Tagebuch von Clara und Noire (2)

Clara und Noire entdecken die Außenwelt ihres bisherigen Daseins und es scheint noch ein weiter Weg, bis sie zu verstehenden Partnerinnen werden.

In der spanischen Hundepension wurden sie seinerzeit aufgenommen, gesund erhalten und gut versorgt, aber die Zeit, um ihnen das Einmaleins der Hundeerziehung oder Vertrauen beizubringen, die fehlte.

Clara ist die schüchterne von beiden, obwohl auch für Noire ein normalerweise 15 Minuten dauernder Weg das Dreifache dauerte. Auch sie hat vor jedem ihr unbekannten Geräusch Angst.  In ihrer Pflegegestelle  konnte sie inzwischen auftauen, so dass sie zumindest Heike und ihrem Mann Vertrauen schenkt. Clara schläft lieber im Sitzen ein, als zu einem Menschen zu gehen, von dem sie immer noch nicht sicher ist, ob er Gut oder Böse ist.

Von daher ist bei ihr an einen Spaziergang noch nicht zu denken. Auch für Noire bedeutete der erste Versuch eine Menge Stress, so dass für beide Hündinnen der Aufbau innerhalb  eines inzwischen bekannten Geländes stattfinden muss. Artgenossen gegenüber verhalten sich Clara und Noire absolut sozial, dieses Einmaleins kennen sie.

Trotz Büffelhautknochen – Angebot zernagen sie viel lieber alles andere, und somit mussten inzwischen Weidenkorb, Schlafdecke, Wischmopp und ein neues Hundegeschirr daran glauben.

Irgendwie scheint Noire ihre Schwester von deren neu gekauftem Geschirr befreit zu haben, so dass am nächsten Morgen das Leder in  getippte 1000 Einzelteile zerlegt, rund um ihren Schlafplatz lag.

An dieser Stelle möchte  ich mich bei Heike bedanken, für ihre bewundernswerten Leistungen! Heike bekommt in der Beziehung alles hin!

Selbst „Surco“, der als absoluter Panikhund zu ihr kam, verhält sich heutzutage zwar noch schüchtern und zurückhaltend, aber er durfte Dank Heike zu einem fröhlichen, zufriedenen  Hund werden. Ich vergesse nie eine Mail, die ich nachts von ihr bekam und in der sie schrieb, dass sie in dem Moment neue Fusseinlagen für ihren Mann zurecht schneiden müsse, weil Surco vor der Heizung Pipi gemacht habe, da Surco anfangs nicht nach draussen zu bewegen war. Leider war sein Bedürfnis mitten in die zum Trocknen stehenden Schuhe Saschas geraten und Sascha brauchte Schuhe und Einlagen um zu arbeiten. Wenn ich an „Fenja“ denke,  die sie Dank Gisela und Ralf aus einer spanischen Tötung befreite und die ein dürres, sich aufgebebenes Häufchen Elend darstellte, oder an „Strolch“, dessen damalige Vermittlung daneben ging und der in eine schlechte Haltung geraten war. Ja, oder an Hündin „Musel“, die ursprünglich ebenfalls die schlimsten Erfahrungen machen musste und nun ein glückliches Leben führt.

Danke, Heike!

Tagebuch von Clara und Noire (1)

Heute schlage ich ein weiteres Tagebuch auf, das von Clara und Noire.

Es passt zum Thema Auslandstierschutz und wird von nun an in lockerer Reihenfolge zwei Pflegestellen – Hündinnen auf ihrem Weg in ein Zuhause begleiten. Ob sie jemals ein Zuhause finden werden, es schnell geht oder mit Schwierigkeiten verbunden sein wird, das alles wissen wir an dieser Stelle nicht.

Einerseits möchte ich die Verhaltensmuster dieser beiden Schwestern aufzeigen, andererseits das Beispiel einer Pflegestelle darstellen. In Deutschland wird ein Haustier aus den unterschiedlichsten Gründen in einem örtlichen Tierheim abgegeben oder ausgesetzt aufgegriffen. Das ist schlimm und ich will in keiner Weise sagen , dass solch eine Abgabe in Ordnung ist oder solch eine Tat  bei keinem der Tiere seelische Schäden hinterlässt. Auch hier sind in jedem Tierheim verängstigte, alte, sich aufgebende Tiere eingesperrt, die aufgrund ihres eventuell wenig ansprechenden Aussehens, ihrer Größe oder ihrer bekannten „Macken“ den Rest ihres Lebens dort verbringen müssen. Auch sie sitzen jede Stunde, jeden Tag, jeden Monat trauernd in einem Zwinger. Das darf niemals bagatellisiert werden und jeder sollte bei seinem Vorhaben, sich ein Tier anzuschaffen, den ersten Schritt in ein hiesiges Tierheim  wagen. Auch wenn man glaubt es kaum aushalten zu können, wenn man meint weder traurige Blicke noch Hilfesuchende Gesten ertragen zu können, wobei Fotos anzuschauen doch so viel angenehmer ist. Jeder sollte erst einmal vor „der eigenen Haustüre kehren“, denn das ist im Grunde die Ursache des Problems, weshalb es zum Beispiel in südlichen Nachbarländern schon längst aus dem Ruder gelaufen ist!

Die hiesigen Tierheime sind allerdings keine Tötungsanstalten, wie es in vielen anderen Ländern aufgrund der unüberschaubaren Vielzahl der Katzen und Hunde leider völlig normal ist.  Dort müssen Tiere innerhalb 72 Stunden – nach Fund oder Abgabe – vermittelt /abgeholt werden, sonst werden sie offiziell und ohne Bedenken getötet. Dort gibt es keinen Aufschub!

Somit werden von Tierschutzvereinen, die sich um Zustände vor Ort kümmern, immer wieder Händeringend Pflegestellen gesucht. Ein Vierbeiner muss  innerhalb dieser Stunden raus aus der Hölle und muss unterkommen, bei Tierfreunden mit Zeit, Geduld, Verständnis und Möglichkeiten.

Das ist zum Beispiel eine Alternative, wenn  jemand vielen Tieren helfen  möchte oder der eigene Hund / die eigene Katze  kein Problem mit wechselnden Spielgefährten hat. Ein Pflegetier aufnehmen, bis es ein kontrolliertes und passendes Zuhause gefunden hat. Einer der häufigsten Zweifel: „Ich kann mich bestimmt nie wieder von meinem Pflegetier trennen.“ Klar, das geschieht sogar oft und ist nicht verwerflich, deshalb werden immer  Pflegestellen gesucht.

Aber nun zu  Clara und Noire:

Sie sind seit März ein Jahr alt und stammen ursprünglich aus  Murcia in Spanien, wo sie als Welpen mit ihren 11 Geschwistern gefunden wurden. Allesamt waren in einem Karton verpackt, den irgendwann ein aufmerksamer Mensch mitten auf einer Verkehrsinsel entdeckte. Eine Tierschützerin (Rufi) wurde allarmiert, die die Welpen sofort dort abholte, jedoch keine Möglichkeit fand um sie selber aufzunehmen. 13 Welpen sind nun mal kein Pappenstiel und da ihr eigenes Tierheim überfüllt war, brachte sie die Welpen in eine 100 Km weit entfernte Tierpension. Dort wuchsen Clara und Noire mit ihren Geschwistern und anderen Pensionshunden zwar auf, aber sie waren zwei von vielen. Sozialverhalten innerhalb einer Gruppe kennen sie nur zu gut, alles andere, was die Zivilisation betrifft, in keiner Weise.

Clara und Noires Geschwister konnten bis zum Oktober letzten Jahres vermittelt werden, lediglich die beiden blieben übrig. Somit suchte die Hundehilfe Spanien e.V. nach einer Pflegestelle in Deutschland und Heike erklärte sich bereit, die zwei Hündinnen aufzunehmen. Eines der Probleme bei Auslandsvermittlungen ist leider oft, dass mancher Interessent zurückschreckt,wenn sich ein auserwähltes Tier noch im Ausland befindet. Eventuell dauert es zu lange bis ein Vierbeiner mit Tests und Impfungen ausreisefähig ist oder sich ein Transport organisieren lässt.  Dieser Hund oder diese Katze könnten nur mit Mühe  besucht werden, aber dennoch möchte man sich  erst einmal persönlich kennen lernen!?  Sobald sich ein Vierbeiner bereits in Deutschland auf einer Pflegestelle befindet, kann ohne Verständigungsprobleme mit der jeweiligen Pflegestelle gesprochen oder das Tier nach Absprache besucht werden.

Clara und Noire nahmen am 02. April 2011 Abschied von Spanien und fuhren zusammen mit einigen anderen Hunden, die ebenfalls einen Platz finden konnten, Richtung Deutschland.

Sie kamen am Sonntag den 03.April in der Nähe von Frankfurt an. In solchen Momenten ist großräumiges, sicheres Gelände nötig, da niemand weiß, wie welches Tier reagieren wird. Es liegen Stunden der Ungewissheit und Enge hinter ihnen, die jeder Tierschützer versucht so kurz wie möglich zu halten. Egal, ob es ein zweistündiger Flug in einer Transportbox im Frachtraum eines Flugzeuges ist oder eine 24 Stunden dauernde Fahrt in einem Auto. Es ist purer Stress für die Tiere, doch auf jeden Vierbeiner wartet ein Ansprechpartner, der sich auf das jeweilige Tier vorbereitet hat und es liebevoll in Empfang nimmt.

Heike und Sascha  waren ebenfalls  pünktlich vor Ort, um Clara und Noire abzuholen und einige andere Hunde auf dem Rückweg an  anderer, verabredeter Stelle ihren wartenden Adoptanten zu übergeben. Zwei verschüchterte  Vierbeiner, die Zeit, Geduld und Verständnis benötigen, nahmen sie mit nach Hause.

Clara ist die „gelbe“ Hündin und Noire, wie der Name schon sagt, die dunkel gefärbte. Sie unterscheiden sich am ersten Tag ebenfalls wie Tag und Nacht, da Clara die schüchterne Persönlichkeit darstellt, wobei Noire Neigungen zeigt, in kurzer Zeit neugierig und aufgeschlossen zu werden. Heike und Sascha bauten für solche Fälle eine Art  Zwinger in ihren Garten, der ängstliche Hunde zur Ruhe kommen lassen kann und ihre eigenen Hunde nach und nach mit den Neuankömmlingen vertraut werden lässt.

Fotos hinter Gittern bewirken jedoch bei vielen Abwehr: Wie kann man nur? Sind diese Hunde vom Regen in die Traufe gekommen?

Nun, man kann und sollte so handeln, da es sich hierbei nicht um einen Zustand auf Ewigkeit handelt, und Clara und Noire  das beste Beispiel bieten. Sie gehören zur Sorte „Fluchthunde“, die 1. vor jedem fremden Geräusch Angst haben, 2. körperliche Möglichkeiten nutzen um ihre Beine zu bewegen und 3. lediglich Zutrauen zu Vertrauenspersonen zeigen.

Nach und nach geht es weiter mit Anpassung und Eingewöhnung, wie man hier sehen kann: