Viel Glück, Louis!

Täuberich Louis war von Oktober 2014 bis April bei uns, nachdem er stets Louise von mir genannt wurde. Fataler Fehler, aber bei einzelnen Tauben, ohne entsprechendes Balzverhalten, ist es für Laien nun einmal nicht einfach das Geschlecht herauszufinden.
Taube Louis
Wie dem auch sei, Louis nahm die Verwechslung hoffentlich nicht übel.
An einem Montagabend sah ich ihn zu ersten Mal, seinerzeit im Oktober, wie er aufgeplustert und langsam über eine Straße schritt. Ich hielt an und wollte ihm helfen, aber weit gefehlt, denn plötzlich wurde sein Schritt schneller und schneller, bis er sich unter einem großen Industriecontainer verstecken konnte. Dort drunter und davor hatten sich Schlamm und diverse Müllreste gesammelt, doch für Louis war es das einzige Versteck, und ohne mich vollends zu blamieren und mit langgestrecktem Körper auf einem dreckigen Boden herumzuliegen, war an ein Herankommen an diese Taube nicht zu denken.
Es dauerte bis Donnerstag, und Louis lebte immer noch. An diesem Tag hockte er jedoch schmutzig und völlig apathisch in einer Ecke einer Fabrik auf dieser Straße, und ließ sich mittlerweile schnell einsammeln.
Louis mussten die Füße und der Bauchbereich gebadet werden, er mußte per Hand gefüttert und getränkt werden. Mit Multivitamintabletten in Brausetablettenform, ein Wundermittel, wenn man weiß, was man geben soll. All das ließ sich Louis nur sehr widerwillig gefallen, und ich wußte nicht, ob er überlebt. Anne wußte es genausowenig, denn Ferndiagnosen sind immer schwer.
Aber diese Taube wollte leben, unbedingt, und entwickelte sich zu einem begnadeten Schauspieler. Innerhalb der Monate hatten wir regelrecht Spaß miteinander, denn Louis lernte unsere Rituale schnell. Fliegen wollte er nicht, obwohl er nichts an den Flügeln hatte. Er saß in seinem großen Käfig tagsüber draußen und kannte die Abendzeiten bald, an denen er ins Badezimmer konnte. Ab der Tür flatterte er auf den Wäschekorb, putzte sich und sah aus dem Fenster. Nachdem sein Käfig saubergemacht und Futter, Wasser aufgefüllt worden waren, kam er wieder zurück – auf der Hand balancierend. Dann wurde er vorsichtig in die Höhe geschwungen, so dass er seine Flügel ausbreiten konnte und zu Flugversuchen animiert wurde.
Anne übernahm Louis im April und zuerst wusste sie auch nichts mit ihm anzufangen, benahm er sich untypisch still und zurückhaltend, obwohl er bei Anne in einer Gruppe Tauben leben konnte. Louis saß auf ihrem Nähkästchen und hnterließ Hinterlassenschaften – bis … bis er plötzlich die Kurve bekam und anfing zu hacken, zu gurren und sich endlich artgerecht zu verhalten.
Nun lebt Louis in einem Taubenschlag und freut sich seines Lebens.

Die nächste Taube ließ nicht lange auf sich warten. Vielleicht ist es diesmal eine Louise? Warum kann oder will sie nicht fliegen? Ihre Flügel scheinen in Ordnung zu sein.
Sie lief in einem Garten herum, kam nicht mehr weg. Sie wurde von den Anwohnern gefüttert, aber eine flugunfähige Taube ist nun einmal vielen Gefahren ausgesetzt, so dass wir das gleiche Prozedere durchführen, und Anne wird sie – zu all den anderen Notfedern dieses Frühjahres – aufnehmen. Danke, Anne!
In Venedig werden Tauben noch akzeptiert, ohh, exklusive Fotos werden von Touristen mit Tauben auf der Hand geknipst. Und seltsam, hier wird man angesprochen, regelrecht angespuckt, hilft man einer hilflosen Taube oder füttert sie mit artgerechten Körnern. Verkehrte Welt – wie inzwischen überall.
Louise

Unser „Dreamteam“ wünscht Euch Lesern eine gute Woche!
Dreamteam

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