Veränderungen

Die muss es geben, da die Menschheit ansonsten immer noch in Höhlen leben würde. Manche Veränderung schmerzt allerdings, weil man sie entweder aus persönlichen Gründen nicht akzeptieren will, Kommerz dahinter vermutet oder weil  ein Stück Natur dem Fortschritt weichen soll. Es gibt zurzeit mehrere solcher Beispiele in Deutschland, wo sich Bürgerinitiativen bildeten, wo heftig demonstriert wird und wo man Magenschmerzen bekommt, weil ein definitiv sinnloses Vorhaben trotz aller Proteste offiziell durchgeführt werden darf.
Nur drei dieser Beispiele betreffen Stuttgart 21, ein geplantes Outlet Center und dem genehmigten Hundewelpenverkauf bei Zoo Zajak.
Dagegen ist mein Beispiel unwichtig wie ein Furz im Wind, aber trotzdem betrifft es eine Welt, und wenn sie noch so klein scheint. Es betrifft eine Katzenwelt, deren Umfeld sich zum geschätzten sechsten Male  verändern soll, weil Fortschritt und Kommerz es so wollen.

Micky und Muckl stammen ursprünglich aus einer Ende der neunziger Jahre abgerissenen Fabrik, anfangs angeschafft um der Mäuse und Ratten Herr zu werden. Die Fabrik wurde dem Erdboden gleich gemacht, Mitarbeiter entlassen und die Mäusejäger hinterlassen.

Damals und lange danach waren sie noch zu Zwölft. Das große Gelände war anschließend optimal geeignet für vorübergehende Geldeinnahmen, sei es um den Cirque du Solaile gastieren zu lassen oder um EG Fahrzeuge, tausende an der Zahl, dort abzustellen. Ich kann nicht sagen warum, aber nachdem das Zirkuschaos überstanden war fehlten sieben Katzen und tauchten nie wieder auf. Eine konnte tot geborgen werden. Dieser Kater wurde definitiv vergiftet …

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Übrig geblieben waren Knubbi, Schneckchen, Micky und Muckl. Irgendwann stieß Filou dazu, von dem ich bis heute nicht weiß, woher er kam. Somit komme ich wieder auf Veränderungen zurück, die positiv und negativ gewertet werden können.

Am Donnerstagabend fuhr ich wie jeden Abend auf das gegenüberliegende Speditionsgelände, um meine drei Freunde zu versorgen. Bis zu dieser Möglichkeit ging es Schritt für Schritt, denn  innerhalb mehrerer Jahre hatten wir uns aufgrund der oben genannten Veränderungen diesem Gelände genähert. Nicht ich gab den Anstoß, sondern die Tiere. Die Katzen suchten sich gezwungenermaßen neue Plätze und wählten Möglichkeiten, wo sie unentdeckt bleiben können. Das alles war auf dem immer wieder freien Anwesen nicht mehr möglich, aber die Spedition und das anliegende  Gelände boten Brombeerhecken und Bäume.

Ich passte mich ebenfalls an, doch konnte ich mich nicht durch Löcher im Zaun quetschen, sondern musste den offiziellen Weg einschlagen und Zuständige bitten. Das fällt immer schwer, da man nie weiß an Wen man gerät. Es hätte ein Verbot hageln können und ein klares Nein auf meine Frage, ob ich Unterschlüpfe und Futterhaus integrieren dürfe. Aber wir hatten großes Glück und der zuständige Mensch nichts dagegen. Wie ich inzwischen von einem Katzengegner erfuhr, der mich von dieser Neuigkeit beinahe händereibend informierte, arbeitet jener Vorgesetzte längst nicht mehr bei dieser Spedition und die Karten müssten neu gemischt werden. Aber wir leben seit Jahren in Unauffälligkeit; ich verhalte mich ebenso wie die Katzen verdeckt, hinterlasse keinen Müll, mache keinen Lärm und breche keine geparkten LKW auf. Auch Herr M. und Herr L., meine Mitstreiter, halten es genauso. Man wird quasi unsichtbar.
An genanntem Abend kam einer der seltenen  Katzenfreunde auf mich zu, der längst Feierabend aber gewartet hatte, bis ich auftauchte. Er wurde informiert, seinen LKW und Hänger an anderem Ort des Platzes abzustellen, weil Baumfällarbeiten geplant seien.

Bäume fällen? Veränderungen? Es war wie ein Schlag in die Magengrube und trotzdem, ich sagte bewegt „Danke!“, denn dieser Katzenfreund wusste, dass einige Arbeit auf mich zukommen würde und keine Zeit zu verlieren war. Umgebaute Katzenklos, Futterhaus, all das hatte ich in Nähe der riesigen Pappel untergestellt, weil es der sicherste, trockenste und immer noch, von der Straße aus für Wochenenden (an denen das Tor geschlossen ist), zugänglichste Ort ist. Da weder der Katzenfreund noch ich wussten, welche der Bäume und warum gefällt werden sollte, schaffte ich alle Utensilien beiseite, musste wiederholt überlegen wohin mit ihnen und Micky die neuen Stellen zeigen. Zurzeit sind die Nächte kalt – ausgerechnet.
Ich hängte Herrn L. ebenso unauffällig einen kleinen Zettel von außen an den Zaun, dass die Futterschalen am Wochenende ganz woanders, aber für ihn immer noch erreichbar, stehen. Herrn M., der wochentags früh morgens zu den Katzen fährt, informierte ich noch am selben Abend, und wie ein glücklicher Zufall es wollte, musste er heute in der Nähe arbeiten. Naja, nicht glücklich für ihn, aber es passte für die Katzen. Er rief vorhin an, dass es bei der großen Pappel, die momentan zerkleinert würde, zu bleiben scheint und keine Katze zu sehen gewesen sei.

Ein Trauerspiel, aber ohne Vorwarnung wäre es noch schlimmer gekommen, da wieder einmal Unterschlüpfe zerstört worden wären.

Ein langes Stück Leben, das ich aufgrund der Informationen noch einmal festhalten konnte. Ich mag gar nicht daran denken, wie es ohne dieses Symbol weitergehen  und was ab jetzt erneut auf die Katzen zukommen wird. Herr M. kennt einige Hintergründe und es scheint, dass sich die Firma, auf deren Grundstück die Pappel vor Jahren gepflanzt wurde, verändern und vergrößern will…

Regen, Sicht  – und Wärmeschutz, Nistplatz, Ketterbaum und jahrzentelanges Dasein. Was mag dieser Baum erlebt haben? Ich persönlich kann nicht zusehen, wenn ein gesunder Baum gefällt wird.

6 Kommentare zu “Veränderungen

  1. Hier werden von einem „Aussenstehenden“, der sonst leider nichts bewegen kann, feste die Daumen für Micky, Muckl, Filou & Co. gedrückt!

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  2. ach mensch Sabine, ich kann nachvollziehen, wie es Dir da gerade geht. Als das Gewerbegebiet in dem ich mein Büro hatte, saniert wurde, hatten wir das gleiche Problem und Ignoranz bei allen Verantwortlichen, Motto: Die Katzen sind ja selber schuld, wenn die da einfach so ihren Lebensmittelpunkt dort einrichten …
    Sie konnten dann umgesiedelt werden – gab ein Ehepaar, dass sich sehr um die Katzenpopulation bemüht hatte, Futter, Kastration,Medikamente – sowas alles und die wie Du die Deinen – alle Katzen kannten. Aber keine Ahnung, wieviele das neue Quartier dann auch endgültig annehmen konnten. Ich hatte die Frau nur ab und an auf der „Hunderunde“ mit Strolch getroffen und ihr manchmal etwas Geld für Futter zugesteckt und habe für sie Tierschutz-Schriftverkehr erledigt, wenn sie Hilfe brauchte.
    Ich hoffe mit Dir, dass alles gut geht!

  3. Tierberufe und Alternativen – Tierpflege Beruf – Eintrag von BarbaraHallo, brauche dringend eure Hilfe! Bin jetzt 22 Jahre alt und habe einen lehrabschluss und eine ausbildung zur Visagistin! Seit einiger Zeit, merke ich aber, dass es nicht das richtige für mich ist. Seit meiner Kindheit bin ich mit tieren aufgewachsen, habe katzenbabys mit Fläschchen aufgezogen, Vögel die sich verletzt haben betreut, Rebhühner aus einem Käfig der von Wilderern aufgestellt wurde befreit, mich um sonstige Kleintiere gekümmert, mit Hunden meine Zeit verbracht usw. Inzwischen habe ich nun 4 Ratten und drei Katzen! Mein Problem ist nun, dass ich leider sehr spät auf meinen Traumberuf gekommen bin! Und nun habe ich ein Problem! Ich würde gerne Tierpfleger erlernen, aber das ist nur mit 3 jähriger Lehre oder einer Schule möglich und in meinem wohnort (Wien) ist der Besuch dieser Schule ab dem 20. Lebensjahr nicht mehr möglich (ich bin 22) zusätzlich kommt auch noch dazu, dass ich neben einer ausbildung arbeiten gehen müsste, oder zumindest weiterhin einen Gehalt von 1000 erhalten müsste, da ich eine eigene wohnung besitze! Tierarzt möchte ich nicht studieren! Ich möchte für die betreuung der Tiere zuständig sein!! Bitte helft mir! Habe ich den überhaupt noch eine Chance diesen Beruf ausüben zu können?

  4. Ja, das kenne ich mit dem Gewicht. Garfield hatte knapp 4 Kilo wo wir das erfahren haben mit seinen Nieren, jetzt hat er wieder knapp 7 Kilo. Habe jetzt nochmal was nachgeschlagen, wegen dem Futter: Phoshorgehalt sollte ( im TroFu) möglichst unter 0,7% liegen, auf jeden Fall unter 1%, Calcium-Phoshor Verhältnis sollte bei etwa 1,5:1 liegen, das heißt auf ein Phoshor- sollten 1,5 Calciumteilchen kommen. Die Energie sollte zu möglichst gleichen Teilen aus Fett und Proteinen/ Eiweißen kommen. Es sollte möglichst viel leicht verdauliches Fleisch, sprich hochwertiges Proteine, enthalten sein, da minderwertige Proteine ebenso wie zu viele Proteine über die Nieren ausgeschieden werden. Möglichst nur eine weitere Proteinquelle außer Fleisch, am besten geeignet ist Reis, schlecht hingegen sind Weizen und Mais.

  5. Pingback: Veränderungen 2 « Katzen-Heimat-Blog

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