Kater Micky

Nachdem Hermine gehen musste, war mir klar, dass ich einem weiteren Tier helfen kann. Hiermit auch Danke, für Eure lieben Kommentare! Kater Micky vom Hafen ging es bereits einige Wochen lang nicht gut.
Micky

Ich sah ihn kaum, er wollte sich nicht wie sonst streicheln lassen, hatte keinen Hunger mehr und seine Augen sahen krank aus. Zum einen durfte ich laut Geschäftsführer das Gelände der Spedition nicht mehr betreten, da sich einiges verändern würde. Gebäude würden abgerissen, andere modernisiert werden und samt Pförtner baldige Gesichtskontrolle anstehen. Das mit der Gesichtskontrolle stammt aus meiner Feder, aber macht die „Gewichtigkeit“ dieses Treffens eventuell deutlich. Der Geschäftsführer erinnerte mich an einen Lebemann, mit graumeliertem Haar, dunklem Sakko und rotem Schal um den Hals. Während sein Lakai auf mich zukam und er selber wichtige Telefonate per Smartphone erledigte. Sein Lakai hielt mich auf Befehl seines Chefs an, dass es bald unter Strafe stehen würde, sollte ich dieses Gelände noch einmal betreten. Zum Glück wird man im Laufe seines Lebens zu einem Menschenkenner und dieser Fritz war ein armseliger Untertan. Der kleine Mann stank beinahe zum Himmel, so sehr hatte er die Hosen voll, denn sein Boss stand nur wenige Meter entfernt. Mir mit Polizei zu drohen, wobei ich lediglich drei Katzen beaufsichtige und versorge, die sich auf diesem Gelände aufhalten, weil alles andere abgerissen und betoniert wurde. Ein kleiner Streifen voller Brombeergebüsch. Mehr gab es nicht mehr für Micky. Auch Mickys LKW, in dessen warmen Motorraum er sich abends zum Aufwärmen gelegt hatte, auch der hatte aufgrund dieser Modernisierung eine Platzkündigung bekommen. Eines abends war der LKW fort und Micky rannte aufgeregt hin und her. Das hatte niemand gesehen, noch registriert!
Ich ließ den armen Mann ausreden und fragte als Antwort: „Kann ich mit ihrem Chef selber sprechen?“
Ich „durfte“ selbstverständlich und ging auf den Lebemann zu. Dieser telefonierte zwar noch eine Weile, aber legte auf und sagte, plötzlich ziemlich unsicher, dass es ihm Leid täte. Tierschutz hin oder her, aber es wären nun einmal Vorschriften und wir alle müssten uns daran halten. Ja genau. Aber ich scheiße grundsätzlich auf hirnlose Vorschriften und Tierschützer, die sich um irgendwelche Kreaturen kümmern, auch die scheißen auf hirnrissige Vorschriften, weil es ansonsten noch schlimmer werden würde! Der Lebemann gab mir netterweise noch drei Wochen Zeit, so dass ich sicher sein konnte, bei der nächsten Fütterung nicht in Handschellen abgeführt zu werden. Die Tage vergingen und ich musste wieder einmal eine Alternative finden. Die letzte Alternative, da Micky und Co. keine weitere Möglichkeit mehr finden würden. Hinter dem löchrigen Zaun des Geländes befinden sich zwei Tischlereien. Die eine setzt sich aus Katzenhassern zusammen und in der anderen arbeiten Tierfreunde. Muckl lebt eh bei diesen Tierfreunden, auch wenn sie dort nie versorgt wurde. Aber sie kann durch den Zaun und wird seit 2003 von Herrn L., Herrn M. und mir versorgt. Somit fragte ich bei dem Tierfreund und Gott sei Dank erlaubte er, dass Futterstelle und Boxen hinter seine Tischlerei gestellt werden könnten. Somit baute ich, abgesehen von Mickys Schlafbox, vorhandene Futterboxen ab und schiffte sie auf das Tischlereigelände hinter den Zaun. Für Muckl und Filou war das kein Problem, aber Micky kam nicht. Für ihn brach anscheinend erneut eine Welt zusammen. Er aß nichts mehr und ich sah ihn nicht, machte mir Sorgen. Die Frist bei der Spedition war abgelaufen und ich durfte das Gelände nicht mehr betreten.
Ulrike bot an, als Verein bei diesem Lebemann aufzutreten und Klartext zu reden, was die wichtige Versorgung, das dortige Kastrationsgesetz mit all seinen Für – und Wider wegen Krankheiten, Vermehrung und Unkosten bedeuten. Das tat sie und redete die anwesenden Männer in Grund und Boden – der Lebemann war geschäftlich unterwegs – so dass die anwesenden Herren mit den Händen wedelten und sagten: „Ok, ok, soll die Frau die Katzen versorgen.“
Danke an Ulrike, denn nur so bekam ich Kater Micky, der laut Tierarzt an einer Magenschleimhautentzündung leidet. Seine Blutwerte sind in Ordnung. Micky in eine Transportbox zu bekommen war nicht einfach, auch wenn er zahm ist. Aber Katzen spüren einen Gedanken, noch bevor Mensch ihn gedacht hat.
Zuerst verkroch sich Micky hier lediglich in seiner gewohnten Schlafbox, eine ganze Woche lang. Er brach sein Futter regelmäßig aus und mehr war von ihm kaum zu sehen. Mittlerweile scheint er sich angepasst zu haben, die Medikamente scheinen zu wirken, auch wenn es diesem Einzelgänger schwer fällt. Mal schauen, ich weiß noch nicht, wie es mit Micky weitergehen wird. Mit seinen mindestens fünfzehn Jahren auf dem Buckel, wird nicht mehr viel Veränderung drin sein.
Micky 1

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