Katze Hermine (Teil 5)

So, nun komme ich zum vorerst letzten Bericht. Ich hoffe, viele weitere werden noch folgen, aber mit jeweiliger Verbesserung und ohne negativen Inhalt. Drückt bitte die Daumen!

Ich schrieb Dr. Brinkmann – Block per E-Mail diesen Fortschritt, damit sie auf den folgenden Montag und unseren Besuch vorbereitet war. Als wir im Behandlungsraum ankamen war auch die Tierärztin erleichtert, da sie dem Tier keine Chance mehr gegeben hätte, wenn es  nicht „aufgewacht“ wäre. Aber so hatten wir alle Möglichkeiten in Sachen Behandlung. Sie fragte, ob Hermine angefahren worden sein könnte und ich antwortete mit einem eindeutigen „Ja.“ Es ist einer meiner ständigen Albträume, die ich wegen der Hafenkatze habe, denn speziell an Hermines Stelle überlebten bereits drei gesündere Katzen die Überquerung dieser Straße nicht.

„Wenn wir narkotisieren und untersuchen, kann es sein, dass ein eventueller Tumor, der diese Anzeichen ebenfalls auslösen kann, erst gar nicht entdeckt wird, da das speziell im Bereich der Weichteile oft der Fall und sehr schwierig erkennbar ist. Ich behandle das Tier nun auf beide Möglichkeiten mit Cortison. Entzündungshemmend, abschwellend, da ein Aufprall aufgrund eines Fahrzeug diese Symptome ebenfalls zeigt.“

Ich sponn den Faden weiter und erwähnte all die Katzen, die sich, noch weitaus schlimmer verletzt, mit letzter Kraft nach Hause schleppen. Erst dann brechen sie zusammen. Hermine hatte keine andere Möglichkeit und schleppte sich vielleicht Montag und Dienstag auch nur zur Futterstelle, wie andere nach Hause. Erst als sie sich fallen lassen konnte, erst dann ging es ihr dermaßen dreckig.

„Das kann durchaus sein“, bestätigte Frau Doktor, „mein Kater schleppte sich mit gebrochenem Becken auf eine Baustelle. Er schien genau zu wissen, dass diese Arbeiter zu mir kommen, da niemand sonst dort Freigänger hat.“

Wir öffneten wieder einmal die Box und obwohl wir sie zu zweit festhielten und mit Lederhandschuhen bewaffnet waren, gab es kaum Gegenwehr vom geschwächten Herminchen. Sie bekam somit erneut Cortison, wodurch sich auch ihr Appetit steigern würde. Ja, das kannte ich noch von meiner ersten wilden Katze „Schneckchen“, von der ich hier noch nicht berichtete. Aber das ist eine andere Geschichte, tut immer noch weh. Bei ihr half das Cortison zwar auch, aber sie konnte man kaum noch zum essen bewegen, da sie an Niereninsuffizienz litt.

Wieder zu Hause war es diesmal ganz einfach. Transportkorb öffnen, gefüllte  Futterschale vor Hermines Nase und sie stieg freiwillig auf ihre inzwischen geliebte Decke. Am Donnerstag sollte der erst einmal letzte Tierarztbesuch anstehen, aber das würden wir ebenso locker schaffen wie diesen.

Und genauso war es, wenn auch Hermine wieder an Kraft dazu gewonnen hatte. Sie vom Käfig aus in die Transportbox hieven, machte ich selbstmörderisch per Hand. Vertrauen gegen Vertrauen. Allerdings sträubte sich Hermine schon wieder etwas mehr, doch das hatte ich mir nicht anders  gewünscht.

Bei Dr. Brinkmann – Block öffneten wir die Box, ich hielt mit Lederhandschuhen alleine, aber plötzlich und mit Juchhuuu kam der Mäusetöterangriff: Ein plötzliches lautes Fauchen, ein kräftiger Hieb mit ausgefahrenen Krallen: EGAL, WEN ICH DAMIT TREFFE!!

Doch auch die feine Spritze hatte ihr Ziel getroffen…. Schnell die Box geschlossen – heiliger Bimbam, unberechenbar diese Hermine – und wir wurden mit Medikamenten entlassen, mit Metacam, Synulox und Prednisolon. Synulox 2x täglich, eine begrenzte Zeit lang, Prednisolon ist Cortison auf Tablettenbasis, das ab heute 1x täglich  gegeben wird und nach und nach „ausgeschlichen“ werden muss. Und dann mal schauen.

Von der Pharmazie zurück zur Wirklichkeit, denn wie geht es der wilden Katze?  Hermine scheint sich in ihrem momentan eingeschränkten Bereich ganz wohl zu fühlen. Gitter sind ihr vertraut und gaben ihr immer schon ein Gefühl der Sicherheit. Sie hat ständig Hunger und mampft richtig, richtig gut, mit gesundem Appetit, ob Fisch oder Fleisch, Hermine mag alles – und bekommt nur das Beste. Das Katzenklo wird nun wieder regelmäßig aufgesucht und ansonsten wird die meiste Zeit mit hoffentlich gesundendem Schlaf verbracht. Hermine reckt sich inzwischen auch wieder, sie sitzt oder geht kurze Schritte, sie putzt sich und kratzt sich mit den Hinterpfoten. All diese Bewegungen sind mühevoll, aber sie versucht.

Was die Begegnungen zwischen uns anbelangt, so  drehte ich den Spieß um, denn nun ist Hermine am Zug, und  seit unserem letzten Tierarztbesuch berührte ich Hermine gar nicht mehr. Halte lediglich bei der Futtergabe meine Hand zu ihr und ab und an… ganz sanft und zögerlich, gibt sie Köpfchen.

Romina war anfangs über diese vermeintliche Konkurrentin überhaupt nicht erfreut und pinkelte energisch auf die Badematte im Gästeklo. Na, das hat gestunken, aber das war ja auch Sinn und Zweck ihrer  Aktion. Aber auch Badematten kann man waschen, äätsch.

Anfangs lief sie eifersüchtig hinter mir her, wenn Hermine Futter mit ihren Drogen bekam. So richtig link schlich sich Romina hinter den Käfig, schaute durch einen Schlitz der übergelegten Decke und fauchte. Hermine störte das von Anfang an nicht, denn Katzengesellschaft ist sie gewohnt. Ich nahm Romina irgendwann zur Seite und fragte, ob sie sich noch erinnere, wie SIE hierher gekommen sei? Vielleicht verstand sie das, ich glaube kaum, aber auch dieser Zustand verbesserte sich und ging in einfache Beobachtung und gegenseitiges Beschnuppern durch die Gitterstäbe über.

Ihr Sohn Charlie ist eh ein unbedarfter Sonnenschein und macht keine Probleme,

Bella ist mittlerweile auch alles egal,

von daher… hoffen wir.

Hermine am 7.4.

Nun bedanke ich mich herzlich für Eure ausdauernde Aufmerksamkeit und wünsche Euch eine gesunde Woche!

Sehr lieben Dank an Frau K., die mitsamt Hündin Cilli 25 Euro für Hermine spendete! Statt Ostereier, die eh nicht durch den Briefkastenschlitz gepasst hätten. 😉

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2 Kommentare zu “Katze Hermine (Teil 5)

  1. Ja da kann ich Gilla nur zustimmen!!!
    Klasse Sabine, das hatte wir ja nicht für möglich gehalten das Hermine wieder auf die Beine kommt!
    Jetzt glaub ich, sie schafft das!
    Weiterso Hermine!!!!

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