Katze Hermine – In Erinnerung

Am 03.02.2014 musste ich Hermine über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Ihre Niereninsuffizienz hatte eindeutig ihren Höhepunkt erreicht und für Hermine bedeutete es eine Erlösung. Sicher, es war wie immer ein schwerer Gang, aber Hermine blieb auf meinem Schoß, nachdem sie die Narkosespritze bekommen hatte. Ich streichelte sie und sie lehnte ihren Kopf an meine Hand. „Alles wird gut, du starkes Mädchen“.

Nachdem Hermine aus der Tierklinik gekommen war, ging es ihr eine Zeitlang wieder richtig gut. Wie im letzten Artikel beschrieben, setzte ich sämtliche Medikamente, abgesehen von Ikapitine, ab. Hermine aß das normale gute Futter und machte sich sogar eines Tages über frisch gekaufte Hähnchenherzen her. Sie riss die Tüte auseinander und verspeiste rohe Hühnerherzen:
Hermine 3
Auch eine „vergessene“ Maus, die von Charlie gekillt worden und auf der Fußmatte als Geschenk hinterlegt worden war, auch sie verspeiste Hermine. Ich ließ sie gewähren, da Tiere viel besser als wir Menschen wissen, was gut für sie ist.
Am Samstag vor besagtem Montag aß Hermine noch völlig normal. Ihrem Zustand entsprechend zwar wenig, aber immerhin. Man kann sich auch über Kleinigkeiten freuen, wie jeder von Euch nachvollziehen wird. Am Sonntag verweigerte sie jegliche Nahrungsaufnahme und wollte nur trinken. Auch wollte sie hinaus, drehte ihre Runde, nachdem sie aus dem Blumenuntersetzer im Garten ihr spezielles Regenwasser genossen hatte. Ich ahnte zwar schon, dass etwas auf uns zu kommen würde, ließ Hermine aber in Ruhe, denn sie würde mir ein Zeichen geben.
Dieses Zeichen kam am Montag den 03.02.. Frühmorgens wollte sie noch hinterher laufen, als ich zur Arbeit ging. Als ich in der Pause zurückkam, kam sie gleich auf mich zu, was ich erst einmal als gutes Zeichen ansah. Jedoch sah ich sofort, dass ihr Mäulchen verkrustet schien und säuberte es. Dabei fiel mir der Geruch auf, der nur verströmt wird, wenn Organe versagen.
Ich überlegte Hin und Her, denn nun lag es an mir zu handeln. Die angerufene Tierärztin befand sich im OP und ich sollte eine halbe Stunde später noch einmal anrufen. Zeit genug, um Hermine weiter zu beobachten. Sie wollte dringend nach draußen, ich ließ sie hinaus und nicht nur mir ging die nächste Beobachtung sozusagen ebenfalls an die Nieren. Hermine lief zu ihrem Regenwasser, stellte sich allerdings nach mehreren Versuchen mit allen vier Pfoten in den Blumenuntersetzer und scharrte darin. Alle anderen Katzen schauten ebenso erstarrt wie ich. Für mich bedeutete es, dass Hermine nicht einmal mehr Wasser zu sich nehmen konnte, was auch ihr verkrustetes Mäulchen erklärte. Ich beobachtete weiter und sie ging quer durch den Garten, hin zur Straße. Durch die Vordertüre ging ich ihr entgegen, sah sie auf dem Nachbargelände unter einem Auto sitzen. Diese Straße wird wenig befahren und ist eine 30er Zone, allerdings weiß man nie, welche Ignoranten durch die Gegend fahren und Hermine wollte sich anscheinend das Leben nehmen. Sie saß unter einem Auto, wie Damals … Ich lockte sie, rief sie leise und bangte, dass in dem Moment ein Fahrzeug oder ein störender Fußgänger kamen. Das war ein Moment nur zwischen uns beiden und erinnerte an unsere Fangaktion vor fast zwei Jahren. Sie war im Laufe der vergangenen Monate schon einmal in diese Richtung gelaufen und da ihr Ursprung ein wilder ist, wollte sie sich damals in keiner Weise in die richtige Richtung lenken lassen.
Aber Hermine kam an diesem Tag tatsächlich auf mich zu, miaute kläglich und ließ sich auf den Arm nehmen. „Alles wird gut, mein Mädchen, ich helfe dir.“ Zuhause scharrte sie ebenfalls im großen Wassernapf herum, sie blieb sehr unruhig.
Die Tierärztin war inzwischen erreichbar und ich sagte, dass es Hermine sehr schlecht gehe und ob es eine weitere Art einer Behandlung gäbe. Lediglich die Infusionstherapie, aber ich könne sofort vorbei kommen. Gesagt, getan und zwanzig Minuten später standen wir vor DER Entscheidung, die mir immer wieder schwer fällt, da ich weder Mutter Natur noch Gott bin – lediglich ein armseliger Mensch.
Die Tierärztin schaute sich Hermine an und schüttelte den Kopf. Ich bejahte, da sämtliche Anzeichen auf ein Ende wiesen, Hermine es jedoch nicht selber schaffte.
Nierenversagen ist kein Spaß und ich bitte hiermit jeden Katzenhalter, ständig für eine optimale Wasserversorgung zu sorgen. Hermine kam von Draußen, eine ehemalige Wilde und es ist die dritte (zahme) Katze innerhalb weniger Jahre, die unter Nierenversagen litt. Bei diesen Tieren weiß man nicht, wie sie gelebt haben und wovon. Mit Sicherheit mussten sie Zeiten durchmachen, in denen sie kein Wasser finden konnten. All das kann Draußen passieren, wenn die Tiere nicht versorgt werden. Aber auch in Haushalten gilt oft die Meinung, dass ein selbst gelutschter Tropfen aus dem Wasserhahn reicht oder im Futter genügend Flüssigkeit vorhanden ist. Eine fatale Meinung …

Alt und Jung, Hermine, die ihr Leben gelebt hat und Meili, der ihr Leben noch bevorsteht:
Meili Neu 4

Liebes Herminchen, du wirst nie vergessen und dein jetziger Platz im Garten wird stets behütet.

2 Kommentare zu “Katze Hermine – In Erinnerung

  1. Liebe Sabine, ich wünsche Dir ganz viel Kraft.

    Hermine durfte nach der schlimmen Zeit, die sie zuvor hatte,
    dank Dir auch noch den Himmel hier auf Erden kennen lernen.

    Sie ist immer bei Dir sei Dir dessen gewiss.

    Es geht ihr jetzt wirklich gut und sie ist nur vorgegangen und wartet.

    Du hast alles richtig gemacht und dafür ist sie Dir dankbar.

    Ganz liebe Grüß
    Moni

  2. Sabine,
    Hermine hat wirklich noch eine Zeitlang ein echtes Zuhause genießen können und hat Vertrauen aufgebaut. Das hat sie an ihrem letzten Tag deutlich gezeigt.
    Zu verdanken hat sie das Dir und Deinem Lebenspartner, die ihr euch kümmert und Raum schafft und alles tut, was nötig ist. Immer wieder.
    Die Entscheidung ist nie einfach, aber es stimmt, wenn man hinsieht und hinhört, geben die Tiere uns meist Bescheid, wenn es soweit ist. Hermine konnte wenigstens das selbst wählen und hat Dir genug vertraut, um Deine Hilfe anzunehmen. Ich beneide Dich nicht um die Umsetzung, aber einen solchen Wunsch muss man in einer solchen Situation respektieren – egal, was man selbst dazu meint. Aber leichter wird es nie. :-/
    Behalte den Kopf oben, wir denken an Dich! *umärmel*
    Und gib Laut, wenn Du jemanden brauchst.

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