Kater Mikesch

Es war am vergangenen Montag, als ich gegen 19.30 Uhr, also  „Pünktlich“, an der dritten Futterstelle hielt. Das  Futter war in zwei Schalen per Fußheizung neu erwärmt worden und ich wollte nur kurz halten, Schalen in die Unterstände stellen und nach Hause fahren. Aber ich hörte ein Geräusch, das wie ein Miauen klang. Nee, an dieser Stelle futtern nur Wilde, die geben aus Überlebensgründen keinen Ton von sich. Ich musste mich verhört haben, eventuell war das ein Vogel gewesen – obwohl… bei Dunkelheit gibt auch kein Vogel einen Ton von sich.

Ich stellte die Schalen in den Unterstand, ging zum Auto, startete, schaltete das Licht ein und wendete. Während des Wendens kam ein heller Kopf samt Katze unter dem Brombeergestrüpp hinter dem Gitter hervor und ging sofort zum Futter. Ich traute meinen Augen nicht, denn das war an dieser Stelle ungewöhnlich. War das die Katze „Mara“? Ich blinzelte und zwinkerte, stieg noch einmal aus dem Auto und hasste das Älterwerden, was die Augen immer schwächer werden lässt. Die Katze verschwand hinter dem Brett, das die Unterstände vor Schnee, Regen und Sicht schützt, und somit hätte ich auch mit Adleraugen nichts mehr erkennen können. Sie ließ sich nicht stören und weiter wollte ich nicht hervordringen, war das doch gewiss die kastrierte Katze Mara.

„Hm, ja, vielleicht war es Mara, aber Sabine… die hat nicht solch einen hellen Kopf, das weißt Du ganz genau!“

„Stimmt, du hartes Gewissen, ich weiß es selber, aber lass´mir Zeit, okay?“

„Scheiße, scheiße, scheiße“, sagte ich lautstark auf dem Nachhauseweg, wo acht Katzen nach der Versorgung von scheinbar nicht mehr identifizierbaren Katzen in einer Anzahl von bisher gedachten 18 warteten.

Am Dienstag das gleiche Spiel, jedoch intensiver, so dass ich ein exaktes Miauen identifizieren konnte. Ein definitives Maunzen erwartete mich und sobald die Schalen in den Unterständen standen, schälte sich eine weiß getigerte Katze aus den Brombeersträuchern, ging zur Futterstelle und leckte die Näpfe bis auf den letzten Krümel leer, wie ich am nächsten Tag erkennen konnte. Somit gab ich meinem Gewissen Recht und musste planen. Die Katzennothilfe war krank, aber Frau N. sagte zu, da sie Urlaub habe und Zeit. Wir verabredeteten, dass ich am Donnerstag eine Falle aufstellen und sie anrufen würde, damit sie die Fahrt zum Tierarzt übernehme.  Solch eine auffällige Katze gefährdet ihr Leben und es war eine Überlegung wert, ob es sich um eine wild geborene handelt, eventuell das dritte Geschwisterchen von Hanni und Nanni? Aber warum sollte es jetzt auf einmal lautstark um Futter bitten? Gesagt, getan.

Am Donnerstag rief die Arbeit und mein ursprünglicher Plan wurde über den Haufen geworfen. Ich war früher anwesend, bereits um kurz vor 18 Uhr, hatte die Falle dabei und stellte sie auf. Ich wollte anschließend die anderen Futterstellen versorgen, zurückkommen und eine gefangene Katze sehen, aber was mich erneut überraschte, war ein inzwischen bekanntes Miauen zu ungewohnter Zeit. Was war das für eine Katze? Wartete sie minütlich auf Futter? Und warum so lautstark? Das war im Leben kein bekanntes wildes Tier, eher ein entlaufendes oder ausgehungertes und ausgesetztes. Ich rief Frau N. an, ob sie auch früher Zeit hätte und sie meinte das sei kein Problem. Ich stellte die Falle scharf, gab Miamor in die Falle und entfernte mich. Eigentlich wolle ich zu den weiteren Futterstellen fahren, aber die helle Katze kam aus dem Gebüsch und ich wartete. Zwischenzeitlich kam ein Mitarbeiter der Firma und  schloss das Tor lautstark.  Das fehlte noch. Ich harrte und er wunderte sich. „Guten Abend, – guten Abend … lass`mich bloß in Ruhe, auch wenn Altweiber ist.“ Drei Minuten später war die Katze drin, die sich nicht an gewohnte, lautstarke Geräusche zu stören schien. Per Handy gab ich Frau N. Bescheid, dass sie kommen könne. Ich hockte neben der Falle und versuchte, die lautstarke Katze zu beruhigen. Zehn Minuten später hielt ein LKW und stand vor verschlossenem Tor: „Was ist das?“ Ein Mann kam auf mich zu.

„Eine Falle samt Katze.“

„Warum?“

„Damit sie sich nicht vermehren, klar?“

Ohja, klar, aber warum ist das Tor zu?“

„Vor ungefähr fünfzehn Minuten wurde es geschlossen“, und insgeheim wünschte ich alle Menschen auf einen fernen Planeten.

„Warum?“

„Frühzeitiger Feierabend, ich weiß es nicht.“

Der Mann hatte ein Problem, ich ebenfalls, aber völlig anderer Natur, denn diese Katze war in Sicherheit , sollten uns nicht noch mehr Menschen stören.

Frau N. kam drei Minuten später, wir bugsierten die vermeintlche junge Katze in die Umsetzbox, und ab ging es zum Tierarzt. Dort ging sie ohne zu mucken in den Käfig, um am nächsten Tag  kastriert zu werden. Es ist ein Kater, der ohne Chip unter Flohbefall litt, aber ansonsten gesund ist. Zwei bis drei Jahre alt, mehr weiß ich bisher nicht.

Ich holte ihn am Freitagabend ab , bezahlte mithilfe der Tierhilfe Rhein Main Ruhr die Rechnung und nun ist er hier, der Kater Mikesch. Seine Daten gab ich an die Katzensuche, die diese Daten an die zuständige Polizeibehörde weitergeben wird , wobei ein nicht registriertes Tier selten Erfolg bringt. Ich weiß auch noch nicht, ob es ein zahmes Tier ist, Mikesch kam gar nicht aus seiner Box, liegt nun unter der ausgeschalteten Heizung im Schlafzimmer. Es gibt kaum eine andere Möglichkeit, als ihn ins zuständige Tierheim zu bringen, da er dort mehr Vermittlungschancen hat als hier.

Kater Mikesch

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11 Kommentare zu “Kater Mikesch

  1. Ich habe gerade mal die ganzen Suchmeldungen bei Facebook und Tasso & Co geprüft. Da sucht keiner nach dem armen Kerl. Lustig, der Fleck um das Maul, hat ein bisschen was von „Senior Mikesch“ 😉
    Viel Glück, Senior Mikesch! Such Dir vernünftige Dosis aus.
    LG Silke

  2. Danke Heike und vielen Dank an Silke, für Deine Mühe und großartige Hilfe!! Dafür hätte ich z.B. gar keine Zeit und würde schnell aufgeben, deshalb Danke für Deine Unterstützung!

    Habe Mikesch gestern bei der Katzensuche einstellen lassen und war heute im zuständigen Tierheim. Werde dort das Foto hinschicken und dann mal schauen. Die quellen über, vor lauter Suchanfragen und Weißgetigerte waren auch darunter, aber ohne Fotos.
    Örtlichen Radiosender gibt es auch noch, an den ich mich wenden kann.

    Während ich im Tierheim war, wurde ein kleiner langhaariger Hund, spindeldürr und total verfilzt, von zwei Autobahnpolizisten gebracht. Der Hund war auf der Autobahn gelaufen und allem Anschein nach bereits länger unterwegs. Ein Häufchen Elend und mit einer Katze nicht zu vergleichen, denn die kommen eher zurecht.

    Liebe Grüße
    Sabine

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