am 15. Mai 1942

Wurde im „Dritten Reich“ das Haustierverbot für Juden erlassen.

Die Tiere mussten getötet werden und den „arischen“ Deutschen war es verboten, Tiere aus jüdischen Haushalten zu übernehmen.

Das ist bei der Ungeheuerlichkeit der begangenen Verbrechen im 3. Reich nur eine Randnotiz, eigentlich kaum Wert erwähnt zu werden; doch was das für die betroffenen Menschen bedeutete, kann sich hier wohl jeder vorstellen, jeder der das durch sein Haustier erzeugte Gefühl von Ruhe und Frieden kennt und sich in die bedrückenden Lebensumstände der jüdischen Bevölkerung einfühlt.
Für die Klemperers, besonders für die nichtjüdische Ehefrau Eva, war der Kater Muschel lange Kraftquell die Diskriminierungen zu überstehen, für den sie sich das Essen vom Munde absparten.
Viktor Klemperer schrieb in seinem Tagebuch:

„15. Mai 1942, Freitag gegen Abend. Frau Ida Kreidl, die ich auf dem Einkaufsweg traf, berichtete die neueste Verordnung, gab sie uns dann im jüdischen Gemeindeblatt zu lesen: Sternjuden und jedem, der mit ihnen zusammenwohnt, ist mit sofortiger Wirkung das Halten von Haustieren (Hunden, Katzen, Vögeln) verboten, die Tiere dürfen auch nicht in fremde Pflege gegeben werden. Das ist das Todesurteil für Muschel, den wir über elf Jahre gehabt und an dem Eva sehr hängt. Er soll morgen zum Tierarzt geschafft werden, damit ihm die Angst des Abgeholtwerdens und gemeinsamer Tötung erspart bleibt.“

Ich empfehle: Tagebücher und Briefe – Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten

4 Kommentare zu “am 15. Mai 1942

  1. Dazu bleibt einem jedes Wort im Halse stecken, wie so viele Worte, die diese unfassbare Zeit betreffen.

    Meiner bescheidenen Meinung nach ist das Monster Mensch das größte Übel, was Mutter Erde je passieren konnte.

  2. ja, der Klemperer schrieb auch noch in seinem Tagebuch, dass es angesichts der Leidensgenossen, die ihre Familien verloren haben fast obzön ist um ihr Tier so zu trauern und doch, sie können nicht anders – sie hatten den erhobenen Schwanz des Katers als Flagge interpretiert, die sie durch die schlimmen Zeiten führt – wer mit Katzen lebt, kann das, glaube ich, gut nachvollziehen. Dieses Verbot, die Tiere weiterzugeben, so nimmt man die letzte Hoffnung und verhindert gleichzeitig einen tieferen Einblick Anderer in die Lebenssituation und Solidarisieren mit den Verfolgten über emotionale Tierfreundlichkeit.
    Mir ist das Haustierverbot eingefallen, als ich bei Herrn Teddy einen Beitrag über den NPD-Wahlkampf las, ist ab und an nötig daran zu erinnern.

  3. Das hat sich bis heute nicht geändert, dass Emotionen, gleich welcher Art, verpönt sind.

    Das Verbot des Weitergebens verstehe ich nicht. Wäre – ganz böse überlegt – doch nur von Vorteil gewesen, da umso mehr „Verbündete“ in Verbindung hätten gebracht werden können.

    Im Grunde, auch wenn ich mich nur schütteln kann, ist die Ankündigung des damaligen Verbotes fast als Human zu bezeichnen. Somit „durfte“ sich jeder Betroffene noch schnell überlegen, wie er sein Tier auf seine Art beseitigen wollte.

  4. Ist doch paradox, es wird die Notwendigkeit verspürt, sich für diese Trauer zu entschuldigen, die in all dem größeren Leid unterzugehen droht. Und doch haben diejenigen, die das Verbot erlassen haben, doch genau darauf gezielt, den Menschen noch mehr Schmerz und Leid zuzufügen. Ein Tier ist vielleicht auf den ersten Blick für viele Menschen „nur“ ein Tier, aber auf den zweiten Blick ist es ein Gefährte für seine Menschen, ein Schatz, ein Stück Leben, ein Halt, ein Trost. Auch nicht einmal die Illustion zu haben, dass dieser Gefährte irgendwo weiter leben darf, sondern getötet wird, weil es durch das Zusammenleben mit den Menschen keine Lebensberechtigung mehr hat, was das zusätzlich noch an Qual bereitet haben mag, das kann sich wohl definitiv keiner von uns vorstellen.

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