Kater Tommy sucht ein Zuhause

Ja, der Kater Tommy, der auch vom Himmel fiel und plötzlich in einer Falle saß.

Er ist ungefähr sechs Monate alt und lebte mit zwei gleichaltrigen schwarzweißen Katzendamen  und der getigerten, noch säugenden Mutterkatze  zusammen auf einem Firmengelände. Auf diesem Gelände wird weder gefüttert noch sich gekümmert, lediglich aufgepasst und zugegeben, auch das ist viel wert.

Jungkatzen wurden gesichtet, die vorher nicht da waren. Die Mitarbeiter machten es richtig und sprachen mich darauf an. Den Umweg über komplizierte Telefonate mit einem gesuchten Tierschutzverein oder Tierheim nimmt  „Ottonormal“ ungern in Kauf, doch in diesem Fall fahre ich täglich berufsbedingt zu dieser Firma und es hat sich herum gesprochen, dass ich mich kümmere…

Tommy wurde kastriert und bekam eine Wurmkur verpasst. Aber er gab sich definitiv anders, als viele andere und ließ sich streicheln, brach nicht in Hektik aus, sondern nahm die Gegebenheiten locker hin. Somit kam man ins berühmte Zweifeln. Wohin mit ihm? Will er wieder raus, an seine angestammte Stelle? Ja oder Nein? Anscheinend nicht wirklich.

Im ersten Moment wurde er zur Ausheilung in der Dachkammer untergebracht. Als seine schwarzweißen und im Zimmer wild umher hetzenden  Katzenfreundinnen wieder heraus  gelassen worden waren, überlegten wir  weiter. Tommy alleine im Dachzimmer lassen und ewig auf ein Zuhause warten… wir sind Tierschützer.

Unsere Heike nahm ihn auf, da Pepitos Bruder inzwischen vermittelt werden konnte und somit ein Platz bei ihr frei war.  Somit sind beide nicht alleine und sie verstehen sich. Tommy ist zu vergleichen mit Lisbeth, Maxi und Emmy. Die Zeit muss reifen und Geduld ist gefragt. Tommy ist somit noch keine Knutschkugel, die macht, was Mensch gerne hätte.

Heike gibt sich wie immer viel Mühe und Dank ihr ist auch dieses Video zustande gekommen, wo der noch zurückhaltende  Tommy und der selbstbewusste Pepito in Aktion angesehen werden können.

Weitere  Berichte werden folgen.

Wochenbericht der zwei Minitiger oder – Emmy, der Charakterkopf

Und wieder verging eine Woche im Eiltempo, mit Entwicklung, Freude,  Leid und Geschehnissen.

In dieser Woche besuchte ich meinen Tierarzt nur einmal – und sogar alleine. Lediglich mit einem Döschen in der Tasche, das Kotproben der beiden Minitiger enthielt. Diese Proben wurden verrührt, mit Wasser vermischt und unters Mikroskop gelegt, oder so ähnlich, jedenfalls ließ die süffisant lächelnde Diagnose des Tierarztes nicht lange auf sich warten: „ Doch, doch, sehr interessant, was ich da alles sehen konnte.“

Und, wie gesagt, er lächelte sein Lächeln. Da weiß ich nie so genau: Nimmt er mich auf den Arm? Ist alles halb so wild? Oder wie jetzt? Jedenfalls hielt ich meine Geldbörse fest umschlungen und flehte sie an, Euros zu produzieren.

Nun ja, die Ursache des ständigen Durchfalles dürfte geklärt sein, denn Emmy und Maxi beherbergen immer noch einen halben Zoo in ihrem Inneren. Trotz damaliger Wurmkur per Spritze sind es Spulwürmer, Bandwurmeier und irgendetwas mit Kok…

Das Wort konnte ich mir nicht merken, da ich mir Menge der Gaben, Dauer und zwischenzeitliche Pausen der drei Mittel, die ab sofort verabreicht werden sollten,  einhämmern musste. Er schrieb jedoch alles auf einen Zettel, wobei ich die Schrift sogar entziffern kann.

Kok… suchte ich bei Google und es sind böse Kokzidien.

Bei Wikipedia wird neutral und emotionslos beschrieben, doch ich machte den wiederholten Fehler und schaute weiter, bei „Wer weiß was“ und in verschiedenen Katzenforen. Vor einiger Zeit, als ich vorsichtig wegen Gebärmutterentzündung und Nierenversagen suchte, schwor ich, niemals wieder auf solchen Seiten zu lesen. Ich kam zu dem Ergebnis, dass man schwermütig bis hin zur Selbstaufgabe wird, dass es Grummeln im Magen und Juckreiz verursacht, da es in diesen Erfahrungsberichten und Laien – Ratschlägen grundsätzlich um Leben oder Tod, und um schlimme Übertragungen auf den Menschen geht. Meist Erfahrungsberichte über falsche Diagnosen, wobei die jeweiligen Tierärzte an den Pranger genagelt werden.

Ein Zwischending fand ich nie, aber mein erster Schritt führt immer zu einem studierten Fachmann. Ein zweiter Fachmann würde eventuell eine andere Behandlungsmethode wählen, aber das sagte selbst mein Tierarzt. Dass er zu einem Lehrgang musste und die Teilnehmer vorab Fallbeispiele diagnostizieren sollten und er fragte mich: „Was glauben sie, bei zehn Teilnehmern, wie viele unterschiedliche Diagnosen gab es?“

„Hm, zehn?“

„Genau!“

Ich zog mit Baycox, Panacur und Milbemax von dannen. Sollte sich nach dieser Therapie immer noch keine Besserung einstellen, müssten die Minitiger noch einmal persönlich vorbei kommen (ja, dann mal los mit euch), die Katzenklos dreimal pro Woche heiß auswaschen und möglichst in Quarantäne halten.

Obwohl Emmy die Kämpferin ist und auch draußen mit Sicherheit nicht verhungern würde, so war sie diejenige, der untergemischtes Baycox so gar nicht mundete. Somit ist sie trotz allem eine Feinschmeckerin und spuckte die Hälfte mit scheinbar langen Zähnen wieder aus. Baycox besteht aus einer milchigen Substanz, die für zwei Katzenwelpen und drei Tage lang mit 0,25 ml verabreicht werden soll. Ich versuchte es mit Thunfisch, mit Whiskas, mit Sheeba – aber Emmy mochte nicht wirklich. Maxi haute rein, auch Emmys Anteil, obwohl ich die Teller jeweils  hin und her schob, damit  jeder Tiger seine Ration bekam.

Drei Tage lang Baycox, anschließend Panacur, ein paar Tage Pause, Wiederholung mit Baycox… bis dahin lesen wir uns.

Die heutige erste Gabe von Panacur, gegen die hartnäckigen Würmer, war einfach zu Händeln. Eine halbe Tablette für zwei Katzenwelpen zermörsert auf zwei Teller verteilt, gemampft, auf Wirkung warten und hoffen. Emmy musste sich übergeben,  aber erst Stunden danach.  Emmy…

Was Emmy anbelangt, so ist sie kaum noch eine harte Nuss, sondern ein Charakterkopf den man einfach nur akzeptieren und lieb haben muss.

Mit Speck fängt man angeblich Mäuse, mit gegrilltem Hähnchen tatsächlich die schwierigsten Katzen und mit Katzenpudding Klein – Emmys.  Sie ist immer noch unsicher und versteckt sich hinter erlernten Ratschlägen ihrer Mutter. Sie faucht, aber das Fauchen vermischt sich mit Freude, und sie wandelt zwischen Mögen und Abwehr. Komme ich ins Badezimmer, ist erst einmal Flucht und Freude angesagt. Einerseits um die Welt zu sehen, andererseits um endlich, endlich wieder, nach angeblich  ewig langer Zeit, vom  Futterlieferanten beköstigt zu werden.

Maxi ist inzwischen völlig „normal“. Da man als Mitmieter auch hin und wieder das Bad benutzen muss, ist ein Gang zur Menschentoilette unumgänglich. Man muss allerdings schnell sein, denn Maxi liebt es auf die Klobrille zu springen und gebannt in den wirbelnden Wasserstrom zu schauen, der vor ihren Augen in die Tiefe gurgelt. In einer Küche würde sie einen dampfenden Topf vom obersten Schrank aus beobachten. Sie ist ein aktiver Wirbelwind, der vor nichts zurück schreckt und Mensch zwischen die Beine läuft, so dass jederzeit Gefahr des „Halsbrechens“ besteht. Selbstverständlich nur für Mensch.

Emmy interessiert das alles nicht, denn für sie  geht es ums nackte Überleben! Frage ich: “ Och, Emmiken, hast du Hunger?“ Dann setzt sie sich inzwischen relativ nah und entspannt vor mich, schaut mich verzweifelt an, macht ihr Mäulchen weit auf, damit ich ihre hübschen Milchzähne sehen kann, und gibt ein Herzerweichendes Quietschen von sich. Tja, mit den Jahren  wird es ein Miauen.

Was den Katzenpudding anbelangt, so unterstützte ich in dieser Woche gewisse Markenhersteller ebenfalls bei dieser neuen Erfindung. Im Grunde unnütz, da Zucker verwendet wird, aber wenn es  hilft, dann ist es in Maßen noch in Ordnung. Christine machte mit Lisbeth gute Erfahrung der Annäherung, und was soll ich sagen? Selbst Emmy ließ sich darauf ein.

Zuerst füllte ich den Pudding auf einen Eislöffel mit langem Stiel und hielt ihn Emmy vor das Näschen. Sie schnupperte, aber dann zog sie sich zurück. Das blinkte =  doofer Löffel = Luxus, den keine überzeugte Wilde braucht.

Maxi schnupperte nur einmal und leckte den Löffel leer. Das beobachtete Emmy und beim zweiten Versuch war sie die erste, denn: Es geht schließlich ums nackte Überleben!

Der Mensch ist ein Biest, deshalb gab es anschließend keinen Löffel mehr, sondern Finger.

Bei gekochter Hähnchenbrust ist es genau anders herum, denn Emmy wird zur knurrenden Furie, sobald es um ein zu identifizierendes Stück Nahrung geht. Mit Schneckchen versteht sie sich inzwischen gut: Schneckchen knurrt und faucht und Emmy gibt Antwort in selbiger Sprache. Maxi guckt nur und scheint zu denken: Was will die Alte von mir?

Ansonsten musste ich mich in dieser Woche ärgern und durfte mich freuen, wie jeder von uns. Ärgern musste ich mich wegen des zweijährigen Johnny Zappel. Nicht wegen ihm, aber wegen (in meinen Augen) falsch verstandener Tierliebe.

Kater Johnny wurde vor über einem halben Jahr mitten in einer Großstadt aufgegriffen, als er miauend in einer Tiefgarage saß und einer Mieterin bewusst hinterher lief. Sie zögerte nicht lange und nahm ihn mit. Mit zu sich nach Hause, wo Vater, Mutter und drei weitere Katzen auf der fünften Etage ohne Balkon wohnen. Im ersten Moment das Beste für einen Hilfe suchenden Kater, aber nicht auf  Dauer.

Der Vater (in Absprache mit Tochter) sprach mich an, ob ich helfen könne, bei Beschaffung eines richtigen Zuhauses, da Kater definitiv nach Auszug ausgesetzt worden war, wie Recherchen ergaben. Kater wurde Johnny Zappel genannt, weil er die vorhandenen drei Katzen ständig auf Trapp hält und seinen Bewegungsdrang nicht ausleben kann. Es dauerte, es dauerte über ein halbes Jahr lang, aber in dieser Woche meldete sich ein Rentnerehepaar, das einen möglichst roten und älteren Kater sucht, nachdem ihr eigener verstorben war. Ich telefonierte mit der Frau und hatte einen sehr guten Eindruck.

Johnny würde Prinz werden, in einem Einfamilienhaus mit großem Garten, in einer verkehrsberuhigten Sackgasse. Er hätte Kumpel in der ganzen Umgebung, könnte auf Bäume und auf Dächer klettern, wie Johnny Zappel es mag. Zu Hause wäre eine zuverlässige Urlaubsvertretung und  Johnny könnte rein, raus und selbst im Bett schlafen, wenn er denn mag.

Die Tochter und gestandene „Finderin“ möchte Johnny Zappel behalten, da sie in ungefähr zwei Jahren nach England zieht und ihn dann mitnehmen will…

Freuen konnte ich mich über den sechs Monate alten Kater Tommy, der vor drei Wochen am Hafen gefangen wurde und sich als relativ Zahm herausstellte. Bisher lebte er in bekannter Dachkammer, aber Heike nahm ihn am Dienstag erst einmal zu sich.

Wie immer: Danke, Heike!!

Relativ, das hat was mit Einstein zu tun und nichts mit Katzen. Aber Tommy benimmt sich nicht so wild, wie viele andere. Das spürt man, kann es mit Worte kaum erklären, aber in dem Moment muss man versuchen eine bessere Möglichkeit zu finden. Tommy lebte mit zwei schwarzweißen, ebenfalls ungefähr sechs Monate alten Katzen (gefangen, kastriert, wild und wieder herausgelassen) an selbiger Stelle.

Und was mich ebenfalls freute ist folgendes:

Ich bekam am Donnerstag einen Anruf eines mir bekannten Mitarbeiters der anliegenden Fabrik, wo 2 x Schwarzweiß und Tommy her kommen, und er fragte ob er eine Falle geliehen haben könne. Einer seiner Katzenfreundlichen Kollegen würde seit Wochen eine schwarzweiße, sehr scheue kleine Katze auf dem Gelände anfüttern und wenn er sie „kriegen“ könnte, dann würde sie bei ihm ein perfektes Zuhause bekommen, zusammen mit Tierheimkatzen in grüner Umgebung.

Die Falle brachte ich gestern sofort in besagter Fabrik (auch eine derer, die vor Jahren Katzen als Mäusefänger anschafften und nun nichts mehr davon wissen) vorbei, froh in den hinteren Bereich hinein zu dürfen, da dieses Terrain für „Spinner“ normalerweise verbotenes Gebiet ist. Und ich wünschte ganz viel Glück, denn wenn es sich um eines der bereits kastrierten, schwarzweißen handelt, dann wirklich viel Spaß beim Zähmen! Sollte sich noch ein gleich aussehendes Geschwisterchen dort aufhalten, dann vielen Dank für die abgenommene Arbeit!

Ich wünsche mir, dass miteinander kommuniziert wird. Speziell in diesen genannten Fällen würde es Arbeit und Unwissen ersparen. Ein langer Weg, wie viele lange Wege in unserer Gesellschaft – aber wir arbeiten dran.

Zum Schuss ein weiteres Herbstbild, vom selben Baum.  Sieben Tage und hunderte  Blätter später.

Danke für Eure Aufmerksamkeit und bis bald.

 

Wochenbericht der zwei Minitiger oder- Emmy, die harte Nuss

Das war wieder eine erlebnisreiche Woche, die damit endete, dass ich heute schnell und ungeplant zu meiner Katzen- Tierärztin musste um für Schneckchen weitere Medikamente zu besorgen. Gestern hatte sie nach einiger Zeit – und erfolgreicher Therapie – erneut Blut im Urin, und  es gab ein zusätzliches Mittel, das nun nach Anweisung per Absprache gespritzt werden muss.

Am Mittwoch war es Hündin Gipsy, die mir Sorgen bereitete und auch wegen ihr musste ich zu meinem Hunde- Tierarzt, der nicht in die Zukunft blicken kann, aber das jeweilige Problem bisher perfekt in den Griff bekam. Er kennt Gipsy nun sechzehn Jahre lang und wird wissen, was richtig ist.

Beide, Gipsy und Schneckchen, befinden sich im „knackigen“ Alter und sie wechseln sich ab. Geht es dem einen gut, dann hapert es bei dem anderen.

In erster Linie soll es hier jedoch um die beiden Minitiger gehen und auch sie sorgten für erlebnisreiche Stunden.

Wenn ich ein Märchen über Emmy und Maxi schreiben würde, dann könnte es in charakteristisch verfasster  Kurzform folgendermaßen aussehen:

Es waren einmal zwei Kätzchen, die großen Tigern sehr ähnlich sahen. Sie hießen Emmy und Maxi und lebten gemeinsam in einem Häuschen, mitten in einem dunklen Wald. Sie waren noch sehr klein und ein böser Troll war gekommen und hatte ihre Mutter mitgenommen. Von Stund an waren sie auf sich alleine gestellt und  mussten nicht nur das Häuschen sauber halten, sondern auch lernen, wie man an Futter und Wasser gelangt, sich vor Feinden schützt und wie man sich verteidigt.

Bisher hatte ihre Mama dafür gesorgt, aber nun mussten sich die Kätzchen alleine um all das kümmern. Nachdem sich Emmy und Maxi einige Tage voller Angst in einer Ecke versteckt gehalten hatten und spürten, dass der böse Troll nicht zurück kommen würde, setzten sie sich an den kleinen Holztisch, der mitten in der Stube ihres Häuschens stand, und überlegten hin und her.

Emmy war immer sehr aufmerksam gewesen und hatte ihre Mutter bei den zu verrichtenden Arbeiten beobachtet. Somit wusste sie genau, wie eine Katze überleben kann.

„Mäuse, die gehören in erster Linie zu unsere Nahrung“, sagte Emmy.

„Ach“, antwortete Maxi, „was du nicht sagst.“

„Ja, und Misstrauen, Misstrauen unseren Feinden gegenüber ist das wichtigste Kapitel in der Katzenfibel!“

„Misstrauen, och, ein bisschen mag ich misstrauisch sein, aber das ist mir zu anstrengend“, antwortete Maxi. „Mal angenommen da kommt etwas Bequemes, was uns das anstrengende Leben erspart, huii, da wäre ich aber schön blöd, wenn ich darauf nicht eingehen würde.“

„So etwas gibt es nicht“, widersprach Emmy heftig, „alles ist böse, egal ob es uns Fresschen gibt oder nicht!“

„Aber Ausprobieren könnte man, oder?“, fragte Maxi und räkelte sich auf dem kleinen Holztisch.

„Das sind Fallen, glaube mir Maxi, sie wollen uns nur locken und dann… dann sind wir auch fort, genau wie unsere Mama.“

„Vielleicht ist das Fortsein gar nicht so schlimm?“, sagte Maxi und blinzelte schläfrig aus dem Fenster.

„Ach, mit dir kann man nicht vernünftig reden, ich wünschte Mama wäre hier!“. Emmy plusterte ihr Fell auf und blickte unruhig in die Zukunft. „Wir müssen einen Plan erstellen, das hat unsere Mutter auch immer getan. Als erstes verteilen wir Aufgaben.“

„Aufgaben?“, murmelte Maxi.

„Jawohl, Aufgaben zwischen uns beide verteilt. Du übernimmst das Häuschen, fegst, putzt und so was alles. Und ich besorge die Mäuse oder all das, was eben geboten wird.“

„Wenn du meinst“, gähnte Maxi. „Sei doch nicht immer so pessimistisch Emmy, meine Güte, wir haben bestimmt noch ganz viele Jahre vor uns. Abwarten, annehmen, ausprobieren und vertrauen.“

„Bisher kann ich das nicht“, antwortete Emmy, „dazu ist es noch zu früh.“

Einige Zeit verging und Emmy und Maxi hatten immer genug zu essen, sie wurden größer und stärker.

Das Häuschen musste abgerissen werden, weil Maxi sich nicht darum  kümmerte. Meist lag sie in der Sonne, hatte Spaß am Leben und freute sich über die gefangenen Mäuse von Emmy. Maxi heiratete eine Prinzen, der ein großes Schloss besaß und in dem sie sich verwöhnen lassen konnte. Emmy lernte einen ehrlichen Schlosser kennen, der mit seinem Handwerk Lebendfallen baute, für gute Taler verkaufte und damit verhinderte, dass es Katzenelend, mit kleinen oder großen Katzen, weiterhin geben konnte.

So sah zum Beispiel der Garten aus,  vorher

und irgendwann:

(Ohne Quatsch, aber so sah das Gras nach einer Nacht mit den Tigern aus.)

Genau so kann man die beiden Minitiger unterscheiden und einschätzen. Emmy hat wirklich von ihrer Mutter abgeschaut, denn Mutter „Madame“ sah ich am vergangenen Mittwochabend. Sie beobachtet, versteckt sich und ich sehe lediglich ihre Ohren und eventuell ihr Gesicht. Ich muss mich entfernen, erst dann kommt sie zur Futterstelle. Hier haben Emmy und Maxi wahrscheinlich auch ihr Futter gefunden, wie Mama es ihnen zeigte. Ich hatte sie nie zu Gesicht bekommen, erst als sie in der Falle hockten. Tarnung ist alles und das lernten sie perfekt.

An selbiger Stelle hält sich Minki auf und sie ist mittlerweile so weit:

Am Dienstagabend passierte mir ein kleines Malheur. Ich war um 23.00 viel zu spät dran, ging ins momentane Tiger Badezimmer, um mich menschlich „fertig zu machen“, und ließ die Tür einen winzigen Spalt breit auf. Zuerst entwischte Maxi und keine zwei Sekunden später Emmy. Sie liefen einmal links  um die Ecke und turnten sofort im Schneckchenzimmer herum, was eigentlich ursprünglich das Büro des Wohnungsmitmieters ist. Naja, ein Büro ist es seit Einzug Schneckchens eh nur noch zur Hälfte und seitdem die Tiger drin waren…

Ich war zu müde und irgendwie war mir alles egal und irgendwie gönnte ich ihnen den Spaß.  Jedenfalls waren Emmy und Maxi FREI und keine Chance sie ins Badezimmer zurück zubekommen. Ihnen hinterher jagen wäre die schlechteste Idee gewesen, somit abwarten und erst einmal schlafen. Ein paar Stunden später, um 5.00 Uhr, bimmelten die Wecker und ich versuchte mein Glück mit erwärmtem Thunfisch von Sheba. „Emmy, Maxi, kommt schnell!“ Es dauerte keine drei Sekunden und die beiden Minitiger standen Gewehr bei Fuß. Ab ins Bad und Tür zu. Anschließende Geruchskontrolle versprach Sauberkeit, aber das konnte ich kaum glauben, da sie im Badezimmer alle Ecken nutzen, nur ihre Katzenklos selten.

Eine Pfütze entdeckte ich nach Feierabend  hinter dem Sofa, aber kein einziges Häufchen. Okay, also krabbelte ich hinters Sofa und wischte den Teppich möglichst unauffällig wieder auf ehemals Hell.

Da beide immer noch Durchfall haben, fragte ich am Mittwoch gleichzeitig bei meinem Hunde-Tierarzt, bei dem ich auch wegen der Wurmkuren war, weil Katzen Tierärztin seinerzeit Urlaub hatte. Ich solle Kotproben sammeln, da es sich auch um Giardien usw. handeln könne. Es dürfe sich nur kein Streu in den Proben befinden. Schon klar und fällt mir leicht, da die Zwerge  Proben aus dem Waschbecken oder der Badewanne zur Verfügung stellen.

Was den Vergleich zwischen Emmy und ihrer Mutter ebenfalls deutlich macht, ist ein Beweis von irgendeinem Abend in der vergangenen Woche. Für meine zahmen Hafenkatzen koche ich einmal wöchentlich Hähnchenbrust, die gar nicht so schnell auf die jeweiligen Teller verteilt werden kann, wie die gewürfelten Stücke mitsamt Brühe verputzt werden. Ich sparte etwa ein Fünftel auf, schnitt es in zwei grobe Hälften und bot es Emmy und Maxi an. Maxi freute sich, rieb ihr Köpfchen an dem Stückchen Fleisch. Emmy beobachtete, bekam große Augen und wusste sofort, wie ein größeres Stück Fleisch behandelt werden muss. Sie nahm es mir aus der Hand und hielt es korrekt zwischen den Pfoten – diesmal schaute Maxi ab.

Heute ist mir auch alles egal, weil es Schneckchen und gleichzeitig Gipsy wieder (Toi,Toi,Toi) besser geht und deshalb ist Tag der offenen Türen. Seit Stunden können Emmy und Maxi rein und raus, was sie auch ausgiebig nutzen. Zurzeit ist Päuschen hinter Regalen angesagt, während ich das schreibe. Mit Speck fängt man Mäuse und mit Thunfisch, Kittenfutter, nettem Stimmchen (“Eeeemmmyyy, Maaaaxi, Fresschen“) eben  Minitiger. Ich hoffe, von dünnen Häufchen auf dem Teppich verschont zu bleiben, zwei Katzenklos stehen vor sich hin. Ohhhh, BITTTEEE!!!

Wie Ihr seht, unterscheiden sich diese beiden Schwestern völlig voneinander und trotzdem gehören sie zusammen, weil die eine von der anderen lernt. Emmy bezeichne ich als harte Nuss, aber sie zu knacken bedeutet einen weiteren Meilenstein bewegen. Schneckchen brauchte über zwei Jahre, wo sie sich in weit fortgeschrittenem Alter vorsichtig entschied, Vertrauen zu fassen. Ich habe Eide geschworen, dass es mir niemals gelingen würde, diese Katze jemals streicheln, anfassen, geschweige denn mit nach Hause  nehmen zu können, musste mich aber Dank Schneckchen eines Besseren belehren lassen. Es begann hinter einem Zaun, der uns voneinander trennte. Dort steckte ich einen Finger durch, an dem sie schnupperte, nach und nach vorsichtig daran kaute und ihr Köpfchen rieb.

Sie hätte schon längst Hilfe benötigt, da sie an chronischem Nierenversagen, Harngries und, und, und  leidet, im vorletzten Winter zitternd vor mir saß, aber Mensch ist hilflos, wenn Katze sich nicht helfen lassen will.  Heute ist Schneckchen die Sofa Königin.

Am Donnerstag gab es ein (für mich) überwältigendes Erlebnis, und ich bin ewig dankbar, für dieses kleine, für andere unwichtige, Ereignis. Für mich ist das Glück, wobei man oft hört, dass kaum jemand den Begriff „Glück“ definieren kann.

Katze Muckl ist eine so genannte Glückskatze. In meinen Augen, also vermenschlicht, hat sie einige schwere Schicksalsschläge erleben müssen. Als ich sie vor vier Jahren im Zuge der damaligen Kastrationsaktion kennen lernte, so hatte sie bereits Junge und zwei überlebten. Ob es mehr Junge waren weiß nur sie, denn sie wurde an einem Freitagabend gefangen und Montag operiert. Erst während der OP stellte der Tierarzt fest, dass Muckl eine säugende Mutterkatze ist und sie musste sofort wieder heraus gelassen werden. Wochen später entdeckte ich sie mit einem schwarzweißen und einem gleichfarbigen Baby. Diese beiden wurden gefangen und gut vermittelt, aber wie ging es Muckl dabei? Kurz danach wurde ihr Freund und sehr wahrscheinlicher  Vater der Kleinen aufgefunden.

Es war eindeutig Gift… und wir brauchen nicht erst bis Griechenland zu schauen.

Jedenfalls war und bleibt Muckl bisher unnahbar. Das höchste der Gefühle ist leises Maunzen, wenn sie sich freut. Mal bleibt sie Tagelang verschwunden, mal kommt sie zweimal täglich und pünktlich zur Futterstelle. Sie ist Vorratsesserin, so nenne ich die Katzen, die an Tagen viel und genüsslich essen können und dann wieder Tage lang untertauchen. Mir sind die Regelmäßigen lieber, da man sich nicht immer Sorgen machen muss, aber man muss das einzigartige Katzenleben respektieren.

Muckl jedenfalls kam am Donnerstagmorgen pünktlich angelaufen, freute sich und als ich die Schale (sie liebt „Miamor“) vor ihren Augen auf den Teller füllte, rieb sie ihren Kopf an meiner Hand. Das erste Mal, nach vier Jahren.

Die Minitiger stellen momentan Schneckchens Zimmer (also das ehemalige Büro) auf den Kopf, jagen sich gegenseitig und springen über Tisch und Bänke. Schneckchen schaut argwöhnisch vom Sofa aus zu: Ist wie Kino.

Somit verabschiede ich mich für heute mit einem  Herbstbild, das mich einerseits traurig stimmt, weil auch dieses Jahr im Zeitraffertempo zu Ende zu gehen scheint, andererseits bringt der Herbst einigermaßen milde Temperaturen mit sich, die weder Katzenfutter gefrieren lassen, noch Fliegen annimieren  ihre Eier abzulegen. Ja, ich weiß, seltsame Denkweise, aber so sind sie, die Querdenker.

Danke für Eure Aufmerksamkeit, ich hoffe, dass der nächste Wochenbericht mit „Emmy, die geknackte Nuss“, aufwarten kann.

Aber wenn nicht, dann nicht. Wir haben Zeit.

P.S. Sollte jemand zwischenzeitlich bereits gelesen haben und mindestens drei Millionen Ö`s in der Überschrift vorgefunden haben, so war das Schneckchen, die sich mit ihrem Popo gerne auf die warme Tastatur setzt. Zum Glück zerbröselte sie heute dadurch die Festplatte  nicht. Genau, auch das ist Glück!