Sind Tiere härter im Nehmen als Menschen? Oder: Gini und die Dackellähme

Wenn ich mir diese Frage im Bezug auf meine Dackeldame Gini stelle, dann muss ich antworten: „Gini ist definitiv härter im nehmen als ich!“ Rafft mich bisweilen schon einmal ein grippaler Infekt auf desaströse Weise aus den alltäglichen Trott, so hat Gini 2008 zwei Bandscheibenvorfälle gehabt, die sie beide jeweils komplett gelähmt haben, von denen sie sich hat aber nicht weiter beeindrucken lassen. Über diese Zeit und meine Gedanken dazu möchte ich euch ein wenig erzählen. Zwischendurch zeige ich einige Bilder von einer von Ginis Physiotherapiestunden.

Ginevra Leonie K., geboren am 02.10.2001

Im März 2008 zeigte Gini deutliche Schmerzen im Rücken. Der damalige Haustierarzt piekte sie in die Seite und diagnostizierte einen verspannten Rücken. Nach einer Schmerzspritze ging es ihr die nächsten Stunden deutlich besser. Leider nutzte sie die Schmerzfreiheit auch für herumspringen und weitere Aktivitäten, die nicht unbedingt gut für ihren Rücken waren, bis sie dann am nächsten Tag auf einmal immer schlechter bis gar nicht mehr laufen konnte. Der bisherige Haus-TA sah uns am nächsten Tag zum letzten Mal, nachdem er uns über eine Stunde im Wartezimmer ausharren ließ, um einen kurzen Blick auf Gini zu werfen und zu sagen, dass sie in diesem Zustand in die Tierklinik müsse. Soviel zum Thema verspannter Rücken. Es war also in Wahrheit ein Bandscheibenvorfall. Als wir in der Tierklinik Erkrath-Trills ankamen, konnte Gini bereits nicht mehr laufen. Dort reagierte man sofort, es folgten diverse Untersuchungen, immer Rücksprache mit uns, den heulenden Menschen im Wartezimmer, die sich die schlimmsten Vorwürfe machten, nicht früher reagiert zu haben.

Die Physiotherapie wird bei uns "Füßchentherapie" genannt und beginnt mit einer Massage.

Gini wurde geröngt, bekam eine CT und nachdem alle Untersuchungen abgeschlossen waren, wurden die Behandlungsmöglichkeiten auf den Tisch gelegt. Alternative Behandlung mit Medikation, Physiotherapie und viel Glück, oder eine erfolgsversprechendere Operation mit anschließender Physiotherapie. Was ich an der Tierklinik bis heute sehr schätze ist, dass man niemals das Gefühl hat, etwas vorgemacht zu bekommen. Es wurde nie unmögliches versprochen, bei jeder Behandlungsmethode auf die Vor- und Nachteile hingewiesen, auf die Kosten und Folgekosten aufmerksam gemacht. Ich fühlte einfach, dass egal, was geschehen würde, Gini in guten und professionellen Händen war.

Neben Magnetfeld und Lasertherapie wird auch die "heiße Rolle" zum Einsatz gebracht. Hierzu wird ein Handtuch auch bestimmte Art aufgerollt und innen mit heißem Wasser aufgegossen. Hiermit kann der Patient einige Zeit massiert werden. Animiert meist zum Einschlafen.

Ich entschied mich für die Operation. Ich konnte mich dafür entscheiden. Zwar hatte ich das Geld nicht „auf der hohen Kante“, aber ich hatte die Möglichkeit es zu beschaffen, zudem bot die Klinik eine teilweise flexible Zahlung an. Als ich Gini 2002 von einer Welpenfarm in Wuppertal bekam, hielt ich sie einige Zeit heulend in den Armen, weil mich das Bewusstsein um die Verantwortung, die ich mit ihrer Aufnahme übernommen hatte, einfach umwarf. Ich dachte sogar darüber nach, sie wieder abzugeben. Aber ich entschied mich letztendlich ganz klar dafür, sie zu behalten. Damit war für mich ebenso klar, dass ich ihr jede Pflege, Hege und sonstige Behandlung würde zukommen lassen, die im Rahmen meiner Möglichkeiten lag, egal wie viele Einbußen das an anderer Stelle bedeuten könnte. Wenn Menschen das nicht können oder wollen, ihnen das aber erst klar wird, wenn das Haustier schon auf dem Behandlungstisch liegt, ist das für die Einen hart, für die Anderen höchstens umständlich. Ich hoffe, dass die, die ihr Tier nicht behandeln lassen können oder wollen, dann wenigstens die Weitsicht aufbringen, sich kein neues Tier mehr anzuschaffen. Leider zeigt die Erfahrung, dass viele Menschen dazu neigen, eingesparte Behandlungskosten direkt wieder in Neuanschaffungen zu investieren.

Nach der Massage geht es auf's Wasserlaufband. Größere Hunde können die Rampe an der Seite nutzen. Zwerge wie Gini werden einfach auf das Band gehoben. Hier noch im Trockenen.

Die Operation verlief gut. Gini musste natürlich zur Beobachtung in der Klinik bleiben. Sie war damals zwar schon sechs Jahre bei mir, aber wir hatten noch keine Nacht voneinander getrennt verbracht. Mein Verantwortungsgelübte sag es nun einmal vor, dass ich sie in jeden Urlaub mitnahm, auch wenn es bedeutet, dass ich für ihr Flugticket aus Prinzip mehr bezahle als für meines, weil ich sie immer im Passagierraum mitnehme und nicht im Gepäckraum fliegen lasse. Ich konnte natürlich nicht schlafen. Mein Geburtstag stand an und ich wünschte mir meinen Hund halbwegs gesund zurück. Den Rest würden wir gemeinsam hinkriegen. Gini konnte wohl auch nicht schlafen, traute sich laut Aussage der Tierpfleger aber nicht sich zu beschweren. Beinahe hätte sich mein Geburtstagswunsch nicht erfüllt, denn Gini weigerte sich selbstständig zu urinieren. Man wollte sie weiter beobachten, da man sich nicht sicher war, ob sie durch den Vorfall und die Op nicht dauerhafte Schäden bzw. Lähmungen an Blase und Darm davongetragen hätte.

Hier wird das Band in's Wasser gelassen. Ein Moment, der Gini der unangenehmste ist. Meistens hebt sie nur ein Pfötchen hoch um es in's Trockene zu bringen, hier hat sie gleich beide Vorderpfoten retten wollen.

Als ich das hörte, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich wusste, dass Gini mit den Pflegern niemals Pippi machen würde. Das hat sie seit ihrer Welpenzeit niemals abgelegt: in fremder Umgebung mit fremden Menschen kann sie sich ihre Notdurft tagelang verkneifen und tut das auch! Das versuchte ich in der Klinik zu erklären. Zunächst ließ man mich zappeln, dann flehte ich sie an, mir Gini mit nach Hause zu geben und wenn sie nicht machen würde, würde ich sie am Abend wieder zurückbringen, weil ihr ja dann die Blase ausgestrichen werden müsste. Also durfte ich sie nach Hause holen. Müde sah sie aus und verschreckt, verstrubbelt und ein wenig schmutzig. Und sie konnte nicht laufen, trotzdem war ich einfach glücklich, sie war noch da und freute sich, uns zu sehen. An dem Tag hat es furchtbar geregnet. Gini konnte nach wie vor die Hinterläufe nicht bewegen, also zog ich ein Handtuch unter ihrem Bauch hindurch und so bewegte sie sich mit den Vorderpfötchen vorwärts, während die Hinterbeine von uns in der Luft gehalten wurden. So gingen wir in den strömenden Regen und Gini zog Dampfwalzenartig mittels Vorderantrieb ab in den Garten, zu ihrem Lieblingsrosenbusch, wo sie sich bemerkbar machte. Wir ließen den Hintern runter und da plätscherte es nur so aus ihr heraus. Die Schilderung des Ganzen sorgte in der Klinik für Erheiterung und die Entlassung der Patientin nach Hause!

Hier wird Mitleid geheischt und auf (gute!) Leckerchen spekuliert. Das Band ist jetzt in der richtigen Position und wird zum Laufen gebracht.

Es folgten ein paar Tage, in denen ich ernsthaft besorgt um sie war. Ich habe gezweifelt, ob ich das Richtige gemacht hatte. Man las ja schließlich im Internet von Tierfreunden, die ihrem Liebling „all das Leid ersparen wollten“ und einschläferten. Gini schien kraftlos und müde. Aber das war ich auch, befand ich. Das erste Mal so lange von Zuhause weg, die sicherste und mutigste aller Hündinnen war sie nun nicht gerade. Also krempelten wir Ärmel und Fell hoch und liefen loss. Übten mit dem Handtuch um den Bauch Schrittchen um Schrittchen, fuhren zur Füßchentherapie und wir hatten Erfolg, Schrittchen für Schrittchen zwar, aber er kam! Gini bekam Gefühl in den Pfoten, wieder einen Stellreflex, fing an in der Luft zu paddeln, konnte bald wieder stehen, bald wieder ein wenig laufen und und und, so ging das weiter. Aber selbst wenn sie das Laufen nicht wieder gelernt hätte, weiß ich, dass wir selbst in diesem Fall klar gekommen wären. Denn bisweilen musste man sie richtig dazu animieren auch wieder Pfötchen 3 und 4 zu benutzen, weil sie gelernt hatte, ausschließlich mit 1 und 2 auszukommen und nutzte das schonungslos aus. In der Zeit hat sie gelernt, sich auf den Hintern fallen zu lassen, wenn sie an irgendwas intensiver schnuppern will und Mensch keine Anstalten macht stehen zu bleiben. Das macht sie sogar heute noch manchmal so.

Ist vielleicht Fleischwurst vorhanden? Immerhin bewegt sich hier das Band und ich laufe dagegen an!

Trotz aller Vorsicht (Gini wurde jede noch so kleine Stufe getragen, durfte nicht mehr auf Bett oder Couch) und aller Therapie merkte ich einige Monate später, dass etwas mit ihr wieder nicht stimmte. Ihr Gang war mühsamer, und wenn ich sie hochnahm, spürte ich ein Zittern durch ihren Körper gehen, begleitet von einem leisen Stöhnen. Es ging sofort zur Tierklinik und ja, es war ein zweiter Bandscheibenvorfall. Wieder wurden viele Tränen vergossen und über allem stand die Frage im Raum: Was haben wir falsch gemacht, wo hätten wir besser aufpassen müssen. Der behandelnde Arzt Herr Dr. Engelhardt, hat mit wenigen Worten all das von mir genommen. Man müsse auch loslassen können und einsehen, dass man einen Hund einen Hund bleiben lassen muss. Mehr als Vorsicht walten lassen könne man nicht, das Tier einsperren und einengen hätte aber nichts mit Schutz oder Tierliebe zu tun. Es war nicht unsere Schuld. So etwas passiert. Ich ließ los und Gini wurde ein zweites Mal operiert. Diesmal blieb sie nach der Op nicht still in ihrer Box in der Klinik. Sie beschwerte sich, wollte nicht essen und verkniff sich erneut das Pippi machen. Obwohl der Vorfall schwerer als der erste war, schien sie ihn gar nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Unterwasserbetrachtungen

Sie zog sich mit ihren Vorderpfoten voran, als hätte sie nie Hinterpfoten gehabt, strullerte demonstrativ auf ihre Rose, wurde entlassen, war nicht müde und kraftlos und viel schneller als nach dem ersten Vorfall warf sie bald in ihrem Bauchhandtuch ihre Hinterpfötchen wieder in die Luft wie ein Funkenmariechen. Heißen die so? Diese lustigen Mädchen beim Karneval, so stolzierte sie in ihrem Handtuch spazieren. Heute ist sie fast zehn Jahre alt, hat vor kurzem vier lockere Vorderzähne gezogen bekommen, eine Backenzahnentzündung hinter sich gebracht und könnte glücklicher nicht sein, weil sie in der Heilungsphase ihr Trockenfutter aufgeweicht bekam. Das hat sie so entzückt, dass ich es nicht übers Herz bringe, das wieder zu ändern. So ist neuerdings jedes Abendessen ein fest aus bestem Trockenfutter mit Möhrenpellets aufgeweicht, mit Nachtkerzenöl und Gelenktabletten angereichert. Da wird man schonmal angemault, wenn das nicht schnell genug auf dem Boden steht.

Darf ich jetzt wieder raus?

Sie plagt sich manchmal aufgesetzt mit Kätzchen Lisbeth herum, deren stürmische Zuneigung sie nicht immer so ganz erwidern kann (dennnoch lässt sie sie in ihrem Körbchen schlafen), aber spielt doch gerne und häufig mit und jagt dabei mit großer Freude beide Katzen durch die Wohnung. Nachts plündert sie vorzugsweise Müll (da immer in völliger Einigkeit mit Lissie) oder räumt ein bestimmtes Schlafkissen im Wohnzimmer herum.

Benimmt sich so eine ältere Dackeldame mit zwei schweren Bandscheibenvorfällen? Ja! Meine Gott sei Dank schon!

Endlich geht es wieder aufwärts. Ab in's Handtuch und nach Hause! Bis zum nächsten Mal.

Ich ende an dieser Stelle und freue mich, wenn mein Bericht einigermaßen interessant oder aufschlussreich ist. Vielleicht sogar den Weg zu Betroffenen findet und Mut macht. Das wäre wirklich schön. Ich verabschiede mich mit einem Bild von Gini und ihrer Meute, neulich an einem Sonntagnachmittag geschossen.

Was an jenem Sonntag wirklich geschah, erfahrt ihr in einem der nächsten Beiträge :o)

Intelligente Krähen sind ein klein bisschen gruselig

oder?

Die kleinen Biester scheinen parteiisch zu sein, haben wohl Wetten abgeschlossen

Tiere als Therapeuten (1)

… müssen nicht mal was besonderes machen, es reicht, dass sie da sind und ein ruhiges, friedliches Wesen haben.

Seit einiger Zeit erprobt man sich daran, die ruhestiftende Wirksamkeit eines Hundes im Unterricht zu dokumentieren.

Mehr darüber habe ich auf der Seite: mensch-und-tier gefunden, für die, die sich dafür interessieren hier klicken und wenn man auf das Foto klickt, landet man auf der Homepage vom Schulhund Mika.

Hundepsychologie auf yahoo

Gerade habe ich meinen PC hochgefahren und finde da auf yahoo einen interessanten Beitrag über Hundeverhaltensforschung mit der Feststellung:

Auch unter Hunden gibt es Optimisten und Pessimisten

Diese Erkenntnis  ist das  Ergebnis einer Forschung der britischen Universität Bristol, wie zu lesen ist . Man erklärt sich so das Angstverhalten mancher Hunde, die, wenn sie allein sind, ggf.  die Wohnung verwüsten, während es optimistischen Hunden weniger ausmacht, allein zu bleiben.
Die Wissenschaftler unter Leitung des Verhaltensforschers Michael Mendl untersuchten 24 Hunde, die kürzlich ins Tierheim gekommen waren.
Und so lief die Untersuchung ab:

Erst kam der jeweilige Hund für 20 Minuten lang zusammen mit einem Betreuer in einen leeren Raum, tags darauf wurden er  dann für jeweils fünf Minuten dort alleine eingesperrt. Mit Videokameras wurde beobachteten, wie die Hunde an der Tür scharrten, auf Möbel sprangen, bellten – oder  ruhig blieben.

Im zweiten Versuchsteil stellten die Forscher volle Fressnäpfe auf und die Hunde lernten, an welchen Stellen volle und an welchen Stellen leere Fressnäpfe standen. Später stellte man Näpfe an Plätzen dazwischen auf.
Diejenigen Hunde, die freudig darauf zurannten, deklarierten sie als Optimisten; diejenigen die zögerten, als Pessimisten.
Dann wurden die Ergebnisse der beiden Versuche verglichen.

Fazit war, dass die Hunde, die Angstverhalten beim Alleinsein zeigten,  eher zu den Pessimisten gehörten und die  Optimisten zu den sich beim Alleinsein ruhig verhaltenen Hunden gehörten.

„Das ist wichtig für Hundebesitzer, wenn sie ihre Tiere richtig behandeln wollen“, sagte Professor Mendl. Es zeige, dass das Angstverhalten der Hunde bei Isolation nicht als „gutes Zeichen“ gewertet werden kann, wie manche Tierhalter annehmen.
Die Studie ist im Fachjournal «Current Biology» veröffentlicht.

Anmerkung von Frau Schnüffel:

Nun weiß ich ja nicht, wer so optimistisch gestrickt ist, dass er das Angstverhalten seines Hundes  beim Alleinsein als gutes Zeichen ansieht, aber wenn man solche Termini wie Pessimist und Optimist benötigt, um seinen Hund zu verstehen, soll es mir recht sein, wenn er sich nur bemüht, dass sein Hund das Angstverhalten ablegen kann und selbstsicherer wird.