Buchempfehlung

Es dauert zwar noch, aber trotzdem: Die Zeit rennt. Und wer sich bisher noch keine Gedanken über ein (Weihnachts) Geschenk gemacht hat, dem kann ich hiermit eventuell auf die Sprünge helfen. Ist zwar lediglich geeignet für Katzen – oder Hundefreunde, aber die lesen hier ja hoffentlich alle mit. Funktioniert aber auch für einen selbst, wenn man das Tierheim Hannover unterstützen möchte. Hilfe in Form eines wirklich  gelungenen Buches, das gefüllt ist mit Zeichnungen, Fotos und abwechslungsreichen Geschichten und Gedichten rund um die Katz. Oder rund um den Hund, da es eine weitere Ausführung ums Thema Hundesch(w)ätzchen gibt.

P.S. Eine der Geschichten im Katzensch(w)ätzchen stammt von mir. 😉 Patricia machte mich seinerzeit auf eine Ausschreibung aufmerksam und obwohl ich lange überlegte, da Zeilenbegrenzungen eingehalten werden mussten, dachte ich, dass „meinen“ Hafenkatzen somit ein Denkmal gesetzt werden könnte und wir mit einem Schlag gleichzeitig ein Projekt unterstützen würden – wenn meine Geschichte denn überhaupt angenommen wird. Sie wurde angenommen und musste trotzdem ein wenig gekürzt werden. Ihr stellt es hier ebenfalls an gewissen Längen ständig fest:  Das Herz quillt über, wenn ich berichte.

Die Fehler des Herrn von und zu Guttenberg begehe ich  hoffentlich nicht, somit:

Zitat: „Es ist soweit: das beim BOD-Verlag neu aufgelegte Buch  „Katzenschwätzchen“ ist fertig.  Wir hoffen, dass es Ihnen in der neuen Aufmachung mit den farbigen Fotos gefällt. Auf der Homepage www.chrisbienert.de/Katzenbuch.htm  können Sie sich bereits über das Buch informieren. Für Ihren uneigennützigen Einsatz zugunsten des Tierschutzes bedanken wir uns herzlich. Es bestätigt sich immer wieder: Wo sich viele Kräfte bündeln, kann auch etwas erreicht werden!  Das konnten wir schon bei der Erstauflage:

„Katzensch(w)ätzchen“ feststellen: Bislang konnten weit über 700 €  von uns an das Tierheim Hannover gespendet werden und kommen dem Neubau des Katzenhauses zugute.

Ebenfalls beim BOD-Verlag erschienen ist übrigens das Buch „Hundeschwätzchen“ www.chrisbienert.de/Hundebuch.htm. Aus diesen Einnahmen wird ein Teil der Kosten für die Unterbringung von Toby, einem schwer vermittelbaren 12-jährigen Westhighland Terrier im Tierheim Hannover aufgefangen. 200,- € sind für die ersten verkauften Exemplare überwiesen worden. Sollte Toby hoffentlich doch noch erfolgreich an umsichtige Menschen vermittelt werden können, wird das Geld einem anderen schwer vermittelbaren Hund zugute kommen.Sowohl über den Neubau des Katzenhauses als auch über den Hund Toby können Sie sich auf der Homepage des Vereins informieren (www.tierheim-hannover.de).

Das neue „Katzenschwätzchen“ ist zum Teil schon bei Internetbuchhandlungen erhältlich und  wird in Kürze auch in allen Buchhandlungen vor Ort bestellbar sein. Es wäre toll, wenn Sie dann in Ihrem Umfeld ein wenig Werbung dafür machen könnten, gern auch für das „Hundeschwätzchen“. Je mehr Bücher verkauft werden können, desto mehr steht für Tierschutzprojekte zur Verfügung. Und das ist ja unser aller Ziel.“ – Zitat Ende

Würde mich freuen, wenn Ihr verlinkt! Normalerweise muss oder sollte ein Autor hergehen und Werbung in  Buchhandlungen machen.Wenn es gut läuft auch Lesungen halten. Aber das kann ich nun wirklich nicht! Problem ist die Angst vor Menschen, die mich „anstarren“ würden und erwarten…  Nicht mein Ding, lieber mit Dreck auf Hosen und Händen, aber  ohne Worte.

Im Sinne von Toby und weiteren Maßnahmen, die somit dem Tierschutz zugute kommen: Danke.  Die Autoren bekommen keinen Cent – und das ist gut so!

Danke und liebe Grüße an Euch!

Hoher Besuch!

Den bekamen wir an diesem Wochenende, und ratet mal von wem?

Präsident Obama? Nein.

Queen Elisabeth? Nein.

Kleiner Tipp: Zum Glück kein menschliches Wesen. 😉

Sind hier Mäuse drin?

Es waren Tiffys Babys, deren Frauchen übers Wochenende nach Kiel musste. Wie ein dummer Zufall es wollte war auch die Nachbarin verreist. Die erwachsenen Katzen des Hauses, Lilly und Jule, sind alt genug und vernünftig, sie teilen sich ihr Trockenfutter drei Tage lang ein. Aber wie soll das mit zwei ständig ausgehungerten Katzenkindern klappen? Das geht gar nicht.

Jedenfalls war von Anfang an klar, dass Tiffys Babys jederzeit hierher zurückkommen könnten, und drei Tage lang als Besuch, bedeutet eine Ehre für mich. Claudia brachte die Findlinge Donnerstagabend zu uns und konnte sich kaum trennen. „Tja“, sagte ich, „jetzt hast du ähnliche Gefühle wie ich sie hatte, als ich die Zwerge zu dir brachte.“ Aber Claudia verstand mich von Anfang an, weshalb ich ihr die Minitiffys ja auch anvertraute.

Claudia hatte zuerst Bedenken, dass sich Coco und Maya ängstlich verhalten würden. Dass sie nicht aus der Box heraus wollen oder sich sofort verstecken. Aber wir gingen gleich in das bewährte Katzenzimmer, das noch immer der feinste Abenteuerspielplatz für Miezen bedeutet. Ich gab mein Vorhaben, den ehemals hellen Teppich zu reinigen, längst auf – der kann nur noch raus. Von daher gab es bekannte Gerüche wieder zu entdecken und überhaupt ist man inzwischen gewachsen, schafft es mit einem Sprung aufs Sofa, auf die höchste Ebene des Kratzbaumes und mit Leichtigkeit bis in die Spitze des Ficus Benjamini. Der drohte bereits an diesem Abend umzukippen, weil entweder Coco oder Maya in seinem Wipfel hing. Nun ja, es sollte auf alle Fälle lustig werden.

Coco und Maya sind mächtig gewachsen, konnten ihr Gewicht inzwischen verdreifachen, haben alle Unannehmlichkeiten, wie Impfungen und Wurmkuren, hinter sich. Was geblieben ist, ist ihre Anhänglichkeit, ihr Zutrauen, ihr unverwechselbares Wesen  – und ihr Appetit.

Sobald es Fresschen gibt, sind sie nicht zu halten. Das haben sie zwar mit allen gesunden kleinen Katzen gemein, aber wenn ich auf sie heruntersah, wie sie quietschend auf mich zuflitzten, mit verzweifeltem Blick, so stand mir jedes Mal der eine tatsächlich verzweifelte Moment vor Augen. Der Moment, in dem sie mich fanden.

Der kleine Ficus war ungeeignet, somit musste eine Palme her, die ich aus dem Schlafzimmer holte.

Vögel jagen auf dem Balkon

DAS ist ein Stamm, der einem Baum wesendlich ähnlicher sieht. An dem konnte man viel besser klettern und seine langen Blätter sind geeignet, vom obersten Plateau des Kratzbaumes aus nach den langen  herabhängenden Blättern zu jagen.

Wir tobten viel mit Angel und Klappermäusen, wir gingen auf den Balkon, wo es viele Vögel zu sichten gab und die Findlinge schafften es sogar eine schlafende Hündin zu hintergehen, weil sie unbedingt auch auf dem Sofa im Wohnzimmer liegen wollten. Maya ist übrigens Sportfan, denn während ich im Katzenzimmer mit Coco herumtobte, saß Maya lieber beim Herrn des Hauses auf dem Wohnzimmertisch und schaute gemeinsam mit ihm Formel Eins…

Pssstt, muss mich konzentrieren, mache gerade Pipi im Topf!

Wir schmusten  sehr viel, weil die Beiden beinahe ständigen Menschenkontakt suchen – und wir dachten viel an Tiffy. Sobald Maya müde ist, nuckelt sie nach wie vor an sich. Es ist vielleicht weit hergeholt zu glauben, dass Maya in solchen Momenten an ihre Mutter denkt, aber wer kann das Gegenteil beweisen? Auf jeden Fall  waren es Momente, in denen ich sehr intensiv an sie dachte. Tiffy wird nie vergessen und ich vermisse sie täglich, da ich weiterhin die Futterstelle versorge, aber es ist nicht mehr das, was es war. Es wartet dort keine der Katzen. Sie kommen irgendwann, wenn es dunkel ist. Von daher denke ich oft, dass Tiffy eventuell kein verwildertes Tier war. Sie war scheu, aber viele ausgesetzte Katzen  entsinnen sich an ihren Urinstinkt, sobald sie auf sich alleine angewiesen sind.

In deinen Kindern lebst du weiter

Es wird noch eine Diashow folgen, weil es für diesen Bericht viel zu viele Fotos gibt.

Tiffys Babys (1)

Den beiden umwerfenden Minimädels geht es bestens:

Da sie von ihrer Mutter Tiffy und gleichzeitig von einem Schutzengel, der die Größe eines Adlers haben muss, bewacht werden, so verwundert es nicht, dass sie bereits ein Zuhause finden konnten. Heute machten wir uns auf den Weg, dorthin wo Haus, Garten, verstehende, einfühlsame Menschen und  zwei spanische Samtpfoten  auf ihre Adoptivkinder warteten. Zu zwei ungefähr zweijährigen Siamkatzen aus einer spanischen Tötung gingen sie, die ihnen hoffentlich, speziell jetzt in der Prägungsphase,  noch viele Verhaltensmaßregeln beibringen werden.

Zu Tiffys Babys gibt es noch eine Menge zu sagen, und ich werde in der kommenden Woche berichten. Mit einem lachenden und einem weinenden Augen, da die vergangenen Tage einer Achterbahnfahrt glichen. Das alles bleibt, wie man so schön sagt, nicht in den Kleidern hängen, da Erlebnisse, Emotionen, Gefühle einen  Menschen prägen.

Worum es mir heute geht ist die Trauer.  Nicht weil ich herunterziehen möchte, wobei  es doch über so viele schöne Dinge zu berichten gäbe.  Das Thema hat einen Grund und ist nicht an den Haaren herbei gezogen. Trauer und trauern in Verbindung mit verstorbenen Menschen UND Tieren. Trauer aufgrund Hilf – und Machtlosigkeit, und dem Recht der Trauernden. Mittlerweile bin ich alt genug, um mehr als eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchlebt zu haben. Es gibt kein hilfreiches Rezept gegen Trauer, man muss lediglich im Laufe der Jahre für  und mit sich lernen, damit man mit diesem unerklärbaren Zustand umgehen kann.

Letzten Sonntag hatte ich eine Phase, in der ich nichts  spürte oder mein Körper nichts mehr spüren wollte.  Ich weiß nur, dass ich dachte mich nie wieder bewegen, nie wieder aufstehen, geschweige denn zur Arbeit gehen zu können.  Ich weiß warum, aber niemand anders. Ich dachte an Tiffy und ihre Welpen, die ich bis dato nicht finden konnte und wie oft uns sinnlose Steine in den Weg geworfen werden. Niemand verstand mich und  all das bringt ja auch nichts, denn es muss weiter gehen. Ich erinnerte mich an die Hündin Luca, die ich 2008 vermittelte. Sie war seinerzeit in Spanien aus einem fahrenden Auto geworfen worden und kam als ängstlicher, total verstörter Hund zur Finca Lucendum. Obwohl ein schwierig gemachter Hund, so ist sie weiß und flauschig. Selten hatte ein Vierbeiner dermaßen viele Interessenten wie Luca. Ich verlor regelrecht den Überblick. Eine von Lucas Interessenten war eine Frau, die ehrenamtlich als Trauerbegleiterin tätig ist. Wir redeten lange, auch weil meine Mutter kurz zuvor verstorben war. Die Interessentin gab während des Gespräches zu, ein schlechtes Gewissen zu haben, da sie, wie so viele andere,  auf einen weißen, flauschig aussehenden Hund reagierte. Warum nimmt sie sich nicht einen alten, seit Jahren übersehenen?

Wie gesagt, das Gespräch und einige weitere dauerten, aber sie taten irgendwie beiden Seiten gut. Die Trauerbegleiterin bekam Hündin Luca nicht, aber sie schickte mir „Das Recht der Trauernden“.

Und da ich mt dem Schreiben anfing, als es mir nervenaufreibend auf den Keks ging, dass niemand zuhört oder kaum jenand verstehen kann, so stelle ich heute für alle, die aufgrund eines verstorbenen Hamsters, einer Katze, eines Hundes, eines Menschen oder, oder, Probleme mit dem „Verstehenwerden“ haben, seine Rechte ein.  Jeder muss seine Verarbeitungsphase durchleben dürfen, und als Wegweiser für alle, das hier:

Aus „Grundrechte – ein Manifest“

von Ulrich Schaffer

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Du hast das Recht du selbst zu sein und grenzenlos zu denken
*************************************************

Du hast ein Recht auf deine Trauer.
Du darfst dich deinen Verlusten widmen,
musst nicht verdrängen, was dich beschwert.
Du hast ein Recht, das abzutrauern,
was dich so tief enttäuscht hat
und was du nicht ändern kannst.

Du hast ein Recht auf deine Tränen,
auf dein Schweigen,
auf deine Ratlosigkeit,
auf deine innere und äußere Abwesenheit.
Du musst nicht den Glücklichen spielen,
nicht über den Dingen stehen.

Du hast ein Recht, die wegzuschicken,
die dich mit Gewalt aus deiner Trauer
herausholen wollen, weil deine Trauer
sie selbst bedroht.
Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit.

Du hast ein Recht,
mit denen nicht reden zu wollen,
die dir ein schlechtes Gewissen machen
für deine Dunkelheit und Trauer.
Die mit Sprüchen kommen
und dich mit diesen Sprüchen
unter Druck zu setzen versuchen.
Du hast ein Recht auf deine Trauerstille.

Du hast das Recht, dich zu wehren
gegen die, die Dir sagen,
was du fühlen darfst und was nicht,
die Dich nicht als einzelnen,
sondern als Fall behandeln
und sich innerlich nicht wirklich
mit Dir einlassen.

Vielleicht macht Dich nichts so menschlich
wie Deine Trauer.
Über sie kann ein Trauernder sich Dir nähern
und auf Verständnis hoffen.
Trauern zu können ist eine Gabe.
Lass Dir das Recht auf Deine Trauer
nicht nehmen.


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Du hast das Recht, zu zweifeln,
zu verzagen, die Fassung zu verlieren.
Es ist kein Zeichen von Stärke,
immer stark zu sein.
Es ist kein Zeichen von Schwäche,
schwach zu sein.
Vielleicht ist nur der Glaube des Zweifelnden
ein lebendiger Glaube, weil er sich aussetzt.
Wer sich nicht verunsichern lässt,
lebt in einer Burg mit dicken Mauern.
Das Leben erreicht ihn nicht,
und er erreicht das Leben nicht.
Weil du mitten im Leben stehst,
hast du das Recht, unsicher zu sein.
Es spricht für dich,
du bist im Werden.

Alle Antworten zu haben
heißt meistens, Antworten zu haben,
die zu keinen Fragen wirklich passen.


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Du hast das Recht,
dich vor Menschen zu schützen,
die sich verschlossen haben,
die dich nicht verstehen wollen,
die schon meinen, dich zu kennen,
die respektlos mit deiner Meinung umgehen,
die dir sagen, was du denken sollst.

Du hast das Recht, dich abzuwenden,
sie stehen zu lassen,
sie nicht mehr einzuladen,
Briefe unbeantwortet zu lassen,
ihre Meinung nicht mehr zu erfragen,
ihren Worten kein Gewicht zu geben,
einen Bogen um sie zu machen
und dich nicht immer wieder zu erklären,
als würdest du sie mit ihrer Entscheidung
nicht ernst nehmen.

Jedes Lebewesen hat ein Recht zu leben

Heute komme ich noch einmal auf das Thema „Jedes Lebewesen hat ein Recht zu leben“ zurück. Man hört es immer wieder, dass Mitmenschen sagen: „Wenn jeder so handeln würde, wenn jeder mit offenen Augen durch unsere Welt gehen würde, dann, ja dann sähe unsere Welt anders und eventuell besser aus.
Die Frage ist, wo fängt man mit offenen Augen an? Im Grunde ist das einfach zu beantworten, da jeder die Möglichkeit dazu hat. Es ist völlig egal, wo und wie man etwas tut. Man muss es nur tun und keine Angst vor Blicken oder „schlauen“  Sprüchen haben, denn meist ist genau das der Knackpunkt, dass man Angst hat und der Mut fehlt. Es ist einem peinlich, denn was sollen die Leute denken? Die Leute denken man sei verrückt, die Leute erzählen das Gesehene eventuell weiter und aus einem Schneeball wird eine Lawine.
Ich hoffe einfach mal, dass jedem Menschen  wenigstens einmal  in seinem Leben bewusst wird, dass jedes Lebewesen, jede Pflanze  einen Sinn ergibt. Dass jeder  Mensch wenigstens einmal in seinem Leben Respekt vor dieser Vielfalt und diesem durchdachten System empfindet. Speziell heutzutage, wo Mensch seine Finger überall im Spiel hat um sich – und nur sich – ständig weiter entwickeln zu können. Ich gebe zu, dass ich einer Zecke oder einem Floh nicht wirklich das Leben retten würde, da sie bei einem anderen Tier lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können. Ich gebe ebenfalls zu, dass ich Genmanipulierten Pflanzen skeptisch gegenüber trete.
Auch wenn es sich bei dem  folgenden Spot um eine  Werbung für Brillen handelt, so hat mich dessen Aussage beeindruckt. Noch besser wäre sie meiner Meinung nach geworden, wenn ein erwachsener Mensch derjenige gewesen wäre, der zu seinem Handeln steht und mit fragenden Blicken verfolgt würde, was ihm, offensichtlich dargestellt, egal  wäre – aber gut, so ist es rührend geworden und der ein oder andere denkt trotzdem nach.
Im Anschluss freue ich mich  „Viktors Größe“  von Patricia Koelle einstellen zu dürfen. Eine Geschichte an die ich sofort denken musste, nachdem ich diese Werbung sah. Sie passt meiner Meinung nach sehr gut zur Aussage und beinhaltet gleichzeitig den Respekt vor unseren Mitmenschen, selbst wenn sie „anders“ scheinen.  Patricia beschreibt somit  zwei wichtige Themen und zusätzlich zwei Erwachsene, die auch ohne Brille sehen …
An diese Kurzgeschichte war nicht einfach heranzukommen, da sie bereits in einem Buch veröffentlicht wurde:

Ich danke an dieser Stelle ganz herzlich Patricia für Ihre Zustimmung, und Dr. Ronald Henss für seine Erlaubnis und Bereitstellung dieser beeindruckenden Kurzgeschichte!
Ansonsten kann ich das Buch „Die Füße der Sterne“ nur jedem empfehlen! Eine Sammlung von Geschichten, die beim Leser ein Wechselbad der Gefühle auslöst, wo sich jeder wieder erkennt und die jeweils  eine Aussage beinhalten, denn  Patricia geht mit offenen Augen durchs Leben und  schreibt anschließend Perlen.
Aber, macht Euch selber ein Bild und ich wünsche Euch allen einen möglichst entspannten Sonntag:

Patricia Koelle

Viktors Größe

Es war so heiß, dass der Asphalt Sorgenfalten warf und mein Schweiß in die staubige Auguststille tropfte. Ich hob die Schaufel nur noch mechanisch. Die ganze Stadt um uns herum schien in einer regungslosen Mittagspause zusammengesunken, doch wir mussten mindestens noch drei Meter graben. Ingmar, der sich vom anderen Ende her auf mich zu arbeitete, hatte seinen Spaten fallen lassen und brachte mir die fünfte Wasserflasche des Tages. Ich schmeckte Sand auf der Zunge und sehnte mich danach, dass an der Uni das Semester wieder begann. Aber ich brauchte diesen Sommerjob. Wir waren dabei, die Mauer zu sanieren, die die Grenze zwischen dem Fabrikgelände und einer Obdachlosenherberge markierte. Dazu mussten wir den Boden am Fundament entlang einen Meter tief ausheben. Ich war froh, dass wir jetzt auf dieser Seite zu tun hatten. Das Grundstück der Fabrik war fast lückenlos zubetoniert, sodass das Hitzeflirren darüber zwar das strenge Gebäude wie eine versöhnliche Illusion erschienen ließ, der Luft aber jede Tauglichkeit zum Einatmen nahm. Um die Herberge hingegen breitete sich ein von jeder Pflege ungestörter Garten aus, der mir wie das Paradies selbst erschien, weil er beinahe grün war und nach den überreifen Äpfeln roch, die im Gras lagen.

Ingmar reichte mir die Flasche und nahm einen tiefen Schluck aus seiner eigenen. „Glaubst du, wir schaffen das noch diese Woche?“ Zweifelnd betrachtete er die Erdberge, die wir aufgeworfen hatten.

Plötzlich weiteten sich seine Augen. Angestrengt sah er über meine Schulter hinweg. „Vorsicht, Ralf!“, sagte er unterdrückt.

Hastig drehte ich mich um, während ein Schatten auf mich fiel. Ich bin mit meinen einsachtzig kein Zwerg, aber um dem Mann, der vor mir stand, ins Gesicht sehen zu können, musste ich den Kopf in den Nacken legen. Hinter meinem Rücken griff ich instinktiv nach meinem Spaten, obwohl mein unerwartetes Gegenüber diesen wahrscheinlich mit einer Hand zerbrechen könnte. Sein zerfranstes Unterhemd ließ keinen Zweifel offen, was seine Muskeln anging, und außerdem war er etwa doppelt so breit wie ich. Er war von unten bis oben tätowiert; Seeschlangen, Meerjungfrauen, Drachen und Haifische stritten sich auf Bizeps, Brust und Beinen um den immerhin beträchtlichen Platz. Durch seine rechte Augenbraue lief schräg eine Narbe. Sie verlieh ihm den Ausdruck, als würde er mich jeden Moment etwas Dringendes fragen. Er zog seine Hose hoch, spuckte über die Mauer und räusperte sich. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Ingmar hinter mir einen Schritt zurück trat.

Der bunte Hüne bückte sich leicht und sah mir forschend ins Gesicht. „Hast du Regenwürmer gefunden?“, fragte er leise.

Ich war so verblüfft, dass ich erst mal einen Schluck aus der Flasche nahm, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

„Du musst doch Regenwürmer gefunden haben!“, sagte er bittend.

Ich konnte mich nicht erinnern, welche gesehen zu haben. „Nein, tut mir leid“, sagte ich höflich. „Willst du angeln gehen?“

„Angeln!“ Kopfschüttelnd ging er an uns vorbei.

Wir sahen ihm nach, während er entlang der Mauer die Erdhaufen untersuchte.

„Macht euch nichts aus Viktor“, sagte eine undeutliche Stimme.

Wir fuhren zusammen.

Am Stamm eines Apfelbaums lehnte ein kleiner, abgerissener Typ und grinste uns zahnlos an. „Der ist zu lang im Knast gewesen. Habt ihr was zu trinken?“

„Nur Wasser“, sagte Ingmar.

Der Typ zuckte mit den Schultern und verkrümelte sich. Wir blieben mit unseren Erdhaufen und Viktors in der Ferne nur wenig kleiner werdenden Silhouette allein.

Ingmar atmete tief durch. „Wir machen Pause“, beschloss er. „Lass uns Eis holen.“

Im Gehen starrte ich auf die Erdhaufen. Kein Regenwurm. Nun ja, es war eben zu trocken.

In dieser Nacht konnte ich nicht schlafen. Nicht nur drückten die Hitze und das Gelärm anderer Ruheloser aus der Kneipe unten wie ein Alptraum, sondern mir ging Viktor im Kopf herum. Wieso Regenwürmer? Sein Gesicht schien im Dämmerlicht dicht vor meinem zu schweben. Im Nachhinein fiel mir auf, dass er sanfte Augen hatte; Augen, die so wenig zu ihm passten wie Regenwürmer.

In den nächsten Tagen ließen wir die Mauer trocknen, verputzten bröckelnde Stellen und strichen sie in ganzer Länge neu. Viktor sah ich in dieser Zeit nicht, obwohl in der Herberge munteres Kommen und Gehen herrschte.

Dann regnete es.

„Hätte das Wetter nicht noch einen Tag warten können?“, stöhnte Ingmar.

Viel Nässe war es nicht gewesen, trotzdem war die Erde, die wir nun wieder in den Graben füllen mussten, um einiges schwerer. Und nicht nur das. Auf einmal entdeckte ich überall Regenwürmer.

Mittags tauchte Viktor auf. Da brannte die Sonne schon wieder, sodass das feuchte Gras zwischen den Herbstblättern dampfte, die der Regen von den müden Bäumen gezwungen hatte. Er stand eine Weile sinnend im kniehohen Nebel und kam dann auf mich zu. Dabei betrachtete er prüfend den Boden, bückte sich gelegentlich und scharrte darauf herum. Ich schaufelte langsamer, ließ ihn absichtlich herankommen. Sammelte er nun doch Würmer, möglicherweise um sie an Angler zu verkaufen? Er ging ein wenig schwerfällig. Die Sohle seines Stiefels hatte sich zum Teil gelöst. Als er nur noch wenige Meter von mir entfernt war, sah ich, dass er einen Wurm aufhob, den ich nicht mit in den Graben geworfen hatte. Er lag auf der Erde, die ich ordentlich festgestampft hatte, und krümmte sich. Viktor grub mit der bloßen Hand ein kleines Loch, in das er den Wurm sorgfältig hineinbettete und behutsam mit der feuchten Erde zudeckte. Er warf einen vorwurfsvollen Blick in meine Richtung. „Sie vertragen doch die Sonne nicht“, erklärte er und beäugte misstrauisch meinen blank gewetzten Spaten.

Sofort fühlte ich mich wie ein Unmensch, der mit scharfer Klinge hilflosen, nackten Lebewesen zu Leibe rückt. Schon möglich, dass ich den einen oder anderen Wurm auf dem Gewissen hatte. Wie viele mochte ich wohl ahnungslos beim Graben halbiert haben?

Viktor machte plötzlich einen schnellen Schritt auf mich zu; ich zuckte zusammen. Doch er schlug nur eine Amsel in die Flucht, die es auf einen Wurm abgesehen hatte. Solange Viktor hier war, würde sie wohl hungrig bleiben müssen.

Wir hatten nur noch einige Meter vor uns. Viktor blieb wachsam in der Nähe, bis wir fertig waren.

Ingmar und ich gönnten uns zum Abschied einen der Falläpfel, während Viktor einen letzten Kontrollgang machte.

„Tschüß, Viktor“, rief ich ihm nach, als wir uns auf den Weg machten. In der grauen Hitzehölle des Fabrikhofs, wo die Sedimente des Stadtsommers sich zu schlammigen Pfützen ballten, wartete die nächste Aufgabe auf uns.

Abends hing ich erschöpft auf meinem Balkon im fünften Stock herum und gönnte meinem Muskelkater ein kühles Bier. Meine Wohnung lag in einem ähnlich grauen Stadtteil wie die Fabrik; eine andere konnte ich mir nicht leisten. Wenigstens hatte ich eine. Wo Viktor wohl schlief, wenn er nicht in der Herberge nächtigte? Ich würde es wohl nie erfahren. Trotzdem verschwand er nicht mehr ganz aus meinen Gedanken.

Als hätte ich ihn heraufbeschworen, sah ich ihn wenige Wochen später wieder, und zwar genau unter meinem Balkon. Zum ersten Mal seit Monaten schüttete es wie aus Kübeln. Die trockene Erde konnte das Wasser nicht schlucken. Es sprudelte aufmüpfig aus den Gullys und setzte die Straße unter Wasser. In der Ferne hörte ich die Feuerwehr. Interessiert sah ich zu, wie der Wirt unten den nassen Kunstrasen aufzurollen versuchte. In diesem Moment entdeckte ich Viktor. Er hatte eine Plastiktüte in der Hand und watete, immer noch im Unterhemd, unter der triefenden Linde herum. Gelegentlich bückte er sich und hob sorgfältig etwas auf. Ich wusste sofort, was es war, holte aber zur Bestätigung mein Fernglas. Wie der alte Herr Bigalke von gegenüber kam ich mir vor, der am Leben nur noch vom Balkon aus teilnahm, doch ich konnte meine Neugier nicht bremsen. Durch das Rohr sah ich auf unheimliche Weise vergrößert wie Viktors ohnehin riesige Hand in der Brühe herumfischte und behutsam blasse Regenwürmer auffing, die der reißende Strom von ihren Löchern fortgerissen hatte, aus welchen sie gekrochen waren, um nicht darin zu ertrinken. Seelenruhig verstaute er sie in seiner Tüte, während die hektischen Menschen auf der Straße Zeit genug fanden, um einen furchtsamen Bogen um ihn zu schlagen. Die Feuerwehr pumpte unterdessen den gegenüberliegenden Keller aus.

In dieser zitternden, brüllenden, brausenden, bunten und großartigen Stadt, die sich mit immer höheren Gebäuden täglich weiter in den Himmel arbeitete und unter der sich Tunnel und Röhren rätselhaft und wirr durch die Dunkelheit schlangen, in der Menschen bekannter und unbekannter Länder friedlich und trunken miteinander Sommerfeste auf den Straßen feierten während um die Ecke Messerstechereien stattfanden und vergessene Kinder in verschlossenen Wohnungen hungerten oder Alte unbemerkt tot auf ihrem Sofa vor dem laufenden Fernseher saßen, in der Stadt, die nie schlief und die sich ausbreitete, als atme sie auf ewig ein, in der Touristen eine Mauer suchten, die es nicht mehr gab und die die Einheimischen aus ihren Köpfen zu verbannen suchten, in denen sie nicht fiel; in der Stadt, in der Museen wiedereröffneten und Kunst aus fernen Kontinenten gastierte, in der Musik und Mode Triumphe feierten, in dieser Stadt kümmerte sich Viktor um die Regenwürmer. Er tat es, als berge er genau das, was ich an dieser Stadt liebte, einfache, alltägliche, manchmal schmutzige und doch unauffällig bedeutsame Bruchstücke Leben, junge Birken mitten auf Gehsteigen, Gesichter von Menschen wie Viktor, verschnörkelte Ornamente an abrissreifen Fassaden, herrenlose Töne in der Nacht. Ich fühlte mich klein und hatte eine plötzliche Vision: wenn sich alle so zärtlich wie Viktor um diese Dinge bemühen würden, könnte Großes geschehen.

Gleichzeitig überkam mich das Bedürfnis, einigen vernachlässigten Erinnerungen und heimlichen Wünschen, die ich bisher für so belanglos wie Regenwürmer gehalten und ebenso ignoriert hatte, in meinen Gedanken endlich ein angemessenes, nicht zu feuchtes und nicht zu trockenes Plätzchen zu suchen, wo sie gut aufgehoben wären.

Zunächst aber zog ich meine Regenjacke an, ließ mir unten am Stand zwei Currywürste einpacken und folgte Viktor durch das nachlassende Unwetter. Er pflügte wie ein Kreuzfahrtschiff durch die Überschwemmung bis in den nahen Stadtpark, in dem Gärtner eine bescheidene Hügellandschaft mit Steingärten geschaffen hatten. Dort gab es trockenere Stellen, die Viktor seinen Würmern schenkte.

Als er die Allee erreichte, holte ich ihn ein. „Hallo, Viktor!“ Ich reichte ihm eine Currywurst.

„Danke“, murmelte er und sah zu mir herunter. Für einen Moment trafen sich unsere Blicke und seine schräge Augenbraue stellte mir eine Frage, die für Worte zu groß war. Er erkannte mich nicht. Warum auch. Ich war nur einer von sehr vielen Menschen, die nicht an die Regenwürmer dachten.

Die Wurst dauerte bei Viktor nur drei Bissen. Dann wandte er sich ab und schritt davon, die Augen suchend auf den Asphalt gerichtet. Seinen Schuh hatte er mit rotem Isolierband geflickt.

Ich überlegte, was er wohl im Winter machte, wenn der Boden gefroren war und die Würmer unsichtbar – ob seinem Leben dann der Sinn fehlte und er aus anderen Gründen vom Sommer träumte als andere Menschen, oder ob er anderes fand, um das er sich kümmerte.

Mit der leeren Tüte in der Hand verschwand er im U-Bahnhof, als sei er wie seine Freunde, die Regenwürmer, bestenfalls unter der Erde zuhause.

Diese Geschichte stammt aus dem Buch

Patricia Koelle

Die Füße der Sterne

Dr. Ronald Henss Verlag

ISBN 978-3-939937-04-3

Die Veröffentlichung erfolgt mit Zustimmung der Autorin und des Verlags.

Glück und Leid der Woche

In dieser, der vergangenen Woche gab es eine gute Meldung: Katze Rocky wurde innerhalb der Familie übernommen!  Sie ist sicher und gut untergekommen und lebt inzwischen vielleicht sogar bei einem ihr vertrautes Mitglied der Familie.

Ein optimales Beispiel, wie es funktionieren kann und sollte. Wie das Leben so spielt: Partner ziehen zusammen, schaffen an, verstehen sich irgendwann nicht mehr und die, in Einigkeit angeschafften Haustiere, Möbel und Erwerbungen müssen untereinander verteilt werden.

In diesem Beispiel ging die Katze mit zum Mann, das funktionierte aus diversen Gründen nach einiger Zeit nicht mehr, aber dennoch wurde der Kopf nicht in den berühmten Sand gesteckt. Es wurde nach weiteren Lösungen im Sinne des angeschafften Haustieres gesucht: Kollegen und Freunde wurden angesprochen,  die ebenfalls nach Lösungen suchten. Befreundete Mitglieder diverser Tierschutzvereine wurden dadurch ebenfalls angesprochen, die Rocky auf HP`s veröffentlichten und ebenfalls nach einer Lösung suchten. All das war nicht nötig, da innerhalb der Familie der Schlüssel so nahe lag, aber besser viel Aufwand um nichts, als andersherum.

Eine Lösung findet sich immer, auch wenn es dauern kann!

Das gegensätzliche Beispiel hörte ich von einem meiner Kollegen, der zu seinem, vor einem Jahr auf der Straße aufgelesenen, Kater nun eine Zweitkatze aufnahm. Diese Katze sollte ausgesetzt werden, weil das Ehepaar sich trennen will und das ihr Vorhaben ohne Umschweife und ohne Rot zu werden, jedem erklärte. Auf meine Nachfrage hin war das Tier weder kastriert noch geimpft. Innerhalb des Lebensjahres bei diesem Ehepaar, war die Katze nicht einmal einem Tierarzt vorgestellt worden.

Tja, wo kommen sie her? All die verwilderten, verhungerten, krepierten  Katzen? Ich komme nicht umhin, dem ersten Beispiel meinen tiefen Respekt zu zollen und auf das zweite Beispiel zu spucken.

Der Dienstag war ein Tag der gut begann und mich kurz danach veranlasste „Verfluchte Scheiße“ zu sagen. Ich teile terminierte Post an Firmen aus und befand mich am Dienstag um 7.10Uhr  gut in der Zeit. Ich fuhr eine Straße entlang, auf der ich vor drei Wochen die kurz vorher überfahrene schwarze Katze gefunden hatte, die von der Katzensuche nach meiner Meldung mitgenommen und archiviert wurde. Ungefähr 500 Meter von dieser Fundstelle entfernt, sah ich am vergangenen Dienstag eine weiß getigerte Katze neben einem Betonpfeiler liegen. Ich fuhr vorbei und hoffte inständig auf eine Halluzination. Diese sind nichts Ungewöhnliches bei mir, denn es kommt vor, dass ich auf einer Autobahn unterwegs bin und einen angeleinten Hund hinter einer Leitplanke stehen sehe. Schnelle Reaktion ist im Vorbeifahren keine Maßnahme, somit in Ruhe überlegen, an der nächsten Ausfahrt heraus, auf die nächste Auffahrt rauf um noch einmal an selbiger Stelle vorbeizukommen. Es war spät abends und zum Glück entpuppte sich dieser angeleinte Hund als eine helle Decke, die sich an besagter Leitplanke verfangen hatte und im seichten Wind wehte.

In oben erwähnter Straße konnte  ich ohne langes Nachdenken wenden, hielt mit einem Fluch auf den Lippen an nächstbester Möglichkeit, doch die Katze war keine Decke. Sie lag auf dem Bürgersteig in einer Stellung, die darauf schließen ließ, dass sie sich nach einer Kollision mit einem Fahrzeug dort noch hingeschleppt hatte.

Fünf Meter daneben, ein zu diesem Zeitpunkt gut besuchtes Frühstücksbüdchen. Gäste, die aus (angeblich) harten Männern bestand, genossen ihren Kaffe und haderten eventuell mit ihrem bevorstehenden Berufsalltag. Niemand kümmerte sich um das verendete Tier! Viel Zeit hatte ich nicht und es gab keine Möglichkeit das tote Tier an eine ruhigere Stelle zu legen, deshalb nahm ich es mit. Und fuhr weiter, die Umstände und diesen grausamen Tod beiseite schiebend.

Später wickelte ich die Katze in ein Tuch und eine Tüte, knipste Fotos und gab die Meldung an die Katzensuche weiter. Zwar hatte ich nach einer nicht vorhandenen Tätowierung gesucht, aber hatte es verpasst nach einem Chip suchen zu lassen. Grober Fehler, der mir beim nächsten Mal nicht passieren wird. Jedenfalls begrub ich die Katze hier in der Nähe, gemeinsam mit Taube Martha.

Taube Martha hat es leider auch nicht geschafft, obwohl ihr Herz noch Jahre dazu fähig gewesen wäre. Nachdem es mit ihr am vergangenen Samstag bergauf ging und sie die Nacht ruhig schlafend verbringen konnte, so verschlechterte sich ihr Zustand am Sonntag. Sie fiel auf die Seite, drehte sich linksdrehend im Kreis und flatterte verzweifelt mit den Flügeln. Bis dahin hatte ich immer noch Hoffnung in der Diagnose des Tierarztes, versuchte aber gleichzeitig Vogelfachkundler zu erreichen, da Fachkundige durch Erfahrung oft Mittel oder Tricks kennen. Ich fand das Stadttauben Projekt Düsseldorf, an das ich schrieb und von dem ich am Montag mit Hinweis auf eine Auffangstation in der Nähe versorgt wurde. Erst gegend Sonntag Abend konnte ich, Dank Corinna,  einen Fachmann telefonisch erreichen, der nach meiner Beschreibung keine Hoffnung gab, denn ein Hirn – Schädeltrauma könne bei Vögeln nie geheilt werden und ich solle das Tier erlösen.

Das war eine Bestätigung und ich hob Martha in den Transportkorb und wir gingen den letzten Weg.

Derselbe Tierarzt hatte Dienst und somit waren wir keine Unbekannten. Er sah sich Martha an und nickte bestätigend. Er gab die Narkosespritze und wir sprachen kein Wort. Nachdem Martha schlief, setzte er die zweite Spritze und obwohl dieses Tier für viele Menschen lediglich eine Ratte der Lüfte ist und ihr unter den besten Umständen der Hals umgedreht worden wäre, so nahm sich dieser Tierarzt Zeit. Er respektierte die Würde dieser Taube. Das beeindruckte mich sehr, weil ich das kaum noch kenne und als das Leben Marthas vorbei war, sagte ich, dass ich das gerne bezahle, da er sich am Vortag schon solch eine Mühe gemacht habe.

„Nein, das passt schon“, antwortete er, „erstens ist es ein Wildtier und zweitens bin ich froh, wenn sich auch andere Menschen kümmern.“

Martha ließ ich erlösen, aber was mich zum Weinen brachte war dieser überraschende Satz eines Tierarztes, der seiner Berufung nicht euphorisch, sondern gelebt nachdenklich und bewusst folgt: „Ich bin froh, wenn sich auch andere Menschen kümmern“.

Ein Satz, der mich täglich im eigenen Denken verfolgt und der zum grausamen Alltag dazugehört, weil sich jeder Schützer, jeder Seher / Finder alleine fühlt.

Somit war diese vergangene Woche eine Gelegenheit, aufgrund der traurigen Tatsachen auch neue Erkenntnisse und neue Bekanntschaften im Sinne der Tiere zu knüpfen. Nachdenkenswert und wieder einmal lehrreich.

Danke an alle, die diese Woche, sämtliche Fälle  und Taube Martha begleitet haben.

Eisbär Knut wollte ich eigentlich nicht erwähnen, denn den damaligen Run um ihn machte ich nicht mit, und wurde erst aufmerksam, als sein Pfleger, im Grunde seine Familie, verstarb.

Trotzdem traf  mich Knuts ebenfalls viel zu früher Tod sehr, weil er bezeichnend ist für Einsamkeit, für falsches Handeln in dieser, unseren  Welt. Bezeichnend auch für Geldgier, da eine, laut Aussage zurechnungsfähige, Eisbärmutter nicht grundlos ihr Kind verstößt.

Ich hörte auch die sich immer wiederholenden  Gegenrufe, dass das alles unwichtig sei, wegen zum Beispiel  Japan , Erdbeben, Tsunami, verstorbener, frierender, hungernder, sterbender  Menschen und unsicherer Atomkraftwerke. Darauf solle man sich konzentrieren und nicht auf einen Eisbären… und schon gar nicht auf eine Taube. Ohhh, wird mir übel!

Das geht auch an mir nicht vorbei! Das belastet mich ebenso, und auch in diesen Gebieten muss Mensch und Tier geholfen werden. Immer wieder ist jedes dieser Geschehnisse –  und wenn es noch so unwichtig erscheint  –  ein globales Problem! Genauso wie die inzwischen vergessen zu scheinende Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Ist die komplett beseitigt, weil in den Schlagzeilen nichts mehr präsentiert wird?

Ich finde keine Worte für all das Elend und tue, was ich kann, denn für all das ist nur die eine Spezies  zuständig : WIR.

Katzen in Not – oder Not macht erfinderisch

Not macht erfinderisch, das ist ein bekannter Spruch. Ob dieses Sinnbild in der heutigen Zeit eher selten oder häufig – wegen viel genannter Wirtschaftskrise – zutrifft, nun, darüber kann man spekulieren, philosophieren oder Statistiken zur Hand nehmen. Oder einfach nur die Nachrichten verfolgen und ihnen glauben, das geht auch.

Ich kann nur von mir sprechen, denn auf meine Katzen und mich treffen die notwendigen Erfindungen zu. Wirtschaftskrise, gute oder schlechte Zeiten –  das interessiert wilde Katzen nicht. Sie müssen etwas zu beißen haben, sonst leben sie nicht lange.

Das alles interessiert auch das jeweilige Umfeld nicht, wo ich wegen guter Wirtschaftslage Paläste für Katzen errichten könnte. Wasserdicht, gesichert, warm und mit sauberem Futter und Wasserangebot bestückt. Wo ich offiziell ein Gelände betreten dürfte, von dem mich niemand herunterschmeißt und wo kein Autofahrer mit Absicht auf sein voluminöses Gaspedal tritt, sobald er ein Katzentier über die Straße laufen sieht. Wo Gift ein Fremdwort ist, wo intelligent gehandelt und das jeweilige Problem an der Wurzel gepackt wird, wo alle zusammen ihren Mitgeschöpfen helfen, wo diese Lebewesen behandelt werden wie Freunde oder zumindest wie die eigenen Haustiere – und nicht wie Dreck.

Ein Traum, wie ich es in einem Märchen beschreiben würde, damit Kinder an das Gute im Menschen glauben.

Ich lasse es, denn ich würde lügen.

Die Erfahrung lehrt, dass kaum eine Katze älter als zwei Jahre ist, wenn sie gefangen wurde und wenn sie bis dato kein Futter bekam. Ich habe in den Jahren höchstens vier alte Katzen oder Kater erlebt, die ohne menschliche Zufütterung älter als zwei Jahre werden konnten.

Nun wollen wir die Population selbstverständlich nicht in die Höhe treiben, deshalb schlagen wir uns die Freizeit um die Ohren und stellen Fallen auf, bringen Tiere zum Tierarzt, holen sie ab, bringen sie bis zur Ausheilung unter, versuchen sie in ein tierfreundlicheres Gebiet umzusiedeln, aber sorgen uns ab Tag des Kennenlernens täglich um eine möglichst machbar gesunde Ernährung.

Selbstredend trifft man ebenfalls täglich auf Gegner, die diesen Mist für Überflüssig und Zeitverschwendung halten. Sollte zwar jedem selbst überlassen bleiben, aber es gibt immer  diese Gutmenschen, die sich angeblich um ihre Mitmenschen sorgen. Die aus bewusst billig bis umsonst errichteten Futterstellen ein Chaos fabrizieren, denen der Kopf fast vom Hals fällt, weil sie aus dem Schütteln nicht mehr herauskommen. Diese Gegner, die sich anscheinend verfolgt fühlen, weil sie irgendwann von schwarzen Katzen und deren angeblich böser Stärken hörten. Diese täglich auftauchenden, jederzeit austauschbaren Gegner, die denn doch viel lieber nur an sich denken, an sich und ihre innig  geliebte Familie, die so sehr unter Not leidet, dass kein Platz für Verständnis, oder mal bewusst nach links oder rechts zu sehen, übrig bliebt. Nein, das geht gar nicht. Nicht in der damaligen Zeit und auch heutzutage nicht. Wirtschaft, Krise oder nicht.

Deshalb konkretisiere ich hier auch keinen Standort, denn diese Futterstellen können an jedem Hafen sein. Erst vor ein paar Tagen sprach ich mit „dem Chinamann“. Er ist ein alteingesessener Mechaniker, der eine Motorradwerkstatt betreibt und den kastrierten Kater seines Vorgängers übernahm. Ein vorbildliches Verhalten, wie ich finde, zumal das Tier regelmäßig geimpft wird. Dieser Kater stammt aus einem Tierheim, ursprünglich gegen Mäuseplage angeschafft. Dieser Kater besitzt eine Katzenklappe zur Werkstatt, Decke, Futter, Wasser und Fürsorge. Ihm geht es gut, wenn man ihn kennt. Er läuft im Hafengebiet herum, wie andere wilde Katzen oder Kater. Er saß auch schon einmal treuherzig  in einer Falle und wenn man sich vorab nicht interessiert hätte, weil man die Katzenklappe in der Werkstatttür gesehen hatte und nachfragte, dann wäre zahmer, zivilisierter Kater eventuell festgehalten und vermittelt worden. Also leben solche Menschen gutgläubig, weil (ohne Vorurteil) vielleicht Buddha ein Auge auf den Kater wirft?

Ich besuchte den Chinamann vor ein paar Tagen, da ich seinen Kater seit längerer Zeit nicht gesehen hatte.

Doch, dem würde es gut gehen, nur im vergangenen Jahr musste er dreimal mit ihm zum Tierarzt, weil es ihm sehr schlecht ging. Die jeweilige Diagnose: Er hatte Gift zu sich genommen.

Das lässt mich diesen ziemlich bösen Beitrag schreiben, weil ich einfach die Schnauze voll habe und dennoch ist es sinnlos. Jeder gelungene  Tag ist ein glücklicher Tag und wenn selbst ein gut genährter zahmer Kater Gift aufnimmt und nur  durch seine Verbindung zum Chinamann überleben  kann, was ist mit den wilden Katzen, die sich nicht zeigen, wenn es ihnen schlecht geht? Die verrecken, die verrecken elendig und diese besserwisserischen Monster, diese Verursacher, diese Giftausleger bekommen davon genauso wenig mit wie ich. Nur, ich mache mir Sorgen, wenn ich Katzen vermisse und ich finde sie eventuell, weil ich wie ein Indianer durch Gebüsche kriechen, über Tore und Zäune klettern muss,  weil diese Monster das so wollen. Versteht IHR das nicht? Was wollt IHR erreichen?

Vor drei Jahren ging bereits ein Gerücht um und in jedem Gerücht steckt ein Körnchen Wahrheit. Nicht nur ich schrieb das Hafenamt an, auch Frau N. telefonierte. Die Antworten waren immer die gleichen: „Gift? So etwas würden wir nie tun!“ Sollte diese Aussage stimmen, dann sind es Firmen, die eigenhändig und ohne Strafe so etwas tun. Schleichend, unauffällig und versteckt. Feige und Nichtsnutz!

Im ach so tierlieben  Deutschland ist es nicht viel besser als zum Beispiel in Bulgarien, von dem das vorhin beschriebene Buch handelt. In Bulgarien geht es mit Hunden zu, wie es im ach so tierlieben Deutschland bereits  seit Jahren mit Katzen zugeht. Sie fallen nur nicht so „lästig“ auf!  Nicht nur in Bulgarien werden Hunde gefangen, kastriert und wieder ausgesetzt. Es werden Futterstellen eingerichtet, um die sich die angeblich dämlichen Idioten kümmern. Hier sind es seit langem die Katzen, die bisher nicht alle zivilisierten Menschen stören, lediglich einige. Nur einige, die sich bei Arbeitszusatz winden und den armseligen Kopf in den Sand stecken. Die sich dennoch ohne Auftrag  verpflichtet fühlen Katzen zu bekämpfen, damit… ja warum eigentlich? Sind das schlaue Leute, die sich auskennen? Womit kennen sie sich aus? Oder sind das die wirklich, wirklich dummen Menschen, die engstirnigen, die sich belästigt fühlenden, sobald ein Kindergarten in ihrer Nähe eingerichtet wird?

Ich weiß es nicht, und ich möchte mich heute auch nicht weiter aufregen. Das kommt wieder früh genug, spätestens am Montag, nachdem meine Wochenendvertretung, in Form des Herrn L., Bericht erstattet hat, welche Katzen er sah, wie viel Futter und so weiter.

Eigentlich wollte ich von „Not macht erfinderisch“ schreiben und von Taschenwärmer, die ich von Christine geschenkt bekam. Acht Stück, die sie preiswert bei Ebay ersteigert hatte und von denen sie meinte: „Damit kannst du bestimmt was anfangen.“

Ja, konnte ich und nachdem ich auf den Trichter kam, sind diese Taschenwärmer nun unverzichtbar. Jeder Taschenwärmer beinhaltet ein halbrundes  Metallstück. Das muss man knicken und sofort verfestigt sich das bis dahin flüssige Wachs, wird formbar und warm. Gefüllte , schwere Futterschale sofort auf das Wachs gedrückt, so nimmt es die Form an.

Eine unglaublich gute Erfindung, denn diese kleinen viereckigen Teile halten, bei momentaner Witterung oder bei noch tieferen Temperaturen, Futter warm! Zwei davon unter eine große Schale gedrückt und passt. Ich bin begeistert, zumal sich jeder Taschenwärmer ungefähr 500 Mal verwenden lässt. Natürlich nicht einfach so, da hilft weder Gott noch Buddha. Da muss Mensch aktiv werden, Hölzchen mühevoll aneinanderreiben, Feuerstelle entfachen  und täglich ein frisches Süppchen kochen. Ein Taschenwärmersüppchen braucht zehn Minuten mit kochendem Wasser und schon ist das Wachs wieder bereit, Wärme abzugeben und Futter zumindest für eine Stunde in annehmbaren Zustand zu halten.

Aber auch das passt, denn Katzen sind alles, nur nicht dumm. Selbst wenn eine neue Futterstelle eingerichtet wurde, spricht sich das schnell herum. Eine Stunde Wärme. Mensch muss pünktlich sein, denn Katzen sind es garantiert  – auch ohne Uhr.

Buchempfehlung

Vor drei Wochen bekam ich von Heike ein Buch geschenkt und ich bin ihr nicht nur wegen des Geschenkes dankbar, sondern weil dieses Buch eines meiner Buchfreunde werden konnte. Weil es ist, wie es ist, weil sich eigene Erlebnisse, Erfahrungen und Antipathien damit verknüpfen, sie bestätigen und weil es in einer bemerkenswerten Form geschrieben wurde, von der ich bisher noch träume.

Letzten Sonntag  klappte ich es zu, denn es war gelesen. Trotzdem kann ich mich nicht trennen und blättere immer wieder die Seiten durch, lese Passagen, bei denen ich viele Taschentücher verbrauchte, lese intensiver und nicht oberflächlich um den Fortgang der Geschichte schnellstmöglich zu erfahren.

Ein sehr intensives und überzeugendes Buch über den Tierschutz, bei dem die Autorin Hannelore Rodrian es durchgehend schafft, dem Leser die Tatsachen  vor Augen zu führen, ohne sentimental zu werden. Es sind harte Tatsachen, brutale Gegebenheiten, die täglich nur alleine in Bulgarien geschehen.

Anhand dreier Hunde, Nelson, Liesa und Maxima, verdeutlicht Hannelore Rodrian nicht nur die Schicksale, den unbändigen Lebenswillen dieser drei Hunde, sondern verdeutlicht gleichzeitig wie Menschen agieren, die sich entweder aufgrund persönlicher Probleme „Tierschützer“ nennen, oder ohne Wenn und Aber, mit Haut und Haaren, einfach weil sie bestimmt wurden, Tierschützer sind.

Das alles erzählt sie in einer gut zu lesenden Geschichte, die einen roten Faden, die ein oder andere versteckte Anklage beinhalten, aber  das weinende Auge auch  wieder zum Lächeln bringt. Weil sie ehrlich über ihre eigenen Gefühle schreibt und weil sie ehrlich die Gefühle der Mitstreiter beschreibt, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ohne zu vertuschen oder ein wichtiges, schlimmes Thema – einen unglaublichen Zustand – schönzureden und schon gar nicht dramatischer darstellt. Weil sie  eigene, persönliche Zweifel ehrlich anspricht, die jeder kennt aber möglichst verdrängt.

Somit ist dieses Buch  auch für Leser geeignet, die sich zwar für das Thema Auslandstierschutz interessieren, aber bislang aus vielfältig verständlichen Gründen  eine Abneigung hegen. Es gibt auf jeden Fall einen Einblick in den Hintergrund, auch wenn ich zugebe, dass man innerlich gewappnet, dass man in der Laune „Ich will es wissen“ sein muss, bevor man anfängt zu lesen.

Der Erlös fließt uneingeschränkt in die Tierschutzarbeit der vier Tierheime in Bulgarien, und auch das rechne ich der Autorin hoch an.

So nah am Regenbogen