Das siebenmeilengestiefelte Katzenbaby – Lisbeths Tagebuch (2)

Gerade 48 Std. ist Lisbeth hier und ich habe das Gefühl kaum mit ihr mithalten zu können. Gestern waren meine Animationen zum Spielen mit einer Angelmaus, die auch noch piepst, ja schon interessant und sie machte ein wenig mit, allerdings nur ganz ganz zaghaft und tief im Schatten ihrer Höhle. Am frühen Abend dann verließ sie vorsichtig ihr Höhlchen um sich umzusehen und ein wenig mit den Bällen zu spielen. Zurückhaltend aber interessiert schaute sie sich alles an, was so an ihrer Bude vorbeilief, schlich, rannte oder einfach nur ging. Nachdem alles soweit erkundet schien, kletterte sich auf ihr Kratzbäumchen, wo sie sich in der Kuhle einrollte, ausgiebig putzte und dann den restlichen Abend mit schlafen und beobachten zubrachte. Sie empfindet Ginihund augenscheinlich nicht als Feind, sie reagiert neugierig. Ausgerechnet das Verhältnis zu Gretchenkatze startet allerdings holprig: Gretel faucht aus der Ferne und weiß mit dem kleinen Ding im großen Zelt nicht so recht was anzufangen.

Die Gretchenkatze. Ginihund kennt ihr ja schon, jetzt habt ihr von beiden Helfern ein Bild vor dem inneren Auge. Bitte beachten: Gretel gähnt hier nur ungeniert, ist also nicht am fauchen. Das Gähnen sieht übrigens auch gefährlicher aus ...

Lisbeth reagiert ihrerseits auf beide sehr gelassen, neugierig und aufgeschlossen, auch wenn die Katze faucht, oder der Hund wild wedelt und aufgeregt herumrennt. Die größte Scheu zeigt sie vor Menschen, erst recht, wenn man direkt auf sie zugeht.

In der Nacht Altbekanntes: Futternapf plündern, spielen, Klo benutzen. Außerdem hatte sie sich das Deckchen, welches sie am Vorabend aus ihrer Höhle geworfen hat und ich daraufhin oben auf dem Kratzbaum ausgelegt habe, wieder heruntergeangelt und mit in die Höhle reingenommen. Das fand ich extrem niedlich.

Heute war ich den Tag über unterwegs und als ich dann am frühen Abend nach Hause kam, habe ich wieder mit dem Animationsprogramm begonnen. Lischen erkannte die Maus vom Vortag sofort wieder und traute sich beim Spiel sogar aus ihrer Höhe heraus um danach zu angeln.

Ich habe eine zweite, unbekannte Angel dazu genommen, was zur Folge hatte, dass sie sich zurückzog. Nach dem Motto: Ich spiel mit nix, was ich nicht kenne. Doch keine zwei Minuten später, hatte sie verstanden, dass das bunte Ding etwas Ähnliches wie die piepsende Maus sein musste.

Sag doch gleich, dass das auch zum Spielen ist

Lisbeth ist zwar scheu, kriegt aber auch schnell mit, jedenfalls bei Gegenständen, wovon eine Bedrohung ausgeht und was harmlos ist.

Nachdem wir einige Zeit gespielt haben, dachte ich mir, dass es Zeit für was Leckeres ist. Auch hier hat sich gezeigt, dass Lisbeth unheimlich schnell auf Neues reagiert. Zuerst habe ich den Thunfisch in eine kleine Plastikschüssel gegeben. Das erste und zweite Mal ist sie nur schnell hingehuscht und hat sich sofort zurückgezogen um die erbeuteten Brocken zu verspeisen. Um zu sehen wie sie auf Mensch mit lecker Futter drauf reagiert, habe ich einen einladenden Brocken Thunfisch auf die Hand genommen und vorsichtig vor dem Höhlenausgang „ausgelegt“. Lisbeht mag aber Mensch auch nicht mit Futter drauf, sie hat gefaucht und versucht sich das Futter von meinen Fingern runterzuschießen, ich war aber schnell genug und habe den Fisch im Napf plaziert. Sie hat danach nahtlos direkt am Napf gefressen.

Lisbeth frisst vor meiner Nase aus dem Napf

Als dann der Napf mal wieder leer war ist sie einfach zum Futternapf gestiefelt  und hat ihre dritte Abendmahlzeit direkt vor meiner Nase eingenommen, statt bis in die Nacht zu warten. Tja und dann fand sie es schön zwischen den Hapsen echtem Abendessen ein bisschen Thunfisch zu naschen.

Hand mit Thunfisch drauf = schlecht, aber Hand, die Löffel mit Thunfisch drauf hinhält = gut!

Irgendwie war danach das Eis wieder ein ganzes Stück weit eingerissen, denn sie hat sich danach einige Stunden nicht mehr in ihre Höhle zurückgezogen, sondern weiter die Box erkundet, zu ende gefressen, getrunken, Klo benutzt, sich mit ihren ganzen Spielsachen beschäftigt, Hund beschnüffelt und vor allem:  hat uns beobachtet und mehrfach gemauzt. Ein ganz kleines piepsiges Stimmchen, ein richtiges Miau muss das erst noch werden, aber es war eindeutig zwei Mal an die Außenwelt adressiert.

Und jetzt ist es ganz ruhig da drin, sie schläft tief und fest, wie es Katzenkinder tun, wenn sie einen aufregenden Tag mit vielen neuen Eindrücken hatten.

Bei mir haben sich auf jeden Fall die logistischen Fragen verlagert; so überlege ich weniger was ich tun könnte, um das Eis zu brechen, vielmehr befürchte ich, dass Lisbeth es recht eilig hat aus der Box rauszukommen und einen weiteren Teil der Welt zu erkunden. Sie ist unheimlich neugierig und aufgeweckt und fängt an gezielt Kontakt aufzunehmen.

Ich bin schon gespannt, wie weit wir morgen Abend sind!

 

 

 

Wochenbericht der Minitiger

Hier nun der Anfang eines regelmäßigen Wochenberichtes der Minitiger, denn der Begriff Tagebuch war echt zu hoch gegriffen. Es gibt viel zu viele Häufchen aufzusammeln und viel tut sich innerhalb eines Tages in punkto Tiger  nicht. Nicht  in einem Käfig, den weder ich noch die Minitiger mögen.

Aber Fortschritte können wir verzeichnen, vor allem was die eindeutigen Charaktereigenschaften von Emmy und Maxi anbelangen. Achso, genau, Namensgebung war ebenfalls ein Schritt in die Zukunft, wobei ich die eben genannten Eigenschaften zu Rate zog.

Maxi hat sich schon nach einer Woche maximal entwickelt. Sie lässt sich streicheln und klammert sich an meine Hand, sobald es Futter gibt und sich Langeweile breit macht. Sie mit der Hand hochheben geht auch schon. Sie ist vorwitzig, interessiert an jedem Geräusch, jeder Bewegung, aufmerksam, animiert ihre Schwester zum Spielen und freut sich des Lebens. Mit anderen Worten: „Das Leben ist toll und ich nehme es, wie es ist.“

Emmy ist das Gegenteil. Beide leiden immer wieder unter Durchfall, aber Emmy besonders. Bei ihr wurde letzte Woche ein stärkerer Wurmbefall festgestellt, der sie logischerweise etwas schlapp macht. Sie ist die ruhigere, in menschliche Gefühlswelten verlagert würde man sagen: „Die nachdenkliche, die das Leben schwer nimmt.“

Rechts Emmy, links Maxi.

Sie scheint ihre Mutter zu vermissen, denn Emmy war es, die in der Dachkammer bei „Gefahr“ sofort zu ihrer Mama auf die Fensterbank sprang und den Kopf unter Mamas Bauch versteckte.

Ich verstehe das, wir arbeiten dran, denn Emmy liegt mir besonders am Herzen. Wenn sie Hunger hat (und den haben zum Glück beide  ständig), dann guckt sie mich an und faucht. Nach und nach wechselt das Fauchen (seit heute) zu einem leisen Minitigermiauen, dabei guckt sie mich an und scheint zu überlegen: Freund oder Feind?

Links Emmy und rechts Maxi. Emmy trägt  langhaarigen Look und fällt durch ihren traurigen Blick auf, der verschwindet sobald es Fresschen gibt. Manchmal mag sie nicht mehr, aber Reste kann Maxi nicht sehen. Somit die perfekte Ergänzung.

Ich akzeptiere ihr Misstrauen und lasse sie in Ruhe. Emmy muss den Anfang wagen, genau wie Maxi. Sie sieht unverständlich aber interessiert zu, wenn sich ihre Schwester Maxi dem Menschen „hingibt“, aber das ist in Ordnung, denn wir haben Zeit.

Den Hasenstall stellte ich vergangenen Dienstag um, bastelte ein Regal auseinander, damit der Käfig am und in Höhe des Fensters steht. In einer Ecke mögen sich Hamster wohl fühlen, aber keine Katzen.

Ab dem Zeitpunkt konnten Emmy und Maxi aus dem Fenster schauen, wenn sie sich auf die Transportbox legten, was sie auch taten. Montag war übrigens auch der Knackpunkttag, wo sie sich umsahen und sich nicht nur in ihrer Höhle versteckten. Eine Zeit von Samstag bis Montag = Zwei Tage bis zur Akklimatisierung.

Nun ist eine Woche vergangen und es wurde langweilig in dem Hasenstall. Bot er anfangs eine sichere Unterkunft, so hatten zwei Minitiger die vorhandenen Zentimeter schnell ergründet. Sie akzeptierten das kleine Reich, denn nur in der ersten Nacht gab es Ausbruchversuche. Ab Montag wurde nach dem Abendessen miteinander gespielt, der Wassernapf umgeworfen und nachts  Häufchen verteilt. Das dargebotene Spielzeug ist immer noch interessant, aber da muss es doch verdammt noch mal mehr im Leben geben!

Somit räumte ich heute das Badezimmer um und einen Kratzbaum hinein. Ein Garten fehlt mir, aber zumindest ist das Bad groß, für unreine Katzen tauglich und besitzt ein großes Dachfenster.

Den kompletten Hasenstall stellten wir hinein, installierten eine Kamera, machten alle Törchen des Stalles auf und verschlossen die Tür.

Es dauerte keine Minute.

Klar, Maxi machte den Anfang, ging aus dem geöffneten Törchen. Emmy machte es Maxi nach und nachdem das Bad inspiziert worden war, hörte man Gepolter. Also, die Minitiger tobten sich aus.

Ein Versuch der Annäherung misslang, selbst Maxi war im Freifieber, denn eine Tatsache, was „Wildkatzen“ anbelangt, lautet: Bist du an einem anderen Platz, dann bist du ein Feind.

Der Spruch ist von mir, niemand braucht zu googeln, aber er stimmt. Von daher ist eine Annäherung, was fremde, gut meinende Menschen anbelangt, sehr schwierig. Irgendwie muss man immer wieder von vorne anfangen, denn gleicher Mensch am falschen Platz löst Misstrauen aus. Was ist mit falschem Mensch an falschem Platz? Derjenige wird nie eine verwilderte Katze sehen.

Selbst meine Katzen und Kater von diversen Futterstellen handeln genauso. Kater Micky, den ich auf den Arm nehmen kann, humpelte stark. Ich wollte ihm helfen, ihn zum Tierarzt fahren. Aber da er durch sein Schlupfloch nicht durch kam, musste ich mit dem Auto um Zaun und Gelände fahren. Dort angekommen humpelte er fort, hinein in das sichere Dornengestrüpp: „Dich kenne ich nicht!“

Ich kroch ihm vorsichtig lockend nach, aber irgendwann war Ende für mich und Micky unerreichbar. Ich sagte, dass wir es morgen erneut versuchen werden, aber ab dem Tag war Micky zwei Wochen lang verschwunden. Jeden Millimeter untersuchte ich, wie ein bunter Hund rannte ich auf dem Speditionsgelände herum – kein Micky.

Bereits traurig fast abgeschrieben, stand er nach zwei Wochen vor mir. Immer noch humpelnd und zum Hungerhaken abgemagert. Ich weiß nicht, ob man solche Fälle mit „Heiland gesehen“ vergleichen kann, aber ich dachte wirklich an so etwas.

Micky bekam sein Futter, ließ sich knuddeln und dann – ab in die Transportbox und in Eiltempo zum Tierarzt.

Wir kamen zur Notfallzeit an, aber die Tierärztin drückte ein Auge zu und berechnete diese Zeit nicht. Das war ihr Beitrag zum Tierschutz. Micky wurde behandelt wie ein wilder Kater, mit Handschuhen und Vorsicht, aber all das war kaum nötig. Der alternde Micky genoss das regelrecht und als wir zurück fuhren, mit Antibiotika und Schmerzspritze intus, da fand er das recht interessant, stieg anschließend aus der Box, strich mir um die Beine und hatte Hunger. Verständlich, nach zwei Wochen Abstinenz.

Was eine Transportbox anbelangt, so kann ich für diese Fälle nur die „auch von oben zu öffnenden“ empfehlen. Eine misstrauische Katze mit Front in eine Höhle stecken klappt äußerst selten.

Bestandsaufnahme der letzten zwei Wochen: Ich wurde vor ein paar Tagen von einem Mitarbeiter einer Aluminium Recycling Firma (auch am Hafen) angesprochen, dass Babykatzen auf dem Hof gesichtet worden seien. Dort konnte die Mutterkatze von Frau N. nachts eingefangen werden, was aber nicht wirklich gut war, denn der behandelnde Arzt bat, dieses Tier sofort wieder heraus zu lassen, da es noch Kleine säugt.

Gesagt getan, kurz nach dem Aufwachen aus der Narkose,  und man stelle sich eine frisch operierte Katze vor, die in derzeitiger Kälte ihre Jungen versorgt. In einem gesichteten Erdloch, in Dreck und menschlicher Hektik, was diese Firma anbelangt…

Ansonsten sind es (nach „Aufräumung“ im April) erneute acht Katzen und drei Kater gewesen, die, bisher unbekannt, in den letzten zwei bis drei Wochen gefangen und kastriert werden konnten. Wenn man die beiden getigerten Zwerge, also Emmy und Maxi dazu rechnet, kommt eine Vermehrungszahl, bei jeweils nur zwei überlebenden Katzenkindern, von 32 Katzen in einem Jahr hinzu.

Futterstellen habe ich in diesem Hafengebiet nun sechs an der Zahl. Klar, diese Katzen haben bisher auch ohne Versorgung überlebt, aber wenn man diese mageren Knochen sieht und der Winter steht vor der Tür, dann kann und muss man etwas ändern.

So, ich bin ins Schwafeln geraten, hoffe es war nicht langweilig, aber das ist so, wenn man den Platz dazu hat und das Herz überquillt. Maxi und Emmy nehmen das Bad auseinander, anschließend verkrümeln sie sich in ihrer gewohnten Box. Gleich ist Raubtierfütterung angesagt.

Der schwarze Schatten – Lisbeths Tagebuch (1)

Lisbeth ist gestern Mittag heil in Mettmann angekommen und hat zuerst einmal die Kreisverwaltung besucht, wo sie im Liegenschaftsamt darauf gewartet hat, dass ich sie mit dem Auto abhole. Da Donnerstagabend erst wirklich klar wurde, dass Lisbeth als Pflegling zu mir zieht und schon Freitagmittag der Umzug stattfand, mussten wir dann gestern Nachmittag erst einmal zum Fressnapf und haben Kätzchen-Necessaires besorgt. Kurz entschlossen bin ich dann noch bei meiner Haustierärztin vorbei gefahren, die Lisbeth erst einmal in Augenschein genommen hat.

Ratet mal, wie Lisbeth reagiert hat? Jawoll, sie ist ausgebrochen und hat in der Praxis einige Runden gedreht und lustige Verstecke entdeckt, die laut Tierärztin noch kein anderer Pelzling gefunden hat. Die TÄtin ist so ruhig und vorbildlich geblieben, dass sie bald wieder eingefangen war und dann haben wir beschlossen direkt zu Impfen, Schutz ist eben Schutz. Lisbeth hat einigermaßen sparsam geguckt, weil sie zum Impfen in den gefährlich klingenden „Zwangskäfig“ kam. Der wurde schmal geschraubt und während sie sich quasi noch wunderte wo der Platz hin ist gabs dann auch schon die Spritze in den Popo.  Ansonsten wurde sie bewundert, für niedlich und augenscheinlich gesund befunden und auf Mai / Juni 2010 geschätzt.

Ich habe für Lisbeth ein neues Trockenfutter mitgenommen, Royal Canin Calm, das für Tiere in Stresssituationen konzipiert ist, alles auf natürlicher Basis. Das mische ich ihr nach und nach unter ihr Feuchtfutter. Lt. TÄtin besteht aber keine Gefahr, dass sie dadurch für „normales“, also günstigeres Futter „verdorben“ wird, das ist denke ich wichtig für Lisbeths Suche nach einem endgültigen Zuhause.

Zuhause angekommen kam Lischen in ihre Hundetransportbox, samt Box in der sie gerade untergebracht war, da ich sie daraus nicht hervorschütteln wollte. Außerdem hat sie in der großen Hundehütte einen kleinen Kratzbaum mit Liegefläche oben und Schlafhöhle unten, ihr Toilettchen, ihre Näpfe und als „Bewegungsmelder“ habe ich noch zwei kleine Spielbälle ausgelegt.

Lisbeths vorübergehendes Zuhause mit Dackel als Größenmaß

Den ganzen Abend lang hat Lisbeth in ihrer Transportbox verbracht. Ich habe zwei Mal mit der Taschenlampe vorsichtig hineingeleuchtet, um zu überprüfen, ob es ihr nach dem Stress des Tages einigermaßen gut geht. Beim zweiten Mal habe ich die Impfstelle sehen können, die offensichtlich geschleckt aussah. Brennt ja auch meistens, diese Impferei.

Kurz bevor wir schlafen gingen huschte sie dann unbemerkt in die Schlafhöhle hinüber und ich habe ihre Transportbox entfernt. Die Nacht war anstrengend, weil meine Hündin Gini (Dackel-Cocker) immer das Gegenteil von satt ist und neben der Neugierde, wer da jetzt in ihrem Häuschen wohnt auch noch den starken Drang verspürte, Serenaden auf das Katzenfutter im Häuschen von sich zu geben. Sprich, sie hat die ganze Nacht gemault.

Am Morgen dann (ein bisschen wie Weihnachten) Bestandsaufnahme, wie beim CSI rekonstruieren, was in der Nacht geschehen ist: Lisbeth hat den Katzenfutternapf geleert, geradezu gesäubert, ihr Katzenklo benutzt und: Ihre Spielbällchen muss sie auch durch die Gegend geschossen haben, denn sie lagen an ganz anderer Stelle, wo sie nicht nur durch vorsichtiges Rollen hingekommen sein können.

Dann als wir heute beim Frühstück saßen, huschte Lisbeth aus ihrem Häuschen und setzte sich einen kurzen Moment hinter ihren Kratzbaum. Gini rannte sofort hin und schnüffelte aufgeregt, aber Lisbeth hat sich nicht sofort, sondern nach einer Weile erst wieder in die Höhle zurückgezogen, wo sie dann einige Minuten damit beschäftigt war, sich die darin befindlichen Handtücher und Decken zurechtzuscharren.

Lisbeth nachdem sie es sich gemütlich gemacht hat

Lisbeth im neuen Heim die 2.

Jetzt ist erstmal kleine Katzenruhe, aber  schon der erste Tag hat gezeigt, dass Lisbeth ein wunderschönes und normales kleines Katzenmädchen ist, mit allem im Kopf, was kleine Katzenmädchen eben gerne machen. Und wie alle Mädchen kann sie auch Naschereien nicht widerstehen, wie das folgende Bild beweist.

Schleckermäulchen auf der Suche nach einem Minzdrop

Während  ich das schreibe schaut sie sich übrigens wieder vorsichtig in ihrem Heim um. Dabei möchte ich sie aber nicht fotografieren, um sie nicht zu verschrecken.

Das war der erste Teil von Lisbeths Tagebuch.

Ich möchte an dieser Stelle übrigens noch einmal Sabine ganz herzlich danken, für all die Mühe und das Herz und für die Erfahrungen, die ich mit Lisbeths Pflege machen darf.

 

 

 

Hurra, schwarzer Schatten hat eine Pflegestelle gefunden!!

Diese umwerfend gute Nachricht  muss ich loswerden!

Eine inzwischen sehr wertvolle Freundin, die ich durch ein Kurzgeschichtenforum  kennen lernte, las den Bericht über die kleine schwarzweiße, wilde Katze vom Dachboden.

Ich nannte den Zwerg  inzwischen Daisy, aber seit heute hat sie einen anderen Namen, den ich vergessen habe, aber Namen sind eh Schall und Rauch. Viel wichtiger ist, dass Christine sich anbot,  „Ex Daisy“ ein vorübergehendes Zuhause zu bieten.

Aber nicht nur das,  Christine hat die Möglichkeit, die kleine Ex Daisy  in einer Art Welpenlaufstall unterzubringen, wo selbst ein kleiner Kratzbaum Platz findet, bis sie aufgetaut ist und am Alltag teilnehmen möchte. Dabei helfen, werden Katze Gretchen  und Hündin Gini. Ich hoffe sehr, dass es klappt und der  kleine Faucher solch ein Alltagsleben annimmt und für sich selbst akzeptiert. Dazu gezwungen wird schließlich keiner.

Ex Daisy ist heute in ihrer Pflegestelle angekommen (der glückliche  Zufall wollte es wohl so, dass wir nicht weit voneinander entfernt wohnen), und nun harren wir mal der Dinge – und warten auf Fotos und Berichte.

Solch traurige Fotos

wird es  in Punkto vier Monate junge, scheue Miez bestimmt nicht mehr geben.

Unterwegs  gab es bei einem kurzen  Stop einen weiteren Kampf mit einer Tierärztin, die es wagte  Ex Daisy zu impfen. Dieser Gang wurde, Dank der Pflegestelle, in einem Rutsch nach Übergabe erledigt, damit kein zusätzlicher Stress –  wie ein erneutes, unfreiwilliges Muss  in eine Transportbox –  vermieden werden konnte.

Tausend Dank, Christine und Manuela! Das ist ein großer Beitrag zum Tierschutz!

Tagebuch der Minitiger 17.10.

Minitiger haben gut gemampft, gehen aufs Klo (so eine Überraschung) und versuchen nachts auszubrechen.

Ansonsten verstecken sie sich in ihrer  Box und blinzeln ängstlich vor sich hin.

Durchfall scheint nur noch eine von beiden zu haben, womit das Antiwurmmittel bereits Wirkung zeigt. Noch lasse ich sie in Ruhe, aber bald wird gearbeitet.

Mein altes Schneckchen (ebenfalls vom Hafen und immer noch scheu) mag junges Gemüse nicht und faucht. Schade eigentlich, da speziell sie Lebensweisheit weiter geben könnte. Aber, kommt Zeit, kommen vielleicht auch Ratschläge. Abwarten und Wasser trinken.

Tagebuch der zwei Minitiger

Da sich ein oder zwei gute Plätze für die beiden Minitiger finden soll/muss, dachte ich, dass ein Tagebuch angebracht ist, weil ich selber noch nicht weiß, wie sich der Stand der Dinge entwickeln wird.

Tagebücher gibt es zuhauf, auf Facebook und auf Homepages, wo erzählt wird, wann, wo und wer sich mit wem getroffen hat. Ich denke, dass zwei wilde Minitiger auch einiges zu erzählen haben, was bisher eventuell noch nicht bekannt ist.

Nun denn, somit lege ich mal los, muss vorab allerdings eine Art Vorwort loswerden, das die Situation erklärt:

In (nur) einem Hafengebiet, in einer Nordrheinwestfälischen Stadt, leben unzählige wilde  Katzen, deren Vorfahren vor ungefähr dreißig  Jahren von  Öl,  Mehl oder Tierfutter produzierenden Firmen angeschafft wurden, zum Kampf gegen Ratten.

Dreißig Jahre, und nie wurde auch nur eine dieser Firmenkatzen sterilisiert, niemand dachte darüber nach, dass sich Katzen und Kater zweimal pro Jahr vermehren und  dass das Ausmaß irgendwann nicht mehr abzuschätzen ist. Meldete  sich ein Mitarbeiter, der nachdachte und Vorschläge hinsichtlich der zu vermindernden Population unterbreitete, hieß es, dass er ein Problem habe und selber kastriert werden müsse.

Irgendwann gab es diese Röhren zu kaufen, die sich praktisch, unauffällig und einfach an jede Hauswand legen lassen und mit Rattengift bestückt werden können. Irgendwann gab es komplette Abschottung und Vergasung „im Hause“. Neue Lebensmittelbestimmungen untersagten den Aufenthalt von Tieren.

Die Augen wurden verschlossen, es wurde weder nach links noch nach rechts geschaut, denn Arbeitsverträge beinhalteten oft eine  Klausel, dass Katzen nicht versorgt werden dürfen! Die Tiere waren immer noch anwesend, denn dreißig Jahre mal zweimaliger Vermehrung im Jahr, mit jeweils wenigstens vier Nachkommen….

Sterben sie nicht eines unnatürlichen Todes, aufgrund brausender LKW oder aufgrund Krankheiten, die niemand beachtet, schon gar nicht behandelt, dann leben sie weiter, mehr schlecht als recht, denn wo Ratten und Mäuse chemisch bekämpft werden, gibt es keine Nahrung für Katzen.

Versorgung durch Tierschützer verkommt oft zu einer Nacht und Nebel Aktion, man kann froh sein, wenn Futterstellen – wo man begutachten kann, ob unerwünschter Nachwuchs oder kranke Tiere anwesend sind – nicht entsorgt wurden!

Ich stelle keine unwissenden Thesen in den Raum, denn das sind gesammelte  Informationen und eigene Erlebnisse, wobei mir die Informationen nach und nach die Augen öffneten. Hinzu kommen eventuell  ausgesetzte und unkastrierte  Katzen oder Kater, die in einem Hafengebiet eine spannende Umgebung vorfinden. Dank der alten Gebäude gibt es immer wieder einen Unterschlupf.  Nur ein Ende, ist nicht abzusehen.

Am 16.Oktober 2010 kamen sie zu uns, die beiden Minitiger. Nachdem ich nach einem Käfig suchte, bot mir eine Bekannte einen großen Hasenstall an, den sie auf den Sperrmüll werfen wollte. Ich nahm ihn mit, packte ihn in den Keller, erst einmal überlegend. Für die drei Zwerge vom Dachzimmer musste sich etwas ändern – aber was?

Sie sind alle drei sehr scheu, von wild will ich nicht sprechen, da sie gerade erst  geschätzte drei Monate alt sind. Sie kennen keine Menschen, nur ihre Mutter und Freiheit.

Die Freiheit… so passend, wie sie für Katzen auch sein mag, hier ist der Fall etwas komplizierter. Im Alter von drei Monaten kann keine Katze sterilisiert werden, da ihre Eierstöcke noch gar nicht so weit entwickelt sind. Wird in diesem Alter oder etwas später operiert, kann das zu allgemeiner, fehlerhafter Weiterentwicklung führen. An selbiger Stelle heraus lassen, entwickeln und aufwachsen lassen, ist auch kein guter Gedanke, da die meisten Katzen niemals zweimal in eine Falle tappen und weiterhin unnahbar bleiben. Somit würde der Zahn der Zeit seine Arbeit leisten und diese drei würden erwachsen, einen Kater finden, würden trächtig, zweimal jährlich vier Junge werfen usw. usw.

So, also die drei Kleinen vom Dachzimmer wurden heute einer Tierärztin vorgestellt. Ich rief gestern an, meldete drei „wilde“ an und bekam gleich einen separaten Termin. Das war toll… muss mal überlegen, ob nicht all meine Tiere plötzlich wild geworden sind.

9.45 Uhr bedeutete (samstags) frühzeitiges Aufstehen, da nicht abzuschätzen war, wie lang oder kurz der Einfang dauern würde. Es ist immer wieder schlimm mit anzusehen, wie die Tiere im Zimmer herum flitzen, vor lauter Panik. Da heißt es viel Ruhe bewahren, sich langsam bewegen, wenig und leise sprechen und nicht noch mehr Hektik verbreiten. Die beiden kleinen getigerten gingen recht schnell in die Transportboxen, da sich ihr auserwähltes Versteck hinter Bilderrahmen befand. Offene Box auf die eine Seite, vorsichtig gedrückt von der anderen und schwups waren sie drin. OK, das erst, nachdem sie im Zimmer einen Marathon absolvierten.

Bei der schwarzweißen genauso, bei ihr kam allerdings wütendes Fauchen hinzu.

Die Tierärztin stellte bei der kleineren getigerten, und sich ruhiger benehmenden, starken Wurmbefall fest. Bei der anderen nicht so extrem, und die schwarzweiße ist eh eine starke Miez und bereits einen Monat älter.

Somit Ergebnis: Alles Mädels, drei und vier Monate jung, mit Milchzähnen bewaffnet und von Ungeziefer befreit. Trotz frei geboren, sind  alle drei gesund und die jeweiligen Herzchen klopfen sprichwörtlich wild.

Die Stubenreine schwarzweiße, vier Monate jung, von der ich hinter Gitter endlich ein Foto von vorne knipsen konnte, musste wieder zurück ins Dachzimmer, da bisher kein anderweitiger Platz für sie gefunden werden konnte.

Eins nach dem anderen, so traurig es auch ist.

Die beiden getigerten sind, wie gesagt, nun bei mir und ich muss schauen, was nun wird. Ihren  Durchfall, der aufgrund der Behandlung bald nachlassen wird, kann ich nun innerhalb des Käfigs beseitigen und muss nicht während der Pause dünne, überall verteilte Häufchen aus einem  Zimmer entfernen. Am allerliebsten legten sie ihre Häufchen neben die Tür, so dass sie einer Art Wasserbombe glichen, sobald man das Zimmer betrat. Ich denke, das war Absicht. 🙂

Nachdem diese Aktion erledigt war, mussten die schwarze und die getigerte, kastrierten und ausgeheilten Katzen, die sich vorübergehend ebenfalls im Dachzimmer aufhielten,  in ihre Heimat entlassen werden.

Keine Chance sie anderweitig unterzubringen. Wirklich wild, Angst, Angst, Angst und bereits ungefähr ein Jahr alt. Sie versteckten sich hauptsächlich auf dem Schrank, wo es galt die Koffer und Tüten beiseite zu räumen.

(Hier sieht man links in die Ecke gedrückt, einen schwarzen Popo…)

Kurz nach  Einfang dieser beiden folgte ein eventueller Bruder an  selbiger Stelle, der ebenfalls schwarz ist, ungefähr ein Jahr alt,  und in ein bis zwei Tagen in seine Heimat entlassen werden kann. Er verbringt seinen Heilungsprozess in einer großen Hundeflugbox, aber auch er möchte nichts anderes, als seine harte Freiheit.

Die vorsichtige Jagd begann.

Die getigerte ließ sich nach einigen gefährlichen Sprüngen vom Schrank auf den Boden, hinüber zum Fenster und wieder zurück, überreden, in die offen gehaltene Box zu steigen. Die schwarze tat das gleiche, nur extremer. Sie wirbelte das halbe Zimmer durcheinander, sprang vom Schrank in jede mögliche Ecke, natürlich immer schneller, als Mensch reagieren kann. Ich bewundere diese federnden Fähigkeiten, trotzdem musste man sehen, dass man logischer dachte. Es dauerte, aber auch sie stieg nach einer Weile oben auf dem Schrank in die offen stehende Transportbox.

Wir fuhren sie zum Hafen, in ihre Heimat, sprachen mit dem Firmeninhaber einer nahe gelegenen KFZ Werkstatt und trafen auf einen, was Katzen anbelangt, entspannten Mann. Er hatte die Katzen zwar nicht vermisst, sie würden bei ihm auch nicht gefüttert, aber hin und wieder würde er sie in der Halle auf dem Stapel Kartons sehen. Seitdem sie da wären, hätte die Firma keine Rattenprobleme mehr, also könnten sie bleiben.

Wir zeigten dem guten Mann die beiden Katzen und er meinte, sie wieder zu erkennen. Ich durfte sie an dem Stapel Kartons frei lassen, was ich tat und wo ich jedes Mal Bauchschmerzen verspüre, weil es wehtut, vor allem, wenn man an Winter und Eiseskälte denkt. Da gibt es nichts, von wegen gemütlich auf einer Heizung liegen und Futter in Zimmertemperatur kredenzt bekommen. Meist wird  das Futter in dieser Zeit in Minutenschnelle zu einem Eisklumpen, oder im Sommer von Fliegen überfallen!

Kaum war das Gitter geöffnet, gab es zwei Sekunden Bedenkzeit, aber man merkte vorher schon, als man die Boxen aus dem Auto holte, dass Tiger und Schwarz wussten, wo sie sind. Sie gehören in die Freiheit, denn so schnell konnte man kaum gucken, wie fix sie in der Dunkelheit verschwunden waren.

Der schwarze Kater wird genau so handeln. Ich wünsche den Dreien alles Glück, das sie benötigen um gesund überleben zu können.

Ein gutes Zeichen ist die überraschende  Loyalität des Firmeninhabers. Ich werde mich näher mit ihm befassen, er wird mich nicht mehr los. Ich werde versuchen eine Futterstelle einrichten zu können, die innerhalb des Firmengeländes trocken und sicher stehen können wird.

Soeben ging an einer anderen Stelle im Hafen eine schwarzweiße Katze oder Kater in die Falle. Wird zum Tierarzt gebracht und untersucht. Kastrationen zahlen wir mittlerweile aus eigener Tasche…

Die Tierhilfe Rhein -Main möchte  ich hier dankend erwähnen, da sie mir Gutscheine in Höhe von 300 Euro bis zum Ende 2010 zur Verfügung stellte.

Danke, liebe Gilla, für dieses Vertrauen und diesen Geldregen im Sinne der Tiere, die Grenzen nicht kennen! Leider ist schon alles verbraucht und wir müssen abrechnen.