiste auf die große und fahre weiter, denn während der Arbeit drängt die Zeit.

Elisa verhielt sich ruhig und lebenswillig, hatte sie doch aufgrund der mittlerweile getesteten Postkisten genügend Luft zum atmen. Drei Stunden lang musste ich sie durch die Gegend schaukeln und wie immer fallen mir bei solchen Gelegenheiten die miserablen Straßenzustände unserer Städte auf. Bei jeder Unebenheit hebt ein Fahrzeug fast ab und wenn man aufgrund eines verletzten Tieres vorsichtig über einen der vielen Hubbel fährt, hupt garantiert ein hektischer Autofahrer, der einen Anfänger oder Schläfer vor sich wähnt. Irgendwie kommt mir dann automatisch  der monatliche Solidaritätszuschlag in den Sinn… aber ich will nicht abschweifen.

Nachdem ich Zeit für Elisa hatte, schaute ich sie mir genauer an. Ihr linker Flügel schien gebrochen zu sein und ihre Beine konnte sie ebenfalls nicht mehr nutzen. Ich suchte die Notfallnummer, die ich aufgrund  Marthas Recherchen notiert hatte. Elisa zu einem Tierarzt zu bringen wäre eine Möglichkeit gewesen, aber aus Erfahrung weiß ich, dass bei gebrochenenem Flügel nicht lange „gefackelt“ wird. Hier war ein Vogelspezialist gefragt und dessen Nummer lag Dank Martha vor. Ich wählte die Nummer und Frau D. der Stadttiere E.V. meldete sich sofort. Zuerst fragte sie, ob offene Wunden vorhanden wären, das Tier apathisch sei und so weiter. „Nein, nein, nein, ein lebensfähiges Tier, das ich auch zur Klinik bringe, weil ich Brüche nicht behandeln kann.“

„Tun sie das bitte nicht!“, sagte Frau D. und ich spürte: Wir verstehen uns.

Da die Auffangstation zwar hier in der Nähe  aber nicht ständig besetzt ist, überlegten wir hin und her. Ich sollte Elisa bis zum möglichen Treffen auf alle Fälle Wasser einflößen, denn bereits ein paar Tropfen Wasser verdoppeln die Überlebenschance.  Die Augen solle man dabei möglichst verdecken, aber das bekam ich trotz guten Willens und fehlender dritter Hand nicht hin. Elisa schluckte trotzdem.

Da ich noch ein bisschen arbeiten musste und hungrige Katzen warteten, musste letztendlich  mein lieber Mann daran glauben und Elisa um 17.00 Uhr im Katzenkorb dorthin bringen. Schmerz – und Beruhigungsmittel warteten bereits auf sie und eine Voliere, in der sich bereits zwei genesende Ringeltauben befanden. Frau D. rief heute Vormittag sogar an und berichtete, dass Elisa die Nacht gut überstand und die Sonne genießt. Morgen werde ich sie besuchen und da sich diese Auffangstation in der Aufbauphase befindet, das alles hier um die Ecke ist und lediglich durch freiwillige Helfer existiert: Schau`n wir mal.

Glück und Leid der Woche

In dieser, der vergangenen Woche gab es eine gute Meldung: Katze Rocky wurde innerhalb der Familie übernommen!  Sie ist sicher und gut untergekommen und lebt inzwischen vielleicht sogar bei einem ihr vertrautes Mitglied der Familie.

Ein optimales Beispiel, wie es funktionieren kann und sollte. Wie das Leben so spielt: Partner ziehen zusammen, schaffen an, verstehen sich irgendwann nicht mehr und die, in Einigkeit angeschafften Haustiere, Möbel und Erwerbungen müssen untereinander verteilt werden.

In diesem Beispiel ging die Katze mit zum Mann, das funktionierte aus diversen Gründen nach einiger Zeit nicht mehr, aber dennoch wurde der Kopf nicht in den berühmten Sand gesteckt. Es wurde nach weiteren Lösungen im Sinne des angeschafften Haustieres gesucht: Kollegen und Freunde wurden angesprochen,  die ebenfalls nach Lösungen suchten. Befreundete Mitglieder diverser Tierschutzvereine wurden dadurch ebenfalls angesprochen, die Rocky auf HP`s veröffentlichten und ebenfalls nach einer Lösung suchten. All das war nicht nötig, da innerhalb der Familie der Schlüssel so nahe lag, aber besser viel Aufwand um nichts, als andersherum.

Eine Lösung findet sich immer, auch wenn es dauern kann!

Das gegensätzliche Beispiel hörte ich von einem meiner Kollegen, der zu seinem, vor einem Jahr auf der Straße aufgelesenen, Kater nun eine Zweitkatze aufnahm. Diese Katze sollte ausgesetzt werden, weil das Ehepaar sich trennen will und das ihr Vorhaben ohne Umschweife und ohne Rot zu werden, jedem erklärte. Auf meine Nachfrage hin war das Tier weder kastriert noch geimpft. Innerhalb des Lebensjahres bei diesem Ehepaar, war die Katze nicht einmal einem Tierarzt vorgestellt worden.

Tja, wo kommen sie her? All die verwilderten, verhungerten, krepierten  Katzen? Ich komme nicht umhin, dem ersten Beispiel meinen tiefen Respekt zu zollen und auf das zweite Beispiel zu spucken.

Der Dienstag war ein Tag der gut begann und mich kurz danach veranlasste „Verfluchte Scheiße“ zu sagen. Ich teile terminierte Post an Firmen aus und befand mich am Dienstag um 7.10Uhr  gut in der Zeit. Ich fuhr eine Straße entlang, auf der ich vor drei Wochen die kurz vorher überfahrene schwarze Katze gefunden hatte, die von der Katzensuche nach meiner Meldung mitgenommen und archiviert wurde. Ungefähr 500 Meter von dieser Fundstelle entfernt, sah ich am vergangenen Dienstag eine weiß getigerte Katze neben einem Betonpfeiler liegen. Ich fuhr vorbei und hoffte inständig auf eine Halluzination. Diese sind nichts Ungewöhnliches bei mir, denn es kommt vor, dass ich auf einer Autobahn unterwegs bin und einen angeleinten Hund hinter einer Leitplanke stehen sehe. Schnelle Reaktion ist im Vorbeifahren keine Maßnahme, somit in Ruhe überlegen, an der nächsten Ausfahrt heraus, auf die nächste Auffahrt rauf um noch einmal an selbiger Stelle vorbeizukommen. Es war spät abends und zum Glück entpuppte sich dieser angeleinte Hund als eine helle Decke, die sich an besagter Leitplanke verfangen hatte und im seichten Wind wehte.

In oben erwähnter Straße konnte  ich ohne langes Nachdenken wenden, hielt mit einem Fluch auf den Lippen an nächstbester Möglichkeit, doch die Katze war keine Decke. Sie lag auf dem Bürgersteig in einer Stellung, die darauf schließen ließ, dass sie sich nach einer Kollision mit einem Fahrzeug dort noch hingeschleppt hatte.

Fünf Meter daneben, ein zu diesem Zeitpunkt gut besuchtes Frühstücksbüdchen. Gäste, die aus (angeblich) harten Männern bestand, genossen ihren Kaffe und haderten eventuell mit ihrem bevorstehenden Berufsalltag. Niemand kümmerte sich um das verendete Tier! Viel Zeit hatte ich nicht und es gab keine Möglichkeit das tote Tier an eine ruhigere Stelle zu legen, deshalb nahm ich es mit. Und fuhr weiter, die Umstände und diesen grausamen Tod beiseite schiebend.

Später wickelte ich die Katze in ein Tuch und eine Tüte, knipste Fotos und gab die Meldung an die Katzensuche weiter. Zwar hatte ich nach einer nicht vorhandenen Tätowierung gesucht, aber hatte es verpasst nach einem Chip suchen zu lassen. Grober Fehler, der mir beim nächsten Mal nicht passieren wird. Jedenfalls begrub ich die Katze hier in der Nähe, gemeinsam mit Taube Martha.

Taube Martha hat es leider auch nicht geschafft, obwohl ihr Herz noch Jahre dazu fähig gewesen wäre. Nachdem es mit ihr am vergangenen Samstag bergauf ging und sie die Nacht ruhig schlafend verbringen konnte, so verschlechterte sich ihr Zustand am Sonntag. Sie fiel auf die Seite, drehte sich linksdrehend im Kreis und flatterte verzweifelt mit den Flügeln. Bis dahin hatte ich immer noch Hoffnung in der Diagnose des Tierarztes, versuchte aber gleichzeitig Vogelfachkundler zu erreichen, da Fachkundige durch Erfahrung oft Mittel oder Tricks kennen. Ich fand das Stadttauben Projekt Düsseldorf, an das ich schrieb und von dem ich am Montag mit Hinweis auf eine Auffangstation in der Nähe versorgt wurde. Erst gegend Sonntag Abend konnte ich, Dank Corinna,  einen Fachmann telefonisch erreichen, der nach meiner Beschreibung keine Hoffnung gab, denn ein Hirn – Schädeltrauma könne bei Vögeln nie geheilt werden und ich solle das Tier erlösen.

Das war eine Bestätigung und ich hob Martha in den Transportkorb und wir gingen den letzten Weg.

Derselbe Tierarzt hatte Dienst und somit waren wir keine Unbekannten. Er sah sich Martha an und nickte bestätigend. Er gab die Narkosespritze und wir sprachen kein Wort. Nachdem Martha schlief, setzte er die zweite Spritze und obwohl dieses Tier für viele Menschen lediglich eine Ratte der Lüfte ist und ihr unter den besten Umständen der Hals umgedreht worden wäre, so nahm sich dieser Tierarzt Zeit. Er respektierte die Würde dieser Taube. Das beeindruckte mich sehr, weil ich das kaum noch kenne und als das Leben Marthas vorbei war, sagte ich, dass ich das gerne bezahle, da er sich am Vortag schon solch eine Mühe gemacht habe.

„Nein, das passt schon“, antwortete er, „erstens ist es ein Wildtier und zweitens bin ich froh, wenn sich auch andere Menschen kümmern.“

Martha ließ ich erlösen, aber was mich zum Weinen brachte war dieser überraschende Satz eines Tierarztes, der seiner Berufung nicht euphorisch, sondern gelebt nachdenklich und bewusst folgt: „Ich bin froh, wenn sich auch andere Menschen kümmern“.

Ein Satz, der mich täglich im eigenen Denken verfolgt und der zum grausamen Alltag dazugehört, weil sich jeder Schützer, jeder Seher / Finder alleine fühlt.

Somit war diese vergangene Woche eine Gelegenheit, aufgrund der traurigen Tatsachen auch neue Erkenntnisse und neue Bekanntschaften im Sinne der Tiere zu knüpfen. Nachdenkenswert und wieder einmal lehrreich.

Danke an alle, die diese Woche, sämtliche Fälle  und Taube Martha begleitet haben.

Eisbär Knut wollte ich eigentlich nicht erwähnen, denn den damaligen Run um ihn machte ich nicht mit, und wurde erst aufmerksam, als sein Pfleger, im Grunde seine Familie, verstarb.

Trotzdem traf  mich Knuts ebenfalls viel zu früher Tod sehr, weil er bezeichnend ist für Einsamkeit, für falsches Handeln in dieser, unseren  Welt. Bezeichnend auch für Geldgier, da eine, laut Aussage zurechnungsfähige, Eisbärmutter nicht grundlos ihr Kind verstößt.

Ich hörte auch die sich immer wiederholenden  Gegenrufe, dass das alles unwichtig sei, wegen zum Beispiel  Japan , Erdbeben, Tsunami, verstorbener, frierender, hungernder, sterbender  Menschen und unsicherer Atomkraftwerke. Darauf solle man sich konzentrieren und nicht auf einen Eisbären… und schon gar nicht auf eine Taube. Ohhh, wird mir übel!

Das geht auch an mir nicht vorbei! Das belastet mich ebenso, und auch in diesen Gebieten muss Mensch und Tier geholfen werden. Immer wieder ist jedes dieser Geschehnisse –  und wenn es noch so unwichtig erscheint  –  ein globales Problem! Genauso wie die inzwischen vergessen zu scheinende Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Ist die komplett beseitigt, weil in den Schlagzeilen nichts mehr präsentiert wird?

Ich finde keine Worte für all das Elend und tue, was ich kann, denn für all das ist nur die eine Spezies  zuständig : WIR.

Tauben oder – jedes Lebewesen hat ein Recht zu leben

Für die einen sind sie besonders liebenswerte Vögel, für die anderen »Schädlinge«, die es zu vernichten gilt. Einst mit Tötungsaktionen, dann mit Fütterungsverboten gehen Behörden gegen die Stadttauben vor. Doch es gibt Konzepte, die ein friedliches Miteinander ermöglichen. Die Bundesarbeitsgruppe Stadttauben (BAG) ist dem Bundesverband Menschen für Tierrechte angeschlossen und hat in den 90er Jahren ein erfolgreiches tierschutzgerechtes Geburtenkontrollkonzept entwickelt, das von immer mehr Städten umgesetzt wird und dass auch von einigen Bundesländerministerien empfohlen wird.

Das und eine Menge Infos sind auf der Seite Menschen für Tierrechte zu lesen: http://tierrechte.de/v20003000.html

Stadttauben und Hafentauben unterscheiden sich nicht voneinander, lediglich das Futterangebot. In „meinem“ Hafengebiet leben nicht nur Katzen, sondern auch unzählige Tauben, da dort ständig Getreide angeliefert wird. Sei es Getreide für Mehl oder Sonnenblumenkerne für Margarine, ganz egal, denn es fällt immer was daneben.

In einer Straße halten sich wirklich Massen Tauben auf und das Gute ist, dass sie niemanden zu stören scheinen. Sie gehören dazu, wie die Ausdünstungen der Fabriken. Viele Autofahrer haben sogar Spaß daran, auf eine pickende Taubenschar zuzurasen und wenn eine der Tauben nicht schnell genug ist,  hat sie eben Pech gehabt. So einfach kann das Leben sein, denn wieder wurde eines ausgelöscht, platt gefahren und man ist ein Held, hat man doch einen unnützen Schädling beseitigt.

Wenn der Tod schnell kommt, ist er ein verdammt guter Tod. Wenn er aber auf sich warten lässt und das qualvolle Sterben vorschickt, dann ist niemandem geholfen.

So muss es  Taube Martha ergangen sein, die aller Wahrscheinlichkeit nur „halb“ von einem Auto erwischt wurde.

Ich habe schon viele Tauben in Ecken hocken sehen und man kann sie nicht alle aufsammeln. Wenn doch, so war der Tod in bisher sämtlichen Fällen gnädig und ließ nicht allzu lange auf sich warten. Manche Hilfsversuche scheitern an der Möglichkeit des Wegfliegens, somit erledigt sich das Thema und befreit – ganz ehrlich – von einer bedrückenden Last.

Taube Martha aber saß gestern Morgen vor einem fahrbereiten LKW Rad, mitten in unserer dahingehend blinden, schwer arbeitenden Gesellschaft. Ich sah, dass sie nicht mehr viel von ihrem Umfeld mitbekam und handelte automatisch. In einer dunklen Ecke sterben ist etwas anderes, als sich vor einen Reifen zu setzen, der vielleicht nicht richtig trifft. Ich hielt an und ging langsam auf Martha zu. Lebenswille war noch jede Menge vorhanden, aber die Umsetzung nicht. Sie breitete ihre Flügel aus und stieg fünf Meter in die Luft, aber sie drehte linksdrehende Kreise und plumpste erschöpft mitten auf die Straße. Die Stellung ihres Kopfes ließ ebenfalls nur eine Linkshaltung zu.

Ein erneuter Versuch war erfolgreicher und ich bekam die Taube zu fassen. Sie blickte mich an und ich fragte: „So, wohin mit dir? In eine dunkle Ecke setzen kommt gar nicht in Frage, also kommst du mit. Entweder du schaffst  es nicht oder wir werden sehen.“

Martha überlebte die Nacht, obwohl sie sich halb auf ihrem herunterhängenden Kopf  stützte und halb auf einem Bein in typischer Schlafstellung ruhte, weder  Körner picken noch trinken konnte. Manchmal kugelte sie regelrecht durch den Käfig und ein Besuch in der Tierklinik war angesagt.

Am Empfang wurde ich nach einem Blick auf die Taube gefragt, ob ich sie nur zum Einschläfern abgeben wolle. Aber das kam nicht in Frage, und somit warteten Martha und ich gemeinsam.

Wir hatten umwerfendes Glück, da sich der Diensthabende Tierarzt mit  Tauben auskennt. Er testete als erstes Marthas Flügelschlag und beurteilte ihn als Kraftvoll. Er tippte auf ein Hirntrauma, verursacht durch obligatorischen Schlag.  Ich war überrascht, da er zwei Möglichkeiten anbot: Einschläfern oder Versuch. Wenn sich nach zwei bis drei Tagen keine Besserung zeige, könne man das Tier immer noch erlösen.

Selbstverständlich Versuch, denn Martha ist ein Lebewesen mit Lebenswille! Somit bekam sie eine Spritze gegen Schmerzen und eine Aufbauinfusion. Ich bekam eine Einwegspritze mit, mit der ich sie füttern kann / soll, wenn sie es denn zulässt. Am besten sei Katzenfutter in Wasser aufgelöst und alle paar Stunden gegeben.

Die erste Mahlzeit hat sie hinter sich und steht nun draußen auf dem Balkon in der mild scheinenden Sonne.

Mal sehen. Viel Hoffnung mache ich mir nicht, aber die stirbt ja bekanntermaßen zuletzt.

Ich weiß zwar, dass Tierärzte gefundene und verletzte Wildtiere kostenlos behandeln müssen oder können. Trotzdem hatte ich meine Geldbörse dabei und hätte nach Abnicken der Diagnose „Versuch“ diese Behandlung selbstverständlich bezahlt, doch wurde mir am Empfang mitgeteilt, dass der Herr Doktor keinen kostenpflichtigen Eintrag getätigt habe und –  viel Glück!

Das sind diese winzigen Kleinigkeiten im Leben, diese wahren Geschenke, die einen doch immer wieder Hoffnung schöpfen lassen, dass nicht alles vergebens ist und man manchmal nicht alleine kämpft. Sogar für Lebewesen, die von den meisten Menschen als Schmutz angesehen werden.


Heute schon gefüttert? – Wildlebende Vögel schützen

Eigentlich ist es ja um diese Zeit fast schon zu spät um eine neue Futterstelle für unsere wilden Vögel einzurichten, wohlgemerkt,, hoffentlich nur „fast“. Zumindest wird in diesem Winter wohl eine Artenvielfalt unter den Futterstellenbesuchern nicht mehr gegeben sein, aber die gängigsten Besucher sollten sich vielleicht noch einstellen.

Sicher ist allerdings: Wer erst bei Minusgraden anfängt Futter auszulegen, der ist definitiv viel zu spät dran, denn ein Vogel hat nur wenig Zeit geeignetes Futter in ausreichender Menge zu finden, darum ist es ausgesprochen wichtig, dass die Futterplätze dem Tier bekannt sind. Wer sich informieren möchte um künftig gezielt am Vogelschutz teilnehmen möchte, der sollte sich das Buch „Vögel füttern – aber richtig“ von Peter Berthold und Gabriele Mohr anschaffen und verschlingen.

Danach muss man auch nie wieder mit gesenktem Haupt aus irgendwelchen Läden schleichen, wo man es gewagt hat bei Plus Temperaturen nach Vogelfutter zu fragen, mit Kommentaren im Rücken wie „Die ham‘ jetz‘ noch genug!“ und „Die machen sonst den Rasen tot“ (was auch immer das heißen sollte, ich hab nicht nachgefragt, bin geflohen und habe im Internet Futter bestellt, anschließend im Zoofachhandel gekauft … ).

 

Mit ein wenig Phantasie und Kreativität findet man doch bestimmt fast überall Möglichkeiten wenigstens eine „Micro-Futterstelle“ einzurichten.

Das ist zum Beispiel ein Ausblick aus einem Schlafzimmerfenster.Die Futterstelle wurde mittels einer Greifhilfe vom Fenster aus eingerichtet.

Leider nicht mit im Bild: Ein weiter unten angebrachter Futterspender (diese Greifhile ist echt super, man erreicht damit die unmöglichsten Stellen) und diverse,  in den Ästen angebrachte Meisenringe.

Regelmäßige Besucher an dieser Futterstelle sind Blaumeisen, Kohlmeisen und Kleiber. Bis vor ein paar Monaten hatte ich keine Ahnung, wie diese Vögel aussehen. Ja, ich gebe es zu. Aber ich arbeite schließlich dran und wer weiß, wie viele gefiederten Freunde (niedlicher Ausdruck) ich im nächsten Jahr bestimmen kann!

Danke für’s Lesen und vielleicht lasst ihr Euch ja inspirieren.