Katze Hermine (Teil 7)

Ich musste selber nachlesen, um die Einfang – Krankheits – Gesundungs und den weiterführenden Werdegang von Hermine wieder aufzurufen. Die Zeit scheint zu rasen und ich kann mir nur noch Sylvester merken, alles andere rauscht im Eiltempo an mir vorbei. Hermine lebt seit April vergangenen Jahres bei uns und es gab Tiefen und Höhen, wie man jederzeit nachlesen kann. Hermine intergrierte sich, konnte nur wenig tierärztlich untersucht werden, aber wurde mir gegenüber inzwischen immer zugänglicher. Wie eine alte Wilde eben, denn auch die draußen lebenden Katzen/Kater zeugen irgendwann von einer Art Gleichgültigkeit. Im schlimmsten Falle setzen sie sich mitten auf eine Straße und warten ab … was passieren wird.

Hermine suchte sich vergangene Woche einen neuen Platz, wie Katzen so sind, denn Abwechslung muss sein. Ganz anders Hunde, die ihr zugewiesenes Körbchen niemals aufgeben würden. Allerdings verkroch sich Hermine im Küchenschrank, der für Katzen von hinten begehbar ist und stets ein Zufluchtsort all der Wilden darstellt. Nur, Hermine ist keine wirklich Wilde mehr und musste Schmerzen oder ein Problem haben. Sie bekam schlecht Luft und ihr rechtes Auge tränte. Sobald ich ihr das Auge säuberte, hatte ich bräunliche Flüssigkeit am Tuch. Somit verabredete ich für vergangenen Donnerstag einen Termin bei Dr. Scherer. Mir war zwar Angst und Bange, denn irgendwie habe ich kaum noch Lust auf all diese Dramen, von wegen Einfangen, Gekeife, Gekratze, Bockigkeit und Verkriechen. 😉

Hermine ließ sich relativ leicht in die Box bugsieren, obwohl ich ihr die gespreitzten Beine einklappen musste. Naja, es ging ihr nicht gut, deshalb reichten sanfte Einklappmaßnahmen.

HermineAuf jeden Fall mussten wir nicht lange warten, und als wir Hermine in der Praxis quasie „Oben ohne“ an die Luft ließen, nutzte sie die Gelegenheit und führte sich wie die angemeldete Wilde aus. Sie sprang vom Tisch, hechtete im Raum herum und musste letztendlich mit einem Kescher eingefangen werden. Ich wiederhole mich: Irgendwie habe ich kaum noch Lust auf all diese Dramen, von wegen Einfangen, Gekeife, Gekratze, Bockigkeit und Verkriechen.

Dr. Scherer untersuchte Hermine somit auf dem Boden und mal ehrlich, das kann man nicht jedem Tierarzt zumuten. Aber sie kam zu einer Lösung und meinte, dass Hermines Zahnfleisch heftig entzündet sei: „Sehen sie, rot und schlimm entzündet!“

In der Tat – und nun?

„Ich muss die Katze in Narkose legen und schauen, in einer Stunde etwa habe ich Zeit … aber Quatsch, jetzt haben wir sie einmal im Griff und jetzt mache ich weiter. Der Hund, der eigentlich dran wäre, kann warten.“

Somit bekam ich eine Dreiviertelstunde Zwangspause  – Pause von allem – . Ich ging in den nebenan liegenden Supermarkt, kaufte einen halben Liter Milch und ein so genanntes Käseblättchen. Voller Rezepte und wertvoller Tipps fürs Leben. Schminktipps, Stylingtipps inklusive Lebensberatung. Alle Achtung, die Kurzgeschichte traf ungefähr 100 Zeilen, war  vorhersehbar  und die Zeit nicht wert, aber was sollte es: Ich hatte Zeit und las die banale Welt.

Um kurz vor Eins klingelte ich und eine putzmuntere Hermine empfing mich, die Kurznarkose hatte ihr nichts ausgemacht, lediglich die Box war nass.

Hermines Schleimhäute wirkten extrem blass, was auf alles mögliche schließen lässt. Dr. Scherer zapfte Blut ab und fragte, ob sie es untersuchen solle. Selbstverständlich, das war eh nötig. Ich fragte, wie viele Zähne sie ziehen musste und sie antwortete: „Keinen einzigen.“ Es war Zahnstein, der wie beim Menschen Parodontitis erzeugt. Aber die hellen Schleimhäute gaben zu denken und ich sollte Meldung bekommen. Am Nachmittag rief sie an und es  geht  weder Gefahr von Nieren – oder Schilddrüsenproblemen aus. Die niedrige Anzahl von roten Blutkörperchen kann eine Resonanz einer/dieser Entzündung sein, oder bedeutet Leukose und all die weiteren Krankheiten. Somit wird Hermines Blut auf Reisen geschickt und nochmals untersucht. Hermine ist nach dieser Behandlung munterer als je zuvor. Machten das sonst die kleinen Pflegemiezen, so muss Müll nun auch wegen Hermine schnellstens entsorgt werden.

Manch ein Tierschützer wird mich für verantwortungslos halten, weil von Hermine eine (Gesundheits)Gefahr ausgehen kann. Dazu sei gesagt, dass ich das von Anfang an wusste. Ich kann allerdings kein Tier auf der Straße sitzen lassen und mich nicht kümmern.

Hermine 1

Plädoyer an alle Tierärzte!

Bitte, liebe Tierärzte, scheut Euch nicht, Kerben in die Ohren wilder Katzen zu schneiden! Sie werden durch diese einmalige „Verstümmelung“ ihr restliches Leben vor Missverständnissen bewahrt. Ansonsten laufen sie Gefahr erneut gefangen und aufgeschnitten zu werden! Mittlerweile ist die Anzahl der verwilderten Katzen eher gestiegen als gesunken und an Stellen, wo sich Katzen aus Sicherheitsgründen nur aus der Ferne und in der Nacht sehen lassen, sind sie lediglich anhand von Kerben zu identifizieren. Eine Tätowierung ist  aus der Ferne definitiv nicht zu erkennen!

Mara 3

Eindeutig Katze Mara

Inzwischen nimmt es eine Menge Zeit ein, die ganzen Fotos zu sichten, die die Wildbeobachtungskamera knipst. Neben Fliegen und Elstern knipst sie auch Igel, die eine Futterstelle zu einer Müllkippe samt Klo umfunktionieren. Aber auch dafür gibt es Lösungen, denn da sich Igel  hauptsächlich am feinsten Katzentrockenfutter bedienen, musste eine Keramikschale her, die sie nicht umkippen können. Diese Schale spendete Katja, und als mir die umgekippten Plastikschalen und das vom Regen aufgeweichte Trockenfutter  echt zur Last wurden, probierte ich Katjas Schale aus. Es funktioniert und die Igel benehmen sich gezwungenermaßen etwas gesitterter. Mal schauen, ich werde Igelfutter besorgen und den kleinen nachtaktiven Gesellen seperates Futter reichen müssen, denn sie alle wollen nur (über)leben.

Igel

Eindeutig Igel 😉

Wie gesagt, ist eine Kerbe im Ohr zur Identifizierung wichtig. Bei einer schwarzweißen Katze hatte ich Bedenken, denn sie schien ein Neuzugang zu sein. Aber die  Arbeit muss man sich machen, bis die richtige Einstellung auf all den Fotos gezeigt wird. Eindeutig Kerbe im rechten Ohr:

Somit lasse ich diese Katze auch in Ruhe und erinnere mich an das Jahr 2009, in dem zwei schwarzweiße Katzen gefangen und kastriert wurden. Nach ihrer Freilassung hatte ich sie nie wieder gesehen, aber man trifft sich eben immer zweimal im Leben und ich freue mich, zumindest eine der Beiden nach all den Jahren wieder zu sehen.

Samatha wurde tätowiert und wenn ich sie nicht kennen würde, weil sie sich Gott sei dank häufig sehen lässt, hätten wir ein Problem:

Samatha 1

Nur eine scheint eine Jungkatze und noch unkastriert zu sein:

LuckyDas könnte ein Geschwisterchen von Hanni und Nanni sein und sie oder er wird inzwischen leider zu alt und zu überzeugt vom eigenen Leben sein, so dass eine Umsiedelung fast unmöglich ist …

Während ich das alles für Euch und zur eigenen Erinnerung schreibe, fällt mir eine Begebenheit von vergangenem Donnerstag ein, die sich bis heute hinauszog. Es ging um einen Kater, der laut Dame mit einer Kugel im Kopf auf dem Dach ihrer Garage sitzen würde. Sie rief die Katzennothilfe an und erzählte von zerschmettertem Kiefer, sodass man Alpträume von angeschossenen Tieren hatte, denen man nicht helfen konnte. Sie wollte nicht  die Feuerwehr rufen und dachte, dass eventuell ein Tierschützer sofort parat stehen  und den Kater kostenlos wieder gesund machen würde. Ja, das wäre auch so, wenn Tierschützer Millionäre wären …

Heraus kam, dass es sich im Grunde um ihren eigenen Kater handelte, der zwar ehemals wild von einer Futterstelle stammte, jedoch inzwischen am Fußende ihres Bettes schläft. Ich wünsche jedem streunenden Kater solch ein Glück, aber ich mag keine lügenden Menschen. Die Dame wurde auf Nachfrage nach konkreteren Angaben ziemlich unsicher und schwankte zwischen extrem wild und scheu hin und her. Sie wollte kein Geld investieren, keine Behandlung zahlen, wie im Nachhinein klar zu erkennen war. Sie brachte das Tier gestern abend eigenhändig in die Tierklinik Düsseldorf Münsterstraße, weil sie kostenlos nur hätte zusehen müssen, wie ihr Kater leidet. Mit anderen Worten: Es geht doch! Und jeder Mensch ist für SEIN Tier verantwortlich!

Was die Tierklinik jedoch tat, das ist leider noch ein Absatz wert. Die behandelnde Notartztdoktorin tat nichts. Sie ließ den Kater mit sabberndem und eventuell angeschossenem Kiefer in seiner Transportbox sitzen, telefonierte mit der Katzennothilfe und behauptete, dass die Dame eine Abtretungserklärung unterschrieben habe, woraufhin das Tierheim für den Kater zuständig sei. Die Dame behauptete auf Nachfrage, dass sie diese Erklärung nicht unterschrieben habe und somit gab es ein erneutes Hin und Her, während es lediglich um ein ehemals streunendes Tier ging das endlich Hilfe benötigte. Die Katzennothilfe bat um Herausgabe des Katers, da es allem Anschein nach keine unterschriebene Abtretungserklärung gab, und empfahl der Dame am nächsten Tag mitsamt Kater zu einem Tierarzt ihres Vertrauens in die Notfallpraxis zu gehen. Was die Dame am Donnerstag noch nicht dachte, dass sie so etwas schwieriges leisten könne, umso erstaunter schien sie nach der Enttäuschung mit Tierklinik, wo sie für eine Übernachtung über 35 Euro zahlen durfte. Sie wurde beim normalen Tierarzt vorstellig, der Kater  in Narkose gelegt, untersucht und ein vereiterter Abszess aufgrund einer Bissverletzung behandelt. Keine Spur von dramatisiertem Schuss. Sogar Zahnstein wurde entfernt und Metacam samt Langzeitantibiotikum gespritzt. Die Dame konnte ihren Kater wieder mit nach Hause nehmen und zahlte nun wirklich nicht den Wert eines Kleinwagens. Sie hat es überlebt und Kater Emil ebenso. Beinahe aber nicht, denn allzulange sollte Mensch nicht pokern – erst recht nicht, wenn er die Spielregeln nicht beherrscht.

Ganz lieben Dank!

An Gabi R., die per Zooplus ein Überraschungspaket auf die Reise schicken ließ. Bestückt mit Carnydosen, Purina One Trockenfutter und Trockenfutter der Marke Smilla.

Paket Gabi

Die Tüte Smilla kam selbstverständlich heile hier an … bis das Paket geöffnet worden war und Kater Charlie seine Zähne benutzte.

Danke Gabi, momentan kann ich das Futter mehr als gut gebrauchen, da Urlaubsvertretung und Krankenvertretung sechs Futterstellen bedeuten. Eine Krankenvertretung auf lange Sicht bedeuten Kater Paddy, Kater Felix und ihre Kumpel.

Felix, Paddy und Co.. 1jpg

Sie leben immer noch an der Stelle, wo seinerzeit Samira herstammte. Der schwarzweiße Felix ist Samiras Sohn und  er war der erste, den ich damals zur Tierklinik brachte um ihn kastrieren zu lassen. Eigentlich auch der letzte, da ich diese Stelle nur mit Magenschmerzen ansehen kann. Inzwischen hat sich die Anzahl der Tiere dank Vermittlungen und anderweitiger Unterbringung reduziert und ein Überblick ist machbar, aber dennoch muss man eine Falle aufstellen und immer wieder kommen neue und junge Katzen hinzu.  Man weiß es nicht, man weiß lediglich, dass unendlich viele scheue Katzen auf Deutschlands Straßen existieren!

Die Politik macht es sich einfach. Wilde Katzen sind in gewissen Augen Wildtiere und werden genauso behandelt und beurteilt wie Waschbären, Füchse und Ratten. Dass „wilde“ Katzen aufgrund keiner anderen Möglichkeit VERwildert sind, aber ihren Ursprung immer noch im gezüchteten Haustierdasein finden, das will (noch) keiner verstehen.

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Felix, Paddy und Co.

Wildbeobachtung Teil 2

Nachdem ich fast schon aufgegeben hätte, was die Kamerabeobachtung bei Nacht anbelangt, so kam von Katja ein Tipp, der Gold wert ist. Man nehme einen weißen Fahrradreflektor und klebe ihn vor den Blitz der Kamera. Das streut den Blitz und bewirkt eine entsprechendere Belichtung. Einen Fahrradreflektor, sinnigerweise auch „Katzenauge“ genannt – so, so. Woher nehmen und nicht stehlen? Noch am selben Abend durchforstete ich unseren Fahrradkeller, konnte jedoch bei keinem Fahrrad einen weißen, also klaren Reflektor entdecken. Somit brauchte ich nicht stehlen und entnahm dem Rad des Herrn des Hauses ein orangefarbenes Auge, nahm es auseinander und klebte es mit Tesafilm vor den Blitz. Es kam schließlich auf die Streuung an, und warum sollte die Farbe etwas damit zutun haben? Am nächsten Tag kam ich jedoch zufällig an einem Fahrradgeschäft vorbei, hielt an und fragte nach. Nein, weiße Reflektoren gibt es nicht mehr zu kaufen.

„Ich benötige solch ein Teil für eine Kamera zur Blitzabdeckung, also nicht mittlerweile verbotenerweise für ein Rad.“

„Aha“, der gute Mann legte seine Stirn in Falten, „ich schaue mal.“ Er ging in seine Werkstatt und kam mit einem noch ungebrauchten Reflektor in den Laden zurück.

„Hier, das ist der einzige den ich noch habe, und müssen sie eventuell auseinander sägen.“

„Uiii, wie schön, was bekommen sie dafür?“

„Ach, nichts, ist meine heutige gute Tat.“

Dass der Fahrradhändler mir geglaubt hat bezweifle ich. Wahrscheinich dachte er an eine normale Digitalkamera und stellte sie sich mit Katzenauge auf dem Deckel vor. Naja, jedenfalls hatte ich eine zweite Alternative und kann testen.

Die somit ersten Fotos mit orangefarbenem Auge vorm Blitz sind bereits bombastisch gut geworden. Es gibt immer wieder Aussetzer, so dass dennoch weiße Fotos entstehen, aber ich teste weiter. Der helle  Reflektor wurde inzwischen auseinander genommen, man musste ihn in  der Tat zersägen, denn das war noch altes und haltbares Handwerk.

Ich sehe somit an der zweiten Futterstelle, wo Hanni, Nanni, Mara und Mikesch herstammen, eine weitere Anzahl all dieser extrem scheuen Tiere. Eine schwarzweiße Katze oder Kater, eine schwarze, eine getigerte, immer mal wieder Samantha und suche nach Kerben im Ohr, die mir belegen würden, dass es sich um bereits kastrierte Tiere handelt. Das ist nicht einfach zu erkennen und manchmal auch sinnlos, da einige Tierärzte keine Kerbe ins Ohr gemacht haben, obwohl die Mehrzahl dieser Tiere bereits kastriert worden sein muss. In manch Tierarztaugen bedeutet eine Kerbe im Ohr eine Art Verstümmelung, aber eine Tätowierung kann in diesen Situationen erst recht nicht erkannt werden. Inzwischen traute ich mich und stellte die Kamera in die Zaunstreben, so dass sie besser geklaut werden … aber auch bessere Fotos machen kann.

Vorab ein Gast:

ElsterElster 1Elster 2Hier  ein Nachtfoto noch ohne Katjas Tipp. Darauf erkennt man nasses Fell, aber das war es:

Futterstelle

Viel besser mit Reflektor:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Danke an Katja – und nicht nur dafür. 😉

Siesta in der Katzenheimat

Alles ist ruhig, kein Piep zu hören, bis auf Kater Mikesch, der seine unbeobachtete Chance nutzt und das Gegenteil inszeniert. Der arme und inzwischen unglaublich fröhliche Fundkater wird von Romina und Charlie ganz schön unter Druck gesetzt, aber da die beiden sehr launisch sind, hat er ab und an auch Zeit für sich. Er scheint froh, dass Hanni nicht mehr da ist, weil sie ihm gegenüber allzu oft die Zicke heraushängen ließ. Schade um die schwarze Nanni, mit ihr hatte Mikesch dicke Freundschaft geschlossen. Mikesch muss /soll ebenfalls vermittelt werden, aber ich brauche momentan eine kleine Pause, denn auch Vermittlungen rauben Zeit und Kraft …

Siesta 1

Siesta 2

Siesta 3

Charlie und Romina

Siesta 5

Hermine ist alles egal

Siesta 4

Perlchen sooooo alleine