zur Abwechslung – ein Gedicht von Otto Julius Bierbaum

Maikaterlied


 Maikater singt die ganze Nacht:
Der Frühling ist erwacht, erwacht,
Der Frühling ist erwacht!
Gleich einem Reis trägt er den Schwanz;
Wärn Blätter dran, so wärs ein Kranz;

Er flötet:
Oh holde Mimamausamei,
Wer dich zu lieben wagt, der sei
Getötet!
Ich ganz alli-alla-allein,
Nur ich darf dein Geschpusi sein,
Bis daß es morgenrötet.

Im Mai sind alle Blätter grün,
Im Mai sind alle Kater kühn
Und alle Jüngelinge.
Und wer ein Herz hat, faßt sich eins,
Und wär sich keins faßt, hat auch keins;
Singe mein Kater, singe!

-Otto Julius Bierbaum-

zur Abwechslung – ein Gedicht von Mauritius Mense

Lilli

© Mauritius Mense

Lilli das ist meine Katze
spitze Ohren – langer Schwanz
Tigerfell auch Krallen hat se
sie besitzt mich voll und ganz.

Meistens schläft sie auf der Cheese
schnurrt – ja rekelt sich herum
träumt von Mäusen oder Käse
führt mich an der Nase rum.

Eine Leischen ist das Vieh
Nachbars Bolzen kratzt am Tor
alles dreht sich nur um sie
draußen jault ein Katerchor.

Lilli ist ein schönes Tier
und das weiß sie ganz genau
auf dem Sofa eine Zier
Lilli ist halt Katzenfrau.

Ach ich möcht sie nicht mehr missen
schmusen ist ihr Lebenszweck
gerade schiss sie auf mein Kissen
na, dann mach ichs eben weg…
mi jau Mau
rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
rrrrrr.

—–

Mauritius Mense hatte gerade seinen ersten Gedichtband im Noel-Verlag herausgebracht, heißt : Marke Mauritius, gibt es  bei amazon oder beim Buchhändler ihres Vertrauens

zur Abwechslung ein Gedicht – von Josef Guggenmos

Katzen kann man alles sagen

Auf der Treppe saß ein Mädchen,
ein graues Kätzchen auf dem Schoß.
»Dreimal drei ist zwölfundzwanzig«,
flüsterte es ihm ins Ohr.
»Aber ja nicht weitersagen! «
Ernst sah es das Kätzchen an.
Keine Sorge! dacht ich,
als ich’s im Vorübergeh‘n vernahm.
Katzen kann man alles sagen.
Was man auch zu ihnen spricht,
sie verraten kein Geheimnis.
Katzen machen so was nicht!

 

Josef Guggenmos

 

Zur Abwechslung: ein Gedicht von Lessing

Auf die Katze des Petrarch
( Gotthold Ephraim Lessing)

Warum der Dichter Hadrian
Die Katzen so besonders leiden kann?
Das lässt sich leicht ermessen!
Dass seine Verse nicht die Mäuse fressen.

zur Abwechslung – ein Gedicht von Heinrich Heine

Mimi

Heinrich Heine

„Bin kein sittsam Bürgerkätzchen,
Nicht im frommen Stübchen spinn ich.
Auf dem Dach in freier Luft,
Eine freie Katze bin ich.

Wenn ich sommernächtlich schwärme,
Auf dem Dache, in der Kühle
Schnurrt und knurrt in mir Musik,
Und ich singe, was ich fühle.“

Also spricht sie. Aus dem Busen
Wilde Brautgesänge quellen,
Und der Wohllaut lockt herbei
Alle Katerjunggesellen.

Alle Katerjunggesellen,
Schnurrend, knurrend, alle kommen,
Mit Mimi zu musizieren,
Liebelechzend, lustentglommen…

Brauchen keine Instrumente,
Sie sind selber Bratsch und Flöte;
Eine Pauke ist ihr Bauch,
Ihre Nasen sind Trompeten.

Sie erheben ihre Stimmen
Zum Konzert gemeinsam jetzo;
Das sind Fugen, wie von Bach
Oder Guido von Arezzo.

Das sind tolle Symphonien,
Wie Capricen von Beethoven
Oder Berlioz, der wird
Schnurrend, knurrend übertroffen.

Wunderbare Macht der Töne!
Zaubertöne sondergleichen!
Sie erschüttern selbst den Himmel,
Und die Sterne dort erbleichen…

Nur das Lästermaul, die alte
Primadonna Philomele,
Rümpft die Nase, schnupft und schmäht
Mimis Singen – kalte Seele!

Doch gleichviel! das musizieret,
Trotz dem Neide der Signora,
Bis am Horizont erscheint
Rosig lächelnd Fee Aurora.

Zur Abwechslung – ein Gedicht von Sarah Kirsch

das sich zu meiner Verblüffung auf vielen Homepagen über Katzen als Katzengedicht findet.

Zwar wird dort von einer Katze berichtet, aber das ist eher eine Umschreibung für den noch nachwirkenden Geist des unter Lenin eingeführten Terrorregimes und  Zensur, die leninische Vorliebe für Katzen diente nur als Metapher, sowie die Geschmeidigkeit von Katzen nur als Gleichnis diente, und  der Titel des Gedichtes ist eine Anspielung auf das diktaturverherrlichende  Gedicht: Im Kreml brennt noch Licht  von Erich Weinert.

Aber Sarah Kirsch kennt die Katzen, ist ebenfalls eine bekennende Katzenfreundin , eins ihrer Bücher heißt: Die Regenkatze, man kann drin blättern hier

Im Kreml noch Licht

Das ist Lenins weiße Katze
Jede Nacht macht sie Patrouille
Ihre ernsten grünen Augen
Sehen pünktlich aus dem Fenster

Sie frisst ungeratnes Schreibwerk
Stößt die Tinte mit der Pfote
Um dass nichts zu lesen ist:
Mascha kann durch alle Türen

Und wenn Posten davor stehen
Kneift sie ihre Augen zu
Steuert mit dem Sichelschwanz
Sicher durch die schwarzen Stiefel

Zeigt das Glockenspiel den Tag an
Führt ihr Weg zur Bibliothek
Sie verkneift ein spitzes Niesen
Sitzt auf ihrem Lieblingsbuch

Und erinnert sich der Zeiten
Wie der eignen Pfotenspuren
Als ihr Herr sie leis vermahnte
Und ein neues Blatt anfing

Sarah Kirsch 1935
(eigentl. Ingrid Bernstein)
Dt. Schriftstellerin

dieser Beitrag ist auch irgendwie ein Nachtrag zu dem hier

zur Abwechslung ein Gedicht – von Wilhelm Busch

HUND UND KATZE

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Hassten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt, wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster schoss sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.

Oh, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit.
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.

Wilhelm Busch (1832-1908)