Verwilderte Katzen (Teil 2)

Nein, ich habe die Fortsetzung  nicht vergessen, aber die Videos, die von Ronja aufgenommen wurden, waren im Weltall verschwunden und mussten wieder herunter geholt werden. Nicht von mir, oh nein, da musste der Techniker ran, der überhaupt die Idee hatte eine wilde Katze unauffällig zu beobachten.

Wie erwähnt, konnte Samantha am 12. April gefangen werden. Herr M. lockte sie anschließend in den Umsetzkorb und stellte die Falle erneut auf. Er musste eh warten bis ich Zeit hatte, um Samantha zum Tierarzt zu fahren. Das alles mitten in einem normalen Arbeitsverhältnis, wo man sich besser nicht bei Aufgaben außerhalb des Verhältnisses betätigt, aber der liebe Gott oder Glück, sie waren bisher gnädig mit uns.

Bevor ich ankam informierte mich Herr M., dass eine zweite Katze in der Falle säße und ich wurde mit dieser Tatsache überrascht, da ich weder eine Transportbox dabei, noch zu Hause irgendeine Vorbereitung getroffen hatte. Ich brachte somit beide Katzen oder Kater, das alles wusste ich in dem Moment nicht, zu einem Tierarzt, der für den Tierschutz kastriert und die Tiere auch auf gesundheitliche Aspekte untersucht. Sei es vereiterte Zähne oder Krankheiten. Bei der schwarzweißen Ronja war ich zu 99% sicher, dass sie bereits kastriert ist, denn zwei gleichfarbige waren im Oktober letzten Jahres bereits gefangen und behandelt worden. Eine weitere schwarzweiße nahm ein Kollege Herrn M´s mit (das Ehepaar hatte viel Spaß bei der Zähmung) und so viele schwarzweiße kann es dort doch nicht geben, verdammt nochmal!

Samantha, Ronja und ich hatten noch großes Glück, da im Grunde kein Termin mehr frei war und die Tiere möglicherweise erst am nächsten Tag operiert werden konnten. Das hätte eine weitere Nacht in einer Angsterfüllenden Falle und in einem unbequemen Umsetzkorb bedeutet und irgendwie möchte man diese leidlichen Geschichten immer schnell vom Tisch haben, weil man mitfühlt und jede Minute eine ungeduldige Minute voller Stress und Ungewissheit für diese gefangenen Tiere  bedeutet.

Am Abend kam der erlösende Anruf, dass ich die beiden Katzen abholen könne. Sie würden gerade erst aus der Narkose erwachen, aber ich wollte sie eh nicht sofort herauslassen. Das würde ich nie tun, obwohl man es manchmal tun muss. Wenn ein Tierarzt sagt, dass diese oder jene Katze vor kurzem erst Junge geworfen hat und man entweder das Leben dieser Babys aufs Spiel setzt oder das Leben aller, weil man ein frisch operiertes Tier, das noch nicht mit all ihren Sinnen bereit ist, wieder laufen lässt. Das sind die Momente, in denen man kaum nachdenken darf, denn wie man es macht, macht man es garantiert verkehrt. Trotz vorgerückter Stunde nahm sich die sehr nette Tierärztin dennoch Zeit, da ich um die Tätowierungsnummern bat und einige Fragen offen waren. Es handelte sich auf jeden Fall um zwei wilde Katzen, die ihnen vor der Narkose gerne an die Kehlen gesprungen wären. Beide seien gesund und würden auf ungefähr ein bis zwei Jahre geschätzt. Wunderschöne Zähne hätten sie, aber Samantha müsse spätestens am nächsten Tag frei gelassen werden, da sie ungefähr 4-5 Wochen alte Babys habe.  Bei Ronja sei kein Wurf festzustellen gewesen, außer ihre verletzte Nase, die sie sich beim Versuch des Ausbruches in der Falle heftig zerschrammt hatte. Tja, sie war also Neu, und kein alter Fall. Das zum Thema: Es nimmt nie ein Ende.

Ich kann nicht mehr tun, aber was Wichtig und vielleicht irgendwann Bewegend in all der Scheiße  ist,  dass diese vergessenen, übersehenen Tiere in dieser eiskalten  Welt ein Gesicht, einen Namen und meinetwegen auch eine registrierte Nummer erhalten!

Somit nahm ich die beiden noch träumenden Seelen mit nach Hause, wo ich Samantha in die große Hundeflugbox, und Ronja in den großen Hasenstall bugsierte. Das alles ohne Anfassen, keine Frage. Da wird der Umsetzkorb oder Öffnung der Falle  so lange vor die andere Öffnung gehalten, bis die Neugier siegt. Die beiden waren wirklich noch sehr daneben und einfach nur froh, ihre Ruhe haben zu können.

Wie schon erwähnt, weinte Samantha und hatte auch mit Katzentoilette nichts am Hut. Sie hatte Hunger und aß sich dankbar den Magen voll, aber nachdem sie wieder fitt war, wollte sie dringend zu ihren Kindern.

Ronja benahm sich regelrecht vorbildlich, denn ich hörte sie vorsichtig im Katzenklo scharren. Intensiv und vorsichtig, damit nur ja kein Unheil daneben ging. Sie mochte nicht viel futtern und  benahm sich auffallend ruhig. In dem Moment wurde die Idee geboren eine Kamera zu installieren, die Ronja unauffällig beobachtet. Nicht aus Lust und Laune, sondern um Erkenntnisse zu erlangen. Ronja schlief tagsüber sehr viel und verkroch sich in der Box, die neben Futter, Wasser und Katzentoilette im „Gefängnis“ standen.

Am Dienstag war sie operiert worden und wegen zeitlicher und entfernungstechnischer Tatsachen hatte ich den Freitagabend eingeplant, um sie wieder „nach Hause“ zu bringen. Aufgrund ihres stillen Verhaltens  dachte ich selbstverständlich nach, denn vielleicht war Ronja doch nicht so wild und vielleicht könnte ich ein Zuhause für sie finden? Zig Gedanken, die man nicht braucht, aber die einen verfolgen.

Erst einmal sollten ihre Schrammen und die OP Wunde verheilen, sie sollte sich ausschlafen können  und sich den Bauch voll schlagen. Das wollte Ronja aber bald nicht mehr, denn in den letzten Tagen verweigerte sie jede Nahrungsaufnahme. Sie wollte nur raus aus ihrem Gefängnis, was absolut verständlich ist.

Da sich auf die Schnelle kein Zuhause finden ließ, und ich mir während der Zeit  viele Gedanken gemacht hatte, die allesamt für Freiheit für Ronja sprachen, verabredete ich mich wie bei Samatha mit Herrn M., um auf die interne, sichere Seite des Firmengeländes und somit auch in Ronjas heimatliche Region  gelangen zu können. Ich musste eh noch Micky, Muckl, Filou und die drei weiteren Stellen am Hafen versorgen, und kam mitten ins Chaos, da eine ABI – Party in einer Eventhalle und genau auf dieser Straße angesagt war. Man kam nirgends durch, weil die Straße blockiert war, mit Rettungswagen, die die ersten Erfahrungen mit Alkohol in Kliniken fuhren, mit Luftschlangen, leeren Flaschen, noch mehr Scherben und Menschenmengen. Oh Mann, hatte uns das Glück verlassen? Bitte, Glück, nicht jetzt! Bitte!!

Danke Glück, denn es hielt immer noch ein Auge auf uns, und nach obligatorischem Ausfüllen eines Formulars durften wir die stille Rückseite betreten. Dort öffnete ich zögernd die Box und ließ Ronja frei…

Auch Ronja zögerte, aber sie war ebenfalls überzeugt und rannte von dannen … Ich wollte noch ein Foto knipsen, aber nur ein  Profi kann solch ein schnelles Foto schießen. Somit erwischte ich lediglich die Heimat ohne Ronja.

Der erste Teil endete mit: Aber es war weder Samantha noch ein Junges – und Fortsetzung folgt. Ja, das war die zweite Katze, die wir an dem Abend dort sahen und nicht wussten, ob es Samantha ist oder nicht. Die  sehr  hell getigerte Katze, die am nächsten Tag als dritte im Bunde in die Falle ging und worüber ich unglaublich froh war. Ruby, die ich schon abgeschrieben hatte, weil ich sie nach dem zweiten Mal in einer Falle nie wieder gesehen hatte. Ruby scheint eine echte Knalltüte zu sein, ich weiß nicht, wie ich das sonst ausdrücken soll. Kaum eine Katze geht zweimal in eine Falle. Aber ein drittes Mal? Beim ersten Fang im Oktober 2010 wurde sie kastriert und musste, wie oben erwähnt, noch halb in Narkose zu ihren Jungen gelassen werden. (Ob das die drei Jungkatzen von November waren…. ich weiß es nicht).

Jedenfalls ein Alptraum, wobei sie einige Wochen später erneut in der Falle saß. Sie ist unverkennbar, da ihr der damalig behandelnde Tierarzt  ein Dreieck ins rechte Ohr verpasste, so dass man Ruby aus Meter Entfernung erkennt – wenn man sie kennt. Jedenfalls saß sie an dem Morgen im Umsetzkorb. Ich schaute Ruby an, ich war wirklich, wirklich glücklich sie lebend und gesund zu sehen und da sie die umliegenden Futterstellen scheinbar ignoriert, gaben Herr M. und ich ihr den Inhalt einer kompletten Dose Whiskas in den Umsetzkorb, damit sie sich endlich satt essen sollte. Das tat Ruby sogar und nach weiteren Stunden ließ Herr M. sie wieder frei.

Man steckt nicht in den Katzenköpfen, das ist unmöglich, wie wir alle wissen. Manch eine kann „erzogen“ werden wie ein Hund, wie Filou zum Beispiel, der sich nun immer neben mich legt und grundsätzlich Körperkontakt sucht. Obwohl er zu den  scheuesten Gesellen gehörte. Katze Minki oder die Mutter von Emmy und Maxi, die jetzt tatsächlich Emmiken heißt, weil sie das Ebenbild ihrer Tochter ist, mit ihnen musste ich dreimal die Futterstelle verlegen und sie haben es verstanden. Warum eine Ruby fast verhungert und lieber in eine Falle geht, als zu einer naheliegenden Futterstelle zu gehen? ICH weiß es nicht!

Liebe Ruby, Katzenmädchen, pass auf Dich auf! Und Ronja, die nun auch weiterhin irgendwo herumstreift und Samantha, die ebenfalls lieber hungert, als den bequemeren Weg zu gehen. Fast alles nur Katzenmädels…. Wo sollte das enden? Und wo sind die Babykatzen von Samantha?

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3 Kommentare zu “Verwilderte Katzen (Teil 2)

  1. Bin mal wieder gerührt, wieviel Einsatz Du zeigst. Ronja ist ja wirklich eine total hübsche Miez! *schwärm* Wo sind die Kitten von Samantha? Ich bin gespannt auf weitere Berichte von Dir.
    LG Nadine

  2. Wie immer: Lieben Dank, Nadine!
    Ich weiß es bisher nicht und liegt mir schwer im Magen. Entweder haben sie nicht überlebt oder werden irgendwann gesehen. Hoffe nur, dass es bis dahin nicht zu spät ist und sie nicht bereits zu überzeugten Wilden wurden.

  3. Pingback: Katze Emmiken und Gedankenübertragung « Katzen-Heimat-Blog

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