Tiffys Babys (3)

Über die Findlinge gibt es bis zum vergangenen Sonntag noch weiteres zu berichten. Es war für mich ein Hin – und Her gerissen sein, denn im Grunde konnte ich mich nicht von diesen beiden trennen. Eigentlich nie wieder. Aber mein Motto ist, dass ich alten und kranken Katzen helfen muss, und wenn ich einerseits aus reinem Egoismus zwei Jungspunden  ein gutes Leben mit Freigang verbaue, und andererseits den Platz für die alten und kranken belege, dann helfe ich keinem Tier. Zusätzlich benötigt Hündin Gipsy Pflege rund um die Uhr, und sobald ich mich um Eindringlinge in ihrem Reich  kümmere, geht es ihr grundsätzlich schlechter.

Am Donnerstag hatte ich einen Tierarztbesuch eingeplant, der eine Floh -Wurmkur und eine Begutachtung seitens meiner Katzentierärztin beinhalten sollte. Ich betrat eine leere Praxis, ein bisher nie da gewesener Umstand, der nur auf diese beiden Glückskatzen zurück zuführen sein kann. 😉

Frau Doktor sah in die Box, grinste und meinte: „Die vermitteln sie aber nicht, oder? So etwas kann man doch nicht wieder hergeben!“ Ich sagte nur: „Oh, bitte, keinen Kommentar!“

Tiffys gesunde Babys wurden untersucht und gewogen. Mein Äffchen wog zu diesem Zeitpunkt 460 g und ihre „große“ Schwester 490 g. Da ihre babyblauen Augen sich bereits anfingen zu verändern, tippte die Tierärztin sie  auf Anfang der siebten Woche. Beiden machte dieser Besuch nichts aus, im Gegenteil, sie fanden es spannend und zurück in der Box spielten sie, als wenn sie… tja, Zuhause wären, egal wo  immer das sein mochte.

Ich benötigte noch Wurmkuren für fünf wilde (zahme) Katzen, denen ich das Mittel geben und zusehen kann, ob sie es tatsächlich genommen haben. Fünf Wurmmittel über drei Tage sind eine Ausgabe, die man nicht mal eben so tätigt. Aber die Glückskatzen waren dabei, somit gab Frau Doktor mir ihren Restbestand – Geschenkt!

Vielen lieben Dank, Frau Doktor Brinkmann- Block!

Zurück in unserem Zuhause, hatte ich das Bedürfnis, Tiffys Babys zu zeigen, wo ihre Mutter und ihr Bruder Kimba sind. Tiffy musste ebenfalls sehen, dass ihre Lenkung der richtige Weg war. Wir gingen in den Wald und zu Tiffy Grab. Dort öffnete ich die Box und sagte den beiden, dass hier ihre Mama ist. Sie stiegen vorsichtig aus der Box, da Waldboden und dementsprechende Gerüche wieder etwas völlig Neues für sie waren. Bereits nach wenigen Minuten wurden sie übermütig, denn das war ein schöner Platz, man konnte toben und entdecken. Ich für meinen Teil hoffe einfach mal, dass dieser Ausflug nicht sinnlos war. Vielleicht etwas sentimental weit hergeholt, aber ich stehe zu Abschlüssen aus eigener Erfahrung.

Ich kann den Zwergen nicht wirklich helfen, außer Liebe zu geben und zu wissen, dass sie weiterhin Liebe empfangen werden. Ich sah es bereits am ersten Tag, dass Tiffy – Maya an sich selbst nuckelt. Sie schnurrt währenddessen und  vergisst alles um sich herum. Sobald Tiffy – Coco das mitbekommt, legt sie sich an Maya und nuckelt ebenfalls an ihr. Ein Fehlverhalten, das einem das Herz zerreißt.

Christine rief mich am nächsten Tag an und ich sagte, dass ich Zeit benötige, um mit mir selber klar zu kommen. Sie meinte, dass ich damit aber den beiden Winzlingen nicht helfe. Bei Claudia hätten sie ein Leben wie im Paradies, Claudia würde sich Urlaub nehmen und ich dürfe die Zwerge nicht an mich binden, gerade jetzt, wo es um Tage gehe in denen sie eine immerwährende Bindung aufbauen und nicht irgendwann wieder enttäuscht werden dürften.

Wie Recht Christine doch hatte… Nachdem ich aufgelegt hatte erkannte ich meine eigenen Worte, die ich jedem anderen genauso gesagt hätte. Also rief ich Claudia an und erbat mir lediglich den Samstag, den ich mit Tiffys Babys zusammen verbringen wollte. Sie solle bitte den Urlaub für die kommenden zwei Wochen anmelden und am Sonntag seien die Winzlinge bei ihr. Klar, nicht einfach so, denn eine Übergabe bedeutet gleichzeitig eine Vorkontrolle, bei der noch alles offen ist.

Den Samstag verbrachten wir bei idealem Wetter auf dem Balkon. Es tat gut, die Zwerge zu beobachten, wie sie neugierig und gesund durch jede Welt hüpfen.

Am Sonntag war es dann soweit und wir fuhren gemeinsam mit Christine, Manuela und Martina ins neue Reich. Unterwegs war Ungeduld angesagt, jedenfalls von „großer“ Schwester Tiffy – Maya. Sie sollte ihren Spaß haben und durfte selbstverständlich ihre Neugierde befriedigen.

Tiffy – Coco, die bisher schwächere von beiden, wollte schlafen:

Bei Claudia angekommen, war es für mich wie immer bei einer Vorkontrolle: Würde ich mich hier Wohlfühlen? Um mehr geht es in diesen Situationen nicht, denn sobald die Chemie stimmt, möglichst leise Familientechnische Dinge geklärt, Umfeld erwähnt, Tagesablauf, Überlegungen bei Abwesenheit/Krankheit inklusive dringendem Willen gerade dieses Tier aufnehmen zu wollen, besprochen wurden, spricht der Bauch.

Und Ja, es ist ein ruhiges, sehr verständliches Haus. Claudia ist eine sehr sensible Frau, was ich in den vergangenen Gesprächen eindeutig erkannte. Die Siamkatzen aus der spanischen Tötung waren erst einmal nicht begeistert von ihrem Zuwachs, aber Tiere regeln das unter sich und wir Menschen dürfen nicht ungeduldig sein. Hier handelt es sich um Artgenossen und nicht zum Beispiel um Hunde, wo wirklich  nichts mehr geht, wenn der eine den anderen nicht akzeptiert und eine Trennung vonnöten ist.

Wir drei hatten wirklich Glück, da jeder meine Gefühle und auch die von den beiden Winzlingen verstand. Es hätte nicht besser kommen können, deshalb ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten!

Mein Äffchen, das auf die Schulter klettert und die Nase an der Wange reibt: "Hey, alles ist gut."

Zuhause! Waren wir jemals woanders?

Psssst... ist doch egal, guck mal, hier haben wir auch ein eigenes Zimmer!

9 Kommentare zu “Tiffys Babys (3)

  1. Liebe Sabine,

    ich freue mich so sehr, dass Tiffy’s Babies ein so wundervolles Zuhause gefunden haben. Bin mir sicher, es war die richtige Entscheidung, die Kleinen „loszulassen“.

    Sie werden Dir auf jeden Fall ein Leben lang dankbar sein für das, was Du für sie getan hast. Die Idee, mit ihnen in den Wald zu Tiffy’s und Kimba’s Grab zu fahren, finde ich super – ich hätte es wohl auch so gemacht. Ganz bestimmt wussten die Kleinen ganz genau, wer dort lag und warum Du sie dorthin führtest. 😦

    Ich wäre froh, wenn ich unserer Selena helfen könnte, das Vergangene zu verarbeiten. Leider weiß ich nicht, was sie tatsächlich in Ungarn erlebte… 😦 Nur soviel: Es muss mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit sehr grausam gewesen sein. 😦

    Unsere Kimbi musste als Kitten ja Ähnliches erleben, als sie viel zu Früh (im Alter von knapp 6 Wochen) zu uns kam. Auch sie trägt heute noch „Folgeschäden“ mit sich: Auf der einen Seite absolut ängstlich gegenüber Neuem aber auf der anderen Seite zu wenig sozialisiert, was sich daran zeigt, dass sie aus einer Kuschelphase heraus auch mal kräftig zubeissen oder kratzen kann. So träumt sie des öfteren auch mal ganz heftig, was ich anhand von Schreien (aus dem Schlaf heraus) eindeutig ersehe. Auch mit Verlustängsten plagt sie sich herum, denn gehen wir aus der Wohnung, dann weint sie oftmals.

    Selly kämpft damit, dass sie ihre Babies immer wieder verlor und Kimbi damit, dass sie ihre Mama verlor. Beide Miezen tragen somit ein ähnliches Schicksal.

    LG Nadine

  2. Wahrlich nicht einfach, Nadine.
    Ich kann es anhand von Hündin Gipsy sehen, 17 Jahre alt und aus einem ungarischen Tierheim. All die ursächlichen Gründe konnte sie nie ablegen, niemals vergessen. Das bedeutet all die Jahre Kompromisse, die man gerne eingeht.

    Helfen kann in solch einer Beziehung wahrscheinlich niemand, lediglich verstehen, wobei wichtig ist, die Ursache zu kennen, bzw. sie anhand des Verhaltens zu vermuten.
    Das ist schon viel wert, viel mehr wert, als wenn sie dort geblieben wären, als ein Lebewesen ohne Name.

    Ich danke Dir sehr!

    Liebe Grüße
    Sabine

  3. Hallo,
    also es ist wirklich schön, dass Tiffys Kleine jetzt ein Zuhause haben. Das mit den Siamesen wird schon klappen. Die Lütten haben ja noch Welpenschutz. Klar dass der Abschied weh tut. Aber so kannst du wie du sagst, denen helfen, sie sonst keine Chance mehr hätten.
    LG Anja

  4. Das scheint nun der Weg dieser beiden Glückskatzen zu sein…
    Ich denke auch, dass es so richtig gehandelt ist.
    Verliere Tiffys lenkende Gedanken nicht ganz aus den Augen. :o)
    Ich habe da letztens auch etwas sehr schönes zu gelesen:

    Wenn Engel einsam sind
    in ihren Kreisen,
    dann gehen sie von Zeit
    zu Zeit auf Reisen.

    Sie suchen auf der ganzen Welt
    nach ihresgleichen,
    nach Engeln, die in Tiergestalt
    durchs Leben streichen.

    Sie nehmen diese mit
    zu sich nach Haus –
    für uns sieht dies Verschwinden
    dann wie Sterben aus.

    Tiffy und Kimba sind nun woanders, aber wer weiß schon, wo?

  5. Hallo Katja,

    das ist wunderschön!

    Man muss nur daran glauben und mittlerweile glaube ich an so vieles, was der Verstand nicht verstehen kann.

    Vielen, vielen Dank für Deine Zeilen!

    Hallo Anja,

    ja, ich denke auch, dass es gut gehen wird. Die Zwerge sind im besten Alter und Tiere werden von Instinkten geleitet, nicht vom Verstand. Auch wenn die Siamkatzen noch zicken, so haben sie selbst schon genug mitgemacht. Ok, das wäre der Verstand… deshalb abwarten , sie können immer wieder zurück. 😉

    Liebe Grüße an Euch
    Sabine

    • Sabine,

      ich bin vor etlichen Wochen über Dein Blog gestolpert und, obwohl ich keine Katzen sondern Frettchen beherberge (z. T. auch aus dem TS), lese ich hier furchtbar gerne mit. Ich finde Deine Arbeit einfach bewundernswert und kann mir vorstellen, wie schwer es oftmals ist, durchzuhalten und weiterzumachen.
      Was Du schreibst öffnet einen anderen Blickwinkel und sorgt dafür, dass man etwas aufmerksamer durch die Welt geht und fährt. Danke dafür.
      Und seit im März eine unserer Fähen mit nur zwei Jahren gehen musste, weiß ich wieder nur zu gut, wie es dann in einem aussieht und wie sehr die richtigen Worte da helfen können.
      Und dass manches Wesen darüber hinaus in der Nähe zu bleiben scheint. 😉

      Gruß
      Katja

  6. Vielen Dank, Katja, das freut mich ehrlich! Auch, dass Du aufgrund eines Zufalls „hängen geblieben“ bist.
    Es sind schon viele Dinge passiert die namenlos untergingen, ohne Fotos und ohne Geschichten. Das tut mir heute noch leid, weil jedes Lebewesen ein bemerkenswertes Individuum ist. Mit neuartig zu knipsenden Fotos und der Möglichkeit viele Interessierte daran teilhaben zu lassen, macht die Umstände um einiges sanfter, auch wenn es gleichbleibend schrecklich ist. Weil ich nun mitteilen kann und dadurch Reaktionen bekomme.
    Und speziell diese Tiere werden nicht vergessen und Menschen wie Du/ Ihr gebt den Tieren eine Stimme , indem ihr Euch mitfreut, mitfiebert, weiterleitet, trauert oder einfach nur einen anderen Blickwinkel bekommt. Danke dafür!

    Frettchen sind auch etwas feines. Ich hatte die vier Frettchen meiner Freundin während ihres Urlaubes versorgt und musste regelmäßig meine Schuhe suchen. Die musste man als Fremder nämlich gegen Stiefel tauschen, weil die Frettchen besser drauf waren, als jede Wach und Schließgesellschaft. Sie zwickten nicht nur liebend gerne in fremde Waden, sie versteckten auch mal eben so ein Paar Schuhe im Kleiderschrank. Am ersten Tag suchte ich wie bescheuert und dachte schon, ich sei ohne Schuhe gekommen, weil das irgendwie ein Unding schien.
    Intelligente und liebenswerte Tiere (wenn sie wollen, also ähnlich wie Katzen). 😉

  7. Dein Hin- und Hergerissen sein kann ich total nachvollziehen! *knuddel*
    Natürlich bis du durch und durch Tierschützer … aber du bist auch Mensch, der Gefühle hat, wenn sie in dieser Situation für manch einen auch egoistisch und unlogisch erscheinen mögen. Ich kann es total verstehen und kann mich nur wiederholen … ich könnte deine Arbeit nicht leisten, ich hätte mich von den Kleinen definitiv nicht (!) mehr trennen können, wie von allen anderen auch nicht 😉 Deine Emotionen machen dich für mich nur noch liebenswerter und wertvoller!

    Die Idee, mit den Zwergen am Grab vorbeizufahren, war toll! … wenn auch sehr emotional. Allerdings glaube ich, dass Tiere mit solchen Dingen anders und besser abschliessen können wie wir Menschen …

    Wenn ich mir die Bilder im neuen Zuhause anschaue, so sieht es für mich so aus, als wären die beiden rundum zufrieden 🙂 Ihr bleibt ja in Kontakt und du hast immer ein Auge auf alles. Bin schon gespannt auf weitere Berichte und Fotos 😉

    Liebe Grüße,
    Sylvia

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