Des einen Freud, des anderen Leid

Am Freitag kam er, der zweite Schnee 2012. Trotzdem er von Meteorologen angekündigt worden war, überraschte mich die Menge. Morgens um sieben war ich noch zu Scherzen aufgelegt und sagte: „Ach, hier wird nicht viel herunterkommen.“ Weit gefehlt, denn bereits eine halbe Stunde später hatte ich den Salat und stand mittendrin, im Verkehrschaos, den Frau Holle bekanntlich ab der ersten Flocke, wie mit einem Zauberstab herbeigewedelt, zustande bringt.

Nun, auch dieser Tag ging irgendwann mit Verspätungen zuende, doch meine Gedanken waren stets bei den frei lebenden Katzen, denen ich ein warmes Abendessen geben wollte und geben musste. Ich musste es in der Mittagspause nach Hause schaffen, um die am Donnerstag gekauften Hähnchenherzen (aus angeblich guter Haltung) und die Hühnerbrust zu kochen und abends mitsamt der, per Fußheizung angewärmten, Dosen reichen zu können.

Hühnchenbrust und Herzen

Hühnchenbrust und Herzen

Ich schaffte es und abends traf ich frierend an den Futterstellen ein.  Freitags kommt eine Stelle hinzu, die ich mir mit Frau N. teile. Der Schnee lag mindestens 10 cm hoch und selbst die Eingänge zu den Unterschlüpfen waren blockiert. Alle zahmen Katzen kamen trotz der weißen „Winterpracht“ auf mich zugerannt. Muckl hatte ich nur selten miauen hören, aber an diesem Abend bat sie lautstark um Hilfe, da ihr Durchgang im Zaun ebenfalls zugeschneit war. Ich schaufelte sämtliche Aus – und Eingänge frei, legte Zeitungen auf den gefrorenen Boden, stellte Futterschalen darauf und gab das warme Futter hinein. Es musste schnell gehen, denn einmal im Freien, schon war das warme Futter kalt. Muckl war klug und rannte anschließend auf ihren Hochsitz bei der Tischlerei und verkroch sich in ihre Box. Filou schien die Kälte kaum etwas auszumachen, aber der alte Micky suchte Schutz. Er wollte auf den Arm und genoss eine Zeit der Aufwärmung unter meiner Jacke. Leider musste ich mich beeilen, da auch Minki und Fritzchen auf ihr warmes Abendessen warteten, deren Stelle ein paar hundert Meter entfernt liegt.  Auch an dieser Stelle kamen die zahmen Katzen angerannt und fielen regelrecht über  ihre Mahlzeit her. Ich gab ihnen ihre gefüllten Schalen, die Brühe des Selbstgekochten kam wie immer gut an, obwohl sie inzwischen erkaltet war. Als Minki, Fritzchen und Emmiken satt zu sein schienen, konnte ich nur noch die schlappe Möglichkeit von Taschenwärmern wählen, die ich  unter die verbliebenen, zusammengerührten Futterreste  der Schale legte, für all die unbekannten, die noch kommen würden, denn es kam noch die vierte Futterstelle an die Reihe, und mir war so scheiße kalt. Der Mensch ist das allergrößte Weichei und ich schäme mich dafür!

Inzwischen hatte es begonnen  richtig zu frieren und Nassfutter zu geben war gar nicht mehr möglich. Somit bekam die vierte und wilde Stelle, an der ich nur selten Katzen sehe, lediglich drei Schalen gutes Trockenfutter gereicht. Aber genau aus solchen Gründen ist die stetige Fütterung wichtig, da ein  gesundes und sattes Tier  ein paar Tage von den eigenen Reserven leben kann.  Somit konnte ich  relativ gelassen die Nachricht des Wochenendversorgers  Herr L. ertragen, der am Freitagabend anrief und sagte, dass er am Samstag auf keinen Fall zum Hafen fahren könne, da er sich auf seinem Roller in Lebensgefahr begeben würde. Recht hat er und keine Katze wird verhungern, da Regelmäßigkeit Vorsorge darstellt.

Ganz anders die Heimtiger, von denen die meisten ihren  ersten Schnee des Lebens erlebten und ihre unwissende Freude daran zeigten. Das ist ein Unterschied, ob man die Pfoten  angewidert schüttelt und sich ins Warme zurückziehen kann, oder ob man damit leben muss und trotz angewiderten Schüttelns der Kälte  ausgeliefert ist.

Hier nur die fröhlichen Schnappschüsse:

Unsere Geierwally /Lucy war die erste Katze, die sich traute und die ausdauernste. Sie konnte kaum genug vom kalten Puderzuckerimitat bekommen. Ihre Interessenten waren gestern übrigens pünktlich hier. Mal ganz was anderes, nach all den schlechten Erfahrungen. Sehr nette und tierliebe Menschen mit vier katzentauglichen Hunden, die Lucy ein 7000 qm Grundstück zur Verfügung stellen möchten. Beinahe unglaublich, aber wahr. Wir einigten uns auf Bedenkzeit, da Lucy kein Weihnachtsgeschenk werden soll, sondern eine Mäusefängerin mit Familienanschluss. Aufgrund ihrer Freude am Schnee und überhaupt an ihrer gelassenen Flexibilität, denke ich, dass Geierwally / Lucyschatz sich dort wohlfühlen könnte.

Wally

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5 Kommentare zu “Des einen Freud, des anderen Leid

  1. Hier fiel heute auch der erste Schnee dieses Winters und Merle und Nicki haben es genossen, in der weißen Pracht herumzutoben. Kira hingegen nicht, und das liegt vielleicht auch daran, dass sie letztes Jahr im eisigkalten Oktober ausgesetzt wurde und erst nach mehreren Wochen des sich-Durchschlagen in der Kälte bei uns landete. Da war sie gerade mal 3 Monate alt.

    Ich bewundere deinen hartnäckigen Einsatz und deine Zuverlässigkeit und finde einfach großartig, was du für die auf dich vertrauenden Katzen möglich machst!

    Danke schön dafür!

    Liebe Grüße von Christina

  2. Ohje, das sind ja Umstände an die ich gar nicht gedacht habe bei der Kälte 😦
    Hast Du schon mal Babywarmhalteteller ausprobiert? Da kann man warmes/heisses Wasser reinlaufen lassen und das hält eine ganze Zeit warm: http://www.rossmannversand.de/produkt/245537/reer-warmhalteteller.aspx
    Vielleicht kannst Du einen Aufruf starten, es gibt doch bestimmt genug von diesen Tellern, die in irgendwelchen Schränken verstauben. Wenn man die in eine Styroporschale tut, wie es die vom Italiener für den Salat gibt, dann hält das bestimmt noch etwas länger warm. Und können wir sonst irgendetwas tun? Decken? Taschenwärmer? Beheizbare Schuheinlagen? 😉
    LG Silke

  3. „Der Mensch ist das allergrößte Weichei und ich schäme mich dafür!“
    Wenn sich einer schämen muss, dann wohl alle, die erst gar nicht in die Kälte gehen, wie z. B. ich. Das Du überhaupt auf die Idee kommst solche Gedanken zu haben, dafür gehört Dir eine Kopfnuss gegeben. Ich setze mich diesbezüglich mal mit Romina in Verbindung.

    Sabine, ich schließe mich Silkes Frage an:
    Was können wir tun um Dich in der Kälte zu unterstützen?
    Rettungsdecken, neue Styroporboxen, noch mehr Taschenwärmer?

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