Drei Fauchis gehen und Bella kommt

Es war vor zwei Wochen, als ich fast verzweifeln wollte, weil sich immer deutlicher heraus kristallisierte, dass die drei Fauchis sozusagen hoffnungslose Fälle sind. Hoffnungslos, was ein Zähmen oder eine Vermittlung in ein entsprechendes Zuhause anbelangt. Es war ein jeweiliger Kampf, den drei unschuldig dreinblickenden Miezen eine Salbengabe in die Augen zu verabreichen, und ohne Lederjacke, Lederhandschuhe ging gar nichts. Da wurde gefaucht, gespuckt und um sich gebissen. Naja, Stress für alle Beteiligten und nicht das Gelbe vom Ei. Man kann es nicht verallgemeinern, da andere Fundtiere wieder völlig anders reagieren. Man muss es akzeptieren, denn der Mensch ist nun mal nicht das Maß.

Man hätte sie trennen können oder sogar trennen müssen, aber irgendwann sind Platzkapazitäten ausgeschöpft. Drei große Käfige und Zeit für drei wilde Katzen, nebenbei das zeitraubende Geldverdienen, Futterstellen und eigene Tiere … alles nicht so wirklich machbar. Durch Zufall telefonierte ich mit Babette und sie sagte: „Die Drei können zu Freunden auf einen Bauernhof. Die nehmen dort all unsere hoffnungslosen Fauchis. Dort gibt es eine Futterstelle, jede Menge Scheunen, Bauernhof an Bauernhof und keine Straßen in der Nähe.“

War das ein Traum? Ich nahm den Hörer vom Ohr und schüttelte ihn. Das hatte Babette nicht wirklich gesagt, oder? Ich legte den Hörer wieder ans linke Ohr und fragte: „Echt? Ich kenne keinen Bauernhof, wo Katzen aufgenommen werden. Mir sagt man stets, egal ob ich bis nach Hamburg frage, dass alle Höfe bis unter die Stalldecke mit Katzen überfüllt sind.“ „Freunde eben“, antwortete Babette knapp.

Ja, Vitamin B vom Feinsten, jedenfalls was die Katzennot anbelangt und kein Vitamin das einen Kredit betrifft, womit sich reichere Zeitgenossen ein Eigenheim finanzieren und ich war heilfroh, da nun endlich eine Zukunft für die drei Schwarzweißen in Aussicht war. Eine entsprechende Zukunft, wo sie leben können, wie sie es von ihrer Mutter gelernt und akzeptiert haben. In einer Zukunft, die mit Versorgung und Unterschlüpfen garantiert wird.Was will eine wilde Katze mehr?

Die drei Furien gaben bereits beim ersten Mal ein Zeichen, denn unsere Hausmiezen, sie scheinen nach Babypuder zu riechen. Die Fauchis rochen bereits wild, sie rochen nach Tiger, Geparden, Löwen. Somit komplett aussichtslos, so leid mir diese eigentliche Niederlage auch tut. Selbst wenn sie sich hier dem Menschen genähert hätten, es wäre ein enorm schwieriges Vorhaben, sie in einem Zuhause, wo  inzwischen selbst völlig problemlose Tiere kaum eine Stelle finden, unterzubringen.

Der einzige Haken war ihre jeweilige Kastration, die in dem Alter nicht jeder Tierarzt durchführt. Vier Monate junge Tiere, worüber ich mit  vier Tierärzten nebenbei immer mal sprach, die eine Frühkastration ablehnen, denn da sei noch nichts, was entfernt werden könne. Der nächste war der Meinung, dass sich Jungkastrierte Katzen nie völlig normal entwickeln würden und na ja, ich bin grundsätzlich auch dieser Meinung, rein vom logischen Standpunkt gesehen. Aber dann gibt noch die Seite der anderen  Sichtweite und ich sagte zu, dass die Drei kastriert werden sollten. Es gab schließlich nur diese beiden Varianten: Kastriert und in gesicherter Freiheit leben können – oder zwangsmäßig in Käfigen gehalten und irgendwann gegen ihren Willen gezähmt werden.

Das Problem war somit gelöst; ich brachte Babette die drei Fauchis, die am selben Tag noch kastriert wurden und ein Langzeitantibiotikum verabreicht bekamen, damit der Unsinn mit blöder Augensalbe aufhören konnte. Derzeit leben sie in Käfigen um sich noch erholen zu können. Sie mögen auch Babette nicht, aber es geht ihnen gut, die Augenprobleme sind völlig zurück gegangen.  Und dann sehen wir weiter – im Sinne der Katzen.

Aber es gab noch einen winzigen Haken anderer Natur, denn das war Hündin Bella. Bella, die Hunde Omi…

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2 Kommentare zu “Drei Fauchis gehen und Bella kommt

  1. Achje, da werden Erinnerungen wach *seufz*

    Meine Erfahrung mit wilden Katzen ( ich nannte sie die „Keinohrkatzen“ http://aboutsevencats.wordpress.com/2011/03/10/von-keinohrkatzen/ )
    habe ich hier auch schon gemacht : Anna und Mira wurden dann auch schon recht früh – mit 5 Monaten kastriert ! Die 2. Grundimpfung, die mit roher Gewalt durchgeführt wurde, hat dann leider noch das letzte Restchen Vertrauen, das ich mir mühsam aufgebaut hatte, wieder zunichte gemacht 😦
    Das Ende vom Lied war, das ich ihnen hier bei mir Freigang gegeben habe, von dem Anna niemals zurückkehrte und Mira sich dann im August entschied, das sie auch lieber woanders leben will 😦
    Ich seh‘ die beiden ab und an, weiß, wo sie ihr Fressen bekommen und in welchen Heuschobern sie ihre trockene Unterkunft haben und ich sehe,das es ihnen in ihrer selbstgewählten Freiheit soweit gut zu geht – aber Vertrauen oder auch nur den geringsten Bezug zu Menschen, werden diese beiden wilden Mäuse niemals haben 😦

  2. Pingback: Hund lernt schwimmen « Katzen-Heimat-Blog

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