Wer vermisst diesen Kater?

Gefunden am 14.11.2012 auf dem Willy – Brandt- Ring. Die Stadt muss ich nicht nennen.

Wieder einmal schrecklich und wieder einmal kümmerte sich niemand. Auch ich fuhr an ihm vorbei, aber ich ließ ihn nicht liegen. Es mag an den Arbeitsmöglichkeiten liegen oder an den Kontakten innerhalb der Tierschutzwelt, jedenfalls parkte ich weitab des Unfallsgeschehens und lief zu Fuß durch eine Großbaustelle, um dieses Tier bergen zu können. Das hätte jeder so handhaben müssen, da die Schnellstraße keinen Aufenthalt ermöglicht. Normalerweise ist das Begehen dieser Baustelle ebenfalls verboten und ich wollte sogar jemanden fragen, aber dort ging es zu, wie auf dieser Schnellstraße: „Ich mache nur mein Ding und alles andere geht mir am Ar … vorbei!“ Ich war sowas von wütend, denn in solch scheinbaren Lapalien spiegelt sich unsere Gesellschaft wieder. Mir alles sch … egal, aber wehe, wehe, du rauchst in einem Lokal oder lässt deinen Hund frei herumlaufen, fütterst Vögel und überhaupt, du siehst anders aus. Bist du überhaupt einer von uns?“

Jedenfalls nahm ich das Tier mit und legte es  in mein Auto. Erst danach dachte ich weiter. Viel Zeit hatte ich auch nicht und  benötigte professionelle Hilfe. Gloria von der Katzensuche erklärte sich sofort bereit und wir trafen uns am Bauhof. Mit ihrem Lesegerät suchten wir nach einem Chip, aber das Gerät konnte keinen finden. Ein Bauhof ist nicht mein Ding, denn ich mag viel lieber Erde und Ruhe, aber an diesem Tag musste ich so handeln und es war gut so, da ich in diesem Moment von der Möglichkeit Bauhof überzeugt werden konnte. Eine eigene Kühltruhe steht der Katzensuche  zur Verfügung und auch dort traf ich auf einen Mann, dem scheinbar alles am Ärmel vorbeizugehen schien, aber Gloria war dabei und sie kannte diesen Herrn. Wir legten das tote Tier in eine Tüte, die von Gloria beschriftet wurde. Mit Datum, Fundort und Merkmalen. Anschließend konnten wir den Kater in die Truhe legen, die erst zu einem Drittel gefüllt war. Sämtliche Tüten hatten Namen. Entweder getigerte Katze vom 10. 11. oder Gans oder Schwan …

Ich erinnerte mich an Mario, mit dem ich andere Erfahrungen, was einen Bauhof anbelangt, machen musste, aber hinter dieser Erfahrung standen nicht diese akribischen Recherchen, die bereits zu einer Vielzahl von  Erfolgen  führen konnte. Zwar ist eine Katze in den Momenten tot und es bringt nichts, gar nichts, aber vielen Besitzern brachte die Recherche zumindest eine Erleichterung, da das jeweilige Tier vermisst und gesucht wurde. Hinzu kommt, dass jeder Besitzer die Möglichkeit hat, sein Tier nach Erkennung dort wieder herauszuholen und eventuell zu begraben.

Der Tod ist ein vielfältiges Thema und wird viel zu sehr verdrängt. Mag sein, dass der Tod das Ende bedeutet, aber deswegen haben noch Lebende nicht das Recht,  tote Mitgeschöpfe wie Abfall zu behandeln!

Eine Identifizierung wird sehr wahrscheinlich möglich sein, da dieser schwarzweiße Kater eine relativ frische OP Narbe im Unterbauch hatte:

Mach`es gut, Du armer Kerl und grüße alle bereits Anwesenden im Regenbogenland…

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5 Kommentare zu “Wer vermisst diesen Kater?

  1. Ach Sabine…ich kann einfach nur den Hut vor Dir ziehen. Das ist so erstaunlich, was Du leistest, so bemerkenswert. Auch über den Tod hinaus. Du kennst kein Tabu, Du bist da. Du siehst hin. Das ist wirklich Wahnsinn. Ich hoffe, daß die armen Menschen, die dieses Tier vermissen ihn wiederfinden und begraben können. Es gibt einfach einen Hauch Erleichterung. Zumindest hier weint schon mal jemand für den armen Kater… LG Silke

  2. Vor Menschen wie Sabine möchte ich mich verneigen und hoffe sehr, dass es davon noch recht viele gibt. Ich danke Dir, dass Du nicht weg schaust und auch das Leid siehst, das die Menschen mitunter dem Tier antun. Vielen vielen Dank dafür. LG Jutta Lindner

  3. Ich danke Euch sehr!
    Bisher konnte kein Besitzer gefunden werden, doch aufgrund der Fotos meldete sich eine Tierärztin. Sie meint, dass das keine OP Narbe sei, eher eine schlecht verheilte Wunde, verursacht durch einen Stacheldraht.
    Ich persönlich will es nicht wissen und lasse den armen Kerl nicht untersuchen, selbst wenn es kostenlos angeboten wird, da es ihm nichts mehr bringt. Traurig genug und er hätte, wenn es so sein sollte, Hilfe im Leben benötigt. Aber dann wäre eine Untersuchung und Behandlung „teuer“ geworden und die wollte eventuell Niemand auf sich nehmen. Nein, das alles muss ich nicht wissen.

    Liebe Grüße
    Sabine

  4. Pingback: In Erinnerung an kleinen Kater | Katzen-Heimat-Blog

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