Viele Grüße von Emmy und Maxi

Am vergangenen Donnerstag besuchte ich meine beiden Racker, die ehemaligen kleinen „Kacker“.

Ich hatte noch eine Falle bei Familie R. stehen, die sie seinerzeit brauchte  um Katze Stella wieder einzufangen. Wir hatten sie die ganze Zeit dort stehen lassen, denn es hätte ja sein können, dass irgendwann vielleicht Emmy nicht wieder nach Hause will. Aber weit gefehlt, denn Emmy denkt nicht im Traum daran und weiß, wo ihre Heimat ist. Nun brauchte ich die Falle wegen der eventuellen Welpen von Tiffy und war froh, dass wir kurzfristig einen Abholtermin schafften.

Frau R. hatte den beiden kein Frühstück gegeben, damit sie im Anbau blieben und nicht gerade unterwegs sind, wenn ich komme. Das war eine gute Idee, denn so konnte ich die beiden in Ruhe wieder sehen und erkennen, dass sie mich vergessen haben. Eben typisch Katzen, die sich jeweils auf eine Vertrauensperson konzentrieren  und noch dazu ehemalige wilde Katzen, die durch die Muttermilch Misstrauen eingeflösst bekamen.

Der Anbau, in dem sich Werkstatt  und Büro der Familie befindet, ist gleichzeitig das Haus von Stella, Emmy und Maxi. Seitdem die beiden kastriert wurden, befindet sich eine Katzenklappe in der Tür, wodurch alle drei  direkt in den großen Garten und auf die angrenzenden Felder kommen. Stella ist meist unterwegs, sie kommt nur nachts zum essen. Auch sie ist eine wilde, die sich zwar innerhalb der Zeit nun auch streicheln lässt, aber lediglich wenn sie will und jetzt, bei dem Wetter… da gibt es so viele andere und wichtigere Dinge in einem erwachsenen Katzenleben.

Frau R. fragte, ob ich Zeit für einen Kaffe habe und wo wir ihn trinken sollen. Drinnen in der Küche? Sie sah mein Zögern, denn Emmy war mit frühstücken fertig und saß nun draußen in der Sonne.

„Okay, bleib hier, ich  hole alles raus.“

Ich setzte mich in Emmys Nähe und freute mich, wie entspannt und selbstsicher sie geworden ist. Sie schaute mich an und schien zu überlegen, ob und woher sie mich kennt. Hatte sie damals eher einen niedergeschlagenen Blick,  einen stets abwartenden Ernst in all ihren Bewegungen, der mir sagte, dass sie so nicht leben kann, in einer Wohnung ohne Risiko und Abenteuer, so hat sie jetzt einen ausgeglichenen Blick. Ich mochte mich reinfallen lassen, denn ihr jetziger Blick zeugt regelrecht von Weisheit und auch Frau R. bestätigte das, da sie Emmy beobachtet hatte und irgendwann dachte: Woher weiß Emmy das?

Das hier ist nun ihr Reich, Emmys Leben in Freiheit, das Leben wozu sie geboren ist und in dem all das passiert, was ihre Mutter ihr beibrachte, nur ohne Gefahren, ohne  Frieren zu müssen und ohne ums Überleben kämpfen zu müssen.

Maxi ließ sich Zeit und trank die komplette Milch, die eigentlich für beide gedacht war. Anschließend war sie pappsatt und hatte keine Lust sich zu bewegen. Erst als Mama mit dem Kaffee kam, ließ sie sich dazu überreden auch in den Garten zu kommen. Eben typisch Maxi – Schatzi, die das Leben nimmt, wie es kommt und die sich auch in einer Wohnung Wohlfühlen würde.

Ich hatte leider keine Kamera dabei, somit nehme ich Fotos, die Frau R. mir vor einigen Wochen schickte.

Tja, und dann saßen wir zwei Frauen auf dem Terrassenboden und schauten Kino. Ich hätte ewig dort sitzen bleiben, einfach die Zeit vergessen und zwei glücklichen Katzenmädels beim Spielen zusehen können. Es tat gut wie Urlaub, denn ich dachte im Schnelldurchlauf darüber nach, wie es mit den zwei Zwergen begann, als sie erst am Hafen lebten, anschließend auf dem Dachboden untergebracht waren und dann hier im Hasenstall den ersten Kontakt zu mir, einem Feind aufnahmen und wie es Schrittchen für Schrittchen weiter ging. Dass letztendlich das Paradies für beide zusammen gefunden werden konnte, ist kaum zu fassen.

Wir sprachen auch über den Boykott in Form von Häufchen. Emmy hatte, hier bei uns, ihre Häufchen auf alles gelegt, was auf dem Boden lag. Hier lebt ein Techniker und es waren meist Festplatten und Tastaturen, die darunter zu leiden hatten. Ich staunte nicht schlecht, da es bei Familie R. Werkzeuge waren, die der Herr des Hauses benutzt und wo exakt auf diesen Werkzeugen die Häufchen gelegt wurden.

Gut, das ist Schnee von gestern, da es keinen Grund mehr für einen Boykott gibt! Seitdem Emmy ihr Leben leben darf, ging nie wieder etwas daneben.

War seinerzeit Maxi diejenige, die Emmy zum Spielen aufforderte, so hat sich das Blatt gewendet. Maxi ist die geborene Hauskatze, die gerne schmust und am liebsten auf dem Schoss liegt. Emmy mag Streicheleinheiten inzwischen zwar auch und holt sogar eine immense Menge nach, aber nur wenn sie mag.

Wir saßen jedenfalls da und sahen zu:

Emmy springt wie ein Flummi durchs Gras, lauert Maxi auf, macht einen Buckel und reagiert zehnmal schneller. Maxi spielt mit, rennt Emmy hinterher, die sich in rasantem Tempo auf den Kirschbaum rettet, wieder runter springt, im nächsten Moment nach links abdriftet, um über den Zaun aufs Nachbargrundstück zu hechten.

Plötzlich sind beide zusammen wieder da, machen unter dem Fliederbusch Halt und es wird gekämpft, wobei lautstarke Stimmchen von zwei, ja, ich wiederhole mich, glücklichen Katzenkindern zu hören sind.

Bisher ist auch der Teich kein Problem, denn  es gab von anderer Seite die Zweifel, dass zwei kleine Katzen in den Teich hineinfallen und ertrinken werden. Ja, das kann passieren. Aber wenn es nicht hier passiert, dann eventuell anderswo, da es in diesem Dorf auf jedem Grundstück einen Teich gibt. Ich hörte Frösche von links und rechts quaken, sah aber auch, wie pfotensicher und wissend Emmy und Maxi das Wasser meiden. Selbstverständlich kann es im Eifer des Gefechtes geschehen, aber mal ehrlich, entweder werden Tiere in Watte gepackt und fristen ihr Leben, oder sie leben mit einem bewussten Risiko, das überall und an jeder Ecke zu finden ist. In diesem Fall fehlt definitiv der Autoverkehr, dessen Lebensgefahr für Katzen schlechter einzuschätzen ist, als stehendes Wasser, das sie beurteilen können.

Besser hätten es Emmy und Maxi nicht treffen können und auch Stella hat ihr sicheres Zuhause in Freiheit gefunden. Wo sie herkommt, dort leben immer noch Katzen. Ein Gewerbebiet, das kaum Unterschlupf bietet. Morgens und abends, zu üblichen Stoßzeiten, rasen „zu spät kommende“ oder „schnell in den Feierabend wollende“ durch enge Straßen. Das ist nicht mein Bereich, es kümmern sich andere Tierschützer darum, aber ich denke jedes Mal, dass zumindest Stella, das Ex Bienchen, es besser getroffen hat.

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6 Kommentare zu “Viele Grüße von Emmy und Maxi

  1. So schön zu lesen, dass da drei das passende Zuhause und ein glückliches Katzenleben gefunden haben!
    Es ist leider gar nicht selbstverständlich, dass Katzen einfach so sein dürfen, wie sie selbst es wollen – dass Frau R. ihnen da soviel Nähe bietet, wie sie sich wünschen, und trotzdem genügend Abstand, damit sie sich wohl fühlen – das ist klasse!

    LG Christina

  2. Ich freue mich auch total wieder einmal etwas von den beiden liebenswerten „Kackern“ zu lesen, schließlich habe ich damals mit dir und ihnen gelitten 😉
    Die beiden haben es so gut angetroffen, ich freue mich sehr!
    Sie sehe auch wirklich sehr glücklich aus! 🙂

    Weiter so, Sabine!

    Liebe Grüße,
    Sylvia

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