Katze Hermine (Teil 3)

Die Katze war somit gefangen und ich hob die Falle in mein Auto. Da ich den geliehenen Umsetzkorb dabei hatte, in dem es sich weitaus bequemer liegen lässt, versuchte ich Hermine dort hinein zu locken. Aber ehrlich gesagt flatterte ich am ganzen Körper und überhaupt war die Situation mehr als riskant. Ein einziger Flüchtigkeitsfehler und Katze raus aus dem Auto, Straße, brummende LKW… nein, nein, ich ließ es bleiben und schaukelte mitsamt Katze in Falle nach Hause. Dort musste ich erst einmal eine Unterkunft herrichten, denn weiter hatte ich bisher nicht gedacht. Bringt ja auch nichts, unnötige Gedanken zu wälzen, von wegen: Was wäre wenn?

Ich baute auf die Schnelle die Hundeflugbox zusammen, legte Decke, Handtücher hinein und verteilte Katzenstreu aufgrund Platzmangels auf erprobten Pflanzenuntersetzer. Das restliche Futter stellte ich ebenfalls dazu und dann drängte die leidige Arbeitszeit auch schon wieder. Nun musste Hermine nur noch umziehen, aber das war leichter gesagt als getan. Mit viel Geduld und Ruhe bewahren, so tat sie Schrittchen für Schrittchen, wankte hin und her, gar nicht ganz bei sich. Als sie endlich in der Box angekommen war, klappte ich das Törchen zu und musste auch schon wieder los.

Abends sah ich, dass sie verständlicherweise kein Futter mehr zu sich genommen hatte. Und sie musste nochmalig in eine größere Möglichkeit umziehen und irgendwann zur Ruhe kommen. Der Herr des Hauses hatte netterweise inzwischen den bewährten Käfig aufgebaut. Fand ich extrem nett von ihm, aber seit man ihn seines Blinddarmes beraubte, ist er fast genauso relaxt wie ich. Okay, Käfig fertig, mit Decken, Handtüchern, Schlaf/Transportbox und flachem Kittenklo ausgestattet, fehlte nur noch Hermine. Das war wieder nicht einfach und nach ungefähr einer Stunde, weil  wegen der Arbeit auch schon wieder das Bett rief, machten wir es auf die brutale Art. Wir schütteten Hermine möglichst sanft aus der Hundeflugbox, hinein in das größere Gehe. Es klappte und sie kroch sofort in ihren Unterschlupf, in die Transportbox.

Am nächsten Tag wäre ich gerne mit ihr zum Tierarzt gegangen, doch leider ist die Praxis mittwochs geschlossen. Somit beobachtete ich nur und sah eine ständig schlafende Hermine. Sie ging nur ungesehen aufs Klo, aber aß ihr Futter.

Endlich Donnerstag und ich beeilte mich in der Pause zur Tierärztin zu können. Ein Einfangen war diesmal nicht nötig, da ich lediglich das Gitter hinter der schlafenden Hermine schließen musste. Selbstverständlich oder zum Glück gefiel ihr das gar nicht und ein Meckern in Form eines traurigen Miauens begleitete uns. Wir hatten Glück und brauchten nicht lange warten. Frau Dr. Brinkmann – Block warf nur einen kurzen Blick in die Box und sagte lakonisch: „Komme gleich, gehen sie schon mal rein!“ Im Behandlungsraum unterhielt mich eine Praktikantin, eine ungefähr 15 Jahre junge Schülerin. Sie redete viel und meinte: „Oh, wie schrecklich, was hat diese Katze? Sie verdreht die Augen!“

„Nein“, meinte ich, sie verdreht nicht die Augen, das sieht nur so aus, weil sie sehr krank ist.“

Die Praktikanten zeigte tiefes Mitgefühl und erzählte von ihrer Schule, wo sie nicht wirklich gute Leistungen zeigte.

Ob Tierarzthelferin nun ein Berufswunsch sei und ob ihr die Zeit gefallen habe, fragte ich.

„Oh ja, sehr, morgen muss ich wieder zur Schule, das Praktikum ist leider vorbei, aber jetzt weiß ich, wofür ich lernen muss. Das wird mein Ziel.“

Na bitte, geht doch, dachte ich und schon war Dr. Brinkmann – Block zur Stelle.

„So, dann erzählen sie mal.“

Ich erzählte und sie schaute. Verkrustete Augen mitsamt einer hin und her schaukelnden, wilden  Katze.

„Können sie sie anfassen?“

„Nein.“

Wie haben sie sie in diese Box bekommen?“

„Sie ging von selbst hinein.“

„Eine Behandlung da draußen wird schwierig, beinahe unmöglich.“

„Sie geht nicht mehr nach da draußen, das geht gar nicht.“

Ein verständnisvolles Nicken folgte, zwei Paar dicke Lederhandschuhe  aus einer Schublade geholt, Praktikantin zum Empfang geschickt, Türen und Fenster geschlossen und erprobte Helferin herbei gerufen.

„Es gibt momentan nur eine Möglichkeit“, meinte die Tierärztin, „ich spritze ihr ein Langzeitantibiotikum aufgrund der sehr wahrscheinlich verschleppten Erkältung oder des verschleppten Katzenschnupfens. Zum allgemeinen Aufbau bekommt sie einen regelrechten Cocktail inklusive Cortison, damit sie wieder ans Laufen kommt. Narkose, röntgen, Ultraschall, all das können wir aufgrund ihres Zustandes erst einmal vergessen. Wir öffnen die Box nun komplett und ihr beide seid bereit, okay?“

„Ja, Frau Doktor.“

Wir öffneten, jeder die an seiner Seite befindlichen Verschlüsse…

Eine fauchende, um sich schlagende und beißen wollende Hermine erwartete uns, die wir zu zweit festhalten mussten. Fellfetzen flog durch die Gegend und ich konnte lediglich sagen: „Gucken sie bitte, ob es wirklich eine Katze ist.“

Doktor schaute in Windeseile, sagte: „Ist ein Weib.“

Drei Spritzen setzte sie, in Sekundenschnelle, wobei ihr Mund die dritte Hand fürs Halten ersetzte.

Zurück in die Box war unmöglich, somit wurde ein Kennel mit noch mehr Schnelligkeit aus dem anderen Zimmer geholt, Hermine  möglichst sanft hinein entlassen, Deckel zu – und durchschnaufen.

„Abwarten, jetzt können wir nur abwarten. Melden sie sich per sms jederzeit, sie wissen, ich bin erreichbar.“

„Danke, vielen Dank!“

Fortsetzung folgt.

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2 Kommentare zu “Katze Hermine (Teil 3)

  1. Die Tierärztin ist wirklich gut, knapp, ehrlich (kommt eventuell im Text rüber). Entweder mag man diese Art und kommt damit klar, oder eben nicht. Dass sie gut ist, erkennt man an den Hundepatienten. Anfangs dachte ich, diese unruhigen Hunde wollen schnellstmöglich wieder raus, aus der Praxis. Bis ich dahinterkam, dass die unbedingt in den Behandlungsraum wollen. Brinkmann – Block beschäftigt sich mit den Tieren, geht auf sie ein. Das findet man selten.

    Bisher halten sich Hermines Kosten in Grenzen, knappe 100 Euro. Die Tierhilfe – Rhein – Main wird mich allerdings unterstützen wollen. Je nachdem, was noch auf uns zukommt.

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