zur Abwechslung – ein Gedicht von Gottlieb Pfeffel

Das Kätzchen

Ein unerfahrenes Kätzchen sah

Zum ersten Mal den Mond in vollem Lichte prangen

Und sprach entzückt zum Großpapa:

„Sieh an der Decke dort den schönen Käse hängen.

Oh, hätten wir ihn doch!“ – Ei, lerne, blöder Fant“,

Versetzt der Großpapa, „fürs erste Mäuse fangen,

Die sind uns näher bei der Hand.“

Gottlieb Konrad Pfeffel

(1736 – 1809)

zur Abwechslung – ein Gedicht von Swinburne

„An eine Katze“

Algernon Charles Swinburne

Mein edler Freund, ich bitte sehr:
Komm doch her,
Sitz neben mir und schau mich dann
Mit deinen lieben Augen an,
Mit Augen voller Glanz und Gold;
Dein Blick, er ist so treu und hold.
Dein wundervolles weiches Fell,
Schwarz und hell,
So seidig, üppig, voller Pracht,
Wie Wolkenhimmel in der Nacht
Belohnt die Hand, die dich liebkost,
Mit freundlicherem Glück und Trost.
Die Hunde freunden gern sich an
Mit jedermann.
Doch du, von lauterer Natur,
Liebst deine wahren Freunde nur,
Berührst mit deiner Pfote mich –
Ja, Lieber, ich verstehe dich.
Was geht wohl vor in deinem Geist –
Ach, wer weiß?
Wenig nur ist uns bekannt
Trotz unsrem Freundschaftsband.
Vielleicht ist’s dem Menschen nur vergönnt,
Daß er das Leben besser kennt.

zur Abwechslung – ein Gedicht von Rilke

Taube, die draußen blieb

R.M. Rilke

Taube, die draußen blieb _____ außer dem Taubenschlag,

wieder in Kreis und Haus, _____ einzig der Nacht, dem Tag,

weiß sie die Heimlichkeit, _____ wenn sich der Einbezug

fremdester Schrecken schmiegt _____ in den gefühlten Flug.

Unter den Tauben, die _____ allergeschonteste,

niemals gefährdetste, _____ kennt nicht die Zärtlichkeit;

wiedererholtes Herz _____ ist das bewohnteste:

freier durch Widerruf _____ freut sich die Fähigkeit.