Hanni und Nanni, Dies und Das

Die beiden Wildmiezen machen sich nur langsam, was ihre Zutraulichkeit anbelangt, aber wir haben Zeit. Zeit bedeutet, dass wir noch mindestens zwei Monate warten, bis sie kastriert und anschließend zu 98  Prozent zu  Emmy und Maxi vermittelt werden können. Zur Winterzeit ist dieser Wechsel optimal, da Emmy und Maxi eingeschlossen werden müssen, damit sich die zwei Neulinge  an die Umgebung gewöhnen können.

Hanni ist die getigerte, die sehr neugierig und im Grunde ständig mit ihrer Nase dabei ist. Aber bis hierher und nicht weiter.  „Du stinkst, du bist mein Feind … obwohl…“.  Häufig läuft sie mit erhobenem Schweif spaßeshalber an mir vorbei, von wegen: „Krieg` mich doch, ätsch, krieg` mich doch!“ Schnurren kann sie wie eine Große, von daher ist es bei ihr nur noch eine Frage von  Wochen, bis sie sich anfassen lassen mag.
Die schwarze Nanni dagegen ist wesentlich scheuer, obwohl die Zeiten inzwischen vorbei sind, an denen ich sie gar nicht zu Gesicht bekam und in denen sie sich unten im Küchenschrank verkroch. Mittlerweile hüpft sie ebenfalls (verbotenerweise) auf die Küchenarbeitsplatte und mag am allerliebsten Fresschen. Aber: „Bis hierher und auf gar keinen Fall weiter! Also nee, da verstehe ich keinen Spaß. Ich bin ein ernstes Katzenmädchen und du kannst mich mal!“

Es war und ist nicht einfach für die Beiden. Vom Hafen kommend in einer Falle zur Inga gebracht. Dort von vielen Augen begutachtet, einen Tierarztcheck inklusive Wurm und Flohkur über sich ergehen lassen müssend. Von dort aus zu einer Pflegestelle der Katzennothilfe, nach einer Woche  zu Christine und Manuela, nach zwei weiteren Wochen  zu uns. Auch wenn sie sich bei Christine und Manuela schon recht zugänglich gaben, so muss man auch verstehen, dass diese Wechselei nicht in meinem Sinne ist, ich solch einen  Aufwand  vermeiden wollte und weiterhin jederzeit vermeiden will. Aber wie das Leben  so spielt, so konnten weder Hanni und Nanni, noch der Rest der Beteiligten das alles wissen oder vorab entscheiden. Ich und Niemand hat eine Ahnung, ob junge Katzen vergessen können, vergessen wollen oder ob sie jemals das gebotene  Spielzeug als eine Alternative zum echten Fang ansehen mögen.

Auch wenn ich dachte, dass speziell die getigerte Hanni unkaputtbar ist, so sollte es  am Donnerstag vor zwei Wochen anders aussehen. Sie erbrach abends ihr Futter und am nächsten Tag erbrach sie Galle, aber eine Katze erbricht nun einmal ab und zu und man kann nicht jedes Mal einen Notarzt rufen, oder? Am Samstag wurde der Balkon mitsamt Netz fertig und der Herr des Hauses und ich ließen uns hinreißen, ein kleines Richtfest zu feiern. Wir hatten wirklich nicht vor, an diesem Abend  noch  eine Tierklinik aufzusuchen oder sonst wohin zu fahren. Auch in eine Menschenklinik wollten wir nicht, ach, all das war Vergangenheit und es lebe die Gegenwart!

„Hallo! Seht ihr denn nicht, wie miserabel es mir geht?“

In der Tat, Hanni schien nicht nur eine Magenverstimmung zu plagen.

Ich rief die Tierärztin an, doch sie konnte leider nur mit Ratschlägen helfen, da sie an diesem Wochenende nicht vor Ort war. Ich solle versuchen Hanni Flüssigkeit einzuflößen, wenn sie nicht selbstständig essen oder trinken wolle. Naja, Wasser trank Hanni, aber Futter mochte sie nicht. Verdünntes Futter in eine Spritze und alle paar Stunden einflößen. Sollte es nicht besser werden, sei eine Tierklinik ratsam.

Leicht gesagt und bei einer zahmen Katze einfach zu händeln. Festhalten, Gekratze und Gebeisse ertragen geht ja noch, aber das bedeutet weiteren Stress für das scheue Tier. Ich wartete ab und wir verdünnten Futter, gaben es auf einen ihr vertrauten Teller, aber Hanni saß nur teilnahmslos davor. Bis Montag würde  Hanni durchhalten, oder? Sie stand nicht kurz vor dem Austrocknen, außerdem hatte sie als Pummelchen Reserven. Aber wie das so ist, man hat keine Ruhe, wenn es einem Tier schlecht geht. Christine und Manuela boten sich sofort an, mit mir in die Tierklinik zu fahren. Mittlerweile war es nach 23.00Uhr geworden und ich ärgerte mich über das Richtfest, aber ärgern brachte jetzt auch nichts, denn es war, wie es war. Hanni ließ sich leicht von Oben in die Transportbox befördern, der Überraschungseffekt war gelungen, ihre Gleichgültigkeit bewirkte das Weitere und wir machten uns auf den Weg. Wir mussten weit über eine Stunde warten, denn es gab einiges in der Tierklinik zu tun. Traurige Wartende teilten sich mit uns das Wartezimmer, jeder mit Gedanken an sein Tier beschäftigt. Hanni guckte uns aufmerksam an und ich fragte mich, ob dieser Aufwand wirklich nötig war, aber nun musste sie auch diese Situation durchstehen. Nach 0.00Uhr kamen wir an die Reihe und aufgrund ihres Zustandes und der Angsteinflößenden Situation, tat Hanni wie eine zahme Katze.

Naja, nicht ganz so zahm, aber zumindest ließ sie sich ohne Murren untersuchen. Sie hatte eindeutig Fieber, 40 Grad wurden gemessen. Sie bekam ein entzündungs- und fiebersenkendes Mittel inklusive Antibiotikum gespritzt. Synulox und Tolfedine bekamen wir in Tablettenform mit und der Verdacht auf Katzenschnupfen wurde geäußert.

Am nächsten Morgen ging es Hanni bereits besser. Obwohl sie immer noch keinen Appetit zeigte, so fand sie Gefallen an ihrem neuen Balkon. Dort legte sie sich Stunden in die wärmende Sonne und beobachtete sorgfältig.

Am Montag war eine weitere Untersuchung bei unserer Tierärztin geplant. Das Einfangen in die Box funktionierte nun schon etwas problematischer, was aber zeigte, dass Hanni sich auf dem Wege der Besserung befand. In der Tierarztpraxis wurde sogleich die Box geöffnet, aber ich sagte: Oh, oh, Moment, das ist eigentlich eine Wilde und wir sollten das Fenster schließen.“ Sofort wurden Türen und Fenster verriegelt, doch Hanni hatte Respekt und ließ die erneute Untersuchung brummend und murrend über sich ergehen. Das Fieber war gesunken und ihre Temperatur betrug knapp über 38 Grad. Die Tierärztin schaute Hanni ins Mäulchen und dort ließ sich erkennen, weshalb sie nichts essen wollte. Ihre Zunge war rotumrändert, akut entzündet und bereitete Schmerzen. Eine Ursache des Katzenschnupfens. Woher sie den bekam, kann lediglich spekuliert werden. Hanni bekam erneut Spritzen und ich bekam CaloPet mit, falls sie immer noch nichts zu sich nehmen würde.

Tabletten und flüssig zu verabreichendes Synulox waren unmöglich einzugeben. Zwei Versuche scheiterten mit zerkratzten Händen. Ich hielt Hanni die Paste vor die Nase, aber sie drehte sich angewidert zur Seite und  verschwandt unauffindbar. Somit nutzte ich die Gunst der Stunde, wenn sie auf einem Stuhl unter dem Esstisch lag. Dann träufelte ich ihr vorsichtig die CaloPet Paste auf ihre Vorderpfoten. Eine ordentliche Katze will saubere Pfötchen haben, somit leckte auch Hanni die Paste ab.

Am darauffolgenden Donnerstag war ein erneuter Kontrolltermin angesagt. Aber wenn man schon einmal zum Tierarzt muss … somit kamen auch Perlchen, Bübchen und Wally mit. Hanni ging es nun schon wesentlich besser, seit Mittwoch hatte sie großen Gefallen an Trockenfutter gefunden. Nicht wirklich das Gelbe vom Ei, aber zumindest nahm sie Nahrung zu sich. Die kleine Zicke schnurrte bei diesem Termin sogar, als wenn sie Gefallen an einem Behandlungstisch gefunden hätte. Heute gibt sie sich, als wenn nie etwas geschehen wäre. Sie isst, spielt und tobt wieder. Am vergangenen Samstag gab es gekochte Hühnchenherzen und Hanni wusste gar nicht wohin, vor lauter Hunger. Sie fand eine Lösung, wo sie (fast) ungesehen ihre Herzen verspeisen konnte:

Von Perlchens Auge wurde ein Abstrich genommen und eingeschickt, auch wenn die Diagnose „eingerolltes Augenlid“ feststeht. Aber das Auge tränt oftmals sehr stark und mit Salbe vermischt ist es stets braun umrandet. Es wurde nachgeschaut, ob sie nun endlich geimpft werden könne, aber sie stecke mitten im Zahnwechsel, das Immunsystem sei momentan geschwächt und die Tierärztin riet weiterhin von einer Impfung ab. Perlchen muss ausgewachsen sein, erst dann kann und muss ihr rechtes Auge operativ behandelt werden. Somit entschlossen wir uns in diesem Moment 100%tig, Perlchen bei uns zu lassen und sie offiziell zu adoptieren. Der Herr des Hauses war zwar überrascht, aber Nein sagen wollte er auch nicht. 😉

Bübchen hingegen konnte aufgrund der letzten Gaben von Baytril seine, bis dahin immer wieder aufkeimenden, Katzenschnupfensymptome in Form extremer Niesattacken verabschieden, erhielt seine zweite Impfung und wurde gechippt.

Und bald muss er auch kastriert werden, wenn sich kein besseres Zuhause findet.

Ebenso Geierwally, die inzwischen liebevoller „Lucy“ genannt wird.

Sie ist unter „Weibern“ und hat erst einmal Zeit.

An der schwarzen Nanni gingen all diese Krankheitsgeschichten ebenfalls nicht vorbei, wobei nicht feststeht, dass sich Hanni oder Nanni hier infizierten. Nanni hatte nach ihrer Woche in der ersten Pflegestelle bereits ein tränendes Auge. Ob der Schnupfen schlummerte und auch in Freiheit ausgebrochen wäre, oder ob in der freien Wildbahn das Immunsystem einen Ausbruch erst gar nicht zugelassen hätte?  Erst hier wurde der klare Ausfluss zu einem eitrigen. Sie isst, was einen großen Vorteil darstellt, da sie nun ebenfalls mit Synulox behandelt wird.

Am allerliebsten mag ich in Erde Pipi machen

Alles in allem mag es klingen, als wenn wir hier eine Seuchenstation wären. Zwar kann man sich von noch vorhandenen Bazillen und Viren nicht frei sprechen, aber Seuchengefahr besteht definnitiv nicht und  ich bräuchte all das nicht zu erwähnen. Jedes Beispiel, ob von Draußen oder Drinnen, soll zeigen, wie schwierig Katzen sein können, wieviel Zeit sie unter Umständen benötigen, welche Krankheiten sie  bedrohen und wie man damit umgehen kann, ohne gleich den Mut zu verlieren. Es gab und gibt immer wieder Interessenten, die sich für die „Kuhkatzen“ melden. Aber es soll speziell Kuhkatzkater Bübchen besser gehen, als er es hier hat. Eine 45 qm Wohnung ist definitiv zu klein, für einen erwachsen werdenden Kater voller Tatendrang und Unfug im Kopf.

Die Impfungen und das jeweilige Chippen wird die  Pfötchenhilfe Grenzenlos e.V. übernehmen, da es sich um ihre Vermittlungskatzen handelt.
Bei den  fast auf 200 Euro angewachsenen Kosten für die wilde Hanni, wird die Tierhilfe Rhein – Main- Ruhr behilflich sein. Herzlichen Dank allen Beteiligten, auch an Christine und Manuela für jede Hilfe!

Schutz vor Autofahrern

Zugegeben, ich bin auch einer, aber ich bin einer derer, der ständig (fast schon panisch) mit den Augen links, rechts blickt und auch diese  Warntafeln „Wildwechsel“  noch kennt. Mittlerweile scheint diese Tafeln kaum noch jemand  zu kennen, da es immer häufiger Meldungen über Unfälle mit Tieren gibt und immer häufiger Berichte gezeigt werden, in denen immer wieder  aufs Neue und spezifisch darauf hingewiesen werden muss, dass diese dreieckigen Schilder mit dem springenden Bock nicht aus Lust und Laune aufgestellt wurden:

Wir wohnen in einer Spielstraße. Hinweisschild für alle Außerirdischen ist dieses:

Leider scheint auch diesen Hinweis kaum noch jemand zu kennen, beziehungsweise akzeptieren zu wollen. Es wird hektisch gedrängelt, wenn man die Schrittgeschwindigkeit einhält. Fast täglich möchte ich mich mit anderen Anwohnern streiten, die eine Hupe (Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) I. Allgemeine Verkehrsregeln: §16 Warnzeichen  (1) Schall- und Leuchtzeichen darf nur geben, wer außerhalb geschlossener Ortschaften überholt (§ 5 Abs. 5) oder wer sich oder andere gefährdet sieht) eher zu erreichen scheinen als eine Bremse. All diese Maßregelungen mag ich auch nicht und hasse zum Beispiel einen Leinenzwang.

Aber einfach mal locker bleiben,  oder habt Ihr den Führerschein irgendwie „anders“ erhalten?

Das Leben in unseren inzwischen begrenzten Räumlichkeiten respektieren, auch ohne Gesetze. Was bringen zwei Minuten Zeit, die Ihr nach (selbstverständlich) verdientem Feierabend länger der Freizeit frönt? Was bringt die Hetze am Morgen, wenn es auf den allerletzten Drücker zur Arbeit geht und das Gaspedal zum besten Freund wird? Was soll all dieses Chaos?

Ich jedenfalls hasse dieses Chaos, obwohl ich  selber ständig mittendrin  stecke. Von dieser Hektik lasse ich mich aber nicht anstecken und bleibe gelassen und möglichst ruhig. Die vielen und tagtäglich neuen Opfer am Straßenrand sprechen Bände.

Da schwarze,  bei Dunkelheit völlig unsichtbare Hündin Bella nun hier lebt und wir Leine und gewisse Vorschriften ebenfalls nicht mögen, sah ich vor einigen Tagen im Fressnapf eine Sicherheitsweste. Sie war ausgezeichnet mit einem Preis von 12,99 €. Da es zu diesem Zeitpunkt wie aus Eimern schüttete, hielten Bella und ich uns ein wenig länger im Laden auf und rannten nicht wie sonst von einem Katzenfutterregal zum nächsten. Die Westen hatten nämlich bei genauerem Hinsehen  noch einen seperaten Preis und der unterschied sich immens. 2,99 €,  hm … ich nahm eine der Westen und ging zur Kasse, denn das war ein Unterschied. Die Kassierin scannte und wusste selbst nicht, was nun richtig oder falsch war, aber wir bekamen die Weste in Größe M für 2,99 €. Nun denn, wir hatten Katzenfutter gekauft, Katzenfutterprobepäckchen geschenkt bekommen und der Regenschauer war abgeklungen.

So sieht das aus und Bella ist ziemlich stolz auf ihre Sicherheitsweste:

Hund lernt schwimmen

Bella ist der Meinung nicht schwimmen zu können.

Ihre Herkunft und Vergangenheit kennt nur sie, aber dass sie kein Wasser, außer in Form von Regen und Trinknapf kannte, das wurde schnell klar.

Im Dezember 2011 kam sie zu uns und kurze Zeit später sollte sie einen Bach überqueren, was wirklich eine Kleinigkeit für Mensch und Hund darstellte. Es dauerte scheinbare Ewigkeiten, denn Bella traute sich nicht. Es half nur die ignorierende Weise und ich ging ohne sie weiter. Irgendwann hatte Bella es geschafft und kam mit feuchten Pfoten hinter mir her gerannt. Na bitte: Geht doch.

Seitdem es warm ist und sich jedes Lebewesen nach Wasser sehnt, seitdem ist der Eselsbach unser Übungsplatz. Stöcken hinterherlaufen, auch das musste Bella erst einmal kennen lernen und die bisher unbekannten Spaß – und Bewegungsmöglichkeiten konnten somit kombiniert werden. Stöcke suchen und bringen, das macht Bella inzwischen mit Vorliebe. Stöcke gleichzeitig aus dem Wasser retten, daran arbeitet sie mittlerweile noch lieber.

Der Eselsbach ist klein und fein, ein säuselndes Stückchen zufriedene Natur, das aber auch Tücken mit sich bringt, was unsichtbare Tiefen an bestimmten Stellen anbelangt. Somit geschah es, dass Bella sich unvorhergesehen in den Untiefen eines reißenden Wildbaches wähnte. Da es sich aber nur um den  Eselsbach handelte, gewöhnte sie sich auch an tieferes Wasser.

Vor einigen Wochen testeten wir einen flachen See, von denen es hier in der Nähe dankenswerter Weise einige gibt. Inzwischen mag Bella Wasser und hat keine Scheu mehr davor. Stöcke im flachen Wasser sind ihr Highlight des Tages, doch ab und zu kommt es vor, dass Mensch ein Stöckchen zufälligerweise ein klein wenig weiter ins Wasser wirft …

Durch all diese Versehen schaffte sie zumindest das Seepferdchenabzeichen. Zwar mutiert Bella zu einem Schaufeldampfer auf dem Mississippi, aber sie bemüht sich.

Wenn sie einen Stock zwischen die Zähne nehmen möchte, geht sie gleichzeitig unter. Die (Überlebens)wichtige Koordination klappt noch nicht wirklich und oft zog ich fast schon Hose und Schuhe aus, um sie vor dem eventuellen Ertrinken zu bewahren. Bella ist eine dominante Hündin, der man den kleinen Finger nicht reichen darf. Von daher wird sie (unter anderem) wütend, wenn sie sich nicht traut, diesen jeweiligen Scheißstock zu holen. 😉

Neulich im Fressnapf

Von zwei Begebenheiten gibt es dazu zu erzählen, wobei sich beide nicht wirklich ähneln und dennoch vom möglichst gesunden Futter handeln. Fressnapf dürfte jeder Tierhalter kennen. Mittlerweile stehen sie in Konkurrenz mit dem gelben Emblaim des Futterhauses und wechselten die rote in grüne Farbe. Man könnte fast auf die Idee kommen dass Politik einen Hintergrund hat, aber nein, hier geht es nur um das Wohlbefinden der Haustiere.

Die erste Begebenheit fand ziemlich spät abends statt, während ich im Vorbeiflug noch Katzenfutter besorgen musste. Eine Frau stand hinter mir, die jedoch mit wenig großen  Dosen einer Sorte schneller abzufertigen war als ich. Somit ließ ich sie vor und stapelte meine aufwändiger zu kassierenden Sorten, wie Fisch (Schmusy, Animonda) und Fleischdosen (Carny, Real Nature) hinter ihr auf der Theke. Ich bekam ein spannendes Gespräch zu hören, bei dem die Kassiererin, die anscheinend die Chefin ist, der Frau ein Multifit Produkt empfahl und ihr eine Probedose schenkte. Die Käuferin hatte gelbfarbene Dosen mit dem wohl bekanntesten Namen Pedigree Pal im  Wagen. Derweil zeigte die Käuferin überwältigend gut gelungene Fotos ihres Hundes, die bei einem Fotoshooting geknipst worden waren. Ja wirklich, ein hinreißender Hund! Die Dame verließ den Laden und versprach das Multifit Gericht auszuprobieren. Ich wunderte mich insgeheim, denn dass das preiswerte Multifit dem Pedigree Pal vorzuziehen ist war mir neu, aber ich hatte mich auch nie darum gekümmert, denn 100% Deklaration ist mein Ding.

Nachdem meine Ware gescannt worden war, meinte die Kassiererin oder Chefin, dass sie mich nicht belehren müsse.

„Weswegen, wegen der Inhaltsstoffe?“

„Genau. Wegen all dem verborgen angegebenen Zeug, verstecktem Zucker, weswegen  ich versuche jeden Hundehalter von Pedrigree abzubekommen, denn das macht die Tiere krank!“

Oh, oh, ich fürchte, dass sie diesen Laden nicht lange aufrechterhalten kann, denn ohne Monopolisten keine Finanzen. Aber Recht hat sie und ich bekam eine Dose Real Nature von ihr geschenkt. Wir unterhielten uns allgemein noch über „Felix“ und „Kitekat“ und ich bestätigte, dass es ein mühsamer Weg ist, sich all die namenlosen und besseren Futtersorten herauszusuchen, die ohne Werbung ihr Ding machen.

Mein nächster Einkauf fand einige Wochen später an selbiger Stelle  statt, da ich die Geschäfte wechsele, wie und wo es passt. Nun wieder ganz neu, völlig unbekannt, da sich eine Kassiererin nicht alle Kunden merken kann. Ich kaufte an diesem Tag ebenfalls Carny von Animoda und Real Nature für Hund und Katzen.

„Na, nun sind alle Haustiere wieder glücklich“, sagte dieselbe Chefin, die vor kurzem das bessere Futter empfohlen hatte.

„Ja“, sagte ich, „hauptsächlich die wilden Katzen, hier vom Hafen.“

Die junge Frau stutzte und erwiderte: „Aber das teure Real Nature geben sie nicht etwa den wilden Katzen, oder?“

Ich sah sie an: „Aber genau die brauchen das gute Futter doch umso mehr, denn  wer hilft ihnen, wenn sie durch Zucker und so weiter krank werden?“

Ich war enttäuscht ob dieser Frage, hatte ich hier auf ein wirklich mitdenkendes Unternehmenspotential gehofft. Die Dame bückte sich anschließend tief und holte sämtliche Futterspenden aus einer Kiste, die noch vorhanden waren. Hündin Bella kam dabei am besten weg, denn leider war die Krabbelkiste in diesem peinlichen Moment auch noch fast leer. „Tut mir leid, mehr habe ich nicht.“

„Kein Thema, danke vielmals.“

Fall Rumänien (2)

Damit Ihr an der Entwicklung eines der winzigen Schritte, der in diesem Fall Rumäniens Tierkatastrophe anbelangt, teilnehmen könnt, hier ein erster Bericht.  Er betrifft in diesem kleinen Fall  die Hündin Zara und logischerweise geht dieser Schritt nicht von Rumänien aus. Ute kaufte die Hunde frei und bewahrte sie somit vor einem verfrühten Tod. Über Sinn und Unsinn kann gerne jederzeit und unendlich gestritten werden und ja, man kann nicht die ganze Welt retten, aber für diese paar Hunde bedeutet es die ganze Welt.

Zara konnte inzwischen mit weiteren Hunden nach Bukarest gebracht werden, wo sie untersucht, behandelt und kastriert werden. Zumindest sind sie raus aus der Tötung und warten nun auf eine Möglichkeit der Ausreise.

Wann und wie, das steht immer noch in den Sternen, kommt es doch auf die finanziellen und hilfstechnischen Möglichkeiten an. Ob per Flugzeug oder per Transport, wo und wann eine Abholung erfolgen wird, all das muss nun organisiert werden. Heike hatte eine Pflegestelle für Zara gefunden, weshalb diese Hündin auch gleich frei gekauft wurde. Ohne Auftraggeber kein Freikauf. Leider stellte sich die Aussage des Aufnahmewilligens als Windei heraus, die Dame bekam wohl Angst vor der eigenen Courage. So etwas passiert oft und übrig bleiben die wenigen Menschen, die sich eh rund um die Uhr mit der Aufgabe Tierschutz beschäftigen, zusätzlich zu einer Arbeit. Wie auch Heike, die einmal A gesagt hatte und auch zu einem B steht, was bedeutet, dass Zara zu ihr kommen wird. Wohlgemerkt in eine Pflegestelle, in der es auch Surco und Musel schafften, zu einigermaßen Menschenbezogenen Hunden zu werden.

Auch Zara soll sehr ängstlich sein, was nicht verwundert, wenn man sich die Lage vor Ort ansieht. In der Tötung aufgewachsen, mit panischen Artgenossen eingepfercht, von gefühllosen Menschen missachtet und mit Füßen getreten. Sie wird eventuell nichts kennen, weder ein Hundeleben, noch Straßenverkehr oder eine Leine.

Heike nimmt diese Aufgabe gerne auf sich, aber anders kann man sich dieser weiteren Aufgabe auch gar nicht stellen. Caronte kam vor einiger Zeit genauso zu Heike und ihrem Mann  Sascha. Caronte wurde in einer spanischen Tötung von seinen Artgenossen beinahe zu Tode gebissen. Erst auf diese Weise wurde eine Tierschützerin vor seiner geplanten Hinrichtung auf ihn aufmerksam. Niemand kannte den Grund, doch „Jeder“ wollte diesem Riesen plötzlich helfen.

Heike war im Endeffekt die Einzige, nahm ihn zu sich und die Ursache der Beißattacke stellte sich nach einer Weile heraus. Caronte bekommt – ohne bisher diagnostisch klar erkennbaren  Grund – epileptische Anfälle. Meist während der Nacht. Nicht nur diese Momente sind für alle Beteiligten eine Belastung. Hinzu kommen Stunden der jeweiligen Nachwirkungen, die einen solchen Hund ruhe – und orientierungslos durch die Zimmer wanken lässt. Obacht ist wichtig, weil er vor Türen oder Schränke läuft, immer wieder und ohne Unterlass. Anschließend ist dieser Hund fix und fertig, aber auch Heike und Anhang sind anschließend fix und fertig, da sie alle mit Caronte leben und diesem tapferen Riesen während und nach seinen Krämpfen beistehen.

Caronte wird bleiben, denn wer mag sich diese „Arbeit“ zumuten?

Jetzt auch noch Zara, die ähnlich geschunden ankommen und genauso liebevoll aufgenommen werden wird. Ich wünsche viel Glück, werde  weiter berichten und Heike jederzeit unterstützen, soweit möglich.

 

 

Fall Rumänien

Nach all den relativ guten Nachrichten muss eine schlechtere folgen. So ist das Leben und ich mache das nicht aus Spaß, sondern weil Heike mich darum bat. Manchmal verschließe ich die Augen und mag den Auslandstierschutz überhaupt nicht. Stelle mir all die anderswo lebenden Mitmenschen vor, die sich schlapp lachen. Weil die Deutschen sentimental und unverstehbar sind. Doof und Dämlich mögen sie denken, aber das kann ich nicht belegen. Sentimentalität ist ein Gefühl und irgendwie stimmt es ja auch, denn wer kann wegsehen, wenn er weiß, dass unsere Mitgeschöpfe mit Füßen getreten, misshandelt werden? In kahlen verdreckten Zwingern eingesperrt werden, ohne Nahrung, ohne Wasser auf den unausweichlichen und viel zu frühen, nicht gewollten Tod warten müssen, weil IRGENDWER daran Geld verdient.  Die Tiere, die wie der wöchentliche Abfall beseitigt, im mildesten Fall auf die Straße entlassen werden. Es kocht jeweils eine Menge in mir hoch, wenn ich darüber nachdenke. In mir kocht aber auch eine Menge hoch, wenn ich an Syrien und all die Länder denke, die sich gegenseitig bekriegen und mit gegenseitigem Atombombenbesitz pokern. Basteln die an einer Atombombe oder nicht? Oft denke ich, dass diese eventuellen Atombomben doch einfach  in die Luft geschossen werden sollten – denn dann ist Ruhe – absolute Stille – für uns alle.

Günter Grass wird mit seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ nun von vielen Seiten angegriffen. Ihm wurde Einreiseverbot nach Israel erteilt, dabei wäre ein reinigendes Gespräch um einiges sinnvoller. Aber was soll es, damit begebe ich mich in Gefilde die gefährlich sind oder werden könnten, somit beschränke ich mich auf die vermeintlichen Niederungen, die Tiere.

Rumänien dürfte ein Begriff für jeden sein, was die jeweiligen Tiermisshandlungen, Straßendebakel und das Leben an sich anbelangt. Ich gebe zu, nach Heikes Bitte erst einmal überlegt zu haben, da ich von solch Buchstaben in Fettform  die Nase voll habe. Zu viele Erfahrungen, die sich wie Seifenblasen in Luft auflösten.

Diese Hündin, um die es geht, wurde inzwischen von einer ernsthaften (inzwischen muss dieser Zusatz genannt werden) Tierschützerin frei gekauft. Das ist die Ute und ich ziehe meinen Hut vor ihr. Heike hat eventuell eine Pflegestelle für Zara gefunden,  aber all das befindet sich  moment in der üblichen Hoffnungsphase, weil Zara erst am 23. April dort raus darf.

Alles in allem wollte ich hiermit auf die allgemeine Situation Rumäniens aufmerksam machen. Ute ist auch bei Facebook zu finden und vielleicht hat der ein oder andere Interesse ihr zu helfen, sie und die Tiere  zu unterstützen: https://www.facebook.com/T.O.R.A.Bistrita

Das bildhübsche Hundemädchen ZARA leidet in der Hundehölle von Bistrita (Rumänien)!

Dringend!!! Notfall!!!

Zara giebt sich auf !!!

Sonnst stirbt sie auch noch, wie ihre 3 Geschwister!

ZARA kam im Alter von ca. 2 Monaten mit 4 weiteren Geschwistern dorhin. ZARA ist die einzige Überlebende der ganzen Familie. Alle ihre Geschwister haben diese Hölle nicht überlebt. Nur einmal in der Woche gibt es dort Wasser und Futter. Die Hunde leben in total verdreckten Käfigen – es ist ein MASSENLAGER, das viele nicht mehr lebend verlassen. Wenn sie nicht verhungern oder verdursten, werden sie totgebissen oder sterben an Krankheiten, denn medizinische Versorgung gibt es dort auch nicht.

ZARA vegetiert dort seit 8 langen Monaten vor sich hin. Sie ist inzwischen ca. 10 Monate jung (Stand April 2012) und kennt nur diesen traurigen Ort. Ihre ganze Welpenzeit hat sie dort verbringen müssen. Sie gibt sich langsam auf.

ZARA ist verträglich mit Artgenossen.

Wer gibt diesem bezaubernden Hundemädchen, das bislang unsägliches Leid ertragen musste, eine Chance und schenkt ihr ein liebevolles Zuhause?

Bei Interesse an der Hündin, bitte an diesen Kontakt tierschutz@wichtig.ms wenden!!!

Update:

Leider bekam ich gerade eben noch unschöne Bilder des Shelters of Bistrita in Rumänien.

http://www.piaberrend.org/romania-horror-in-the-municipal-shelter-of-bistrita/

Tierschützern wird nur einmal Wöchentlich der Zutritt erlaubt, um die Tiere zu füttern und um sauber zu machen!

Hilfeangebote für die Tiere bitte an meine oben angegebene E-Mail Ardresse, oder an ute.arns@web.de

Bella die Pflegehündin

Bella kam Anfang Dezember zu uns und weder sie wusste, wo sie hinkommt, noch wir wussten, wen wir aufnehmen werden.

Alles in allem etwas schwierig, doch Bella zeigte am selben Abend bereits eine Art Heimatgefühl. Mit Katzen kam sie zurecht, das war eh die Grundvoraussetzung gewesen und inzwischen funktioniert der Zusammenhalt innerhalb der kleinen Tierfamilie immer besser. Romina scheint Bella zu lieben, hatte sie bei Gipsy schon eine Hoffnung gehegt, doch Gipsy mochte keine weiteren Königinnen in ihrem Reich. Bella ist das egal, denn sie ist immer noch Neuling, allerdings ist sie ein Hund und Romina lediglich eine Katze. Ja, da werden Unterschiede wie im Krieg ausgefochten und anfangs musste der Daumen eines menschlichen Streitschlichters darunter leiden. Charlie wäre es beinahe an den Kragen gegangen, aber wie gesagt, ein Daumen pro menschliche Hand verhindert das schlimmste. Streit und vermeintliche Kämpfe gibt es ausschließlich beim Futter und da Mensch mit vorausschauenden Fähigkeiten gesegnet wurde, kann er reagieren, lehren und verhindern.

Bella ist nur zur Pflege hier, bis sich ein tatsächlicher Interessent meldet. Sie gehört allerdings fast schon zur Familie und dieses „Fast“ macht ihr anscheinend zu schaffen. Wurde aus den ehemaligen Pflegestellen berichtet, dass sie alt ist und viel schläft, so hat sich das Blatt gewendet. Bella schläft wenig, ist aktiv und rennt am liebsten rund um die Uhr.  Sie stammt aus einem belgischen Tierheim, in das sie abgegeben wurde weil ihr Frauchen starb. Das ist alles, was man von ihr zu wissen scheint und sie würde jetzt vielleicht schon nicht mehr leben, da in belgischen Tierheimen Langinsassen getötet werden. Schwarz und älteren Semesters: Gut geeignet, da ohne Erfolg.

Bella ist im Gunde hyperaktiv und die Ursache liegt eventuell bei mir. Ich nahm sie vom ersten Tag an zur Arbeit mit, da ich keine andere Lösung hatte. Einen fremden Hund abends aufnehmen und am nächsten Tag keine Zeit für ihn haben, das schreit nach Lösung.  Somit musste sie am kommenden Morgen ins Auto hüpfen und mitfahren. Das hätte daneben gehen können, klappte jedoch sehr gut, irgendwie passte sich Bella von der ersten Minute an. Aber sie schien sehr gleichgültig, unerzogen, ging mit geducktem Kopf neben einem her, freute sich kaum und schien sich einem gewohnten Schicksal zu fügen.

Andererseits bellt sie viel, ist an allem interessiert, will jede Minute mitbekommen und hängt stets an meiner Seite. Mit anderen Artgenossen kommt sie perfekt zurecht, sie freut sich über Freunde und spielt sogar eine kurze Zeit, wobei man ihr zehn oder zwölf Jahre anmerkt, da die längere Spielphase zur Vergangenheit gehört. Sie wurde auch schon angefallen, von einer Wuchtbrumme der Rasse Labrador, die sich mühselig aber dennoch sehr schnell und konsequent unter dem eigenen Zaun hervorquetschte um Bella in die Mangel zu nehmen. Ist aber nichts passiert und Bella hat es nicht weiter geschockt.

Bellas bester Freund ist inzwischen Lucky, der Nachtwächterhund einer wichtigen Katzenfutterstelle:

Anfangs mochte oder kannte Bella weder Stöcke, Bälle noch Knabberstangen, bis wir eine  Familie trafen, die mit Zwergpinscher und  Tüte voller  Ochsenziemer bewaffnet aus einem Futterladen kam. Die junge Frau fragte, ob sie Bella einen Ochsenziemer schenken dürfe und ich sagte: „Ja klar, aber eventuell mag sie den nicht.“

Wie bei Kindern mit  berüchtigtem Spinat, wo Spinat beim Freund viiieeeel besser schmeckt als zu Hause. Bella nahm den Ochsenziemer und trug ihn bis nach Hause. Irgendwann entdeckte sie sogar einen Stock, also ich entdeckte ihn und warf ihn erneut, weil ich keine Ahnung habe, welch schwierige Dressur Bella drauf hat. Sie geht ohne Aufforderung links bei Fuß, stößt mit ihrer Nase ständig vor meine Füße, weil ich mit so viel Korrektheit nicht rechne. Sie scheint eine Menge gelernt zu haben und ist kein bisschen unerzogen, eher  erzogen wie ein damaliger Mauerhund. 1989 war es, als die gefallene Mauer gedrillte Hunde hinterließ. Ich ging zusammen mit einer Freundin und zweier Tierheimhunde spazieren. Ein gehobener Stock bewirkte Zähnefletschen, so dass der Stock mit spitzen Fingern fallen gelassen wurde/werden musste. Bella zeigt auch ab und an die Zähne, man darf ihr nicht an die Pfoten fassen. Ansonsten kann sie, wenn  sie will, den gefangenen Stock bei Fuß ablegen.

Und dann kam vor einigen Wochen die Zeit, wo scheinbar ein Hebel umgelegt wurde, wie bei  wilden Katzen, die sich plötzlich streicheln lassen:

Bella  rennt und tobt, sie zeigt Freude und kann sogar lächeln. Futterneid ist kaum noch ein Thema, weil sie die Grenze zur Küche und  Katzenterrain akzeptierte. Ihr Gebell, ihre Hektik, nun ja, daran arbeiten wir immer noch. Immer wieder an einem ruhigen Wochenende, an dem man sich seine Auszeit gönnt und sämtliche schlimme Gedanken an die Vergangenheit beiseite schiebt.