Was ist Glück?

Glück kann ein Sechser im Lotto sein. Glück kann eine Erbschaft oder ein gutes Geschäft sein, durch das manch ein Mensch seinen Lebensabend, oder welche Lebensphase auch immer, in beschaulicher Ruhe und ohne verhasste Arbeit erleben kann.

Wie viele Menschen suchen nach diesem Glück? Warten bibbernd auf das große Los, nur um nicht mehr arbeiten gehen zu müssen oder weil sie sich einen Traum erfüllen möchten, von wegen ein halbes Jahr nach Australien gehen , das Leben nach eigenen Wünschen gestalten zu dürfen. Ist passiert, dem „bemitleidenswerten“ Menschen, der aufrund eines Fehlers bei der wöchentlichen Lottoziehung …. Mannomann, was war dieser Mensch enttäuscht und die Ungerechtigkeit und die Enttäuschung, all das muss nun verdaut werden.

Ob er, oder all die anderen Glücksuchenden auch auf eine Taube achtet, die verletzt am Straßenrand liegt? Das Glück liegt sozusagen zu Füßen, wenn ein unbeachtetes Häufchen Elend, ein gleichwertiges Lebewesen – nur mit geringeren Ansprüchen an sein Leben – überlebt und um sein kleines Leben kämpft.

Täuber

Geschehen  am vergangenen Mittwoch, 7.15 Uhr auf einer Hauptverkehrstraße, wo unter einer Brücke unzählige Tauben existieren. Ernähren werden sie sich von der naheliegenden Ölmühle und Öl wird aus entsprechenden Körnern, wie Raps oder Weizen hergestellt. Ich fuhr auf dieser Straße entlang und auf dem Bürgersteig lag sie, die angeschlagene Taube. Sie lag nicht aufgeplustert, sondern als wenn sie brüten würde. Aber an dieser Stelle gewiss nicht, so dass sie verletzt sein musste. Ein Anhalten war nicht möglich, schon gar nicht mit Zeitdruck im Nacken, aber in jenem Moment konnte ihr nichts passieren, wenn sie dort auf diesem Fleck sitzen bleiben würde. Somit fuhr ich drei Stunden später erneut hin, parkte auf der gegenüberliegenden Seite und die Taube saß unverändert. Warum auch nicht, schließlich schien sich unter den weiteren hunderten von Fußgängern und Autofahrern bisher niemand zuständig gefühlt zu haben.  Die Taube machte einen sehr fertigen Eindruck, ließ sich ohne Gegenwehr in die Hand nehmen und in eine Postkiste setzen. Was nun? Ich schaute sie an und dachte, dass sie bereits kurz vor dem Sterben sei, aber sie in eine ruhigere Ecke setzen und ihrem Schicksal überlassen, nein, dazu sah sie nicht fertig genug aus. Somit nahm ich sie mit, was Stress für das Tier bedeutete aber nicht zu ändern war. Zuerst hielt ich ihren Schnabel in eine Schale Wasser, das sie begierig trank. Na also, es war noch nicht zu spät.

Zuhause setzte ich sie in den bekannten Käfig, wo schon mehrere Tauben untergebracht wurden, aber da diese Taube keine Nahrung zu sich nehmen konnte, rief ich Anne an. Anne ist Expertin vor dem Herrn, was Vögel anbelangt und sie riet mir lauwarmes Wasser mit Vitaminen enzuflößen. Im Kühlschrank gab es Calo -Pet, das für untergewichtige Katzen  ein Aufbaumittel ist und für Federlebewesen eine Kalorienbombe bedeutet. Taube trank diese Bombe regelmäßig, sei es freiwillig oder per Spritze in den Schnabel geträufelt. Aber all das war kaum ein Zustand, weil ich  nicht so wirklich Gück mit angeschlagenen Tauben habe und somit erklärte sich Anne bereit, die Taube am Donnerstagabend abzuholen.

Täuber 1

Gesagt getan und Anne kam zu uns. Es tat gut sie zu sehen, weil sie mich nicht für bescheuert hielt, eine eventuell kranke Taube ins Haus geholt zu haben. Sie nahm das dünne Wesen, erkannte sofort, dass es sich um eine brütende Taube handeln muss, da ihre Verhornung auf der Nase weich ist. Sie untersuchte weiter, hielt der Taube die Augen zu, nahm die Hand weg und erkannte, dass es sich um ein Schädeltrauma handeln müsse, da sich die Pupillen des Tieres nicht veränderten. Ob Täuber oder Taube, das war nicht einfach so zu erkennen und nicht wirklich wichtig, da die Brut nun eh auf sich alleine gestellt war oder aber  eine Mutter oder Vater zur Seite steht.

Anne informiert mich ständig und es ist GLÜCK zu erkennen, wie sehr sich der Zustand dieses (inzwischen festgestellt) Täubers verbessert. Er bekommt Baytril, geriebenes Taubenfutter, Vitamin B und Heilerde in warmen Wasser verrührt, also bessere Versorgung als in seinem bisherigen Leben. Inzwischen zeigt er Aufmerksamkeit, erkundet seinen Käfig, kann seinen Kopf wieder einigrmaßen gerade halten und versetzt Anne stets in Schrecken, wenn er einfach mal schlafen will.

Auch das ist GLÜCK, solch einen lieben Menschen  kennen zu dürfen, der sich genauso kümmert und eine bis dato fremde Taube aufnimmt und mit mir gemeinsam bangt, hofft und alles probiert. Täuberich wird an seiner Stelle nicht wieder freigelassen, sollte er irgendwann wieder flugfähig sein. Es gibt andere Orte und andere Stellen, aber das werden wir sehen, wenn es für den kleinen Mann soweit sein sollte.

Euch allen wünsche ich eine gute Woche.

5 Kommentare zu “Was ist Glück?

  1. Hallo liebe Sabine,

    eine schöne Geschichte, mit der du einmal mehr gezeigt hast, wie groß dein Herz ist!

    Wir haben eine kleine Überraschung für dich. Schau doch mal bitte im Blog der Zauberwesen vorbei 🙂

    http://zauberwesentagebuch.blogspot.de/2013/04/ein-pfotchen-in-meiner-hand.html

    Ich hatte dir deswegen übrigens schon am 01.04. eine Email geschickt, doch keine Antwort von dir erhalten. Hast du vielleicht deine Adresse geändert oder liegt meine Mail womöglich in deinem Spam-Ordner??

    Wünsche dir einen schönen Abend.

    Alles Liebe
    Anna

  2. Pingback: Kleine Vogelkunde | Katzen-Heimat-Blog

  3. Pingback: Täuberich und Co. | Katzen-Heimat-Blog

  4. Sooo schön geschrieben. Vielen Dank für diesen Text. Ja, genau das ist Glück! Fühlt euch unbekannterweise von mir gedrückt. Und danke für eure Arbeit!

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