Zufällle?

Immer wieder unglaublich, diese Zufälle im Leben. Jeder kennt sie und manch einer mag denken: Unsinn.
Vor einigen Monaten wurde ich von der zuständigen Katzenbeauftragten des hiesigen TSV angerufen. Sie mag kein Internet und regelt vieles immer noch per Brief und per Anruf. Jedenfalls fragte sie mich, ein Nichtmitglied, ob ich die Stelle in Düsseldorf kenne, an der viele Katzen leben und wo eine Mitarbeiterin Hilfe benötigt. Die Mitarbeiterin wohne in unserer Stadt, arbeite lediglich in Düsseldorf und hätte sich an den TSV in ihrer Heimatstadt gewendet.

Dumm gelaufen, dass ich die Stelle tatsächlich kenne, da ich morgens gegen 7.30 Uhr dort vorbeifahre und bereits zwei tote Katzen dort fand.

Bei einer weiteren Fahrt sah ich aus dem Augenwinkel, wie eine tote Katze mit Schüppe und bereit gestelltem Karton von der Straße geholt wurde. Ich verdrängte diesen Anblick und hoffte geträumt zu haben.
Bisher wusste ich die Tiere nicht zuzuordnenden. Waren sie Freigänger oder gehörten sie zu einer unbekannten Stelle für wilde Tiere? Ich wandte mich immer an die Katzensuche, nahm das jeweilige Tier mit, begrub es und schickte ein Foto an die Katzensuche. Nach diesem Anruf ging mir jedoch ein Licht auf, da die Anrufende beim TSV ziemlich verzweifelt schien. Es gäbe Jungkatzen  auf ihrem Firmengelände, die Mutter sei verstorben und sie bräuchte dringend Hilfe zur Kastration, da fast alle Tiere inzwischen überfahren worden seien und keine weitere Katze dort leben könne.

Ich hörte mir die Argumente an, doch schnürte sich in mir irgendetwas zusammen. Ich könnte den Tieren nicht helfen, schon gar nicht durch ein Fangen und eine Kastration, wenn ich eh die Bilder vor Augen habe, wie sie später auf der Straße liegen! Und überhaupt, tut mir sehr Leid, aber ich schaffe es mental und zeitlich nicht.
Es vergingen inzwischen Monate und selbst von der Katzensuche bekam ich einen Anruf, dass sich eine Frau S. vom TSV in Erkrath gemeldet hätte und dringend um Hilfe bittet, weil drei Tiere inzwischen kastriert worden wären, aber eine Katze nicht gefangen werden will. Ob ich  helfen könne?
„Liebe Frau Q., es wird mir zuviel, wirklich! Ich gab der Frau S. seinerzeit ihre Nummer, sorry, weil ich nur alleine bin und auch nicht mehr weiter weiß.“
„ Ja, verstehe sehr gut“, antwortete Frau Q. „auch bei uns sind wir nur noch zwei aktive Leute, wir wissen ebenfalls nicht mehr weiter. Es will niemand helfen und all die Tiere liegen auf den Straßen, brauchen Hilfe und überhaupt, es macht kaum noch Sinn.“
Wir verblieben mit weiteren Nummern von nahe liegenden Vereinen, denn es kann einfach nicht sein, dass Einzelpersonen Städte übergreifend handeln sollen, während Vereine akkurate Grenzen ziehen!

Es kam jedoch wie es kommen musste. Gestern Morgen fuhr ich gezwungenermaßen durch besagte Straße und auf dem linken Gehweg lag eine schwarzweiße Katze.

Übersehen von all dem Volk, das mittlerweile an ihr vorbei gekommen sein musste! Jeder wankt um diese Zeit zur Arbeit und jeder denkt in dieser Zeit nur ans Wachwerden und ans „Zu spät kommen“, da ein wackerer Vorgesetzter bereits die Uhr im Blick hat. Eine Stressgesellschaft ohne Kompromiss!
Ich registrierte, fuhr weiter und wendete, da die Katzensuche, wie gehört, ebenfalls kaum noch Einsatzkräfte zur Verfügung hat. Durch all die Telefonate hatte ich mir inzwischen ein Bild machen können und tippte auf besagte Firma. Sie war nicht weit entfernt und ich musste nur ein paar Meter zurücklegen. Ich ging in die Firma, traf jedoch niemanden in der Empfangshalle an. Ich ging wieder nach draußen und hob das tote Tier in meinen Arm. Mein Fahrzeug stand mit laufendem Motor vor der Einfahrt und ich überlegte, die Katze in der Wiese abzulegen. In dem Moment kam eine junge Frau auf das Gelände, die augenscheinlich ebenfalls gerade zur Arbeit ging. Sie sah mich, sah uns und schlug die Hände vors Gesicht. Ohne sie je gesehen zu haben, war mir klar, dass es sich um die hilfesuchende Frau handelt. Sie blieb stehen und ich wartete. Wartete geduldig ihre verständliche Regung ab und nach einer Weile kam sie weinend auf mich zu.

„Sie lag hier auf dem Gehweg.“ Mehr musste ich nicht sagen und registrierte eine frische Kerbe im linken Ohr der Katze. Sie war vor kurzem erst kastriert worden.

„Das ist Flocke“, schluchzte die junge Frau. Die Frau war komplett fertig und ich konnte sie nur zu gut verstehen. „Ich hole einen Karton“, sagte sie. Und ich wartete erneut, der Motor des Firmenwagens lief und ich musste weiter. Aber all das interessierte mich in dem Moment nicht, auch kannte ich Flocke nicht, war froh sie nie gekannt zu haben. Aber ich streichelte sie und wünschte ihr eine gute Reise. Zu all denen, die bereits auf sie warten …
Nachdem der Karton besorgt worden war, gingen wir hinein und Chef oder Kollege hatte inzwischen seinen Platz gefunden: „Was ist passiert?“
„Flocke ist hier drin.“
„Was, wie?“ Der Chef oder Mitarbeiter hätte sie eventuell schon viel früher entdecken können – aber egal. Ich fragte nach Zettel und Kuli und gab der Frau meine Nummer: „Wenn sie Hilfe benötigen.“
So geht das und so geht es immer weiter …

Danke für Eure Aufmerksamkeit.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Zufällle?

  1. LIebe Sabine, alles schnürt sich bei mir zusammen, wenn ich das lese – wir haben momentan ähnliches zu bewältigen. Aber wir müssen so lange stark bleiben wie eben möglich – für die Tiere. Wie oft möchte „man“ einfach „weglaufen“ – aber auch das würde wieder noch mehr Tiere in der Hilflosigkeit zurück lassen. Und deshalb tun wir es nicht – obwohl auch Du kaum mehr Atmen kannst. Wenigstens in Gedanken bin ich bei Dir !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s