Pflegehündin Bella

Bella und ihre Entwicklung, die sich in den letzten  zwei Wochen hauptsächlich auf ihre Läufigkeit und dem Wunsch nach Fortpflanzung konzentrierten. Ich konnte lamentieren wie ich wollte, dass es bereits genug Hunde auf diesem viel zu kleinen Erdball gibt und dass niemand Zeit habe, sich um eine Welpenschar zu kümmern – all das wurde knochentrocken ignoriert.

Somit gab es auch keinen Vertrauensbeweis und Bella ging bei Fuß an kurzer Leine. Bin schließlich kein Sozialhelfer, der fortpflanzungswilligen Kreaturen zu weiterem Unglück verhilft.

Wir lernten in diesen zwei Wochen geschätzt sämtliche Rüden kennen, die in der Umgebung leben. Manch einen lernten wir an der Leine kennen, wo von weitem von meist Frauchen gefragt wurde, ob dieser schwarze Hund männlichen Geschlechts sei. „Nein, nein, das ist nur eine Hündin.“ Nach der Beschnupperungsphase kam jeweiliges Frauchen auf den Trichter und fragte zusätzlich: „Ist die etwa heiß?“ Nach meiner Bejahung wurde Rüde hektisch und kommentarlos beiseite gerissen und zwei  „Für – Einander – Bestimmte“ mussten trauern.

In einer Mittagspause spazierte ich mit Bella durch den angrenzenden Wald und wir machten einen Abstecher zum Futterladen, da sie in dieser Phase so gar nicht an Essen dachte. Irgendetwas musste es aber doch geben und ich suchte und suchte. Mit einer Tasche in der einen Hand und Bella an der anderen, traten wir den Rückweg an. Wie schön, kein wahnsinniger Rüde in … bevor ich den Gedanken ausdenken konnte, stand ein sabbernder Jagdhund hinter Bella. Ein reinrassiger Deutsch Kurzhaar, aber egal, jedenfalls irgendein fortpflanzungswilliger junger Hengst. Ich bin kein Neuling, aber die Größenkategorie ist durch Bella irgendwie gewachsen.

Es war kein Weiterkommen möglich, da sich die Leine mit diesem Jagdhund verhedderte und Bella begeistert schien. Plötzlich kam ein Man mit leuchtend rotem Rucksack und Hund um die Ecke. Sein Hund ist undefinierbarer Rasse, relativ groß gewachsen, ebenfalls männlicher Natur und gehorcht normalerweise auf den Namen Schröder. Nun hatten wir zwei Wildgewordene Rüden in der Leine verheddert. Als ich zu Atem kam, fragte ich den Rucksack, ob er diesen Jaghund kenne. „Ja, das ist der Max, ich weiß wo er wohnt und nehme ihn mit.“

Oh, wie schön und vor allem wie heldenhaft. Schröder war nicht begeistert und zeigte seine Beißerchen. Der Mann nahm Max nach einigem Hin – und Her an Schröders Leine und schien seine gute Tat bereits zu bereuen, denn von da an hatte der rote Rucksack ein Problem und er musste laut werden, so dass ältere Damen mit Einkaufswägelchen stehen blieben und an Tierquälerei dachten. Ich bedankte mich, schlich weiter, hörte bald darauf weiter weg ein gebrülltes: „SCHRÖÖÖÖÖÖDER, verdammt noch mal, was soll das??? MAAAX, hör auf!!!“ Blieb stehen und spähte durch Zwischenräume  kahler Bäume. Ich sah den leuchtend roten Rucksack, wie er sich hektisch hin und her drehte und hörte Geräusche von Beisserei und  Jaulen. Sollte ich zurückgehen und dem Mann helfen? Ich zögerte, denn das war ein Mann.

Plötzlich ein Rascheln, das nicht von einem Eichhörnchen stammte und Max stand in voller Pracht fröhlich hechelnd vor uns. Na super, ein wahrer Held, der leuchtend rote Rucksack. Der hatte wahrlich schnell aufgegeben, und jetzt? Mitten im Wald, kein Handy dabei, nur einen entlaufenden Rüden und eine läufige Hündin. Somit gingen wir Schrittchen für Schrittchen weiter, immer darauf bedacht, überhaupt einen Meter zu schaffen. Es war grausam, vor allem weil die Zeit aufgrund solcher Erlebnisse nicht stehen bleibt. Irgendwann würde meine Pause beendet sein, aber wie sollte ich diesen Wildgewordenen Kerl nach Hause schaffen, ohne dass er mitsamt seiner Kopflosigkeit vor ein Auto rennt? Wo wohnt er überhaupt? Nicht einmal das hatte mir dieser heldenhafte Rucksack mitgeteilt.  Es nieselte, also es war kein sonniger, freundlicher Wintertag. Nein, wir gingen durch Matsch und waren nass, aber Max setzte dem Ganzen die Krone auf. Wir kamen irgendwann an meinem Firmenwagen an, in dem mein Telefon lag, und in das ich Bella irgendwie hinein katapultierte, damit ich mich auf diesen sch… Max konzentrieren konnte. Er hatte glücklicherweise ein Halsband um, an dem eine Plakette mit Handynummer wedelte. Ich versuchte die Nummer zu lesen, aber das war kaum möglich, da ich nun seine Auserwählte war. Ihm war das gleich, ich roch nach Belladonnas und ihm war alles recht. Mit zitternden Fingern und Geduld fast am Ende, entzifferte ich nach und nach diese Kackhandynummer. Max sprang immer wieder an mir hoch, zerrte an meinem Schal, riss Fäden heraus, versaute mit seinen Matsch beschmierten Pfoten meine Jacke und letztendlich auch die allerletzten Nerven. Ich hielt ihn am Halsband, und immer wieder wollte er sich daraus befreien: „FREUNDCHEN, WENN DU JETZT NICHT ENDLICH …!“

Ich hatte es irgendwann geschafft die Nummer seines Besitzers einzutippen und betete, dass sich jemand melden würde. Eine Firma meldete sich, Gott sei Dank, und ich fragte, ob ein Hund Max zu ihnen gehöre. „Ja, wo ist er?“

Das klang gewohnt.

„In der Wahnenmühle, kommen sie ihn holen, denn lange kann ich ihn nicht mehr halten.“

„Ich mache mich sofort auf den Weg, bin ja gleich um die Ecke, kann allerdings fünfzehn Minuten dauern.“

Fünfzehn Minuten? Für um die Ecke? Ich hätte  zu allem Ja gesagt, Hauptsache Max würde mir von der Pelle genommen. Fünfzehn Minuten können ganz schön lang sein, aber mittlerweile beruhigte sich der Kerl und es ist ein ganz netter. Wäre mir nur viel zu triebhaft und keine Ahnung wie er bisher durchs Leben gekommen ist, wenn er regelmäßig auf Wanderschaft geht. Zwischendurch konnte ich es mir nicht verkneifen zwei Fotos (versuchen) von ihm zu knipsen:

Und dann kam endlich der wahre Erlöser. Ein humpelnder Mann zu Fuß, der nur resigniert den Kopf schüttelte und Max, Max sagte. Max war gut drauf und freute sich sein Herrchen zu sehen. Herrchen schimpfte nicht, jedenfalls nicht in meinem Beisein, nahm ihn an die Leine und Ende gut alles gut. Aber ich war echt fertig und wollte wissen, wie das passiert sei. Ja nun, seine Mutter hätte die Tür aufgelassen und Max sei – wie so oft – entschwunden. Seitdem Mann das weiß, trägt Max die Handynummer bei sich. Vorher hatte Max nicht einmal ein Halsband um…

Ergo: Schuld sind immer die Frauen.

Um noch einmal auf Bella(donna) zurückzukommen, so ist sie zwar ein umgänglicher Hund, allerdings nicht, wenn es ums Futter geht. Es gab Situationen in denen sie selbst vor Kater Charlie, dem kleinen Romina – Furz keinen Halt machte. Zum Glück war meine Hand dazwischen. Außerhalb jeglicher Futternäpfe ist sie eine treue Seele, die jedoch von meiner Seite aus immer noch mit Vorsicht beachtet wird. Als Einzelhund gibt sie sich ihrem Halter hin, sie will nicht weglaufen, keinen Stöcken oder Bällen nachlaufen. Sie geht gelernt bei Fuß, wobei ich das an Straßen nicht riskieren würde.

Danke für Eure Aufmerksamkeit und weiterhin geruhsame Weihnachtstage.

4 Kommentare zu “Pflegehündin Bella

  1. Hallo Sabine
    Nach so einem Erlebnis, kann der Tag nur noch besser geworden sein!
    Eigentlich schrecklich so ein penetrannter Rüde! Der gehört kastriert, der leidet ja selber unter seinem Trieb!

    Sabine ich denke das das ein Deutscher Jagdhund ist wie Strolch und Neti, kein Deutsch Drahthaar! Aber nur so wie ich es vom Bild her sehen würde! Kann mich aber täuschen – ist ja eigentlich auch egal!

    Gruß Heike

  2. Ja, das ist ein Kurzhaar, kein Drahthaar. Genau wie Strolch, nur eine Ecke größer.
    Auf eine Kastration sprach in den Mann auch an, aber er hat immer Rüden (vom Züchter) gehabt und hält nichts davon. Tja…

    LG, Sabine

  3. Ich erinnere mich, dass meine Mutter unserer Hündin Hanka immer, wenn sie läufig war, Chlorophylltabletten gab , das soll den Geruch etwas verhindern. Gab auch Chlorophyllsalbe, die vor der Gassirunde dann aufzutragen ist.(Ist übrigens auch ein Tipp für Menschen mit starkem eigenen Körpergeruch – also nicht die Salbe, die Pillen )
    Wir hatten das damals in der Apotheke gekauft, als Menschenmedizin, gibt es aber von Trixi solche Tabletten im Zoohandel, kostet etwa 4 €, bei amazon unter 3 €, aber dann noch Versandkosten.

    Etwas verhindern ist ja unglücklich formuliert – mindern wäre vermutlich passender.

    Zum Glück ist Läufigkeit zeitlich begrenzt – ein Ende ist abzusehen 😉

  4. Danke, Bettina!
    Hatte mich bisher noch nicht damit befasst, da nicht nötig, aber werde mal danach schauen.
    Ja, das war die so gennante Stehzeit, die zum Glück nur ein paar Tage dauert, bzw. bei Bella war das über eine Woche, wobei man aber keinen Blutausfluß sah und auch sonst nichts von einer Läufigkeit bemerkte.
    Nun ist erst einmal wieder Ruhe angesagt, aber Vorbereitung ist alles.

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