Alte Geschichten

Was die wilden Katzen anbelangt, die irgendwann und irgendwo am Hafen gesehen und gefangen  wurden, so darf Katze „Hexe“ nicht fehlen. Eine vermeintlich wilde Katze, die sich als mit Sicherheit entsorgte Hauskatze herausstellte, jedes zivilisierte Geräusch kannte und keine Hunde mochte. Deren Geschichte langwierig wurde, aber dennoch zu einem guten Ende führte.

Katze Hexe legte ebenfalls eine Zeit lahm, in der man weder Ein noch Aus wusste. Sie wurde bei besagter Firma, zu der kein Fremder Zutritt bekommt, auf einem Vordach entdeckt. Sie war tragend und Herr M. rief an, was er tun könne. Er bekam eine Falle und stellte sie auf. Vorab kümmerte er sich und versorgte das Tier regelmäßig. Katze Hexe gebar fünf Welpen, die Herr M. im Laufe der Zeit  fangen konnte. Fast alle Kitten kamen bei Kollegen innerhalb der Firma unter, eines starb und zwei kamen auf Pflegestellen, von wo aus sie vermittelt wurden. Das alles geschah im Jahre 2007, als man noch Verbindung zum dortigen TSV hatte. Scheint eine Ewigkeit her, weil es damals noch keine Katzenheimat gab. Deshalb muss ich so nach und nach die alten und dennoch wichtigen Tatsachen ausgraben und der Katzenheimat hinzufügen.

Hexe hieß seinerzeit noch „Leni“ und laut kastrierendem Tierarzt bestand der Verdacht auf Leukose, weil ihre Lymphdrüsen geschwollen sein sollten. Leni konnte somit nur in einem Haushalt untergebracht werden, in dem es keine weitere Katze gibt. Oh, das war schwierig und in letzter Not rief ich meine Schwiegermutter an. Sie besaß mal ihr geliebtes Mohrchen, lange vor meiner Zeit, und irgendwie verstehen wir uns, helfen uns gegenseitig. Ich fragte vorab meinen Lebensgefährten, der sogleich heftig den Kopf schüttelte, weil seine Mutter und Tiere… einfach unmöglich sei, wegen der Teppiche und überhaupt. All das innerhalb weniger Stunden, da der Tierarzt Feierabend  und eine vermeintlich wilde, kranke Katze eine alleinige Unterkunft benötigte. Ich musste lügen und begab mich auf die Knie, weil diese Katze wirklich nur ein paar Tage Unterkunft brauchte, liebe Schwiegermutter: „Bitte!“

Ich kam mir richtig mies vor, weil sie an diese paar Tage glaubte. Jedenfalls war Übergabe am Hafen und die Box stank zum Himmel, weil Leni mit Antiwurmmitteln versorgt worden war und nicht aus dieser verdammten Box herausgelassen werden konnte. Ohje, die pingelige Schwiegermutter…

Leni und ich fuhren zur vorübergehenden Heimat und ich versprach ihr ein Zuhause – irgendwann. Leni verstand. Bei Schwiegermutter angekommen, konnte Leni aus ihrer Box und in ein eigenes Zimmer. Ich hatte bis dato noch keine abgemagertere Katze gesehen. Haut und Knochen in Verbindung mit einer großen OP Narbe. Ein hungriges Häufchen Elend , das niemals wild gewesen war.

Selbst der Schwiegermutter schmolz das Herz und sie versprach, die paar Tage lang auf Leni aufzupassen. Die Zeit verging und Interessenten sind rar. Ob 2007 oder 2011 macht kaum einen Unterschied, obwohl Leni etwas Besonderes war, immer noch ist und seinerzeit auf vielen Vermittlungsseiten stand. Eine sanfte Schönheit, die lediglich keine Hunde mag. Das probierten wir aus, weil Schwiegermutter zappelig wurde, da Leni Freigang wollte, stark haarte und sie selbst bald zur Kur musste. Ja, wir probierten aus, aber Hündin Gipsy hatte innerhalb von Sekunden eine heftig blutende Nase. Die inzwischen selbstbewusste Leni war also nichts für einen Hundehaushalt. Sie musste geimpft werden, da sie bei Schwiegermutter mittlerweile Freilauf genoss und bewundernswert innerhalb ihres Bereiches blieb. Sie hörte aufs Wort und eigentlich war alles in Ordnung, die beiden passten perfekt zueinander! Leni schlief mit im Bett, genoss ihre Zeit…. aber die bevorstehende Kur und die Renovierung – und außerdem hatte ich von ein paar Tagen gesprochen, nun waren Monate daraus geworden! Ja, sorry,  liebe Schwiegermutter, ich mache sofort. In meiner Zwangslage rief ich Herrn M. an, der Leni und ihre Babys gefangen hatte, und fragte, ob er vorübergehend helfen könne. Bei der Impfung sei keine Auffälligkeit wegen Leukose aufgefallen und Leni könne zu einer Zweitkatze. Auch wenn sich seine eigene mit keiner anderen Katze versteht, aber bitte…

Herr M. machte es überraschend kurz, da er nickte und gleichzeitig sagte:“ Wenn eine Pflegekatze zu mir kommt, dann bleibt sie.“ Seitdem macht Katze Hexe zusammen mit ihren Kumpel die Gegend unsicher. Zwei Tage später meldete sich eine nette Interessentin, die Katze Leni, dieser Schönheit, ein Zuhause geben wollte….

Alles in allem scheint diese Geschichte wirklich lange her zu sein,  wenn ich überlege, dass ich inzwischen  keinen TSV mehr im Rücken habe, umso mehr aber andere Helfer durch die Katzenheimat, die wesentlich besser helfen, seinerzeit besser hätten helfen können und jederzeit mitfühlen, aufbauen. So fühle ich mich gut und somit kann die kommende Woche beginnen.

Wünsche allen Lesern einen angenehmen Start in die neue Woche!

Was meinst Du, Hexe?

Advertisements

3 Kommentare zu “Alte Geschichten

  1. Liebe Sabine,
    welch rührende Geschichte. Hexe alias „Leni“ ist in der Tat so wunderschön und sie ähnelt der im November verstorbenen Mieze meiner Mutter…
    Es ist so schön zu lesen, dass Hexe am Ende doch noch ein tolles Zuhause gefunden hat. An solchen und vielen anderen Ereignissen siehst Du, dass es sich lohnt, jeden Tag aufs Neue weiterzukämpfen. 😉
    LG Nadine

  2. Liebe Nadine,

    Danke Dir!

    Ja, Leni war auch so ein exklusiver Fall und fotogen obendrein. Es stimmt, was Du sagtst, denn Lenis und Hexen gibt es überall – immer wieder aufs Neue.

    LG, Sabine

  3. Pingback: In Erinnerung an Samira « Katzen-Heimat-Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s