Katzen in Not – oder Not macht erfinderisch

Not macht erfinderisch, das ist ein bekannter Spruch. Ob dieses Sinnbild in der heutigen Zeit eher selten oder häufig – wegen viel genannter Wirtschaftskrise – zutrifft, nun, darüber kann man spekulieren, philosophieren oder Statistiken zur Hand nehmen. Oder einfach nur die Nachrichten verfolgen und ihnen glauben, das geht auch.

Ich kann nur von mir sprechen, denn auf meine Katzen und mich treffen die notwendigen Erfindungen zu. Wirtschaftskrise, gute oder schlechte Zeiten –  das interessiert wilde Katzen nicht. Sie müssen etwas zu beißen haben, sonst leben sie nicht lange.

Das alles interessiert auch das jeweilige Umfeld nicht, wo ich wegen guter Wirtschaftslage Paläste für Katzen errichten könnte. Wasserdicht, gesichert, warm und mit sauberem Futter und Wasserangebot bestückt. Wo ich offiziell ein Gelände betreten dürfte, von dem mich niemand herunterschmeißt und wo kein Autofahrer mit Absicht auf sein voluminöses Gaspedal tritt, sobald er ein Katzentier über die Straße laufen sieht. Wo Gift ein Fremdwort ist, wo intelligent gehandelt und das jeweilige Problem an der Wurzel gepackt wird, wo alle zusammen ihren Mitgeschöpfen helfen, wo diese Lebewesen behandelt werden wie Freunde oder zumindest wie die eigenen Haustiere – und nicht wie Dreck.

Ein Traum, wie ich es in einem Märchen beschreiben würde, damit Kinder an das Gute im Menschen glauben.

Ich lasse es, denn ich würde lügen.

Die Erfahrung lehrt, dass kaum eine Katze älter als zwei Jahre ist, wenn sie gefangen wurde und wenn sie bis dato kein Futter bekam. Ich habe in den Jahren höchstens vier alte Katzen oder Kater erlebt, die ohne menschliche Zufütterung älter als zwei Jahre werden konnten.

Nun wollen wir die Population selbstverständlich nicht in die Höhe treiben, deshalb schlagen wir uns die Freizeit um die Ohren und stellen Fallen auf, bringen Tiere zum Tierarzt, holen sie ab, bringen sie bis zur Ausheilung unter, versuchen sie in ein tierfreundlicheres Gebiet umzusiedeln, aber sorgen uns ab Tag des Kennenlernens täglich um eine möglichst machbar gesunde Ernährung.

Selbstredend trifft man ebenfalls täglich auf Gegner, die diesen Mist für Überflüssig und Zeitverschwendung halten. Sollte zwar jedem selbst überlassen bleiben, aber es gibt immer  diese Gutmenschen, die sich angeblich um ihre Mitmenschen sorgen. Die aus bewusst billig bis umsonst errichteten Futterstellen ein Chaos fabrizieren, denen der Kopf fast vom Hals fällt, weil sie aus dem Schütteln nicht mehr herauskommen. Diese Gegner, die sich anscheinend verfolgt fühlen, weil sie irgendwann von schwarzen Katzen und deren angeblich böser Stärken hörten. Diese täglich auftauchenden, jederzeit austauschbaren Gegner, die denn doch viel lieber nur an sich denken, an sich und ihre innig  geliebte Familie, die so sehr unter Not leidet, dass kein Platz für Verständnis, oder mal bewusst nach links oder rechts zu sehen, übrig bliebt. Nein, das geht gar nicht. Nicht in der damaligen Zeit und auch heutzutage nicht. Wirtschaft, Krise oder nicht.

Deshalb konkretisiere ich hier auch keinen Standort, denn diese Futterstellen können an jedem Hafen sein. Erst vor ein paar Tagen sprach ich mit „dem Chinamann“. Er ist ein alteingesessener Mechaniker, der eine Motorradwerkstatt betreibt und den kastrierten Kater seines Vorgängers übernahm. Ein vorbildliches Verhalten, wie ich finde, zumal das Tier regelmäßig geimpft wird. Dieser Kater stammt aus einem Tierheim, ursprünglich gegen Mäuseplage angeschafft. Dieser Kater besitzt eine Katzenklappe zur Werkstatt, Decke, Futter, Wasser und Fürsorge. Ihm geht es gut, wenn man ihn kennt. Er läuft im Hafengebiet herum, wie andere wilde Katzen oder Kater. Er saß auch schon einmal treuherzig  in einer Falle und wenn man sich vorab nicht interessiert hätte, weil man die Katzenklappe in der Werkstatttür gesehen hatte und nachfragte, dann wäre zahmer, zivilisierter Kater eventuell festgehalten und vermittelt worden. Also leben solche Menschen gutgläubig, weil (ohne Vorurteil) vielleicht Buddha ein Auge auf den Kater wirft?

Ich besuchte den Chinamann vor ein paar Tagen, da ich seinen Kater seit längerer Zeit nicht gesehen hatte.

Doch, dem würde es gut gehen, nur im vergangenen Jahr musste er dreimal mit ihm zum Tierarzt, weil es ihm sehr schlecht ging. Die jeweilige Diagnose: Er hatte Gift zu sich genommen.

Das lässt mich diesen ziemlich bösen Beitrag schreiben, weil ich einfach die Schnauze voll habe und dennoch ist es sinnlos. Jeder gelungene  Tag ist ein glücklicher Tag und wenn selbst ein gut genährter zahmer Kater Gift aufnimmt und nur  durch seine Verbindung zum Chinamann überleben  kann, was ist mit den wilden Katzen, die sich nicht zeigen, wenn es ihnen schlecht geht? Die verrecken, die verrecken elendig und diese besserwisserischen Monster, diese Verursacher, diese Giftausleger bekommen davon genauso wenig mit wie ich. Nur, ich mache mir Sorgen, wenn ich Katzen vermisse und ich finde sie eventuell, weil ich wie ein Indianer durch Gebüsche kriechen, über Tore und Zäune klettern muss,  weil diese Monster das so wollen. Versteht IHR das nicht? Was wollt IHR erreichen?

Vor drei Jahren ging bereits ein Gerücht um und in jedem Gerücht steckt ein Körnchen Wahrheit. Nicht nur ich schrieb das Hafenamt an, auch Frau N. telefonierte. Die Antworten waren immer die gleichen: „Gift? So etwas würden wir nie tun!“ Sollte diese Aussage stimmen, dann sind es Firmen, die eigenhändig und ohne Strafe so etwas tun. Schleichend, unauffällig und versteckt. Feige und Nichtsnutz!

Im ach so tierlieben  Deutschland ist es nicht viel besser als zum Beispiel in Bulgarien, von dem das vorhin beschriebene Buch handelt. In Bulgarien geht es mit Hunden zu, wie es im ach so tierlieben Deutschland bereits  seit Jahren mit Katzen zugeht. Sie fallen nur nicht so „lästig“ auf!  Nicht nur in Bulgarien werden Hunde gefangen, kastriert und wieder ausgesetzt. Es werden Futterstellen eingerichtet, um die sich die angeblich dämlichen Idioten kümmern. Hier sind es seit langem die Katzen, die bisher nicht alle zivilisierten Menschen stören, lediglich einige. Nur einige, die sich bei Arbeitszusatz winden und den armseligen Kopf in den Sand stecken. Die sich dennoch ohne Auftrag  verpflichtet fühlen Katzen zu bekämpfen, damit… ja warum eigentlich? Sind das schlaue Leute, die sich auskennen? Womit kennen sie sich aus? Oder sind das die wirklich, wirklich dummen Menschen, die engstirnigen, die sich belästigt fühlenden, sobald ein Kindergarten in ihrer Nähe eingerichtet wird?

Ich weiß es nicht, und ich möchte mich heute auch nicht weiter aufregen. Das kommt wieder früh genug, spätestens am Montag, nachdem meine Wochenendvertretung, in Form des Herrn L., Bericht erstattet hat, welche Katzen er sah, wie viel Futter und so weiter.

Eigentlich wollte ich von „Not macht erfinderisch“ schreiben und von Taschenwärmer, die ich von Christine geschenkt bekam. Acht Stück, die sie preiswert bei Ebay ersteigert hatte und von denen sie meinte: „Damit kannst du bestimmt was anfangen.“

Ja, konnte ich und nachdem ich auf den Trichter kam, sind diese Taschenwärmer nun unverzichtbar. Jeder Taschenwärmer beinhaltet ein halbrundes  Metallstück. Das muss man knicken und sofort verfestigt sich das bis dahin flüssige Wachs, wird formbar und warm. Gefüllte , schwere Futterschale sofort auf das Wachs gedrückt, so nimmt es die Form an.

Eine unglaublich gute Erfindung, denn diese kleinen viereckigen Teile halten, bei momentaner Witterung oder bei noch tieferen Temperaturen, Futter warm! Zwei davon unter eine große Schale gedrückt und passt. Ich bin begeistert, zumal sich jeder Taschenwärmer ungefähr 500 Mal verwenden lässt. Natürlich nicht einfach so, da hilft weder Gott noch Buddha. Da muss Mensch aktiv werden, Hölzchen mühevoll aneinanderreiben, Feuerstelle entfachen  und täglich ein frisches Süppchen kochen. Ein Taschenwärmersüppchen braucht zehn Minuten mit kochendem Wasser und schon ist das Wachs wieder bereit, Wärme abzugeben und Futter zumindest für eine Stunde in annehmbaren Zustand zu halten.

Aber auch das passt, denn Katzen sind alles, nur nicht dumm. Selbst wenn eine neue Futterstelle eingerichtet wurde, spricht sich das schnell herum. Eine Stunde Wärme. Mensch muss pünktlich sein, denn Katzen sind es garantiert  – auch ohne Uhr.

Buchempfehlung

Vor drei Wochen bekam ich von Heike ein Buch geschenkt und ich bin ihr nicht nur wegen des Geschenkes dankbar, sondern weil dieses Buch eines meiner Buchfreunde werden konnte. Weil es ist, wie es ist, weil sich eigene Erlebnisse, Erfahrungen und Antipathien damit verknüpfen, sie bestätigen und weil es in einer bemerkenswerten Form geschrieben wurde, von der ich bisher noch träume.

Letzten Sonntag  klappte ich es zu, denn es war gelesen. Trotzdem kann ich mich nicht trennen und blättere immer wieder die Seiten durch, lese Passagen, bei denen ich viele Taschentücher verbrauchte, lese intensiver und nicht oberflächlich um den Fortgang der Geschichte schnellstmöglich zu erfahren.

Ein sehr intensives und überzeugendes Buch über den Tierschutz, bei dem die Autorin Hannelore Rodrian es durchgehend schafft, dem Leser die Tatsachen  vor Augen zu führen, ohne sentimental zu werden. Es sind harte Tatsachen, brutale Gegebenheiten, die täglich nur alleine in Bulgarien geschehen.

Anhand dreier Hunde, Nelson, Liesa und Maxima, verdeutlicht Hannelore Rodrian nicht nur die Schicksale, den unbändigen Lebenswillen dieser drei Hunde, sondern verdeutlicht gleichzeitig wie Menschen agieren, die sich entweder aufgrund persönlicher Probleme „Tierschützer“ nennen, oder ohne Wenn und Aber, mit Haut und Haaren, einfach weil sie bestimmt wurden, Tierschützer sind.

Das alles erzählt sie in einer gut zu lesenden Geschichte, die einen roten Faden, die ein oder andere versteckte Anklage beinhalten, aber  das weinende Auge auch  wieder zum Lächeln bringt. Weil sie ehrlich über ihre eigenen Gefühle schreibt und weil sie ehrlich die Gefühle der Mitstreiter beschreibt, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ohne zu vertuschen oder ein wichtiges, schlimmes Thema – einen unglaublichen Zustand – schönzureden und schon gar nicht dramatischer darstellt. Weil sie  eigene, persönliche Zweifel ehrlich anspricht, die jeder kennt aber möglichst verdrängt.

Somit ist dieses Buch  auch für Leser geeignet, die sich zwar für das Thema Auslandstierschutz interessieren, aber bislang aus vielfältig verständlichen Gründen  eine Abneigung hegen. Es gibt auf jeden Fall einen Einblick in den Hintergrund, auch wenn ich zugebe, dass man innerlich gewappnet, dass man in der Laune „Ich will es wissen“ sein muss, bevor man anfängt zu lesen.

Der Erlös fließt uneingeschränkt in die Tierschutzarbeit der vier Tierheime in Bulgarien, und auch das rechne ich der Autorin hoch an.

So nah am Regenbogen

Telefongespräch mit Mutti

Das war die erste Kurzgeschichte, die ich von Bettina las. 2006 war das und eine gefühlte Ewigkeit her. Doch  habe ich sie nie vergessen, weil sie trotz ihrer Kürze spannend geschrieben ist und  hier perfekt zum Thema passt.

 

© Bettina Buske

Sie unterschrieb dem Postboten die Empfangsbestätigung des Briefes und schloss ohne einen Gruß die Tür.

Ihre Hände zitterten so, dass sie das Adressfeld des Umschlags nicht entziffern konnte. Brauchte sie auch nicht, denn dieses Schreiben hatte ihr Unbewusstes schon erwartet, seit sie im Krankenhaus war. Aber ihr Bewusstes hielt mit vielen vernünftigen Argumenten dagegen. Seit Anfang an dabei, die Abteilung aufgebaut, in den Anfängen des kleinen Unternehmens alle anfallenden Arbeiten gemacht, viele Überstunden in Stosszeiten und dem Chef aus so mancher Krise geholfen, da wird er sie doch nicht entlassen, wenn sie mal etwas länger krank ist. Sie saß am Küchentisch und starrte auf den Umschlag. Gestern noch hatte sie mit dem Chef telefoniert, dass sie aus der stationären Behandlung entlassen wird und voraussichtlich in einem Monat… das hat sich jetzt wohl erledigt. Ich werde mir erst einmal eine Tasse Kaffee machen, dann lese ich den Brief, aber Pralinen, die Nervennahrung brauche ich jetzt. Mensch, wer lässt denn da solange sein Baby weinen. Sie ging ans Küchenfenster und suchte die Fenster des gegenüberliegenden Hauses ab, es waren alle geschlossen. Bei uns wohnen doch nur alte Leute im Haus, da kann das auch nicht herkommen.

Ihr Blick fiel wieder auf den Briefumschlag. Sie öffnete den Vorratsschrank und suchte sich von den Pralinen ihrer Geburtstagsfeier den besten Kasten, goss das Kaffeewasser auf und deckte sich den Kaffeetisch so, dass sie aus dem Fenster sehen konnte. Das Weinen war noch immer zu hören und fing an, sie zu beunruhigen. Wird schon nichts sein, dachte sie und goss den Kaffee in die Tasse.

Nun kam zu dem Babyweinen auch noch das Geschrei eines Schwarms von Krähen, die an ihrem Fenster vorbei Runden über den Innenhof flogen. Der Kaffee war heiß und bitter. Sie öffnete den Pralinenkasten und suchte nach Marzipan. Jetzt schmeckte auch der Kaffee.
Das Baby schrie und der Hof wurde von Krähen belagert. Geradezu höhnisch klang deren Geschrei. Mit dem Stiel des Teelöffels öffnete sie den Briefumschlag. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass zwei Männer auf dem Dach des gegenüberliegenden Hauses waren.
Wo kommt nur das Babyweinen her? Sie stand auf und lehnte sich aus dem Fenster und nun sah sie, dass die Krähen eine der großen Pappel vom Hof umkreisten. Weit oben in der Krone klammerte sich eine schwarze Katze mit weißem Latz am Stamm fest. Sogar in ihrer Küche konnte sie die schreckgeweiteten Augen der Katze erkennen. Das Tier tat ihr leid, sie wurde zornig auf die Krähen und gleichzeitig war sie froh, dass es eine Katze war, die so jämmerlich schrie.
Sie zog den Brief aus dem Umschlag. Ein Blick auf das Blatt bestätigte ihre Befürchtungen. In diesem Augenblick fühlte sie sich wie die Katze auf der Pappel, hilflos und verhöhnt. Ihre Hand holte aus der Konfektschachtel eine goldene Tüte, gefüllt mit hellem Nougat, nach Marzipan ihr liebstes Praline .  Sie las … kündigen wir sie aus betriebswirtschaftlichen Gründen zum 15. März.
Das Nougat lag wie eklige, klebrige Schmiere auf ihrer Zunge. Schnell trank sie Kaffee nach. Auf dem Dach gegenüber war Bewegung, einer der Männer redete mit lauter Stimme. Sie sah auf und lief zum Fenster. Die Männer standen am Rand des Daches, hatten einen großen, festen Beutel an ein Seil gebunden, das als dicker Ring über dem Arm des sprechenden Mannes hing. Die Katze schrie nicht mehr ganz so erbärmlich, eher maunzte sie bittend. Der Sprecher, wie sie den Katzenbesitzer in Gedanken nannte, lies den Beutel wie einen Propeller kreisen, schneller und schneller. Gebannt stand sie am Fenster. Jetzt gab es für sie nichts auf dieser Welt, was wichtiger war als diese Katzenrettung. Der Beutel flog durch die Luft und verfehlte sein Ziel. Sofort begannen die Krähen wieder mit den höhnischen Umkreisungen der Pappel. In ihr stieg Furcht auf, an einem Drama teilzuhaben und doch musste sie auf den Ausgang der Aktion warten, die Hoffnung dass es gut ausgehen könnte, wollte nicht weichen. Es musste gut ausgehen, ihr war, als würde ihr zukünftiges Glück vom Ausgang der Katzenrettung abhängen. Wieder kreiste der Beutel, kreiste und kreiste, flog, landete in der Pappel, aber viel zu tief. Der Mann, den sie in Gedanken Sprecher nannte, zog und zerrte am Seil, bis sich der Beutel aus den Ästen gelöst hatte. Wie ein Gebet sprach sie in Gedanken: „Hoffentlich gibt er nicht auf, hoffentlich gibt er nicht auf.“
Er gab nicht auf, lies den Beutel kreisen, lies ihn fliegen und diesmal landete der Beutel an einem Ast genau unter der Katze. Einladend war die Öffnung des Beutels der Katze zugewandt. Das Tier erkannte seine Chance und kletterte hinein. Erleichtert stieß sie die Luft aus. Jetzt war die Spannung groß, wie die Männer zu dem Beutel kommen werden. Kaum hatte sie das angedacht, zog der Sprecher am Seil, der Beutel samt Katze flog durch die Luft und stieß an die Brandmauer.
Der Zuschauerin am Fenster wurde flau im Magen als sie sah, wie die Katze panisch versuchte den Beutel zu verlassen. Die Männer auf dem Dach holten mit lang ausholenden Bewegungen das Seil ein und bevor die Katze aus dem Beutel war, schlug sie schon auf dem Dach auf. Dann sah sie von ihrem Fenster aus, wie der Mann, den sie in Gedanken den Sprecher nannte, eine große schwarze Katze, die sich eng an ihn schmiegte, im Arm hielt. Das letzte, was sie sah, war der breite Rücken des Sprechers, über den ein hübsches Katzengesicht in die Gegend sah, bevor die Männer die Bodentreppe betraten. Sie ging zum Telefon und rief ihre Mutter an.
„Mutti, ja mir geht es schon viel besser, richtig gut. Du, ich bin entlassen worden. Kannst Du bitte einen Termin bei Deinem Anwalt für mich machen?




Katzen würden dieses lesen … (2)

Das große Katzenmärchen

von  Karel Čapek

Dieses Buch war  in meiner Kindheit eines meiner liebsten Märchenbücher.

….

Wenn ich Euch nun ein Tier brächte:
Es hat Augen aus Smaragd, doch stiehlt sie ihm niemand, einen sooo langen Schnurrbart und ist doch kein Mann, einen Pelz, der Funken sprüht und doch nicht verbrennt, Füße aus Seide, die es doch nie durchtritt und sechzehn Messer in sechzehn Taschen und schneidet sich doch kein Fleisch damit ab; nicht wahr, dann würdet Ihr nicht mehr weinen?

Karel Čapek wurde am 9. Januar 1890 in Malé Svatoňovice geboren und starb am  25. Dezember 1938 in Prag, weil er wegen des Einmarsches der deutschen Truppen das Essen verweigerte.. Er ist einer der wichtigsten tschechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Čapek studierte  Philosophie in Prag, in Berlin und in Frankreich. 1915 wurde er zum Dr. phil. promoviert.
Karel Čapek widmete sich einem breiten Arbeitsfeld: Realismus, Drama, und utopische Literatur. Sein Werk gilt als meisterhaftes Beispiel der tschechischen Sprache; inhaltlich finden sich eine klare Beobachtungsgabe der menschlichen Gesellschaft sowie ein oft treffender Humor. International ist Karel Čapek heute für der Science Fiction zugerechnete Werke bekannt, in denen er gesellschaftliche und menschliche Entwicklungen projiziert. In dieser Literaturrichtung steht er Schriftstellern wie Aldous Huxley und George Orwell nahe.

Daneben hat Karel Čapek Detektivgeschichten, Romane, Märchen und Schauspiele verfasst; und ein Buch über Gartenbau geschrieben.

Ich habe den Schriftsteller als Kind durch seine Märchen kennen und lieben gelernt und wollte diese Liebe auch weitergeben. Leider gibt es keine neuverlegten Märchen von ihm, aber man kann sie noch antiquarisch kaufen, was durchaus auch als Vorteil gesehen werden kann, weil sie so sehr preiswert zu haben sind.

es gibt Das große Katzenmärchen zum Beispiel hierbei antiquario.de oder hier bei amazon.

So lesens- und behaltenswerte Märchen dürfen nicht in die Vergessenheit absinken.

Katzen würden dieses lesen…

ich dachte mal, dass ich nach und nach hier Literatur vorstelle, die irgendwie mit Katzen zu tun hat, so als Tipp für  Katzenliebhaber von einer Katzenliebhaberin.

Spiegel das Kätzchen

– von Gottfried Keller

Eines der schönsten Märchen für mich. Hatte ich auch mal eine Lesung gemacht, ich habe ein Faible für Schweizer Autoren, ich mag deren bedachte Art mit der Sprache umzugehen – und ich mag Katzen und ich mag, wenns spannend aber auch philosophisch ist, so wie hier. Das Märchen hat eine interessante Entstehungsgeschichte, über die man auf wikipedia das Folgende finden kann:

Entstehung und Hintergrund

„Wie sich das herrenlos gewordene Kätzchen Spiegel in seiner argen Not auf einen lebensgefährlichen Vertrag mit dem Seldwyler Stadthexenmeister Pineiß einläßt, so hatte sich der dreißigjährige, bis dahin lediglich mit einem Gedichtband hervorgetretene Poet Gottfried Keller aus Zürich im Frühjahr 1850 in ein höchst riskantes vertragliches Abenteuer gestürzt. Um sich zur Ausführung seines lange geplanten, aber fast nur im Kopfe ausgesponnenen Romans Der grüne Heinrich zu zwingen und dafür auch einige Mittel zu erhalten, hatte er das Buch einem Braunschweiger Verlag als im Grund bereits fertige Arbeit zum Kauf angeboten. Der Verleger hatte rasch zugegriffen, und nun fand sich Keller in der unglücklichen, für beide Vertragspartner fatalen Lage seines später erfundenen Katzenhelden Spiegel: Er sollte etwas hergeben, was er selbst nicht besaß.“
Dem Verleger, Eduard Vieweg, kommt das Verdienst zu, den autobiographischen Roman aus seinem Autor unter nervenaufreibender Mühe herausgepresst zu haben.Keller bewährte sich als Mensch und Schriftsteller, indem er dem Druck standhielt. Welche Schinderei ihm bevorstand, hatte er 1850 nicht ahnen können. Der Grüne Heinrich wuchs während der Arbeit weit über den geplanten Umfang hinaus. Im selben Verhältnis wuchsen Kellers Ansprüche an die Qualität seines Schreibens und seine Unzufriedenheit mit dem bereits Geschriebenen. Zur schmerzhaften Beschäftigung mit dem eigenen Ich kam die äußere Misere. Die mageren Honorarvorschüssen, die er bezog, zwangen ihn, Schulden zu machen, obwohl er in der teuren Stadt alles andere als ein Schlaraffenleben führte. Trotzdem erfüllte er seine Vertragspflicht voll und lieferte dem Verleger – gegen dessen misstrauische Erwartung – die 1700 Seiten des Romans, allerdings in langen Abständen und unter häufiger Nichteinhaltung gemachter Zusagen, was dem erfolgsgewohnten Großverleger und gewesenen schneidigen Unteroffizier Vieweg als unverzeihliche Wortbrüchigkeit erschien. Vieweg hielt die Lebensgeschichte des grünen Heinrich für ein Meisterwerk. Gleichwohl speiste er Keller mit Anfängerhonoraren ab. Fünf Jahre dauerte der Kampf um Ablieferungstermine, Vorschüsse und Honorarberechnungen, wohl der erbittertste in der Geschichte der deutschen Literatur. In dieser Zeit entstanden als Nebenprodukte des Grünen Heinrich auch mehrere Novellen, zunächst nur in Kellers Kopf; denn der Verleger hatte ihm das Ehrenwort abgenommen, vor Abschluss des Romans nichts anderes zu schreiben.
„Ich habe aber meinem Vieweg doch einen Possen gespielt und, ohne etwas anderes zu schreiben, mir eine wohlgeordnete und und organisierte Produktionsreihe ausgeheckt“, teilte Keller 1854 einem Freund mit. Als der Roman im Frühjahr 1855 endlich fertig war, brachte er das gedanklich Ausgearbeitete in wenigen Monaten zu Papier: den ersten Teil der Leute von Seldwyla, erschienen Anfang 1856 in Braunschweig – bei Vieweg.

Kellers Märchen von Spiegel und der Eule ist eine Eulenspiegelei. Der Schalksnarr Till schlug seinen Mitbürgern Schnippchen, indem er ihre Redensarten wörtlich nahm, Eulen und Meerkatzen buk; der Dichter Gottfried spielte seinem Verleger einen Streich, indem er eine Geschichte ausheckte, vorgeblich nur, um die Herkunft einer Redensart zu erklären. Doch mit hintergründigem, typisch Kellerschem Humor münzte er darin ein Gleichnis auf den Antagonismus von Autor und Verleger: Wie der ausgehungerte Kater dem Hexenmeister sein Leben, so verkauft der bettelarme Autor dem Verleger seine Lebensgeschichte. Dieser spielt im Gleichnis die unrühmliche Rolle des genarrten Narren Pineiß. Das raffinierte Tier ist dem Hexenmeister haushoch überlegen. Es kennt ihn besser als er sich selbst und erzählt ihm die Geschichte vom großen Unglück, das seine Herrin durch Geiz mit ihrer Person und ihrem Reichtum angeblich angerichtet hat. Doch wie erwartet erblickt der Geizige in dem vorgehaltenen Sittenspiegel nicht sein Ebenbild, sondern allein das Gold und die Jungfrau und will beides unverzüglich besitzen. Er erhält es auch richtig, nur dass die Jungfrau sich in der Hochzeitsnacht als alte Hexe entpuppt.

Keller handelte mit Spiegel, das Kätzchen nach althergebrachter Dichter- und Künstlersitte, indem er einen Auftraggeber, von dem er sich schnöde behandelt fühlte, satirisierte. In Erwägung, dass Vieweg ihn nicht öffentlich bloßgestellt hatte, etwa – wie angedroht – durch einen Prozess, tat er dies privat und so diskret, dass es keinem zeitgenössischen Leser auffallen konnte. Eher schien der Spott auf den Autor selbst zurückzufallen, als Richard Wagner, dem die Erzählung ausnehmend gut gefiel, einen Brief augenzwinkernd an: „Herrn Gottfried Keller Stadthexenmeister in Hottingen“ adressierte. Ob Vieweg verstand, wer mit Pineiß gemeint war, ist nicht überliefert. Zwar ging er auf Kellers Anregung, einen illustrierten Separatdruck des Märchens herauszubringen, nie ein, doch schloß er 1856 mit ihm erneut einen Kontrakt über den zweiten Teil der Leute von Seldwyla. Diesen löste Keller 1873 gegen Rückzahlung des erhaltenen Vorschusses samt Zinsen. Die Neufassung des Grünen Heinrich erschien 1879/80 im Goeschen-Verlag, nachdem Keller von Viewegs Nachfolger die restlichen Exemplare der Erstfassung zurückgekauft und im Ofen seines Arbeitszimmers verheizt hatte.

Literatur- und Philosophiegeschichtliches

Spiegel, das Kätzchen lässt sich ohne Kenntnis des biographische Hintergrunds als poetische Erfindung verstehen und genießen, als sei jede Ähnlichkeit mit realen Personen rein zufällig. Das war gemeint, als Keller an Friedrich Theodor Vischer schrieb: „Dieses Märchen ist stofflich ganz erfunden und hat keine andere Unterlage, als das Sprichwort ‚Der Katze den Schmer abkaufen‘, welches meine Mutter von einem unvorteilhaften Einkaufe auf dem Markte zu brauchen pflegte. Wo das Sprüchlein herkam, wußte weder sie noch ich, und ich habe die Komposition darüber ohne alles Vorgelesene oder Vorgehörte gemacht.“ Die Bemerkung „ohne alles Vorgelesene“ ist cum grano salis zu nehmen. Denn offensichtlich verdankt Spiegel seine rettende Idee jener Lügengeschichte, mit der Reineke sich vom Galgen salviert (im vierten Gesang von Goethes Reineke Fuchs). Die Stellung der Erzählung am Ende des Bandes kann als Hommage an Goethe verstanden werden, der seine Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten ebenfalls mit einem Märchen abschloss. Darüber hinaus enthält die Erzählung noch weitere literarische Bezüge. Kellers Berliner Lektüre umfasste ein breites Spektrum der europäischen Erzählliteratur. Welch genaue Stilstudien er am Decamerone unternahm, bezeugt die strenge, altitalienische Novellenform, die er der Binnenerzählung zu geben wusste.[11] Spiegel ist als „honnête homme“ nach dem Ideal der Aufklärung stilisiert, und die ganze Erzählung atmet den Geist dieser Epoche: Verachtung des Aberglaubens, Spott über Hexerei und Zauberwesen, am witzigsten bei der Beschreibung der betrügerischen Umstände, durch die das Schnepfengarn seine Kraft erhält. Der Autor bedient sich der Form- und Stoffelemente von Zaubermärchen und romantischer Erzählung zum Zweck der Persiflage. Ganz im Sinne der Materialisten des 18. Jahrhunderts und seines Heidelberger Lehrers Ludwig Feuerbach ist auch das fabula docet: Nimm einem vernunftbegabten Lebewesen die Grundlagen seiner Ernährung, so verliert es seine Würde und seinen Verstand; gib sie ihm wieder, und zwar ausreichend, so gewinnt es sie zurück. – „Die Geschichte des Katers ist eine amüsant formulierte philosophische Lektion über die materielle Bedingtheit alles Geistigen, ein höchst hintersinniges und unromantisches Märchen also.“

Wie man also lesen kann, ist in diesem Märchen viel mehr als „nur“ ein Katzenmärchen, aber selbst wenn es nur mit kindlichen Augen gelesen wird ist es ein Lesevergnügen erster Klasse und für Katzenliebhaber – einfach ein MUSS!

Falls jemand das Märchen kaufen möchte, hier