Die Veränderung der Welt

Schwer im Magen liegt mir ein Brief, den vor einigen Jahren Gert Haucke verfasste. Dieser Brief wurde Anfang Februar von den „Ärzten für Tiere“ veröffentlicht und wühlte einiges auf, das mich ständig beschäftigt. Und weil ich dermaßen pessimistisch denke, werde ich oft belächelt, weil ich so dermaßen schlimm negativ fühle.
Aber es sind Tatsachen, auch wenn es der Wandel der Zeit ist und Veränderungen nun einmal zum Leben dazu gehören, so fällt immer mehr auf, dass die Erde bald nur noch aus Beton bestehen wird. An einem Beispiel komme ich täglich vorbei. Dort wurde ein kleiner Wald mit altem Baumbestand beseitigt, wo unter anderem eine Pferdekoppel und Ställe existierten. Eine winzige Oase, zwischen Autobahn und Innenstadt, eine von Vögeln besiedelte Rückzugsmöglichkeit, neben grauem Beton. Eines Tages traute ich meinen Augen nicht, denn die Bäume waren gefällt, die Koppeln und Ställe samt Pferde fort und der Eigentümer des Geländes wird gutes Geld bekommen haben, aber das ist eine reine Vermutung. Zu gleicher Zeit wurden vier überfahrene Katzen gemeldet, die nur 300 Meter weiter entfernt auf der Autobahnabfahrt zu Tode gekommen waren. Ein dummer Zufall? Vielleicht verloren auch sie eine Unterkunft, weil sie der Geldgier und Rücksichtslosigkeit der Menschen weichen mussten? Sie wussten eventuell nicht wohin und liefen ziellos über besagten Beton.
Ein Möbelhaus wird gebaut. Ein Möbelhaus, welches es noch nicht gibt? Und was soll sich dadurch verbessern? Das alteingesessene Möbelhaus in der Stadt wird dicht machen können, die Mitarbeiter entlassen werden, das Gebäude wird leer stehen und viel Trara über solch eine Ungerechtigkeit wird die Runde machen, dabei war all das vorhersehbar, wurde jedoch nicht verhindert. Niemand zeigte Rückrat, die Eurozeichen vor Augen.
Veränderung

Hier nun das Schreiben von Gert Haucke, das all das wiedergibt, was mir auf der Seele liegt. Diese unfassbar egoistische Haltung der Menschen, die sich einbilden etwas besseres zu sein:

UND KEINER HÖRT IHRE SCHREIE…
von GERT HAUCKE

Ein Anwalt der Tiere klagt den Mörder Mensch an, geißelt die Erbarmungslosigkeit, mit der er Mitgeschöpfe zugrunde richtet.
Der Mensch ist ein grauenhafter Irrtum der Natur.

Der Mensch ist ein Ungeheuer. Und zwar das einzige auf diesem Planeten.

Von den höheren Tieren unterscheiden ihn zwei Fähigkeiten. Er allein weiß, dass er sterben muss. Und er besitzt ein moralisches Bewusstsein. Und trotz dieses Bewusstseins dreschen Menschen erbarmungslos auf alles ein, was lebt, zerstören in endlosen Amokläufen die ökologische Balance, die in Jahrmillionen gewachsen ist. Vergiften und verwüsten ganze Landstriche, ihre Flora, ihre Fauna.

Zwei wichtige biologische Gesetze gibt es, die arterhaltend sind.

Erstens: Aggressionen gegen die eigene Art müssen ritualisiert ablaufen, so dass Verletzungen weitgehend vermieden werden.

Zweitens: Jede Tierart muss aus eigener Kraft mit Über- oder Unterpopulation fertig werden.

Zu eins: Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gab es in der kurzen Spanne von nur einem halben Jahrhundert weltweit mehr als 200 Kriege, Massaker, politisch organisierte Todschlägereien.

Zu zwei: Anfang des 19. Jahrhunderts lebten auf der Erde rund eine Milliarde Menschen. Heute haben wir die Sechs milliardengrenze fast erreicht. Wenn Tierarten ebenso unfähig wären, ihre Population zu regulieren, dann könnten wir wahrscheinlich vor Zebras, Elefanten, Großkatzen oder Nacktschnecken nicht treten.

Die Geschichte des Menschen ist eine Geschichte der Gewalt.

Und Jahrtausende lang ist es vor allem die Geschichte von Gewalt, Ausbeutung und endlosen Misshandlungen gegen die Tiere.

250 Millionen Schlachttiere werden Jahr für Jahr quer durch Europa geschleift. Schier endlose Kilometer Todestransport mit brutal zusammengepferchten, halbverdursteten, zum Teil schwer verletzten Tieren, die mit Knüppeln, Elektrostäben und Forken in Waggons getrieben werden. Waggons voller Tierleiber, Todesschweiß und Kot.

Milliardengeschäfte.

Vom Norden und Osten Europas geht es in qualvollen Tagen und Nächten an die Mittelmeerhäfen. Zerschunden, von Wunden bedeckt, mit gebrochenen Gliedern, mehr tot als lebendig, werden die Tiere auf Schiffe in den Orient verladen.

Bei diesem gnadenlosen Geschäft interessiert die skrupellosen Täter nur eins:

Die Belohnung aus Brüssel. So bezahlte die Europäische Union etwa 1994 dem subventionsgeilen Exporteur bei sogenannten Drittland-Ausfuhren einen Zuschuss von 2,38 Mark pro Kilo Lebendgewicht. Für einen Schlachtbullen zum Beispiel kassiert der Betreiber dieser Horrordeals bis zu 1500 Mark.

In einem einzigen Jahr sackten die deutschen Lieferanten für 130000 Rinder, die in den Libanon verschachert wurden, 150 Millionen Mark EU-Gelder ein.

Steuergelder von Bürgern, die sich vor den Alptraumbildern dieser Folterfahrten entsetzen. Und was tun die politisch Verantwortlichen? Die Herren Fischler, Bangemann und Co., Brüsseler EU-Kommissare, vertreten ein EU-Recht, das Agrar-Diktatur bedeutet, Verbrechen an Nutztieren legalisiert, Subventionsbetrügereien in Millionenhöhe möglich gemacht hat, Steuern in Milliardenhöhe verschleudert, mitverantwortlich ist für BSE-Skandallösungen.

Der Katalog der Fehlentscheidungen aus Brüssel ist endlos. Auch die politisch Verantwortlichen in Deutschland arbeiten als Erfüllungsgehilfen der EU-Politik. Es ist der dreckige Deal mit Abermillionen gefolterter Tiere aus Massentierhaltungen, es ist die Duldung von Herodes Prämien für das Serienkillen von Kälbern. Diese Verbrechen passieren millionenfach, legal, staatlich subventioniert, verklärt durch Schönrederei und Pharisäer Sprüche.

Das ist die Moral von Metzgern, die Ideologie von Schlachthausbetreibern.

Nicht nur den „Nutztieren“ bereitet der Mensch die Hölle. Auch für die Hätschelobjekte Hunde und Katzen haben sich aus Profitgier und Modewahnsinn kommerzielle Vermehrter Monstrositäten ausgedacht.

Die sogenannten Zucht-Schauen präsentieren zunehmend teure Krüppel, Invaliden auf Lebenszeit. Weil mit normal gewachsenen, gesunden Hunden offenbar weniger Sensation, weniger Geld zu machen ist, werden todkranke Zwerge und Riesen herausmutiert: Hunde ohne Haare, Hunde, die nur aus Hautfalten bestehen, großvolumige Hunde mit Stummelbeinen und Hunde, deren Haarfülle jede Bewegung zur Qual macht. Große Augen werden züchterisch so vergrößert, dass sie dem Tier bei Erregung aus den Augenhöhlen fallen, kleine Augen so extrem verkleinert, dass die Augenlider nach innen kippen und lebenslang die Hornhaut penetrieren.
Ergebnis: wahnsinnige Schmerzen, später Blindheit. Man hat riesige Ohren gezüchtet, die am Boden schleifen, normale Ohren abgeschnitten, Krüppelschwänze hergestellt und normal gewachsene amputiert.

Grausiges Schauspiel in Pakistan:
Auf einen gefangenen Bären, dem Reißzähne und Klauen gekappt wurden, wird eine Meute Kampfhunde gehetzt.

120.000 Rassehunde werden in der Bundesrepublik offiziell Jahr für Jahr züchterisch „hergestellt“. Gleichzeitig werden Jahr für Jahr Zigtausende Hunde von überdrüssigen Besitzern erschlagen, ersäuft, aus fahrenden Autos geworfen, im Wald zum qualvollen Verrecken angebunden oder in Mülltonnen „entsorgt“. Die am wenigsten brutalen Hundehalter geben lästig gewordene Tiere wenigstens im Asyl ab. Die Tierheime quellen über von Opfern.

Auch Katzen bleiben nicht vom Irrsinn menschlicher Moden und Willkür verschont: Damit sie teure Möbel nicht verkratzen, operiert man ihnen die Krallen heraus. Ein überlanges Fellkleid macht das Jagen unmöglich, die rücksichtslos verkürzten Nasen schaffen schwere Atemprobleme. Es gibt Nacktkatzen und um als schicker Besitzer aufzufallen die reinweiße Züchtung: damit verbunden Taub- oder Blindheit, manchmal beides.

Für Militär, Kosmetik, Medizin und sogenannte Wissenschaften werden in den Versuchslaboratorien jährlich Hunderttausende von Tieren verbrannt, verbrüht, vergiftet, erdrosselt, erstickt, ertränkt, mit Stromstößen umgebracht, rauschgiftsüchtig gemacht und als lebende Zielscheiben beschossen.

Man zertrümmert ihre Knochen, implantiert in die Hirne Elektroden, steckt sie in Fesselungsapparate und Gipspanzer, damit sie nicht zappeln und zucken. Und um ihre qualvollen Schreie nicht hören zu müssen, zerschneidet man ihnen praktischerweise die Stimmbänder. Fachjargon: „entbellen“.

In der modernen Massentierhaltung werden Schweine, Rinder, Kälber und Hühner in drangvolle enge Käfige und Koben gepfercht. Da stehen, schwanken und liegen sie auf Gittern, Spaltböden oder Beton, haben deformierte Gelenke, beißen sich gegenseitig Ohren und Schwänze ab, vegetieren unter Folterbedingungen. Bis zum Schlachthof.

Kein Leben vor dem Tod auch für die Hunderttausende von Nerzen, Füchsen, Nutrias und Chinchillas in den Pelztier-Farmen.

Mit zerrissenen Pfoten, entzündeten Mäulern, vereiterten Augen, vollgepumpt mit Medikamenten gegen Infektionen, die den „Bestand“ vernichten könnten, warten sie auf den Erstickungstod mit Kohlendioxid, den Elektroschock, die Todesspritze oder Traktorabgase, bis sie zum eleganten Pelz für die Damen abgehäutet werden.

Der gefeierte Philosoph Rene Descartes betrachtete Tiere als seelenlose Objekte, als bloße „Maschinen“ und resümierte folgerichtig:

„Ihre Schmerzensschreie bedeuten nicht mehr als das Quietschen eines Rades“.

Diese ethische Einstellung scheint noch 350 Jahre später gültig zu sein. Die kartesische Kälte beherrscht unsere Profit- und unsere Amüsiergesellschaft.

Von der Kotelett-Mafia bis zu den Voyeuren in Stierkampfarenen. Auch am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts quält unsere Gesellschaft Tiere so schamlos, als wären die Schreie der Gefolterten nur das lästige Geräusch quietschender Räder. Die Kaufleute des Todes betreiben erfolgreich wie nie ihr furchtbares Geschäft.

Die Bibel erzählt uns die Entstehungsgeschichte der Welt und berichtet, wie der Schöpfer Tag für Tag schöpft, was das Zeug hält:

Berg und Tal, Fluss und Meer, Himmel und Wolken – und am Ende jeden Tages das Geschöpfte für durchaus gelungen hält. Bis zum Mittag des sechsten Tages hat der Herr aller Dinge sämtliche Tiere erschaffen und formt sodann ein Menschenpaar. Und zwar nach seinem Bilde. Der offensichtlich schon reichlich Ermüdete gibt dann noch den beiden Frischgebackenen den Auftrag, die Erlaubnis – so genau ist das nicht formuliert – mit allem bisher Erschaffenen nach Belieben zu verfahren.

Es war Samstagabend, der Schöpfer war auch an diesem Tag rundum mit sich zufrieden und ordnete den Sonntag als Ruhetag an, worauf er sich erschöpft zurückzog.

Hätte er nicht, wie jeder vernünftige Arbeitnehmer, am Samstagmittag Schluss machen können?

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3 Kommentare zu “Die Veränderung der Welt

  1. Ich frage mich oft, wohin ich mich flüchten könnte, um diesem irrsinnigen Moloch zu entgehen… NICHTS von dem, was um uns herum geschieht, entspricht dem fast schon irreal geschönten Weltbild, mit dem ich aufgewachsen bin.
    Ich schaffe es nicht einmal im Kleinen, meine Katzen davor zu beschützen, Opfer dieses technikgläubigen lebenverachtenden Irrsinns – sprich: der Straße vor unserer Haustür, des giftauslegenden Nachbarn oder des seine Felder spritzenden Bauern – zu werden, wenn ich sie nicht in einer ihre grundlegenden Bedürfnisse verachtenden Weise gefangen setzen will…

  2. Danke Euch! Schnelle Meinungen, somit scheint es ein brisantes Thema zu sein.
    @Bettina, habe es gelesen und Danke für Deine Weiterleitung! Ich denke, dass man nicht allzusehr pessimistisch sein darf wenn man Enkel hat, denn sie müssen damit leben. Ich möchte nicht in deren Haut stecken, aber sie werden sich anpassen (müssen).

    Liebe Grüße
    Sabine

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