Tiffys Babys (1)

Den beiden umwerfenden Minimädels geht es bestens:

Da sie von ihrer Mutter Tiffy und gleichzeitig von einem Schutzengel, der die Größe eines Adlers haben muss, bewacht werden, so verwundert es nicht, dass sie bereits ein Zuhause finden konnten. Heute machten wir uns auf den Weg, dorthin wo Haus, Garten, verstehende, einfühlsame Menschen und  zwei spanische Samtpfoten  auf ihre Adoptivkinder warteten. Zu zwei ungefähr zweijährigen Siamkatzen aus einer spanischen Tötung gingen sie, die ihnen hoffentlich, speziell jetzt in der Prägungsphase,  noch viele Verhaltensmaßregeln beibringen werden.

Zu Tiffys Babys gibt es noch eine Menge zu sagen, und ich werde in der kommenden Woche berichten. Mit einem lachenden und einem weinenden Augen, da die vergangenen Tage einer Achterbahnfahrt glichen. Das alles bleibt, wie man so schön sagt, nicht in den Kleidern hängen, da Erlebnisse, Emotionen, Gefühle einen  Menschen prägen.

Worum es mir heute geht ist die Trauer.  Nicht weil ich herunterziehen möchte, wobei  es doch über so viele schöne Dinge zu berichten gäbe.  Das Thema hat einen Grund und ist nicht an den Haaren herbei gezogen. Trauer und trauern in Verbindung mit verstorbenen Menschen UND Tieren. Trauer aufgrund Hilf – und Machtlosigkeit, und dem Recht der Trauernden. Mittlerweile bin ich alt genug, um mehr als eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchlebt zu haben. Es gibt kein hilfreiches Rezept gegen Trauer, man muss lediglich im Laufe der Jahre für  und mit sich lernen, damit man mit diesem unerklärbaren Zustand umgehen kann.

Letzten Sonntag hatte ich eine Phase, in der ich nichts  spürte oder mein Körper nichts mehr spüren wollte.  Ich weiß nur, dass ich dachte mich nie wieder bewegen, nie wieder aufstehen, geschweige denn zur Arbeit gehen zu können.  Ich weiß warum, aber niemand anders. Ich dachte an Tiffy und ihre Welpen, die ich bis dato nicht finden konnte und wie oft uns sinnlose Steine in den Weg geworfen werden. Niemand verstand mich und  all das bringt ja auch nichts, denn es muss weiter gehen. Ich erinnerte mich an die Hündin Luca, die ich 2008 vermittelte. Sie war seinerzeit in Spanien aus einem fahrenden Auto geworfen worden und kam als ängstlicher, total verstörter Hund zur Finca Lucendum. Obwohl ein schwierig gemachter Hund, so ist sie weiß und flauschig. Selten hatte ein Vierbeiner dermaßen viele Interessenten wie Luca. Ich verlor regelrecht den Überblick. Eine von Lucas Interessenten war eine Frau, die ehrenamtlich als Trauerbegleiterin tätig ist. Wir redeten lange, auch weil meine Mutter kurz zuvor verstorben war. Die Interessentin gab während des Gespräches zu, ein schlechtes Gewissen zu haben, da sie, wie so viele andere,  auf einen weißen, flauschig aussehenden Hund reagierte. Warum nimmt sie sich nicht einen alten, seit Jahren übersehenen?

Wie gesagt, das Gespräch und einige weitere dauerten, aber sie taten irgendwie beiden Seiten gut. Die Trauerbegleiterin bekam Hündin Luca nicht, aber sie schickte mir „Das Recht der Trauernden“.

Und da ich mt dem Schreiben anfing, als es mir nervenaufreibend auf den Keks ging, dass niemand zuhört oder kaum jenand verstehen kann, so stelle ich heute für alle, die aufgrund eines verstorbenen Hamsters, einer Katze, eines Hundes, eines Menschen oder, oder, Probleme mit dem „Verstehenwerden“ haben, seine Rechte ein.  Jeder muss seine Verarbeitungsphase durchleben dürfen, und als Wegweiser für alle, das hier:

Aus „Grundrechte – ein Manifest“

von Ulrich Schaffer

*************************************************
Du hast das Recht du selbst zu sein und grenzenlos zu denken
*************************************************

Du hast ein Recht auf deine Trauer.
Du darfst dich deinen Verlusten widmen,
musst nicht verdrängen, was dich beschwert.
Du hast ein Recht, das abzutrauern,
was dich so tief enttäuscht hat
und was du nicht ändern kannst.

Du hast ein Recht auf deine Tränen,
auf dein Schweigen,
auf deine Ratlosigkeit,
auf deine innere und äußere Abwesenheit.
Du musst nicht den Glücklichen spielen,
nicht über den Dingen stehen.

Du hast ein Recht, die wegzuschicken,
die dich mit Gewalt aus deiner Trauer
herausholen wollen, weil deine Trauer
sie selbst bedroht.
Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit.

Du hast ein Recht,
mit denen nicht reden zu wollen,
die dir ein schlechtes Gewissen machen
für deine Dunkelheit und Trauer.
Die mit Sprüchen kommen
und dich mit diesen Sprüchen
unter Druck zu setzen versuchen.
Du hast ein Recht auf deine Trauerstille.

Du hast das Recht, dich zu wehren
gegen die, die Dir sagen,
was du fühlen darfst und was nicht,
die Dich nicht als einzelnen,
sondern als Fall behandeln
und sich innerlich nicht wirklich
mit Dir einlassen.

Vielleicht macht Dich nichts so menschlich
wie Deine Trauer.
Über sie kann ein Trauernder sich Dir nähern
und auf Verständnis hoffen.
Trauern zu können ist eine Gabe.
Lass Dir das Recht auf Deine Trauer
nicht nehmen.


*******************************************
Du hast das Recht, zu zweifeln,
zu verzagen, die Fassung zu verlieren.
Es ist kein Zeichen von Stärke,
immer stark zu sein.
Es ist kein Zeichen von Schwäche,
schwach zu sein.
Vielleicht ist nur der Glaube des Zweifelnden
ein lebendiger Glaube, weil er sich aussetzt.
Wer sich nicht verunsichern lässt,
lebt in einer Burg mit dicken Mauern.
Das Leben erreicht ihn nicht,
und er erreicht das Leben nicht.
Weil du mitten im Leben stehst,
hast du das Recht, unsicher zu sein.
Es spricht für dich,
du bist im Werden.

Alle Antworten zu haben
heißt meistens, Antworten zu haben,
die zu keinen Fragen wirklich passen.


******************************************
Du hast das Recht,
dich vor Menschen zu schützen,
die sich verschlossen haben,
die dich nicht verstehen wollen,
die schon meinen, dich zu kennen,
die respektlos mit deiner Meinung umgehen,
die dir sagen, was du denken sollst.

Du hast das Recht, dich abzuwenden,
sie stehen zu lassen,
sie nicht mehr einzuladen,
Briefe unbeantwortet zu lassen,
ihre Meinung nicht mehr zu erfragen,
ihren Worten kein Gewicht zu geben,
einen Bogen um sie zu machen
und dich nicht immer wieder zu erklären,
als würdest du sie mit ihrer Entscheidung
nicht ernst nehmen.

Tiffys Babys

Die Situation an sich, die kann ich nicht glauben. Ich suchte und suchte seit vergangenem Mittwoch nach weiteren Katzenwelpen, seit dem Tag, an dem ich Tiffy fand. Eine Falle stand an sämtlichen Tagen zu Zeiten auf, an denen ich (verdeckt) anwesend war.

Heute dachte ich tatsächlich, dass, falls es noch mehr Katzenwelpen, als den roten und überfahrenen Kimba gibt,  die restlichen eigentlich  nicht mehr leben können. Ich  fuhr rückwärts in die Gasse zur Futterstelle, erkannte, dass von Menschenhand wieder einmal alles zerstört und daneben geworfen worden war, obwohl ich heute morgen kontrolliert hatte, öffnete die Hecktüre  des Autos um die Stelle sauberzumachen und um Futter vorzubereiten. Und kann nicht sagen, weshalb ich mich umdrehte. Genauso ein Blackout, wie immer.

Es kamen zwei winzige Katzenbabys mit blauen Augen laut qietschend auf mich zugelaufen, als wenn sie  auf mich gewartet hätten. Wie gesagt, das Blackout:  Ich ging in die Hocke und sagte: „Kommt.“  Das dunkle Fellbündel ließ sich sofort nehmen, das getigerte wollte wieder zurück, zurück in den Dschungel aus Brennesseln, den Christine, Manuela und ich am Freitag Stundenlang durchkämmt hatten. Hinein in eine  Postkiste, ab in die Sicherheit, denn zwei Meter hinter uns bretterten bereits die Nachtanlieferungen der Tierfutterfirma.

Die beiden saßen somit in der Postkiste und ein Danke an „Miamor“, die auf die notwendige Schnelle Futter in Puddingform herstellt und ohne Zucker. Jedenfalls war das die erste zivilisierte Mahlzeit der beiden und wie man auf dem Foto erkennen kann, sie mochten es.

Das nur in Kürze, damit ich morgen nicht aufwache und ein Blackout vergessen habe.

Aber mal im Ernst: Gibt es doch Wunder? Weil ich Tiffy und ihrem Kimba immer wieder verspreche: „Ich sorge für deine restlichen Kinder, für deine Geschwister!“