Entenfamilie auf der Autobahn …

… die lief am Dienstag den 17. Mai auf der A 46 auf dem Mittelstreifen.

Es gibt unendlich viele Warnmeldungen in Radiosendern, von wegen „Achtung, auf der A1 laufen Personen über die Fahrbahn! Achtung, auf der A45 gibt es eine ungesicherte Unfallstelle auf dem linken Fahrstreifen! Achtung, auf der A 43, dort  liegt ein totes Reh! Oder: Achtung, auf der B 326, dort läuft ein Hund auf der Fahrbahn.“

Dass sie nicht sagen, dass ein Reh so vor sich hin liegt, fehlt noch. Ich habe bereits beim WDR angefragt, warum die jeweiligen Moderatoren das immer so lustig und dementsprechend unwichtig darstellen müssen. Es gab eine Phase, in der zumindest gesagt wurde: „Gefahr durch und FÜR einen Hund“, aber diese Phase wurde abgeschafft. Klar, denn das Leben ist ein einziger Spaß, aber nicht für jeden und schon gar nicht für Tiere, die die Orientierung verlieren und sich plötzlich mitten im Chaos befinden. Nicht einmal jeder Autofahrer kommt noch kar, sonst würde nicht jede Sendung unterbrochen mit: „Achtung, auf der A2 zwischen X und Y kommt ihnen ein Falschfahrer entgegen! Fahren sie bitte äusserst rechts und überholen sie nicht, Wir melden, wenn die Gefahr  vorüber ist. “  Das wird dringend durchgegeben, denn es könnte Menschenleben kosten!

Jedenfalls ist das einer meiner allerbesten Alpträume. Ich fahre  auf einer Autobahn und  sehe ein lebendes Tier laufen. Nicht nur einmal wachte ich deswegen schweißgebadet auf. Aber endlich, am Dienstag war es soweit. Ich fuhr auf dem Mittelstreifen und dachte über diese vielen, vielen hektisch fahrenden Autos nach. Ich blickte nach links und sah eine Entenmutter samt ihrer Küken neben diesen neuen Mittelleitplanken laufen, die einerseits sicherer sein sollen  und andererseit eine Falle bedeuten. Es gibt keinen Ausweg, nur wieder zurück. Gut oder schlecht.

Wie diese Entenfamilie dort hingelangt ist, mag ich mir nicht vorstelllen. Entenküken sind zum Glück perfekt erzogen und es gibt kein Links oder Recht für sie, es sei denn, Mama erlaubt es. Ich schlug die Hand vor den Mund, denn da war er,  MEIN ALPTRAUM! Was tun? Anhalten geht nicht und sinnlos, telefonieren dauert vielleicht zu lange und überhaupt ist in solchen Momenten der Akku leer. Also raus aus der nächsten Ausfahrt und Polizeiwache gesucht. In dem Moment kam die Meldung im Radio : Achtung…

Es hörte sich an wie: „Welch ein Spaß, niedliche Entchen laufen herum.“ Ich hätte der Frau eine klatschen können, aber fand es beruhigend, dass diese Tatsache bekannt war.

Polizeiwache und netter, lächelnder Mann … er wusste, was ich wollte. „Entenfamilie?“

„Yes, Sir.“

Er lächelte weiter und ich wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen, denn er sagte: „Danke, es sind bereits zwei Einsatzwagen unterwegs!“

Ich schenkte mir die Umarmung und stürmte aus der Wache um mich zu überzeugen, denn auch ein lächelnder Mann kann lügen.

Ich fuhr auf die Auffahrt, musste über eine Brücke und sah kein einziges Auto. Da hatten die Leute tatsächlich eine Autobahn  gesperrt? Wegen einer Entenmutter samt Küken? Und es hatten unendlich viele Menschen bereits Bescheid gesagt? Ich war nicht der einzige Mensch, wie sonst immer?

War das ein gutes, beruhigendes Gefühl! Aber, warum nur bei Enten?

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6 Kommentare zu “Entenfamilie auf der Autobahn …

  1. Oh Sabine
    Das ist ja wieder eine schöne Geschichte!
    Eigentlich kaum zu glauben, das sowas wegen einer Entenfamilie getan wird!
    Sehr schön, und da ich in beziehung Tiere ja sehr nah am Wasser gebaut bin, liefen wieder viele Tränen wärend des lesens von deinem Erlebnis!
    Aber wie du schon schreibst! Warum wird das nicht bei Hunden so gemacht!
    Warum sterben so viele Hunde auf der Autobahn bzw. auf den Straßen?

  2. Das ist ja wenigstens mal eine positive Meldung, ich hab mir zu Beginn Deines Artikels schon wieder ein Horrorende ausgemalt… 😦

    Ja, Du hast Recht, mit dem was Du schreibst… Ich wundere mich grad selbst, dass es hier wohl doch noch mehr Einsatzbereitschaft gab als sonst…

    LG Nadine

  3. Da bin ich aber froh, dass es dieses Mal so positiv ausgegangen ist! Und dass noch mehr Menschen auf deutschen Autobahnen ihren Verstand einschalten und helfen gibt Anlass zur Hoffnung – du bist nicht ganz allein!
    Mir tun diese Verkehrsmeldungen immer im Herzen weh… die armen Tiere.

    LG Christina

  4. Naja, ich mag meine häufigen Horrorendungen auch nicht, aber es ist nun mal die Wahrheit.
    Was die Enten anbelangt, so denke ich, dass dieser Niedlichfaktor eine Rolle spielt und dass solch eine Rettung anschließend süß beschrieben in der Lokalzeitung abgedruckt werden kann.
    Klein und flauschig, wie zu Ostern – und alles ist gut.
    Wenn nur die Mutter läuft, ich glaube dann stände man wieder alleine da.

    Lieben Dank für Eure Kommentare!!

  5. Na, die Umarmung hätteste ihm aber ruhig gönnen können 😉
    Echt toll, dein Einsatz und der des „lächelnden Mannes“ natürlich auch!
    Endlich mal eine Geschichte mit Happy End! 🙂

    Liebe Grüße,
    Sylvia

    PS: Sag mal, stand davon nix in der Zeitung?

  6. Pingback: Wuff & Mietz – Allein zu Haus « Stoppelhops Blog

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