Wildes Leben

Der Winter 2011/2012  war bisher überraschend mild zu ertragen. An manchen Tagen hatte man das Gefühl von Leichtigkeit, da weder Fliegen, Schnecken, Ohrenkneifer noch Frost eine bereit gestellte Futterschale streitig machten. Stürme und Dauerregen, das waren bisher stetige abwechslungsreiche Gegner, aber die sind halb so wild, da man sich schützen kann.
An leichten Tagen stelle ich morgens und abends Feuchtfutter bereit. Grundsätzlich  schaffe ich morgens die leer gefutterten Schalen beiseite, spüle sie zu Hause, reinige die Futterstellen, fülle Trockenfutter auf und stelle frisches Trinkwasser zur Verfügung, aber anwesende Katzen haben Hunger, sonst würden sie nicht auftauchen und warten. Das kommt nicht, wie bei Hauskatzen, einer Art Langeweile zugute, sondern sie haben am Abend zuvor eventuell nichts abbekommen.

Immer habe ich Angst, dass ihnen etwas zugestoßen sein könnte. Immer, da ich reichlich Erfahrung machen musste und keine Nerven mehr habe, weil die Erfahrung es beweist.
Manchmal habe ich neben der Arbeit kaum Kraft und dann denke ich, dass alle Katzen versorgt sein müssten. Wohl wahr, aber wenn man sich die eigenen Tiere ansieht, so haben sie Hunger ohne um ihr Überleben kämpfen zu müssen. Dann raffe ich mich auf, gehe gegen einen inneren Schweinehund an  und bin anschließend froh, wenn die Futterstellen in Ordnung sind und ich ein wenig Liebe geben konnte. Ich sehe das als eine Art Vorratshaltung an, da niemand weiß, wie viele Katzen am Hafen leben, und niemand weiß, ob sie eventuell tagelang irgendwo eingesperrt werden, wie es Muckl oft passiert.

Herr M. rief mich am Mittwoch an und sagte, dass er zwei Katzen gefangen habe. Eine Jungkatze und eine ältere. Er war sich nicht sicher, ob es die bereits kastrierte bunte Katze sei. Ich fuhr hin und sah Samantha. Samantha, die hier in der Hundeflugbox saß und kaum eine Zeit zur Ausheilung bekommen konnte. Laut Tierarzt hatte sie Junge, die aber nie gesichtet oder gefangen werden  konnten. Ich musste Samantha bereits am nächsten Tag wieder frei lassen. Sie ließen wir auch an diesem besagten Tag wieder frei, überlegten jedoch, von welcher Katze  die Jungtiere stammen könnten. Sie waren zu klein, um jetzt noch von Samantha sein zu können, eher waren es bereits ihre Enkel.

Wer hätte Samantha sonst erkannt? Wer kümmert sich?

Die eingefangene Jungkatze nahm Herr M. erst einmal mit zu sich nach Hause, aber eine zweite, hellere wurde auch noch gesichtet. Wo zwei sind, sind meist auch drei oder vier. Kaum ein halbes Jahr alt. Man wir müde, unendlich müde in seinen Bemühungen, diese unübersichtliche Zahl wilder Katzen nur in diesem Gebiet in den Griff zu bekommen. Tätowierungen sind überflüssig, hier muss ich es noch einmal sagen, denn auch bei Samantha konnte keine Nummer entdeckt werden, obwohl sie tätowiert wurde! Die Farbe einer Tätowierung verblasst schlichtweg! Nicht bei jeder, das muss auch gesagt werden, aber für solche Spielchen (hält oder verblasst sie) ist diese Kennung, die außerdem Geld kostet, viel zu wichtig.

Ich will mich nicht loben, noch mag ich Mitleid, aber seit drei Jahren hatte ich keinen Urlaub. Warum? Wegen der Katzen. Und wenn ich überlege, dass es mein Leben lang so weiter gehen wird, fällt es immer schwerer. Eine Bekannte verglich diese Tätigkeit mit ihrem eigenen (tierischen) Haushalt. Ich mochte nur Lachen, denn sie muss nicht durch die Gegend fahren, wie freitags zum Beispiel zu sechs verschiedenen Futterstellen. Sie muss nicht mit Kälte leben, wo das Futter zwar erwärmt wurde, aber nach drei Minuten auf dem Asphalt und trotz Teller zu kaltem Fraß gerinnt.
Wie dem auch sei, man kann nur tun was möglich ist, wie zum Beispiel Styroporkisten aufstellen, wo es erlaubt ist oder nicht beachtet wird. Christine besorgte mir Kisten aus dem Fischhandel. Besser gesagt, Styroporkisten in denen Fische transportiert wurden. Aus dem Futterhaus Mettmann, wovon zwei für die Katzenheimat gespendet wurden. Ganz herzlichen Dank!

Im Grunde sind sie noch besser geeignet als die Boxen aus der Metro, da sie höher sind. Mit Teichfolie drum herum und mit Stroh und Heu befüllt, wurden sie wieder einmal  getestet und für Gut befunden:

Oben zeigt diese inzwischen dreckige, soeben erwähnte und dennoch wertvolle Abdeckplatte einen Sichtschutz. Aber Dreck von aussen ist optimal, denn Niemand kommt auf die Idee, dass sich dahinter ein Notfalllager inklusive sauberer Futterstelle für wilde Katzen befindet:

Und zum Schluss mein Motto, obwohl Udo Lindenberg nicht zu meinen Dingen gehört, aber in dem Falle schon. Und wer sich angesprochen fühlt: Glückwunsch!

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Ein Kommentar zu “Wildes Leben

  1. Pingback: Streunerkatzen im Winter – so könnt ihr helfen | Haustiger

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