Schwarzer Montag

Schwarzer Montag, den gibt es nicht nur an der Börse, den gibt es allwöchentlich, wenn das Wochenende vorbei ist, aber heute dachte ich wirklich nur Schwarz.

Es gibt in diesem Bericht keine Fotos, weil die heutigen Fälle auch so schon reichen.

Um 6.30 Uhr schien die Welt noch in Ordnung, bis ich eine Krähe auf einer Straße stehen sah, bremsen musste und erkannte, woran sie so intensiv pickte. An einem überfahrenem Tier, das kein Kaninchen war.

Es hatte schwarzes Fell und war definitiv eine Katze gewesen.

Zu allem Unglück war das an einer Hauptstraße, die nahe des Hafengebietes liegt und obwohl sich mein Magen eh verdreht, wenn ich eine Katze finde, so gab die Nähe zum Hafengebiet einen weiteren Schmerz.

Ich musste warten bis kein Auto kam, kein Fußgänger und kein Fahrradfahrer. Um kurz vor sieben Uhr mag ich wirklich nicht angesprochen oder für verrückt erklärt werden.

Man konnte das Tier nur noch von der Straße kratzen, aber ich musste wissen, ob sie eventuell tätowiert war. Das war nicht nur wichtig für mich, sondern auch für die Katzensuche, die jede aufgefundene Katze akribisch ins Netz stellt.

Ein Ohr war das einzige, was noch unversehrt war. Alles andere war Fell und weit verstreute Innereien. Das Ohr war definitiv nicht tätowiert, und ich konnte nicht mehr tun, als den verbliebenen Rest in eine Wiese zu legen, mit Gras zu bedecken und die Katzenhilfe zu informieren. Mir selber war die Katze nicht bekannt, was im ersten Moment den Schmerz etwas linderte, aber ich kenne eh nicht alle noch unkastrierten, nie gesichteten Katzen dort. Leider.

Um 8.30 Uhr  musste ich durchs Hafengebiet, wo ich wie in einem Wahn ständig nach Links und Rechts schaue, Futterstellen zwischen den  Fahrten säubere und neu befülle. Und da es ein schwarzer Montag war, sah ich beim Links und Rechts schauen ein Kaninchen durch den Rinnstein robben. Ein noch junges Tier, das seine Hinterläufe nicht mehr bewegen konnte und sich mit seinen Vorderbeinen in Sicherheit bringen wollte.

Mit einem gewohnten Fluch auf den Lippen hielt ich an, nahm das Kaninchen, setzte es in eine Postkiste, sammelte Löwenzahn und überlegte. Noch drei Stunden dauerten meine Fahrten und das Hin und Her schaukeln, das würden die Nerven des Tieres nicht mitmachen. Somit fragte ich den Pförtner einer der nächsten Firmen, ob das Kaninchen ein paar Stunden  in Ruhe bei ihm untergestellt werden könne. Klar, kein Problem, aber warum würde ich das tun und was dann?

(Nerven im Zaum haltend) „Danach bringe ich es zu einem Tierarzt, soll das Tier im Rinnstein krepierend liegen bleiben oder was?“

„Aber, das kostet doch Geld!“

„Ein vernünftiger Tierarzt behandelt jedes Wildtier kostenlos, noch nicht gewusst? Und selbst wenn, so kann man ein verletztes Tier doch nicht ignorieren! ODER?“

Der nette Pförtner wurde  verlegen, ich denke, er konnte an diesem schwarzen Montag etwas lernen.

Jedenfalls lebte das Kaninchen noch, als ich es gegen 11.30 Uhr abholte. Der Pförtner hatte die Postkiste in eine separate Ecke gestellt und schien sich zu freuen, dass sogar der Löwenzahn gegessen worden war. Winzig kleine „Rosinen“ lagen stattdessen an deren Stelle.

Unsere weitere Fahrt führte uns zur Tierklinik Neandertal, wo das Tier sofort untersucht und mit  Fürsorge beachtet wurde. Da ich warten wollte, gab es ein Gespräch mit einer der Tierärztinnen und sie meinte, dass es keinen Sinn macht, das kleine Wesen am Leben zu erhalten. Sie hatte es getestet und die Hinterläufe waren absolut gefühllos. Man könne das Kaninchen röntgen, in ein Gehege setzen und versorgen, aber sie fragte: „Wäre das Tierschutz? Die Wirbelsäule scheint beschädigt, es werden sich Wunden bilden, Liegeschwielen, es wäre kein Leben.“

Das war auch meine Sicht, deshalb verabschiedete ich mich von dem kleinen Unfallopfer und überließ es  anderen Tierfreunden.

Was mich wieder so richtig, richtig Wütend gemacht hat, an diesem besch… Tag, ist, dass angefahrene Tiere  ignoriert werden. Aus Angst, aus Unwissenheit, aus Feigheit und aus Bequemlickeit!

MENSCH, steh zu Deinem VERBRECHEN und wenn DU keine Schuld hast, so HILF zumindest!!

5 Kommentare zu “Schwarzer Montag

  1. Oh man Sabine
    Was für ein scheiß Einstig in die neue Woche!
    Dein letzter Satz ist wahr!
    Wenn einer es nicht gerade mit Absicht macht, kann es jedem von uns passieren, das wir ein unverhofft über die Straße laufendens Tier über oder anfahren!
    Aber wenn man die Möglichkeit hat anzuhalten-warum tut man das nicht um nach dem Tier zu sehen, ob es tod oder nur verletzt ist- damit man es wenigstens an die Seite legen kann, oder aber wenn es noch lebt zu einem Tierarzt bringt, damit es nicht jämmerlich krepiert!
    Aber für die meisten Menschen ist es ja nur ein Tier was da überfahren wurde!
    Selbst an verunglückten Menschen wird ja mitlerweile vorbei gefahren!
    Bei den meisten Menschen gilt fast nur noch: jeder ist sich selbst der nächste!!!
    Einfach schlimm die Spezie Mensch!!!

    Sabine, ich bewundere immer wieder wozu du in der Lage bist, obwohl ich dich schon lange kenne!

    Ich denke wenn du mal gehen must, brauchst du viel Zeit um am anderen Ende der Regenbogenbrücke durchzukommen!
    Weil dort so viele Tiere stehen, denen du einmal geholfen hast, um dich zu begrüßen und willkommen zu heißen!

    Heike.

  2. Huh… Das ist starker Tobak zum Wochenbeginn!
    Ich muss gestehen, es kostet mich erstmal Überwindung, mitten auf der Straße anzuhalten und nachzuschauen, was da liegt. Manche Autofahrer hupen, zeigen einem den ‚Scheibenwischer‘, einen ‚Vogel‘ oder schreien zum Fenster raus. Andere schauen einfach nur irritiert… Ich bin die ersten Sekunden so dermaßen verunsichert, dass ich mich jedes mal frage, ob ich überhaupt anhalten darf. Es scheint ja, nach den Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer zu urteilen, verboten zu sein. 😦
    Aber wenn man möchte, dass „jemand“ was tut, dann muss man selbst ran. Eigeninitiative wird einem nicht abgenommen. Auch wenn man oft Angst vor der eigenen Courage hat.
    Ich finde es bewundernswert, dass Du so selbstverständlich handelst und damit auch soviel erreichst.
    Gibt es eigentlich eine E-Mailadresse, unter der man Dich erreichen kann?

    Katja

  3. Ja, Heike, das wäre wirklich schön, wenn es tatsächlich so kommen würde. Nur feste daran glauben, vielleicht geht man dann einfacher.
    Aber was heißt geholfen, bei den meisten Fällen kann ich nichts mehr ändern oder es ist bereits zu spät.
    Du wirst „da oben“ ebenfalls umgerannt, glaubs mir! 😉

    Katja, das dicke Fell wächst irgendwann, das kommt. Spontan ist das meist nicht, wenn ich anhalte. Erst der Schock, viele Gedanken und dann wende ich, weil ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren könnte und ständig daran denken müsste. Bei einem verletzten Tier ist es was anderes. Wer sich aufregt, weil deswegen ein Autofahrer anhält, der hat nicht mehr alle beisammen.
    Email: s-rohm@gmx.de

    Liebe Grüße an Euch Beide!

  4. Ach Sabine, Du weißt, wie ich Dich bewundere. Ein schrecklicher Start in den Tag und Du hast wie immer Recht mit dem, was Du schreibst und vor Allem wie Du handelst.

    Zum Glück musste ich bisher noch kein angefahrenes (noch lebendes Tier) auffinden, aber wenn es passiert, dann werde ich ganz sicher nicht vorbeifahren.

    Die Menschen sind einfach nur noch grausam – so meine persönliche Meinung. Leider gibt es Viele, die mit purer Absicht ein Tier überfahren, mit denen sollte genau das Gleiche geschehen!

    Auch wenn Du dem Kaninchen nicht mehr helfen konntest, so hast Du ihm zumindest ein Ticket ohne weitere Schmerzen ins Regenbogenland geschenkt.

    Traurige Grüße,
    Nadine

  5. MENSCH, steh zu Deinem VERBRECHEN und wenn DU keine Schuld hast, so HILF zumindest!!

    Den Satz hättest du noch fett und in großer Schrift einfügen müssen! 😦
    Und ich dachte schon, ich wäre die Einzige, die mit jedem Tag ein größeres Kotzen vor der Menschheit bekommt …

    Sabine, es tut mir total leid, wie dein Montag verlaufen ist. Das sind Tage, die kein Mensch braucht! Auch kein Mensch, dem inzwischen dickes Fell gewachsen ist *knuddel*
    Auch mir verhagelt es jedes mal jede gute Laune wenn ich ein übefahrenes Tier auf der Strasse sehe (und von dort wegräume).

    Traurige Grüße,
    Sylvia

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