Bella die Pflegehündin

Bella kam Anfang Dezember zu uns und weder sie wusste, wo sie hinkommt, noch wir wussten, wen wir aufnehmen werden.

Alles in allem etwas schwierig, doch Bella zeigte am selben Abend bereits eine Art Heimatgefühl. Mit Katzen kam sie zurecht, das war eh die Grundvoraussetzung gewesen und inzwischen funktioniert der Zusammenhalt innerhalb der kleinen Tierfamilie immer besser. Romina scheint Bella zu lieben, hatte sie bei Gipsy schon eine Hoffnung gehegt, doch Gipsy mochte keine weiteren Königinnen in ihrem Reich. Bella ist das egal, denn sie ist immer noch Neuling, allerdings ist sie ein Hund und Romina lediglich eine Katze. Ja, da werden Unterschiede wie im Krieg ausgefochten und anfangs musste der Daumen eines menschlichen Streitschlichters darunter leiden. Charlie wäre es beinahe an den Kragen gegangen, aber wie gesagt, ein Daumen pro menschliche Hand verhindert das schlimmste. Streit und vermeintliche Kämpfe gibt es ausschließlich beim Futter und da Mensch mit vorausschauenden Fähigkeiten gesegnet wurde, kann er reagieren, lehren und verhindern.

Bella ist nur zur Pflege hier, bis sich ein tatsächlicher Interessent meldet. Sie gehört allerdings fast schon zur Familie und dieses „Fast“ macht ihr anscheinend zu schaffen. Wurde aus den ehemaligen Pflegestellen berichtet, dass sie alt ist und viel schläft, so hat sich das Blatt gewendet. Bella schläft wenig, ist aktiv und rennt am liebsten rund um die Uhr.  Sie stammt aus einem belgischen Tierheim, in das sie abgegeben wurde weil ihr Frauchen starb. Das ist alles, was man von ihr zu wissen scheint und sie würde jetzt vielleicht schon nicht mehr leben, da in belgischen Tierheimen Langinsassen getötet werden. Schwarz und älteren Semesters: Gut geeignet, da ohne Erfolg.

Bella ist im Gunde hyperaktiv und die Ursache liegt eventuell bei mir. Ich nahm sie vom ersten Tag an zur Arbeit mit, da ich keine andere Lösung hatte. Einen fremden Hund abends aufnehmen und am nächsten Tag keine Zeit für ihn haben, das schreit nach Lösung.  Somit musste sie am kommenden Morgen ins Auto hüpfen und mitfahren. Das hätte daneben gehen können, klappte jedoch sehr gut, irgendwie passte sich Bella von der ersten Minute an. Aber sie schien sehr gleichgültig, unerzogen, ging mit geducktem Kopf neben einem her, freute sich kaum und schien sich einem gewohnten Schicksal zu fügen.

Andererseits bellt sie viel, ist an allem interessiert, will jede Minute mitbekommen und hängt stets an meiner Seite. Mit anderen Artgenossen kommt sie perfekt zurecht, sie freut sich über Freunde und spielt sogar eine kurze Zeit, wobei man ihr zehn oder zwölf Jahre anmerkt, da die längere Spielphase zur Vergangenheit gehört. Sie wurde auch schon angefallen, von einer Wuchtbrumme der Rasse Labrador, die sich mühselig aber dennoch sehr schnell und konsequent unter dem eigenen Zaun hervorquetschte um Bella in die Mangel zu nehmen. Ist aber nichts passiert und Bella hat es nicht weiter geschockt.

Bellas bester Freund ist inzwischen Lucky, der Nachtwächterhund einer wichtigen Katzenfutterstelle:

Anfangs mochte oder kannte Bella weder Stöcke, Bälle noch Knabberstangen, bis wir eine  Familie trafen, die mit Zwergpinscher und  Tüte voller  Ochsenziemer bewaffnet aus einem Futterladen kam. Die junge Frau fragte, ob sie Bella einen Ochsenziemer schenken dürfe und ich sagte: „Ja klar, aber eventuell mag sie den nicht.“

Wie bei Kindern mit  berüchtigtem Spinat, wo Spinat beim Freund viiieeeel besser schmeckt als zu Hause. Bella nahm den Ochsenziemer und trug ihn bis nach Hause. Irgendwann entdeckte sie sogar einen Stock, also ich entdeckte ihn und warf ihn erneut, weil ich keine Ahnung habe, welch schwierige Dressur Bella drauf hat. Sie geht ohne Aufforderung links bei Fuß, stößt mit ihrer Nase ständig vor meine Füße, weil ich mit so viel Korrektheit nicht rechne. Sie scheint eine Menge gelernt zu haben und ist kein bisschen unerzogen, eher  erzogen wie ein damaliger Mauerhund. 1989 war es, als die gefallene Mauer gedrillte Hunde hinterließ. Ich ging zusammen mit einer Freundin und zweier Tierheimhunde spazieren. Ein gehobener Stock bewirkte Zähnefletschen, so dass der Stock mit spitzen Fingern fallen gelassen wurde/werden musste. Bella zeigt auch ab und an die Zähne, man darf ihr nicht an die Pfoten fassen. Ansonsten kann sie, wenn  sie will, den gefangenen Stock bei Fuß ablegen.

Und dann kam vor einigen Wochen die Zeit, wo scheinbar ein Hebel umgelegt wurde, wie bei  wilden Katzen, die sich plötzlich streicheln lassen:

Bella  rennt und tobt, sie zeigt Freude und kann sogar lächeln. Futterneid ist kaum noch ein Thema, weil sie die Grenze zur Küche und  Katzenterrain akzeptierte. Ihr Gebell, ihre Hektik, nun ja, daran arbeiten wir immer noch. Immer wieder an einem ruhigen Wochenende, an dem man sich seine Auszeit gönnt und sämtliche schlimme Gedanken an die Vergangenheit beiseite schiebt.

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4 Kommentare zu “Bella die Pflegehündin

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