Frohe Ostern – oder Taube Elisa

Heute vor einer Woche fand ich Taube Elisa und brachte sie, wie berichtet, zu einer Vogelauffangstation. Am vergangenen Sonntag fuhren wir hin, um zu schauen wie es Elisa geht, aber auch um näheres über dieses Tierhilfeprojekt zu erfahren.
Die Stadttiere Düsseldorf e. V. befinden sich, was den momentanen Platz anbelangt, im Aufbau. Vieles ist geplant. Ideen rund um die, wie Dreck behandelten, Tiere sprudeln, doch nachdem im vergangenen Herbst ein ideal gelegenes Grundstück angemietet werden konnte, so beobachten Mitarbeiter des zuständigen Bauamtes  dieses Projekt nun auf den Punkt genau. Ich kenne dieses Gelände von längst vergangenen Spaziergängen, da mich immer ein ungutes Gefühl befiel, sobald ich mit meiner Hündin dort vorbei musste. Landwirt/Bauer und Schafe, heruntergekommenes Gelände und auch Hunde an Ketten, die einerseits weder über Spaziergänger erfreut schienen, andererseits vielleicht ein Dasein jenseits von Gut oder Böse fristeten. Es schien aber alles in Ordnung, da Veterinär- und Ordnungsamt in dieser überaus ordnungsliebenden kleinen Stadt alles im Griff haben zu haben scheinen.

Bevor ich zu den momentanen Auflagen komme, beschreibe ich meinen Eindruck als Tierschützer, der sich bei Betreten des Grundstückes fallen lassen mochte, da eine gemeinsame Sprache gesprochen wird und wir in dem Moment über jedes Geschöpf reden konnten. Manch einer hätte die Schultern gezuckt ob dieses traurigen Anblickes. Schließlich gibt es dort nur flugunfähige Vögel, weder Weltbewegendes noch Aufregendes. Im  Zusammenhang mit Osterfest, Kreuzigung und christlichen Ritualen, sollte meiner Meinung nach auch über solch vermeintliche  Nichtigkeiten nachgedacht werden, und das täglich, das ganze Jahr über. Die öffentliche Streiterei, ob Karfreitag dem Rummel freigegeben werden oder dieser Tag ein stiller Tag bleiben sollte, lässt mich nur den Kopf schütteln. Täglich heißt mit Arbeit verbunden, und täglich Scherben aufkehren zu müssen, die andere verursachten, ist die schwerste Arbeit von allen. Darin schließe ich Mitarbeiter der Feuerwehr, Notaufnahme, Polizei und alle anderen ebenfalls ein, die an solch einem  Karfreitag im Sinne „Uns“  dennoch tätig sind. Auch der Tierschutz kehrt ständig Scherbenhaufen, und muss  an einem Karfreitag an andere denken.

Bereits am Tor begrüßten uns an der Scheunenwand befestigte Unterschlüpfe für Bienen, Fledermäuse und Ohrenkriecher. Ein  vorläufig angebrachtes Plakat weist auf tierfreundliche Maßnahmen hin, die jeder umsetzen kann. Paradies  für Tiere, nicht nur hier, denn jeder kann eines schaffen.

Frau Dolff hieß uns herzlich willkommen und führte uns durch das bisherige Provisorium, in dem man in jedem Winkel ein Tier entdeckt, zu dem Frau Dolff die Lebensgeschichte weiß. Und sei es eine Stadttaube, die munter aus einem Bauwagen blickte, und die Frau Dolff im tiefsten Winter in ihrem Ausschnitt mit sich herumtrug um dem damaligen Taubenküken entsprechende Wärme zukommen lassen zu können. Nach Versuch der Auswilderung kam diese Taube jedoch zurück, da sie keinerlei Scheu vor Menschen zeigt. Sie suchte sich ständig neue Bezugspersonen und wurde dem einen oder anderen lästig. Nur gut, dass sich jemand an Taubes „Mutter“ wandte.

Tauben liegen allen Beteiligten sehr am Herzen und ich war sprachlos, da ich von solch einer Bewegung bisher nichts ahnte. Ein erfolgreicher Schritt konnte getan werden, da die Stadt Düsseldorf der Stadttiere e.V. inzwischen geplante Brückenreinigungen ankündigt. Bisher war es Usus, mit Dampfstrahler vorhandenen Dreck, Tauben, deren Eier oder bereits geschlüpfte Küken blind zu beseitigen. Mittlerweile können somit Jungvögel in aufwändiger Arbeit vorher eingesammelt werden. Frau Dolff zeigte uns ein großes Zimmer, in dem sich gesundende Tauben aufhalten.  Es war jede Krankheitsvariante dabei und zu jedem geschundenen Tier konnte Frau Dolff Auskunft geben. Sei es die eine, die angesteckt und fast verbrannt wäre oder die andere, der man die Flügel mutwillig abgeschnitten hatte. Ich erfuhr auch einiges über Taube Marthas eventueller Krankheit. Martha könnte an Paramyxovirose gelitten haben und muss nicht zwingend mit einem Fahrzeug kollidiert sein. Eine Taube kam mir entgegen, sie hielt ihren Kopf schief und schaute mich an. Frau Dolff sagte, dass dieses Tier die Paramyxovirose fast überstanden habe, denn diese „Seuche“ sei mit homöopathischen Mitteln und Vitamin B meist in den Griff zu bekommen. Ohh, ich konnte mir dieses Wort nicht merken und googelte Para.. für Tauben. Mensch, diese sämtlichen Krankheitsbeschreibungen für Katzen und Co. kann ich ich mir wirklich nicht merken. Frau Dolff sprach völlig normal darüber und ich fragte ob sie Tierärztin sei. Nein, das sei sie nicht, alles angeeignet im Laufe der Jahre. Genauso wie ihre Mitstreiter ,wovon der eine auf Eichhörnchen spezialisiert sei, der nächste auf  Vögel und der weitere auf Igel. Ein Netz, das sich im Laufe der Zeit zusammengetan hat.

Hut ab, da ich dieses Netz bislang lediglich in Zusammenhang  „Ärger“ kennen lernte. Aber das ist  ein anderes Netz, auch wenn es sich ebenso aus Tierschützern zusammen setzt.

Wieder draußen angekommen, zeigte sie einen gespendeten alten Wohnwagen, der nach Umbau als Taubenquartier für flugunfähige Vögel vorgesehen sei. Eine Rampe wird es jeder Taube ermöglichen draußen, in einer geplant anschließenden Voliere,  sitzen zu können. Eine bereits bestehende, große Voliere zeigte sie uns, in der sich momentan eine verletzte Dohle aufhält und wo die Voliere bislang schon einigen Vögeln das Leben retten konnte.

Elisa sitzt in einer kleineren Voliere, die sie mit zwei anderen Ringeltauben und zwei Lachtauben teilt. Am vergangenen Sonntag ging es ihr noch nicht besser. Sie muss gefüttert werden und kann sich nicht bewegen. Sie lag jedoch entspannt im Stroh und wie es schien, guten Mutes. Wie von Frau Dolff untersucht, ist der linke Flügel nicht gebrochen und für Elisas Allgemeinzustand bedeutet es Geduld. Die  eine der beiden weiteren Ringeltauben bändelte bereits mit ihr an und das scheint Elisa zusätzlich  gut zu tun.

Neben einem aus schlechter Haltung aufgenommenem Pferd, zwei Hühnern, der Ziege Cinderella und wie gesagt unzähligen Tauben, bewohnen dieses Arche Noah auch Pauly und ein Hahn. Wenn sie aus lauter Frust und Langeweile absolut nichts kreatives mehr finden, so haben sie immer noch sich.

Für Cinderella und Ziegenbock Pauly hatten  einige Menschen die Hoffnung bereits aufgegeben, und es kostete eine Menge Geld um die beiden wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehören, nämlich ins pralle Leben. Cinderella musste eigentlich auf ihr Alter geschätzt werden, aber das war aufgrund ihrer fehlenden Zähne nicht mehr möglich. Sie genießt ihren Altersruhesitz somit mit aufgeweichtem Futter und wird bald Artgenossen dazu bekommen. Ebenso Pauly, der als Häufchen Elend Medikamente und immense Stromkosten unter Rotlichtlampe nutzen musste, um zum wieder auferstandenen Sparringpartner eines ehemals federlosen Hahnes zu werden.

Ich überlegte wie ich dort helfen könnte, denn Zeit ist knapp und Hafenkatzen, eigene Tiere inklusive Arbeit, Haushalt  funktioniert nicht. Zwei Firmen fielen mir ein, die seit einigen Jahren zum täglich Geldverdienenden Kundenstamm gehören. Die eine stellt Tierfutter her und die andere Rapsöl sowie Margarine. Also dort die Fühler ausstrecken, vielleicht gibt es hin und wieder einen defekten Sack mitsamt Körner zu verschenken oder preiswert zu ergattern?

Wenn Ihr eine Möglichkeit habt, bitte her damit!

Bei Suche nach Para… stieß ich auf das: http://www.bgbau.de/d/pages/koop/forschung/SD_Taubenkot.pdf  und musste einerseits aufgrund dieser steifen, wichtigtuerischen, hysterisch formulierten Schreibweise schmunzeln, andererseits wuchsen weitere graue Haare auf meinem Kopf, denn das dortige Gebrabbel kommt immer an. Es handelt von Grauen, Schmutz, Ungeziefer und  Krankheiten. Na, das interessiert immer! Es kam somit wieder einmal der Gedanke, wie sehr sich die Menschen gegenseitig im Weg stehen und wie sehr sie das Leben unserer Mitgeschöpfe bespucken, da sie keine Ahnung zu haben scheinen und viel lieber das Unbekannte beseitigen, als sich kundig zu machen.

Um zum zuständigen Bauamt zurück zu kommen, so bemängelt es ständig nicht genehmigte Volieren jeglicher Art und auch Bauwagen, wovon nur einer auf diesem Gelände steht. Das Vorhaben scheint daran scheitern zu müssen und ein anderes Gelände wird gesucht. Wie erwähnt erinnere ich mich, dass nachdenkenswerte Zustände beim Vormieter jedem ersichtlich waren und über viele Jahre niemand Anstoß daran nahm.

Merci beaucoup allen Kleingeistigen.

7 Kommentare zu “Frohe Ostern – oder Taube Elisa

  1. OHNE WORTE. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass sich diesbezüglich in dieser Welt noch jemals was ändert!!! 😦 Leute, die hier was bewirken wollen, werden schief angeschaut und bekommen Steine in den Weg gelegt und Andere, die unsere Mitgeschöpfe wie Dreck behandeln, haben mit keinerlei Konsequenzen zu rechnen.
    Ich hab das Alles so satt! 😦
    LG Nadine

  2. Ja, Nadine. Satt ist das perfekte Wort. Ein Schritt nach vorne und zehn zurück.
    Aber, was soll es. Dafür sind wir auf dieser Welt, um gegeneinander und für die Tiere zu kämpfen und um die Tropfen zumindest flüssig zu halten.
    Wie gut geht es denen, die nur ihr eigenes „Drama“ im Sinne haben. Kam mir gestern wieder so in den Kopf. Um kurz vor 16.00 tobte auf den Straßen das Chaos, denn alle hatten anscheinend früher Feierabend und jeder wollte der erste sein. Erster am Grill oder erster im Stau. Jeder nietete den anderen um, ohne Rücksicht. Aber auch das ist normal, nur sonst eine Stunde später und nicht soooo wild.
    Ich unternehme Ostern schon lange nicts mehr, denn auf dem Balkon habe ich mehr Platz und Ruhe, als am Strand von Ost – oder Nordsee. Außerdem kann man keine wilden Tiere mitnehmen und Hunger haben die trotz Jesus.

  3. Ja, liebe Sabine, genauso ist es. Mir sind Feiertage wie Weihnachten & Ostern ohnehin egal. Sind für mich Tage, wie alle Anderen auch!
    Desweiteren mag ich keine Menschen, deren Gedanken nur um sich selbst kreisen. Deren Probleme möchte ich nicht haben!
    Umso schöner, dass es auch noch Menschen wie Dich gibt!
    LG Nadine

  4. Elisa hat es leider nicht geschafft.
    Trotz intensiver Fürsorge konnte ihr geschwächter Zustand nicht verbessert werden. Kokzidien machten ihr zusätzlich zu schaffen und obwohl Frau Dolff sie fütterte und mit entsprechenden Medikamenten versorgte, ging Elisa von sich aus.

    Wie für unendlich viele Tiere hätte es im Rinnstein qualvolle Stunden gedauert, aber somit genoss Elisa die Sonne, war nicht alleine und schlief ein.

    Mach es gut Elisa, im Namen all Deiner missachteten Artgenossen!

    Mein herzliches Danke geht an die „Stadtiere Düsseldorf e.V.“, die kompetent, offen und mit ganzem Herzen dabei sind!
    Auf Nachfrage spendete einer meiner Kunden, ein Margarinen – und Rapsölhersteller, einen Eimer voller Rapskörner! Vielen Dank, denn was den dortigen Tauben zum Unheil wird, weil einige Körner auf der Straße liegen und Amokfahrer keine Bremse kennen, bringt anderen das Leben.

  5. Auf Nachfrage spendete einer meiner Kunden, ein Margarinen – und Rapsölhersteller, einen Eimer voller Rapskörner!

    das ist wirklich nett – und wer hat gefragt, Du Sabine?

  6. Interessante Frage, Bettina. 😉
    Nein, ein Kollege, der 30 Jahre lang bei dieser Firma arbeitete und dadurch jeden dort kennt. Ich kenne nur den Pförtner und der könnte mir in dem Moment keinen „Gefallen“ tun. Ist ähnlich wie bei „Wall Street“, Du weißt schon.

  7. hallo liebe sabine,

    ein mitstreiter hat mich auf deinen text aufmerksam gemacht und ich musste mehrfach heftig schlucken beim lesen – vielen dank für so viele gute worte!!!
    der besagte hahn wurde uns mit vier weiteren hühner zu ostern aus dem geschlossenen stall gestohlen – büschelweise ausgerissene und neben dem stall verteilte federn sollten einen fuchs als übeltäter vorgeben. das pferd ist inzwischen wieder in einen pferdestall umgezogen. der völlig unterforderte pauly hat dafür ein paulinchen bekommen, das sich gut einlebt und mit cindy und pauly eine nette kleinstgruppe bildet. die jungvogelsaison hat uns bisher drei kleine dohlen – zwei nestlinge und ein rachitisches dohlenkind-, eine kleine elster die den kopf verdreht und sechs rabenkrähenküken beschert – eine ewig hungrige bande!
    es passieren viele schlimme dinge und manchmal macht es wirklich keinen spass – aber dann laufen einem menschen wie du über den weg, die mut machen und beim weitermachen helfen. ganz vielen dank dafür!!!
    anne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s