Kleine Vogelkunde

Wirklich nur ein winziger Einblick, aber ein Leben wert, wenn man überlegt, wie unendlich viele Tauben auf der Straße angefahren und ihrem Schicksal überlassen werden. Sie werden  grundsätzlich als Krankheitsüberträger angesehen, ebenso wie Kaninchen deren Augen verklebt sind und die an Myxomatose leiden. Ich hatte vor einiger Zeit ein solch krankes Kaninchen im Rinnstein gefunden, zum Tierarzt gebracht und erlösen lassen. Ein Kollege meinte: „Um Himmels willen, das ist doch ansteckend!“ Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen Menschen mit Myxomatoseanzeichen gesehen und auch ein Tierarzt würde rein theoretisch nur ein halbes Jahr praktizieren können.

Im Grunde kann man es täglich erleben, die pickenden Tauben auf Straßen, die ständig nach Nahrung suchen müssen und von Autofahren mißachtet werden. Ich erlebe es leider oft, da meine Arbeitswege durch ein Hafengebiet führen, wo viele Tauben aufgrund der gebotenen und oftmals verloren gehenden Nahrung leben. Es wird dort Margarine und Öl hergestellt, um irgendwann im Supermarkt zu landen. Eine Menge Getreide wird verschüttet oder läuft daneben, so dass es kein Wunder ist, dass Tauben dort ihre Nester bauen, obwohl sie nicht nur von  den herstellenden Firmen „Ratten der Lüfte“ genannt werden, und  Autofahrer aufrunddessen  eine Art Absicherung  haben,  auf eine Gruppe Tauben zuzurasen nach dem Motto: Wer von uns  ist schneller? Ein eigen hergestellter Teufelskreis, denn die Geister die man rief …  Aber niemand zeigt sich verantwortlich, die Tauben werden wie Motten in einem alten Kleiderschrank behandelt, wie Ratten aufgrund des eigen produzierten Mülls.

Unser angeschlagener Täuberich erlebt mometan Höhen und Tiefen, aber Anne kümmert sich. Und ich empfand ihre Nachricht als beispielhaft, so dass ich Annes Worte hier einstelle. Wir kommen somit von einem Gegesatz zum anderen, aber Annes Worte und ihr Tun für diese Taube sind ähnlich, wie das Beispiel aus Spanien. Warum muss der Mensch stets gedankenlos handeln? Warum musste es erst soweit kommen, dass Service wieder ganz oben steht? Ich persönlich kann gut auf gekünzelte Freundlichkeit verzichten, aber ab und zu ist sie  angenehm, wenn man so gar keine Hoffnung mehr hat. Warum muss um  Atombomben und Krieg gepokert werden? Wir alle wünschen uns im Grund nur das eine: Friede auf Erden, Gerechigkeit und  Umweltschutz, so dass unsere Mutter Erde auch für folgende Generationen lebbar ist. Wir wollen doch gar nichts anderes und Gelder mit ins Grab nehmen wollen, das bringt nichts. Dafür ist jeder angeblich wichtige Mensch viel zu wertlos.

Hier Annes Bemühungen, um einen „unwichtigen“ Täuberich:

Euer Täuber ist eine echte Aufgabe, nachdem die Gehirnerschütterung sich langsam legte, fing er an sich aufzugeben – er hat auch zwischendurch Brei, Körner und Flüssigkeit ausgewürgt. War also beim Arzt mit ihm, um einen Kropfabstrich machen zu lassen und den Kot testen zu lassen – keine Trichomonaden, kein Pilz. Die Ärztin, eigentlich vogelkundig aber doch kein Taubenspezialist, wusste nicht woran es liegt, wollte Antibiotika geben – aber die kriegt er ja schon. Auf die Lösung bin ich erst wieder zuhause gekommen, er muss ein Nest gehabt haben mit sehr kleinen Küken, die noch im Kropfmilchalter sind. Die Kropfmilch entwickeln beide Elterntiere während des Brütens, in den ersten zehn Tagen werden die Küken überwiegend damit gefüttert. Wird die nicht abgerufen, wird sie bei gesunden Tieren abgeschluckt und bildet sich langsam zurück – der Arme ist aber total durcheinandergekommen, die Flüssigkeit war Kropfmilch. Getrennt von Nest und Partnerin hat er aufgegeben, wurde apathisch und hat echt abgebaut. Ich hab ihn also alle paar Stunden ein bisschen gefüttert, ihm nach dem Würgen Schnabel und Nase gewaschen und ihn viel an der Schnabelwurzel und am Hals gekrault, ausserdem den Kropf massiert. Und Bachblüten hat er bekommen. Jetzt bilden sich die Füttermale an seinem Schnabel langsam zurück, sein Hormonhaushalt stellt sich wieder um und entsprechend würgt er auch nichts mehr aus. Nun muss er in Gesellschaft und sich wieder erholen. Seine Küken dürften leider inzwischen tot sein, bei diesen Temperaturen sitzt immer ein Elternteil auf den Küken, damit sie nicht auskühlen, sie wechseln sich ab. Die Mutter musste also irgendwann ihre Babies aufgeben – schlimmer Gedanke. Aber so schwach wie er ist, hat er auch keine Chance im Augenblick draussen. Eine Hilfe wäre er ohnehin nicht.
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Ein Kommentar zu “Kleine Vogelkunde

  1. Hättet ihr euch dem Täuberich nicht angenommen, wäre auch dieses kleine Leben vorbei gewesen. Sicher könnte man sagen, das ist der Lauf der Natur… Aber der Mensch hat die Natur so ausgenutzt und umgestaltet, dass die Lebensbedingungen für den größten Teil unserer Tierwelt nur noch wenig mit ursprünglicher Natur zu tun haben. Die Meisten fristen ihr Leben in menschengemachtem Stress.
    Ich habe großen Respekt davor, dass Anne sich das Wissen angeeignet hat, über das ein durchschnittlicher Tierarzt nicht zu verfügen scheint. Ich hoffe sehr, dass es der kleine Patient schafft!

    Liebe Grüße von Christina

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