In Erinnerung an Engelchen

Es begann am Mittwochabend plötzlich und unerwartet. Wie immer kamen die drei Zwerge angerannt, als ich mit gefüllten Tellern in der Hand ins Zimmer kam. Alle schienen putzmunter zu essen, doch bei Engelchen stimmte etwas nicht. Hatte sie am Mittag noch mit beiden Vorderpfoten ihren Teller verteidigt, so  mochte sie am Abend nur ein paar Häppchen und wollte anschließend auf den Arm, sich irgendwo verstecken. Immer wieder ermunterte ich sie, aber stattdessen erbrach sie die Häppchen.

Inzwischen war es 24.00 Uhr geworden, ich schickte Babette eine sms und legte Engelchen in ihre Höhle im Kratzbaum, deckte sie mit ihrer Decke zu.

Am Morgen um 5.00 Uhr weckten diesmal nicht die Wecker, ich hatte eh kaum geschlafen. Engelchen war schlapp und wankte, aber ich musste zur Arbeit und versprach ihr, ihr in ein paar Stunden wirklich helfen zu können. Babette meldete sich gegen 5.30 Uhr zurück und konnte auch nur den Rat geben, Engelchen zum Tierarzt zu bringen, denn bisher dachten wir beide an diesen bekannten Magen – Darmvirus, der mit dem richtigen Antibiotikum (meist) in den Griff zu bekommen ist.

Ich beeilte mich und verschob Fahrten auf den Nachmittag, kam gegen 10.00 Uhr nach Hause und schaute nach. Engelchen hatte enorm abgebaut, so dass ich dachte sie sei bereits tot. Aber Engelchen kämpfte und ich beeilte mich weiter, legte sie in eine Box und setzte die anderen beiden Zwerge in eine andere Box. Bei Dr. Brinkmann – Block durften wir sofort in den OP Raum, wo wir dennoch eine Weile warten mussten.

„Mädchen, mach keinen Quatsch, halte durch“, flüsterte ich ihr zu, doch sie lag apathisch und nach Luft ringend in meiner Hand. Nachdem die Tierärztin Zeit hatte, warf sie einen wissenden Blick auf Engelchen. Sie schüttelte den Kopf, begab sich auf meine gekrümmte Haltung herunter und sagte: „Diese Katze hat zu 99% einen genetischen Fehler, das sah ich letzte Woche schon und sie wissen es selbst.“

Ich nickte.

„Es hätte gut gehen können, aber es wäre eines der ewigen Sorgenkinder geblieben.“

Ich nickte erneut und zitterte, hörte nur dieses qualvolle nach Luft schnappen von diesem Winzling, der so sehr kämpfte.

Die Tierärztin gab Engelchen eine Narkose und nahm den nächsten Patienten an die Reihe.

Wieder einmal saß ich auf „meinem“ Stuhl, auf dem bereits Katze Schneckchen in meinen Armen unter Narkose einschlief.

Engelchen schlief ebenfalls ein. Schmerzlos, wie ich nur hoffen kann.

Blöderweise versuche und versuchte  ich mich zu rechtfertigen, im Grunde nichts falsch gemacht zu haben, denn von anderen Seiten hört man, dass Aufbaumilch das A und O sei … und so weiter.

Mach es gut, du kleiner Winzling, Engelchen, und komm` gut an! Du wirst viele Mütter und Freunde im Regenbogenland finden, die sich deiner annehmen. Es war eine sehr schöne und lehrreiche Zeit mit Dir, obwohl sie zu kurz war.

 

 

 

7 Kommentare zu “In Erinnerung an Engelchen

  1. Och mensch Sabine, das tut mir sehr leid! So ein kleiner Wurm, hat noch niemanden was getan, und muste in den wenigen Wochen die sie lebte schon so kämpfen!
    Jetzt hat sie keine Schmerzen mehr! R.I.F. Engelchen!

    Was war das mit dem genetischem Fehler Sabine???????

    LG Heike.

  2. Hallo Heike,

    das war zu erkennnen, da sie bereits die Augenfarbe gewechselt hatte und trotzdem so klein blieb, wie mit drei Wochen. Sie nahm keinen Gramm zu.Zum Schluß lief eine unglaubliche Menge Waser aus ihr heraus.
    Man lernt dazu und das kannte ich bisher auch nicht.
    Ihre ebenfalls gefundene Schwester war und ist doppelt so groß und bisher putzmunter.
    Kann sein, dass die Mutterkatze sie absichtlich zurückließ. Man weiß es nicht, aber ja, es ist trotzdem traurig.

    LG, Sabine

  3. Pingback: Kitten und Co. « Katzen-Heimat-Blog

  4. Sowas zu lesen tut immer weh. Hoffentlich kommst du drüber weg. Jeder der Tiere hat kennt das Gefühl. Es macht einen immer sehr traurig. Wütend machen einen dagegen Berichte von Tierquälerei oder Leuten die ein Tier einfach aussetzen,so wie die zwei Zwerge.

  5. du kannst dir nix vorwerfen, dieser kleine Wurm durfte die erde zwar nur kurz bewohnen aber Engelchen kann stolz auf so eine Katzenmama sein.

  6. Pingback: Futter statt Raketen « Katzen-Heimat-Blog

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