Katzen – Futterstellen

Um wieder einmal auf  das Thema Futterstellen zu kommen, so gibt es nicht nur Vorzeigestellen, sondern gute, mittelgute und auch schlimme Stellen. Schlimm deshalb, weil man aus der Not eine Lösung basteln muss und wo es in keiner Weise erlaubt ist „Viecher“ zu versorgen. Das bedeutet Tarnkappe und sich mit den jeweiligen Katzen absprechen.

An einer dieser schwierigen Stellen wusste ich bis September 2010 nicht, dass dort Katzen leben. Als es begann abends früher dunkel zu werden, sah ich eine mir unbekannte getigerte und am übernächsten Tag eine schwarze Katze auf einem Betonpfeiler sitzen. Dass sie niemandem gehören war sofort klar, denn ich rede von einem Hafengebiet, wo jedes Nachfragen Kopfschütteln verursacht. Eigentlich gebe ich die Hoffnung nicht auf, dieses Gebiet irgendwann in den Griff zu bekommen, aber wie man sieht: Es nimmt kein Ende. Seinerzeit sprach ich mich mit Frau N. ab,  die in der Nähe wohnt und nachts eine Falle dort aufstellte. (Das Thema hat sich aufgrund des Tierschutzhaifischbeckens inzwischen erledigt, aber darauf  komme ich später  zurück.) Die getigerte und sogar zwei schwarze, männlich und weiblich, konnten damals gefangen und kastriert werden. Alle drei stellten sich als einjährig und wild heraus.

Einjährig und unkastriert, Katzen und Kater –  das war Glück, da nur Monate später die ersten Nachkommen geboren worden wären. Wild waren sie augenscheinlich tatsächlich und  die Möglichkeit  eines Tests gab es kaum, denn die Tiere wurden auf einem Dachboden untergebracht, bis die Wunde verheilt war. Entweder zeigten sie während dieser paar Tage in irgendeiner Art, dass sie Menschen versuchen wollen zu trauen, oder sie fauchten und versteckten sich bei der kleinsten menschlichen Bewegung. Würde man diese Katzen für längere Zeit einsperren und versuchen  zu zähmen, so begibt man sich in eine Zwickmühle, denn erstens kann man nie sicher sein, ob man dem jeweiligen Tier damit einen Gefallen tut. Zweitens kann ein Versuch scheitern und man nimmt einer überzeugt verwilderten Katze Monate ihrer Freiheit. Drittens: Wohin mit ihnen, da selbst Vermittlungen handzahmer Schmusekatzen lange dauern?

Der ein oder andere wird die Alternative Tierheim an dieser Stelle einwerfen wollen, aber auch das ist keine Lösung, denn Tierheime sind meist voll belegt und Zeit, um fauchende Katzen zu zähmen, fehlt  definitiv. Eindeutig verwilderte Katzen werden außerdem grundsätzlich nicht aufgenommen und wenn nur zum Kastrieren, und um sie anschließend an der jeweiligen Fangstelle wieder auszusetzen. So schrecklich und gefährlich solch eine Fangstelle auch sein mag – es ist ihr Zuhause.

Aber zurück zur „schlimmen“ Stelle, wo somit drei Katzen offiziell leben. Häufig werden sie auf dem angrenzenden Firmengelände gesehen. Eine KFZ Werkstatt, die auf einem überdachten Hof Stapel Kartons liegen hat und wo sich die Katzen, laut Aussage des Firmeninhabers, speziell im Winter aufhalten. Gefüttert werden sie dort nicht, aber es hat auch niemand etwas gegen sie, womit diese Tiere erst einmal gewonnen haben.

Nachdem diese drei Katzen kastriert und wieder freigelassen worden waren, übernahm ich Verantwortung für diese Tiere. Es waren somit die „Sabine – Katzen“. Das funktioniert im Tierschutz vollautomatisch und geht jedem „Entdecker“ so. Hilfe wird zwar grundsätzlich versprochen, aber solche Katzen haben ihren Namen nun einmal weg und  angebotene Hilfe  wird schnell wieder vergessen. Da sie sehr dünn und bisher lediglich auf Mäuse angewiesen waren, denn Ratten gibt es seit einer Beseitigungsaktion dort nicht mehr,musste eine Futterstelle eingerichtet werden. Nicht  nur diese Katzen wurden dort gesehen, sondern eine dreifarbige (eventuell die lange gesuchte Samatha) und wer weiß, welche noch. Der Firmeninhaber, welcher von morgens bis abends in seiner Firma tätig ist, erwähnte diesen Hinweis von sich aus, wischte die Anzahl nach meiner Frage aber mit: “Ach, ich weiß nicht, keine Zeit auf Katzen zu achten.“, beiseite.

Ich probierte aus, wie ich an dieser Stelle einen wasserdichten, sauber zu haltenden, für Menschen unsichtbaren und zu jeder Zeit erreichbaren Unterstand hinbekommen könnte. Zu jeder Zeit bedeutet auch an Wochenenden, an denen sich keine Möglichkeit findet das Firmengelände zu betreten.Das waren vier Wünsche auf einmal und machte jedem Überraschungsei Konkurrenz.

Die ersten Versuche mochte ich so gar nicht, da ich ohne eine Idee, abends und ungesehen, gefüllte Futterschalen vor den Zaun stellte. Das ging so lange gut, bis es in Strömen regnete. Da ich ständig Postkisten im Auto transportiere, war die in dem Moment beste Möglichkeit, die Schalen in eine große Postkiste zu stellen. (Die Deutsche Post möge mir bitte verzeihen). Doch war die Idee miserabel und ich hätte es vorher wissen müssen, denn bereits am nächsten Tag war die Postkiste spurlos verschwunden, nur die leeren Futterschalen lagen noch am selben Ort. Also neu überlegt: Das Geschehen musste hinter den  Zaun verlagert werden, denn da sich niemand für den dahinter befindlichen Müll interessiert, dürfte  auch eine Futterstelle nicht angerührt werden.

Ich missbrauchte eine weitere Postkiste, – und die Deutsche Post möge mir bitte auch dafür verzeihen –  hangelte sie von außen nach innen, befüllte sie und drehte sie in Richtung Firmengelände, so dass eine Katze einen ungesehenen und einfachen Zugang haben konnte. Somit war die erste gute Lösung endlich gefunden. Leider regnete es zu diesem Zeitpunkt ständig und Postkisten sind mit Griffen und Löchern gespickt, wodurch das Futter dennoch nass wurde und überhaupt, das war kein Zustand auf Dauer. Ich fand noch übrig gebliebene Dachfolie, die ich bisher zur Isolierung für Unterschlüpfe genutzt hatte. Der Rest reichte und somit wurde die löchrige Postkiste mit Dachfolie ummantelt und fest geklebt. Die Tage vergingen und auf dem Sperrmüll lässt sich immer etwas finden, somit waren zwei Bretter meine Bretter.

Das eine Brett kam unter die Kiste, wegen Stabilität und um Feuchtigkeit und Schmutz zu vermeiden, das andere auf die Kiste, und bietet zusätzlich Überdachung für einen Wassernapf.

Es dauerte allerdings nicht lange und eine Baustelle Namens „Kanalbau bis Juli 2011“, wurde an gegenüberliegender Straßenseite mit dazu gehörendem Radau errichtet. Neben einem (darf ich das so sagen?) HAUFEN und ständiger Urinierung genau vor dieser Stelle, muss mich ein wichtiger Mensch beobachtete haben und fühlte sich  berufen. Diese dummen berufenen Menschen, sie machen mich psychisch müde, kraftlos und trotz allem bewirken sie das Gegenteil von dem, was sie erreichen wollen. Und zwar durfte ich eines Tages erkennen, dass das verbarrikadierte Versteck entdeckt worden war, da, obwohl die Kiste am selben Platz stand,  Trocken – und frisch eingefülltes Feuchtfutter ausgekippt daneben lagen.

Tja, was soll ich sagen? Hat es Spaß gemacht? Vielen Dank für diese Verschwendung und Danke für den Haufen?

Auf dem Sperrmüll musste somit eine Art Verdeck für den Zaun  gefunden werden und tatsächlich, Teile einer Schrankrückwand:

Die drei Katzen und ich mussten sich erst einmal aneinander gewöhnen, denn es mussten Uhrzeiten bekannt werden und ich musste Rituale, wie rückwärts an die Stelle heranfahren, einhalten, damit sie wussten: Es gibt was zu Essen.

Anfangs ähnelten Fotos einer Art Suchbild: Wer sieht die getigerte Katze?

Inzwischen kommt Tiffany sehr viel näher:

Auch ihr Kumpel Max oder Freundin Bella, keine Ahnung welche der Beiden das ist, kennt nun die Rituale:Manchmal bleiben Reste in den Näpfen übrig, die bestätigen das ich genügend Futter anbiete. An manchen Tagen sind die Schalen leer geleckt bis auf den letzten Tropfen und ist wiederum eine Bestätigung, dass hier nicht nur diese drei Katzen futtern.

Alles in allem gehört Frost wieder einmal der  Vergangenheit an, und da sofort sommerliche Temperaturen herrschen sind Fliegen  das nächste Problem. Fliegen an sich bedeuten keine Gefahr, aber ihre Eier, die sie grundsätzlich in Feuchtfutter ablegen, sind eklig unangenehm. Also, wer nicht kommt zur rechten Zeit, muss von Trockenfutter und Wasser leben.

Filou interessiert das alles nicht, denn erstens ist er ein Sonnenschein und zweitens immer pünktlich. Er hat ein anderes Problem, da seine Versteckmöglichkeiten, die aus Brombeergebüsch bestehen, leichten Fußes mit Chemikalien behandelt wurden und nun vor sich hin vertrocknen. Tja, mal schauen, was mir dahingehend einfallen muss…Ich hoffe, die Miezen und ich haben Euch nicht gelangweilt, denn stimmt: Ist wieder etwas länger geworden… 😉

Danke fürs Lesen und weiterhin geruhsame Ostertage!


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8 Kommentare zu “Katzen – Futterstellen

  1. Ich kann es nur immer wieder betonen, wie sehr mich Dein Einsatz für arme „Straßentiere“ beeindruckt. Ganz genauso mag ich Deine Texte hier im Blog, die ich stets mit Spannung verfolge.
    Schön, dass es Dich gibt und ich bin mir sicher, die Tiere danken es Dir! 🙂
    LG Nadine

  2. Sabine
    Du bist einfach genial!!!
    Und schreib bitte weiter so ausführlich! So kann man auch genau alles nachvollziehn und an deiner Tierschutzarbeit dran teil haben!
    Danke!!!
    Gruß Heike.

  3. Ich danke Euch Beiden sehr! Aber das sind einfach Dinge, die aus der Not heraus geboren werden. Problem ist immer wieder: Es darf nichts kosten, weil es sowieso irgendwann beseitigt wird.
    Christine wollte die „schlimme“ Stelle immer mal sehen, da sie viele Ideen hatte, auch in Form eines preiswerten Hasenstalls, den sie bei Ebay entdeckt hatte. Das wäre wirklich ganz, ganz toll!
    Aber, wie man nun anhand der Bilder sehen kann: Mehr geht da nicht.

    Liebe Grüße
    Sabine

  4. Finde es schlimm zu lesen, dass sich erwachsende Menschen wie wirklich dumme Kinder benehmen – vermutlich früher welche waren und nichts dazulernten. Die ekeln mich und ich hoffe, Du lässt Dich von solchen Erlebnissen nicht herunterziehen Sabine.

  5. Dein Bericht ist wirklich fesselnd und ich bewundere dich sehr für deinen Einsatz und deinen Einfallsreichtum! Das der ständige Kampf gegen dumme Menschen zermürbt kann ich mir gut vorstellen – aber die Bilder der immer mehr Vertrauen fassenden Katzen sprechen Bände, sie danken dir auf ihre Art! Für mich dürfen deine Berichte gerne ausufern, denn sie sind nebenbei sehr lehrreich für Tierschutzanfänger wie mich.

    Liebe Grüße, Christina

  6. Ganz lieben Dank Christina, Dein Kommentar freut mich wirklich sehr!

    @Bettina, Du hast mich schon wieder an die Gülle erinnert, die man den Katzen an anderer Stelle „vor die Pfoten warf“. Muss diese stinkende Tatsache endlich mal aufschreiben, denn wer sich davon nicht herunterziehen ließ…

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