Hilfe für gefundene Tauben

Ein Thema, was ich lange schon intensiver bearbeiten wollte.
Eine fachkundige Fortsetzung wird folgen, aber erst einmal sollten „Ottonormalversuche“ zum Überleben einer gefundenen Taube reichen.

1. Sichten und sich kümmern. Nicht wegsehen!
2. Entweder ein Tierheim, einen Tierschutzverein vor Ort anrufen oder die Taube in irgendeiner Art einsammeln/fangen. Fällt oftmals schwer, da man alltäglich selten einen Karton oder ein anderes geeignetes Behältnis mit sich herumträgt – von der fehlenden Zeit mal abgesehen. Trotzdem kann man Tierschutzvereine, Taubenexperten informieren, das ist im Zeitalter von Smartphone und Co. kein Thema mehr. Selbst die 112, die Nummer der Feuerwehr darf gewählt werden. Ohne Quatsch, aber diese netten Menschen kommen selbst für verletzte Möwen heraus und bringen die Tiere zu einem Tierarzt oder zu einer ihnen bekannten Auffangstationen.
3. Die Anrufe haben allesamt nichts gebracht, somit versuchen, die Taube an einen stilleren Ort zu bringen, vorsichtig zu scheuchen, als dort auf dieser Straße zu belassen, wo ihr innerhalb der nächsten Minuten  das Leben genommen werden wird.
4. Zu einem späteren Zeitpunkt nachsehen und sich erneut kümmern.
5. Sollte man das Glück haben und die Taube mit nach Hause nehmen  können, gilt als erste Maßnahme: Wassergabe!
Den Schnabel der Taube in eine Schale mit warmen Wasser halten. Nicht allzu tief, weil sich in den Schnäbeln der Vögel die Nasenlöcher befinden. Es kann dauern, deshalb nicht die Geduld verlieren, aber eine durstige Taube wird das Wasser erkennen und nach kurzer Zeit gierig trinken. Das Wasser kann selbstverständlich auch kalt gereicht werden, aber warmes Wasser wirkt für Tauben wie Tee. Somit auch ein Balsam für die Seele. Futter in Form von Körnern wäre nicht schlecht, aber bekanntlich schlecht in diesem Moment greifbar.
Wenn das Tier keine Anstalten macht, kann man ihm mit einer Spritze das Wasser einflößen, aber auch diese Maßnahme gehört zur Kategorie Fortgeschrittene, denn kaum ein Mensch hat eine Einwegspritze greifbar zur Hand.
6. Die verletzte Taube benötigt einen dunklen Platz, in dem sie sich sicher fühlt und zur Ruhe kommen kann. Es kann ein Karton sein oder ein ähnliches Behältnis, das man mit Zeitungspapier oder einem alten (darf auch ein neues sein) Handtuch auslegt. Wichtig ist eine luftdurchlässige und gleichzeitig dunkle Möglichkeit. Stroh als Unterboden ist auch eine gute Maßnahme, aber wie gesagt, meist in solchen Momenten nicht vorrätig.
7. Hat man bis hierher immer noch keine  Erfolge erzielt, gilt es der Taube Futter zu bieten, falls man es nicht sofort versucht hat. In manchen Tierfachgeschäften gibt es spezielles Taubenfutter zu kaufen, aber zur Not kann man Reis oder geschälte Sonnenblumenkerne in beinahe jedem Discounter besorgen. Selbst mit zerbröseltem Schwarzbrot kann man einer Taube zum Überleben helfen, sollte sie alleine picken können.
8. Eine verletzte Taube benötigt selbstverständlich sofortige Hilfe und meist werden  schwächelnde Brieftauben angefahren, die an beringten Beinen zu erkennen sind. Verletzte oder junge Tauben wollen/können oftmals nicht selber essen, dann muss per Hand das Futter eingefößt werden, aber das gehört ebenfalls zur Kategorie Fortgeschrittene und ist nicht so einfach zu erklären und schwierig zu händeln. Ein Tierarzt kann selbstverständlich helfen, aber er sollte ein Vogelexperte sein. Das ist kein Vorurteil, aber Wildtierauffangstationen und Taubenexperten sind oft besser über Wildtiere informiert, haben eventuell mehr Möglichkeiten, da sich auch im Nachhinein gekümmert werden muß. Sie geben die Taube gewissenhaft und pflichtbewusst ab – aber der Tierarzt hat ein Problem, weil er eine Aufnahme/Pflegemöglichkeit eventuell gar nicht bieten kann. Auch darüber muss/sollte nachgedacht werden.

Leider geschieht es oft, dass verletzte Tauben oder im allgemeinen verletzte Vögel die erste Nacht nicht überleben. Sie haben jedoch alles richtig gemacht, denn auch das Sterben kann eine Qualität haben. Besser in einem sicheren Unterschlupf einschlafen, als im Rinnstein einer Straße krepieren, oder?

Somit viel Glück, und Danke, dass Sie über unsere ältesten Mitlebenden nachdenken und sich kümmern!

Viele Grüße an all die verscheuchten und missachteten Taubenseelen von „Flusi“, der momentanen Jungtaube, die bereits ein Bein aufgrund eines Unfalles verlor und hilflos an einer Straßenbahnhaltestelle herumirrte. Sie mag und kann noch nicht selber essen, muss gefüttert werden. Aber dafür kommt sie hier in der Katzenheimat erst einmal zur Ruhe, bis eine Voliere – mit entsprechenden Freunden gefüllt – gefunden wurde.
Flusi

2 Kommentare zu “Hilfe für gefundene Tauben

  1. Inzwischen kümmern sich zum Glück wieder mehr Leute um solch arme Tauben und schauen nicht mehr unbedingt und ignorant weg.
    Heute erst haben zwei Kinder ein Taubenküken zum örtlichen TSV gebracht. Da ich zufällig gerade auch dort war, habe ich Kontakt mit einer befreundeten Wildtierhilfe aufgenommen und das Kleine dorthin gebracht.
    Sie war schon voller Fliegeneier und hatte eine großflächige Verletzung vom Hinterkopf um die Kopfhälfte herum bis zum Schnabel. Die Haut fehlt und alles sieht bereits leicht entzündet aus. Zum Glück ist sie jetzt in besten Händen und wenn sei eine Chance hat, wird sie dort genutzt.

  2. Stimmt, Katja, wir kommen langsam – ganz langsam wieder zur Natur zurück. Frage ist nur, wie groß die Kapazitäten sind, denn z.B. Anne, der ich die gefundenen Tauben gebe, platzt aus allen Nähten. Mit 18 flugunfähigen, bzw. Jungtauben, weiß sie kaum noch, wohin damit.
    Ihre Nachbarn machen ihr das Leben zur Hölle und sie sucht dringend Platz für ein entsprechendes Taubenterrain. Wo auch zuverlässig versorgt wird, wenn es denn einen solchen Platz gibt.

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