Und dann kam Bella

Nach Gipsys Tod am 31.10. hätte ich inzwischen dreißig Hunde aufnehmen können. Es gibt so viele Notfälle und Hilferufe und es ist einfach nur schlimm. Ich sah mir die ganzen Notrufe an und wollte helfen, weil ich helfen konnte, war aber gleichzeitig wie blockiert. Erstens von der bekannten Flut, die ich nun entscheiden konnte, wo ich mich hätte melden müssen – und andererseits der Wunsch nach einer Pause. Ehrlich gesagt nach einer Pause, die mich irgendwohin führt, wo keine Hunde erlaubt sind. Irgendwohin, wo es keine Schmerzen, keine Medikamente, keine Tierärzte  und keine rasend schnellen  Altersprozesse gibt. Eine Pause, die mich nach Alicante zu meinen Freunden Gisela und Ralf führen soll, um mich vor Ort für einen oder mehrere schlimme Fälle zu entscheiden. Aber aufgrunddessen, was ich hier schreibe, wird nicht nur mir klar, dass  all diese Gedanken und Überlegungen in den Müll gehören, dass alles dennoch offen ist. Es ist einfach so, dass es keine Pause gibt, weil man auserkoren ist. Und wenn man selber nicht in die Pötte kommt, dann erledigen andere das für dich.

Somit nahmen wir Bella, einen Labradormix als Pflegehündin auf, und im Gegenzug bekamen die drei Fauchis einen guten Platz. Eine Hand wäscht die andere.

Bella kam spontan, lediglich eine Mail und ein Telefongespräch lagen  zwischen unserem ersten Kennen lernen und bereits zehn Stunden später musste entschieden werden, wie sich Bella in den Tagesablauf integrieren würde. Eine alte Hundedame wurde angekündigt, die sich mit Katzen versteht,  aber nicht mit  anderen Hunde Omis. Wir waren überrascht, als Bella die Treppen zur Wohnung hochsprang, ich hatte älteres erwartet. Bellas Frauchen kam in ein Pflegeheim und verstarb kurz darauf. Danach wanderte Bella von einer Pflegestelle in die andere, wo sie die meiste Zeit schlief und angeblich in die Wohnung pieselte. Bella besitzt einen belgischen Pass, mit Chipnummer bis dato ohne Registrierung und ein Geburtsdatum von 1999.

Ok, es gab keine andere Variante, denn bevor wir uns das Haus zusammen bellen lassen würden, sollte Bella mit mir zur Arbeit fahren. Das ist spannend und lässt keinen Hund zur Ruhe kommen, denn wirklich fahren, immer wieder raus und Luft schnappen und Pipi machen, richtig auf dem Beifahrersitz sitzen und als Wachhund fungieren. Klappt es oder klappt es nicht?

Es klappte und funktioniert mittlerweile teilweise. Irgendwo scheint es immer wieder Gebiete zu geben,  die Bella zu kennen glaubt und dann geht es zur Sache. Sie springt mit den Vorderpfoten aufs Armaturenbrett, bellt wie verrückt und raubt jede Konzentration. Ansonsten ist sie zurzeit Läufig, wobei ich schon dumm fragte, ob jemand wisse, ob Bella eventuell kastriert sei. Nein, bisher nicht und alle paar Stunden möchte sie runter, in ihr neues Revier und Rüden suchen. Die gibt es hier zuhauf, wie ich aus Erfahrung weiß.

Allgemein konnte sich Bella gut ins Familienleben einfügen. Sie ist extrem aufmerksam und dennoch genügsam. Dosenfutter, auch das beste, mag sie nicht. Hähnchenbrust, Kartoffeln und Möhren mit kleinen Häppchen guten Tüteninhalts vermischt, das schmeckt ihr. Auf anschließende Rituale wartet sie, aber die kenne ich bisher leider nicht. Katzen mag sie in der Tat, jedenfalls akzeptiert sie dieses Muss. Am ersten Abend gab es Fresschen, eine Runde im Wald und bereits ab diesem Moment wusste sie, wo „ihre“ Haustüre ist. Sie schlief im Korb im Wohnzimmer, ohne Kommentar, denn sie war zu Hause.

Am zweiten Abend wollte sie doch mit ins Schlafzimmer, ging die unheimliche Treppe hoch und legte sich ins heilige Körbchen von Gipsy, das mittlerweile von Romina und Lotte und Charlie benutzt wird. Ich war müde und dachte nur: „Macht, was ihr wollt.“ Legte mich ins Bett, stand ein paar Stunden später wieder auf und fand Bella auf einer armseligen Decke in der Ecke wieder, wobei Romina, Lotte und Charlie im großen Hundekorb residierten.  Ich habe nicht die blasseste Ahnung, wie Romina das ohne Lärm hinbekommen hat, tippe aber auf diese für Zweibeiner unsichtbare Katzenmethode:

Nach Überlegungen und Recherchen scheint Bella nach dem Tod ihres Frauchens in einem belgischen Tierheim gelandet zu sein. Und wer es noch nicht wusste: In  belgischen Tierheimen wird getötet. Vielleicht nicht in allen, das möchte ich nicht behaupten, aber Bella kommt aus Verviers, wo sie gechipt wurde und einen Pass mit geschätztem Alter bekam. 1999 stimmt im Leben nicht, dafür ist sie viel zu munter und lebensfroh. Sie ist zwar realtiv unerzogen, kann aber ohne Leine laufen und hört auf ihren Menschen.

Wie soll ich Bella noch beschreiben? Eine dankbare ältere Hündin, die nach einiger Zeit der Resignation zu neuem Lebensmut fand. Ich denke, das passt.  Wer sie adoptieren möchte, darf gerne schon älter, muss aber noch sehr gut zu Fuß sein. Bella kann nämlich laufen und laufen und laufen.

Hier das Highlight der letzten Tage:

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10 Kommentare zu “Und dann kam Bella

  1. Das ist die 5. Kerze auf dem Adventskranz, die viel zu selten eingebunden wird: die Hoffnung!
    Bellas Hoffnung und Sabines unendliches Einfühlungsvermögen und unbegrenzte Tierliebe !
    Müde habe ich heute – nach dem anstrengenden Sonntagsmarkt auf Deine Zeilen geschaut –
    und schon ging ein Lächeln über mein Gesicht verbunden mit Kraft, die Du mir schickst:
    Du hast Bella aufgenommen, Du wunderbare Frau.
    Und nicht nur ich danke Dir von ganzem Herzen: sondern unsere Gipsy auch –
    Du musst nur genau hinhören, dann spricht sie mit Dir !
    Danke, Sabine, dass Du einer Freundin von Gipsy die Liebe und Geborgenheit gibst, die Gipsy erfahren durfte.

  2. Bella ist ja eine ganz Hübsche! 🙂
    Aufgrund der Photos kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sie schon 12 Jahre alt ist.
    Klar, Romina wird ihr ganz schnell deutlich gemacht haben, wer (nach dir) die Chefin im Haus ist 😉
    Meine Muckl hat Gerry, dem (mittlerweile verstorbenen) Hund meiner Eltern, damals auch ganz schnell gezeigt, wer das Sagen hat … und das sogar in seinem Revier! 🙄
    Das letzte Bild ist total klasse! 🙂

    Liebe Grüße,
    Sylvia

  3. Die sieht sportlich aus, die Bella, sieht man schon, dass die einen in Trapp hält – egal wie alt sie jetzt sein mag.
    Als ich das mit dem Körbchen las, dachte ich : oho, das geht nicht gut …
    das kannte ich von meiner Trixi, da konnte Strolch auch nur in sein Körbchen, wenn es IHR genehm war.

  4. Aufgrunddessen habe ich dann mal wieder umgeräumt, Bettina. Bella liegt jetzt in dem Korb an andererem Platz und Romina darf ihre Stelle (logischerweise) behalten. Manche Menschen sind eben zur Sklaverei verurteilt…

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