Hanni und Nanni, Dies und Das

Die beiden Wildmiezen machen sich nur langsam, was ihre Zutraulichkeit anbelangt, aber wir haben Zeit. Zeit bedeutet, dass wir noch mindestens zwei Monate warten, bis sie kastriert und anschließend zu 98  Prozent zu  Emmy und Maxi vermittelt werden können. Zur Winterzeit ist dieser Wechsel optimal, da Emmy und Maxi eingeschlossen werden müssen, damit sich die zwei Neulinge  an die Umgebung gewöhnen können.

Hanni ist die getigerte, die sehr neugierig und im Grunde ständig mit ihrer Nase dabei ist. Aber bis hierher und nicht weiter.  „Du stinkst, du bist mein Feind … obwohl…“.  Häufig läuft sie mit erhobenem Schweif spaßeshalber an mir vorbei, von wegen: „Krieg` mich doch, ätsch, krieg` mich doch!“ Schnurren kann sie wie eine Große, von daher ist es bei ihr nur noch eine Frage von  Wochen, bis sie sich anfassen lassen mag.
Die schwarze Nanni dagegen ist wesentlich scheuer, obwohl die Zeiten inzwischen vorbei sind, an denen ich sie gar nicht zu Gesicht bekam und in denen sie sich unten im Küchenschrank verkroch. Mittlerweile hüpft sie ebenfalls (verbotenerweise) auf die Küchenarbeitsplatte und mag am allerliebsten Fresschen. Aber: „Bis hierher und auf gar keinen Fall weiter! Also nee, da verstehe ich keinen Spaß. Ich bin ein ernstes Katzenmädchen und du kannst mich mal!“

Es war und ist nicht einfach für die Beiden. Vom Hafen kommend in einer Falle zur Inga gebracht. Dort von vielen Augen begutachtet, einen Tierarztcheck inklusive Wurm und Flohkur über sich ergehen lassen müssend. Von dort aus zu einer Pflegestelle der Katzennothilfe, nach einer Woche  zu Christine und Manuela, nach zwei weiteren Wochen  zu uns. Auch wenn sie sich bei Christine und Manuela schon recht zugänglich gaben, so muss man auch verstehen, dass diese Wechselei nicht in meinem Sinne ist, ich solch einen  Aufwand  vermeiden wollte und weiterhin jederzeit vermeiden will. Aber wie das Leben  so spielt, so konnten weder Hanni und Nanni, noch der Rest der Beteiligten das alles wissen oder vorab entscheiden. Ich und Niemand hat eine Ahnung, ob junge Katzen vergessen können, vergessen wollen oder ob sie jemals das gebotene  Spielzeug als eine Alternative zum echten Fang ansehen mögen.

Auch wenn ich dachte, dass speziell die getigerte Hanni unkaputtbar ist, so sollte es  am Donnerstag vor zwei Wochen anders aussehen. Sie erbrach abends ihr Futter und am nächsten Tag erbrach sie Galle, aber eine Katze erbricht nun einmal ab und zu und man kann nicht jedes Mal einen Notarzt rufen, oder? Am Samstag wurde der Balkon mitsamt Netz fertig und der Herr des Hauses und ich ließen uns hinreißen, ein kleines Richtfest zu feiern. Wir hatten wirklich nicht vor, an diesem Abend  noch  eine Tierklinik aufzusuchen oder sonst wohin zu fahren. Auch in eine Menschenklinik wollten wir nicht, ach, all das war Vergangenheit und es lebe die Gegenwart!

„Hallo! Seht ihr denn nicht, wie miserabel es mir geht?“

In der Tat, Hanni schien nicht nur eine Magenverstimmung zu plagen.

Ich rief die Tierärztin an, doch sie konnte leider nur mit Ratschlägen helfen, da sie an diesem Wochenende nicht vor Ort war. Ich solle versuchen Hanni Flüssigkeit einzuflößen, wenn sie nicht selbstständig essen oder trinken wolle. Naja, Wasser trank Hanni, aber Futter mochte sie nicht. Verdünntes Futter in eine Spritze und alle paar Stunden einflößen. Sollte es nicht besser werden, sei eine Tierklinik ratsam.

Leicht gesagt und bei einer zahmen Katze einfach zu händeln. Festhalten, Gekratze und Gebeisse ertragen geht ja noch, aber das bedeutet weiteren Stress für das scheue Tier. Ich wartete ab und wir verdünnten Futter, gaben es auf einen ihr vertrauten Teller, aber Hanni saß nur teilnahmslos davor. Bis Montag würde  Hanni durchhalten, oder? Sie stand nicht kurz vor dem Austrocknen, außerdem hatte sie als Pummelchen Reserven. Aber wie das so ist, man hat keine Ruhe, wenn es einem Tier schlecht geht. Christine und Manuela boten sich sofort an, mit mir in die Tierklinik zu fahren. Mittlerweile war es nach 23.00Uhr geworden und ich ärgerte mich über das Richtfest, aber ärgern brachte jetzt auch nichts, denn es war, wie es war. Hanni ließ sich leicht von Oben in die Transportbox befördern, der Überraschungseffekt war gelungen, ihre Gleichgültigkeit bewirkte das Weitere und wir machten uns auf den Weg. Wir mussten weit über eine Stunde warten, denn es gab einiges in der Tierklinik zu tun. Traurige Wartende teilten sich mit uns das Wartezimmer, jeder mit Gedanken an sein Tier beschäftigt. Hanni guckte uns aufmerksam an und ich fragte mich, ob dieser Aufwand wirklich nötig war, aber nun musste sie auch diese Situation durchstehen. Nach 0.00Uhr kamen wir an die Reihe und aufgrund ihres Zustandes und der Angsteinflößenden Situation, tat Hanni wie eine zahme Katze.

Naja, nicht ganz so zahm, aber zumindest ließ sie sich ohne Murren untersuchen. Sie hatte eindeutig Fieber, 40 Grad wurden gemessen. Sie bekam ein entzündungs- und fiebersenkendes Mittel inklusive Antibiotikum gespritzt. Synulox und Tolfedine bekamen wir in Tablettenform mit und der Verdacht auf Katzenschnupfen wurde geäußert.

Am nächsten Morgen ging es Hanni bereits besser. Obwohl sie immer noch keinen Appetit zeigte, so fand sie Gefallen an ihrem neuen Balkon. Dort legte sie sich Stunden in die wärmende Sonne und beobachtete sorgfältig.

Am Montag war eine weitere Untersuchung bei unserer Tierärztin geplant. Das Einfangen in die Box funktionierte nun schon etwas problematischer, was aber zeigte, dass Hanni sich auf dem Wege der Besserung befand. In der Tierarztpraxis wurde sogleich die Box geöffnet, aber ich sagte: Oh, oh, Moment, das ist eigentlich eine Wilde und wir sollten das Fenster schließen.“ Sofort wurden Türen und Fenster verriegelt, doch Hanni hatte Respekt und ließ die erneute Untersuchung brummend und murrend über sich ergehen. Das Fieber war gesunken und ihre Temperatur betrug knapp über 38 Grad. Die Tierärztin schaute Hanni ins Mäulchen und dort ließ sich erkennen, weshalb sie nichts essen wollte. Ihre Zunge war rotumrändert, akut entzündet und bereitete Schmerzen. Eine Ursache des Katzenschnupfens. Woher sie den bekam, kann lediglich spekuliert werden. Hanni bekam erneut Spritzen und ich bekam CaloPet mit, falls sie immer noch nichts zu sich nehmen würde.

Tabletten und flüssig zu verabreichendes Synulox waren unmöglich einzugeben. Zwei Versuche scheiterten mit zerkratzten Händen. Ich hielt Hanni die Paste vor die Nase, aber sie drehte sich angewidert zur Seite und  verschwandt unauffindbar. Somit nutzte ich die Gunst der Stunde, wenn sie auf einem Stuhl unter dem Esstisch lag. Dann träufelte ich ihr vorsichtig die CaloPet Paste auf ihre Vorderpfoten. Eine ordentliche Katze will saubere Pfötchen haben, somit leckte auch Hanni die Paste ab.

Am darauffolgenden Donnerstag war ein erneuter Kontrolltermin angesagt. Aber wenn man schon einmal zum Tierarzt muss … somit kamen auch Perlchen, Bübchen und Wally mit. Hanni ging es nun schon wesentlich besser, seit Mittwoch hatte sie großen Gefallen an Trockenfutter gefunden. Nicht wirklich das Gelbe vom Ei, aber zumindest nahm sie Nahrung zu sich. Die kleine Zicke schnurrte bei diesem Termin sogar, als wenn sie Gefallen an einem Behandlungstisch gefunden hätte. Heute gibt sie sich, als wenn nie etwas geschehen wäre. Sie isst, spielt und tobt wieder. Am vergangenen Samstag gab es gekochte Hühnchenherzen und Hanni wusste gar nicht wohin, vor lauter Hunger. Sie fand eine Lösung, wo sie (fast) ungesehen ihre Herzen verspeisen konnte:

Von Perlchens Auge wurde ein Abstrich genommen und eingeschickt, auch wenn die Diagnose „eingerolltes Augenlid“ feststeht. Aber das Auge tränt oftmals sehr stark und mit Salbe vermischt ist es stets braun umrandet. Es wurde nachgeschaut, ob sie nun endlich geimpft werden könne, aber sie stecke mitten im Zahnwechsel, das Immunsystem sei momentan geschwächt und die Tierärztin riet weiterhin von einer Impfung ab. Perlchen muss ausgewachsen sein, erst dann kann und muss ihr rechtes Auge operativ behandelt werden. Somit entschlossen wir uns in diesem Moment 100%tig, Perlchen bei uns zu lassen und sie offiziell zu adoptieren. Der Herr des Hauses war zwar überrascht, aber Nein sagen wollte er auch nicht. 😉

Bübchen hingegen konnte aufgrund der letzten Gaben von Baytril seine, bis dahin immer wieder aufkeimenden, Katzenschnupfensymptome in Form extremer Niesattacken verabschieden, erhielt seine zweite Impfung und wurde gechippt.

Und bald muss er auch kastriert werden, wenn sich kein besseres Zuhause findet.

Ebenso Geierwally, die inzwischen liebevoller „Lucy“ genannt wird.

Sie ist unter „Weibern“ und hat erst einmal Zeit.

An der schwarzen Nanni gingen all diese Krankheitsgeschichten ebenfalls nicht vorbei, wobei nicht feststeht, dass sich Hanni oder Nanni hier infizierten. Nanni hatte nach ihrer Woche in der ersten Pflegestelle bereits ein tränendes Auge. Ob der Schnupfen schlummerte und auch in Freiheit ausgebrochen wäre, oder ob in der freien Wildbahn das Immunsystem einen Ausbruch erst gar nicht zugelassen hätte?  Erst hier wurde der klare Ausfluss zu einem eitrigen. Sie isst, was einen großen Vorteil darstellt, da sie nun ebenfalls mit Synulox behandelt wird.

Am allerliebsten mag ich in Erde Pipi machen

Alles in allem mag es klingen, als wenn wir hier eine Seuchenstation wären. Zwar kann man sich von noch vorhandenen Bazillen und Viren nicht frei sprechen, aber Seuchengefahr besteht definnitiv nicht und  ich bräuchte all das nicht zu erwähnen. Jedes Beispiel, ob von Draußen oder Drinnen, soll zeigen, wie schwierig Katzen sein können, wieviel Zeit sie unter Umständen benötigen, welche Krankheiten sie  bedrohen und wie man damit umgehen kann, ohne gleich den Mut zu verlieren. Es gab und gibt immer wieder Interessenten, die sich für die „Kuhkatzen“ melden. Aber es soll speziell Kuhkatzkater Bübchen besser gehen, als er es hier hat. Eine 45 qm Wohnung ist definitiv zu klein, für einen erwachsen werdenden Kater voller Tatendrang und Unfug im Kopf.

Die Impfungen und das jeweilige Chippen wird die  Pfötchenhilfe Grenzenlos e.V. übernehmen, da es sich um ihre Vermittlungskatzen handelt.
Bei den  fast auf 200 Euro angewachsenen Kosten für die wilde Hanni, wird die Tierhilfe Rhein – Main- Ruhr behilflich sein. Herzlichen Dank allen Beteiligten, auch an Christine und Manuela für jede Hilfe!

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5 Kommentare zu “Hanni und Nanni, Dies und Das

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